Zitat von MMHW71: Das ganze ist jetzt 10 Jahre her. Inzwischen ist der Alltag zurück, der Status Quo wieder hergestellt. Nur dass ich inzwischen gelernt habe, die Dinge realistisch zu sehen. Die 60 ist nicht mehr weit weg. Mir wird kein Traumprinz mehr begegnen und wahrscheinlich auch kein AM. Zu Hause ist es warm und kuschelig und mein Mann braucht mich inzwischen auch aus gesundheitlichen Gründen mehr denn je. Wir haben fast unser gesamtes Erwachsenenleben miteinander verbracht. Wir haben unsere Kinder groß gezogen und können stolz sein, auf das was aus ihnen geworden ist. Wir haben Höhen und Tiefen erlebt, uns gestritten, uns versöhnt, aneinander gezweifelt und uns wieder gefunden. Er ist trotz allem das Beste, was mir im Leben passieren konnte.
Ja, wir sind einander die bequemste Lösung. Aber verdammt nochmal, nach all dem, was wir durch haben, haben wir ein bisschen Bequemlichkeit verdient. Die Jagd nach dem großen Glück hat sich nicht gelohnt. Sie hat uns ausgelaugt und krank gemacht. Und jetzt ist sie Gott sei Dank endgültig vorbei. Vielleicht geht es ja im Leben auch gar nicht um das große Glück. Vielleicht geht es ja um viel banalere Dinge, wie Zufriedenheit, Sicherheit und Frieden mit sich selbst und anderen. Ich werde es nicht mehr heraus finden. Der TE und euch wünsche ich bei der Suche viel Glück. Ihr werdet es brauchen.
Du sprichst mir aus der Seele. Ja, eine Ehe ist auch bequem und dafür ist sie doch auch da. Deswegen wird sie doch eingegangen, um einen Hafen, ein emotionales Sicherheitsnetz aufzubauen.
Dann kommst die erste Krise, die Gefühle die man hatte, sind auf einmal entschwunden und dann kommt die Trennung, meist initiiert von einer Nummer drei im System.
Wenn man in der Ehe bleibt und sagt, jetzt schaue ich mal, wie ich mich auf längere Sicht damit fühle, was ist daran so falsch? Trennen kann ich mich immer noch, aber dann, wenn ich tief in mir drin weiß, dass es der richtige Weg für mich ist. Meiner Ansicht nach werden heutzutage Ehen viel zu schnell aufgekündigt, dann muss eine neue Beziehung her, aber Hauptsache getrennt und geschieden.
Warum keine Ehe 2.0.? Weil es sich anfühlt wie kalter Kaffee den man zu Lasten des Geschmacks aufwärmt der Bequemlichkeit halber?
Eine Ehe 2.0 ist kein Honeymoon, das ist nicht zu erwarten. Es ist ja auch Arbeit beider an der gemeinsamen Sache.
Ich bin jedenfalls sehr froh darüber, wie es gekommen ist.
Und das letzte was ich jetzt bräuchte, wäre ein AM. Es interessiert mich einfach nicht mehr, das heimliche Affärengetue, diese Gefühlssensationen brauche ich nicht mehr. Aber mir gefällt die Beständigkeit und die Gewissheit, dass wir beide zusammenhalten und zusammen stehen.
Nicht immer sind Meinungen gleich, ist auch nicht zu erwarten und natürlich hat jeder seine schlechten
Eigenschaften, aber es funktioniert einfach und tut gut und das ist ein großer Wert. Sich wohl zu fühlen mit dem Status quo.
Und jede Ehe verlangt auch Toleranz. Ohne die geht es nicht, denn ein anderer Mensch kann nicht alle Bedürfnisse erfüllen die man hat und über manche Dinge muss man halt hinwegsehen. Aber man kann sich im Leben ja auch ein Umfeld schaffen, in dem man Bedürfnisse, die in der Ehe nicht erfüllt werden, doch erfüllen kann. Es ist nicht gut, sich immer nur auf die Beziehung zu versteifen und zu erwarten, dass hier alles bereit ist.
Ich denke, dass MHW71 das alles recht gut macht. Sie kennt ihren Mann, sie weiß wie sie mit ihm umgehen kann und sie gesteht sich ihr Tempo zu.
Das Affärenende ist noch nicht so lange vorbei. Es tut noch weh, auch wenn der ärgste Herzschmerz schon geschafft ist. Sie muss sich emotional vollständig daraus lösen und parallel noch daran arbeiten, dass die Ehe auf ein neues Fundament gestellt werden kann.
Das ist sehr viel auf einmal und die lästigen Emotionen kommen immer wieder dazwischen und nerven. Aber das muss halt durchlebt werden, weil es seine Zeit dauert, bis man sich vollständig entliebt hat.
Liebe TE, nimm Dir Zeit, Du kannst nicht alles auf einmal bewältigen. Ein Schritt, dann wieder einer, dann rutscht man wieder einen zurück aber in der Summe geht es vorwärts.