Hallo again ::)
hier nun Part eins

-1. Was sind Ärger, Wut und Zorn?
Der Mutmensch kennt den Zorn
Der Furchtmensch die Wut und den Ärger
Walther Rathenau
Die erste Frage ist: Sind Ärger Wut und Zorn dasselbe?
Zuweilen stößt man auf die Unterscheidung:
- Ärger kommt aus dem Kopf
- Zorn kommt aus der Brust
- Wut kommt aus dem Bauch
Zwar gibt es solche Unterschiede des Empfindens, aber diese sprachliche Unterscheidung ist doch zu spitzfindig. Ich werde die Begriffe Ärger Zorn und Wut weitgehend gleichbedeutend verwenden. Hass steht für besonders intensive Wut. Als Oberbegriff für den ganzen Bereich kann man Aggression verwenden.
Was sind als Ärger, Wut und Zorn? Auf Anhieb wird man einfach sagen, das sind Gefühle.
Man spricht ja auch vom Gefühl des Ärgers, davon, sich zornig zu fühlen, oder Wutgefühle zu haben. Wut und Co. sind also etwas, was wir fühlen, spüren, empfinden.
Aber das reicht nicht. Die Wut betrifft den ganzen Menschen, Kopf und Bauch, Herz und Hand. Wir wollen hier (vereinfachend) fünf Dimensionen des Wesens Mensch unterscheiden und damit auch fünf Dimensionen des Zorns.
° Gefühl
z. B. Wutgefühl, aber auch Stimmungen und – aggressive – Verstimmungen.
° Wunsch
Man spricht auch von Bedürfnis, Motivation oder aber Trieb, z. B. ein Wunsch nach Streit
° Denken
Dazu zählen Einstellungen, Gedanken, Phantasien, z. B. Rachephantasien
° Verhalten
Das reicht von der Mimik, z. B. grimmiges Gesicht, bis zu zielgerichteten Handlungen, z. B. jemanden anzeigen
° Körper
Betrifft (im Gegensatz zum Verhalten) nicht steuerbare körperliche Prozesse, wie . B. Blutdruckerhöhung durch Ärger
Diese Dimensionen des Menschen sind natürlich nicht voneinander unabhängig, sondern stehen in enger Wechselwirkung. Sie bilden ein Ganzes, ein System.
Da stimmt, jedenfalls normalerweise, alles zusammen. Wenn jemand mir sagt ... Ich bin wütend auf dich..., und mich dabei anlächelt, werde ich verwirrt sein, denn bei einer zornigen Aussage erwarte ich auch ein zorniges Gesicht.
Beginnen wir mit den Dimensionen Gefühl und Wunsch. Wir alle haben Wünsche. Manche sind angeboren wie der Wunsch nach Essen.
Bei solchen elementaren angeborenen Bedürfnissen spricht man häufig auch von biologischen Bedürfnissen oder Trieben. Es sind überwiegend körperliche Bedürfnisse. Davon zu unterscheiden sind seelische Bedürfnisse. Sie können auch angeboren sein, werden aber häufig erst später erworben. Es kommt niemand mit dem Wunsch zur Welt, unbedingt das neueste Modelkleid oder einen Sportwagen zu haben – solche Ziele erwerben wir erst in Laufe unserer Entwicklung.
Wie das Beispiel mit dem Sportwagen schon andeutet:
Nicht alle Wünsche werden wahr, und das bedeutet Unlust bzw. Unlustgefühle für uns.
Gehen dagegen unsere Wunschträume in Erfüllung, bringt uns das Lust, wir erleben Lustgefühle oder erzielen „Lustgewinn“ (wie die Psychologen sagen).
Das ist also das Grundmodell von Lust und Unlust: Wir wollen etwas haben.
Bekommen wir es, fühlen wir uns gut. Bekommen wir es nicht, sind wir unbefriedigt. Und je größer die Differenz zwischen unseren Bedürfnissen und der Wirklichkeit, je mehr das, was wir wollen, von dem, was wir kriegen, abweicht, desto unzufriedener sind wir.
LUST UND UNLUST
Wunsch - Erfüllung – Lust-Gefühl
Wunsch - Nicht-Erfüllung - Unlust-Gefühl
Bisher wurde ganz allgemein von Unlust oder Unzufriedenheit gesprochen. Aber es gibt verschiedene Formen von Unlust, vor allem:
° Ärger (Wut, Zorn)
° Angst (Furcht, Panik)
°psychischer Schmerz (Traurigkeit, Enttäuschung)
Diese drei: Ärger, Angst und Schmerz werden oft als Grundgefühle der psychischen Unlust bezeichnet, genauer Grundgefühle der psychischen Unlust.
Denn wenn man auch nicht eindeutig zwischen psychischer und körperlicher Unlust unterscheiden kann, so ist ein körperlicher Schmerz wie Zahnschmerzen eben doch etwas anderes als der seelische Liebeskummer.
Es wird behauptet, dass sich andere Unlustgefühle wie Eifersucht, Schuldgefühle oder schlechtes Gewissen, Neid, Einsamkeit und Verlassenheit, Scham und Gekränktheit oder Minderwertigkeitsgefühle alle auf die oben genannten drei Urgefühle der Unlust zurückzuführen lassen.
Ob das immer so aufgeht, sei dahingestellt. Aber sicherlich ist der Ärger- der uns hier ja in erster Linie interessiert - auch in Gefühlen von Eifersucht, Krankung, Schuld, Neid u. v. m. enthalten. Wut ist nicht nur Wut pur, sondern viel mehr.
Vielleicht fragen Sie sich jetzt: Wovon hängt es eigentlich ab, mit welchem Unlustgefühl man auf ein nicht befriedigtes Bedürfnis, einen unerfüllten Wunsch reagiert? Ob man mit Zorn, Angst, oder Traurigkeit reagiert.
Dies hängt erstens von dem Persönlichkeitstyp ab, zweitens von der Situation, vor allem jedoch von dem betroffenen Wunsch.
Wir müssen die Zusammenhänge hier etwas vereinfachen, um sie auf den Punkt zu bringen:
-Trauer stellt sich in erster Linie ein, wenn unser Bedürfnis nach Lieben und Geliebt werden nicht erfühlt wird , wenn wir uns einsam und verlassen fühlen.(erfüllt)
-Angst empfindet man überwiegend in Situationen, in denen der Wunsch nach Sicherheit und Geborgenheit unbefriedigt bleibt oder die körperliche Unversehrtheit und das Überleben bedroht sind.
-Ärger ist vor allem an die Frustration zweier (verwandter) Bedürfnisse geknüpft
Bedürfnis nach Freiheit bzw. Selbstbestimmung.
Bedürfnis nach Achtung bzw. Selbstachtung.
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Fortsetzung folgt.