Christia
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ich habe jetzt drei Wochen hier gelesen und war sehr unsicher, ob ich etwas schreiben soll, auch, weil ich Sorge habe, dass es jemand erkennt. Aber ich habe das Gefühl, dass ich euch wohl einige Wochen oder Monate brauchen werde.
Ich sitze hier im Kinderzimmer meines Neffen und versuche mal, meine Gedanken zu sortieren.
Ich bin w, 40 Jahre alt und vor viereinhalb Jahren habe ich meinen Forengrund kennengelernt. Er hatte damals öffentlich einen Streit mit seiner Frau und meine Freundin (hatten alle etwas getrunken) bot dann meine Hilfe an (bin Psychologin, haha).
Jedenfalls fand ich ihn am nächsten Tag via FB und es entstand ein reger Austausch mit einem ersten Treffen nach drei Wochen, wobei ich nicht einmal wusste, ob er eine Paartherapie oder mich kennenlernen wollte.
Es folgten ein paar schwierige Monate, in denen er seine Ehe offiziell beendete, indem er auszog, inoffiziell war sie schon Wochen vorher vorbei und wir zusammen kamen. Vom ersten Tag an war der s. unglaublich, aber auch vieles andere passte. Außer das Alter. Er ist 19 Jahre älter als ich, das hat ihn immer deutlich mehr gestört als mich.
Ein Jahr später zog ich zu ihm und wir hatten wirklich eine tolle Zeit, einen sehr liebevollen Umgang, wundervolle Urlaube, einen prima Alltag, gute Freunde etc.
Letztes Jahr im Sommer entwickelte sich eine sehr unschöne Geschichte in meiner Familie, die mit vielen Belastungen einher ging. Nebenbei absolvierte ich neben dem Beruf noch eine Weiterbildung, somit war er viel alleine unterwegs, obwohl ich auch versucht habe, möglichst oft mitzukommen. Das zog sich so bis Ende April und wir waren beide froh, dass diese stressige Zeit jetzt ein Ende finden sollte.
Anfang des Jahres begann er, sich politisch zu engagieren, er wollte auch etwas für sich tun, sich weiterentwickeln, was ich klasse fand, obwohl ich politisch weiter weg von ihm stehe. Dort lernte er eine Frau kennen, die mir von Anfang an nicht geheuer war. 13 Jahre älter als ich, sieht aber blendend aus wie 35, seit vier Jahren geschieden, hat jede positive Transformation offenbar durchlaufen, aktiv, lebenslustig etc.
Jedenfalls wurde mein Leben nach April leider nicht wie erhofft, entspannter, sondern mein Bruder bekam eine der schlimmsten möglichen Diagnosen. Das hat meiner angeschlagenen Familie den Boden unter den Füßen weggerissen. Ich verbrachte wochenlang damit, nach aktuellen Studien zu forschen, in Foren zu lesen und war tief traurig. Die Situation ist auch bis heute, 5 Operationen später, gleichbleibend schlimm. Zudem erkrankten auch noch beide seiner Eltern so schwer, dass es jetzt sehr absehbar ist, dass er beide bald verlieren wird.
Nun, trotz allem war unsere Beziehung nie wirklich schlecht, immer liebevoll und zugewandt, allerdings hat er sich wohl nicht mehr gesehen gefühlt, wie er sagt.
Tja, es kam, wie es kommen musste, vor vier Wochen besuchte er seine hochbetagten Eltern (die mit mir nie glücklich waren) und schickte mir eine lange Sprachnachricht, dass er unzufrieden mit seinem Leben sei, unglücklich wegen vieler Dinge und jetzt eben auch noch sie in sein Leben gekommen sei. Er hätte bis dato nichts mit ihr gehabt körperlich, aber sie haben sich öfter zum Kaffee getroffen und er fühle sich sehr wohl bei ihr. Auch passe sie besser zu ihm.
Als er nach Hause kam, haben wir lange darüber gesprochen, ich hatte Verständnis und habe ihm mitgeteilt, dass ich bereit bin, an uns zu arbeiten, wenn er es auch sei. Das Gespräch war sehr emotional, aber positiv und in der Nacht konnte er kaum die Finger von mir lassen, gekuschelt und gegen morgen auch Sex. Trotzdem hat er sich an dem Tag mit ihr getroffen und danach war alles anders. Er war sehr distanziert und schrieb mir Freitag morgen, dass er keine Basis mehr für uns sehr.
Ich bin dann an dem Tag noch zu meinem Bruder gezogen und habe meine persönlichen Sachen bei ihm nach und nach geholt. Die Möbel lässt er mir nächste Woche über Mitarbeiter bringen. Beim packen haben wir uns meistens gesehen, dreimal glaube ich, und immer haben wir sehr ruhig und vernünftig miteinander gesprochen und danach beide geweint.
So sind jetzt vier Wochen vergangen, ich bin teilweise noch sehr traurig, nehme mein Leben aber in die Hand. Morgen ziehe ich von meinem Bruder in meine eigene Wohnung und war Freitag das erste Mal mit neuen Menschen aus. Da habe ich auch jemanden kennengelernt, der mich Freitag zum Essen einlädt, obwohl er weiß, dass ich noch nicht wirklich bereit bin für etwas neues, aber er ist nett.
Sie war seitdem mehrfach bei ihm und die beiden waren auch schon gemeinsam auf einem Geburtstag, 14 Tage nach meinem Auszug. Das war wohl nicht ganz so entspannt, da die meisten Gäste nichts von dem Wechsel wussten und natürlich sehr erstaunt, teilweise auch erschrocken waren.
Wenn wir uns sehen wirkt er traurig und nachdenklich auf mich, aber vielleicht ist es nur das Mitleid. Keine Ahnung. Mit ihr ist er ein ganz neuer Mensch, feiern ist nicht mehr so wichtig, viel in die Natur und Sport. Das musste ich oft alleine machen und das wurmt mich natürlich sehr.
Ich habe das Gefühl, ich lebe mein Leben wie ein Schauspieler in einem Film über gute Trennungsverarbeitung, innerlich will ich einfach nur zurück.
Gleich noch ein Punkt zu unserem s.