Zitat von MMHW71: Ja ich gebe zu, ich hätte Angst, dass es mir dann noch viel schlechter geht als jetzt. Möglich, dass es anders ist aber meine Erfahrungen in meinem weiten Bekannten- und Arbeitskreis bestätigen, die These, dass es eben in Beziehungen immer Luft nach oben gibt und dass Single sehr oft und sehr gekränkt über fehlgeschlagene Bindungsversuche sind.
Ach MMHW71, das spiegelt genau meine Gedankengänge, als ich mich entschloss in der Ehe zu bleiben. Ich hatte Angst vor dem Alleinsein. Der AM fiel ja als möglicher Partner aus und mein Mann erschien mir lange Zeit besser als nichts. Aber zufrieden war ich damit nicht. Zu schön war der Traum von einem Neuanfang mit einem anderen Mann, den ich so begehrte, wie noch nie zuvor irgend einen anderen. Leider war das aber einseitig und ich war für ihn eben nur eine Möglichkeit mal Druck abzulassen. Der Schmerz und die Verletzung über diese Erkenntnis tat sauweh. Ich fühlte mich so benutzt und verarscht wie noch nie zuvor und ich ärgerte mich über mich selbst, dass ich das zugelassen hatte. Ich war so sehr damit beschäftigt, meine Wunden zu pflegen, dass ich nicht mehr in der Lage war, mich in meinen Mann hinein zu versetzen.
Mit der Zeit aber heilten meine Wunden. Ja, ich war dumm und naiv gewesen aber ich fing an, mir selbst zu verzeihen. Und ich erkannte, dass ich trotz allem immer noch Kraft hatte. Kraft genug auch alleine meinen Weg weiter zu gehen, wenn es sein musste. Und das gab mir den Mut, meinem Mann einmal alles vor den Latz zu knallen, was mir gegen den Strich ging. Hopp oder Topp. Das tat ich dann im Rahmen meiner Therapie mit meiner Therapeutin als Stütze an meiner Seite. Und siehe da, mein Mann verstand endlich, was ich ihm sagte. Ich weiß nicht, ob es die Therapie-Situation war, die ihn dazu brachte, mir einfach mal zuzuhören. Also wirklich zuzuhören. Ist aber auch egal, er verstand endlich, was ich von ihm wollte. Was ich so dringend brauchte.
Und ich verstand, dass mein Mann gut war, wie er ist, dass er sich nicht ändern kann und nicht ändern wird, dass es aber durchaus Potential gab, ihn wieder zu lieben. Na, ja fangen wir klein an. Es gab Potential, ihn wieder zu mögen. Meine Leidenschaft für den AM hatte nämlich die Zuneigung für meinen Mann so restlos ausgelöscht, dass ich zeitweise noch nicht einmal mehr seinen Geruch ertrug. Ich pickte mir also heraus, was ich an ihm überhaupt noch schätzen und mögen konnte und konzentrierte mich darauf. Das war der Anfang. Und mit der Zeit fand ich immer mehr wieder, was mir an ihm gefiel. Das alles brauchte Zeit und Geduld und vor allem den Willen, es zu schaffen. Aber es war auch sehr hilfreich, mir immer den Ausweg vor Augen zu halten. Ich hätte es auch alleine schaffen können und vielleicht hätte mir das Singel-Dasein sogar gefallen. Aber ich entschied mich eben anders. Ob nun aus Angst oder oder aus Feigheit ist letztlich egal. Es war so oder so meine Entscheidung, zu der ich lernte, wieder zu stehen.
So kam eins zum anderen und heute führen wir wieder eine gute Ehe. Es ist nicht die Art von Beziehung, von der ich als junge Frau geträumt oder die ich mir mit dem AM erhofft hätte. Aber es ist eine gute Beziehung. Ich liebe meinen Mann. Doch diese Liebe ist eine ganz andere, als jüngere Menschen sie sich vorstellen. Es ist eine tiefe, erwachsene und realistische Liebe. Eine Liebe die weiß und anerkennt, dass der andere eine eigenständige Person mit sehr vielen guten Seiten aber eben auch mit Fehlern ist. Es ist kein immerwährender Rosengarten, eine Ehe über 25 Jahre und mehr zu führen. Aber mal ehrlich, wer will das schon?
Wirklich interessant wird eine Ehe erst nach einer solchen Krise. Weil erst dann ist sie erwachsen. Wobei ich niemandem wünsche, die Folgen einer Affäre aufarbeiten zu müssen. Das ist wirklich harte Arbeit, die man sich damit eingebrockt hat. Eine riesige Jauchegrube, die man mit einem Teelöffel ausbaggern muss. Aber für uns hat es sich gelohnt.
Ob du diesen Weg gehen willst oder nicht, liegt an dir liebe MMHW71. Du hast die Wahl. Und egal, was dich in deiner Entscheidung leitet und seien es noch so niedere Beweggründe, wenn deine Entscheidung steht, dann ist es DEINE Entscheidung! Steh dazu! Auch vor dir selbst!
Alles Gute!