Diandra
Gast
einige kennen mich, ich bin hier mittlerweile schon wirklich lange unterwegs.
Ich kam hierher als mir etwas passierte was ich für unvorstellbar hielt. Ich bin verheiratet aber verliebte mich in jemand anderen. Ich suchte hier im Forum nach Lösungen und ich fand sehr viele Anregungen. Ich beendete die Beziehung nicht, ich wartete und versuchte alles mögliche den anderen Mann aus meinem Kopf zu bekommen. Aber es verging nicht. Ich trug das Jahre mit mir herum. Als ich immer öfter wirklich darüber nachdachte so nicht mehr leben zu können, erzählte ich meinem Mann davon. Jeder Versuch vorher alleine etwas an unserer Beziehung zu ändern war für mich gescheitert.
Wir sind 20 Jahre zusammen und haben ein Kind im Grundschulalter. Ich kann ungelogen sagen 14 Jahre davon absolut glücklich gewesen zu sein und ich hoffe er auch. Kein Blick links oder rechts, kein Bedürfnis nach jemand anderem.
Aber wir änderten unser Leben wie man das so macht. Familie, Haus, Kind. Und das brach uns das Genick. Die Erwartungen an uns stimmten nicht mehr, ich überging ihn, er verbog sich. Bis heute würde er behaupten es ist so ok für ihn. Aber er hörte auf mir nette Dinge zu sagen. Ich erinnere mich, dass er mir jeden Tag sagte wie schön ich für ihn aussehe oder etwas ähnliches. Und ich denke als das fehlte verliebte ich mich anderweitig.
Ja, ich habe natürlich Anteil an der Veränderung unserer Beziehung, das weiß ich. Ich hatte die Erwartung, dass er das auch möchte mit Eigentum und Familie. Das er da ebenso hineinwachsen würde, so wie ich. Aber ich denke er gehört zu jener Art von Männern die auch fein damit sind keine Familie zu haben. Was nicht heißt, dass er uns nicht liebt. Aber mich eben nur noch freundschaftlich.
Er hörte also auf mit mir zu schlafen, machte keine Komplimente mehr, war nur noch gestresst und schob die Arbeit vor. Wie man das so macht wenn man sich nicht mehr wohlfühlt. Lange ging ich nicht auf seine Bedürfnisse ein, aber irgendwann verstand auch ich es: ich musste etwas ändern damit er wieder glücklicher sein konnte. Wenn ich ihm schon dieses Leben abforderte, dann auch etwas mehr zu seinen Konditionen. Er wurde entspannter, lächelte wieder. Aber es wurde nicht mehr wie vorher. Wie auch, wir haben jetzt viel mehr Verantwortung und natürlich weniger Freiräume.
Aber ich blieb. Zu lange hatte er mir gesagt ich hätte das ja selbst herauf beschworen. Und er erzählt mir nun seit Jahren, dass er ja immer so müde wäre und so gestresst. Und ich fühlte mich schuldig. Eine moderne Familie, zerissen zwischen Kind und Beruf.
Seit einiger Zeit ändert sich das aber. Ich bin nicht nur schuldig. Ich finde ich habe genug gebüßt. Ich habe es verdient, dass man mich gut behandelt. Und da ist der Knackpunkt. Das tut er. Wie ein Freund. Er ist da wenn man ihn braucht. Aber emotional ist es als wäre ich beliebig. Was er verneinen würde. Aber er blockiert. Das einzige was er immer wieder einfordert sind Küsse zum Abschied oder Willkommen und manchmal Umarmungen. Aber ich mag das so gar nicht mehr. Das ist als würde ich auf einen Riss Farbe drauf schmieren. Ich verweigere das auch mittlerweile oft und ich begründe das.
Das alles sieht er aber nicht als Anlass etwas zu ändern, z.B. tiefgründiger mit mir zu sprechen, eine Paartherapie zu machen oder uns wirklich mehr Zeit einzuräumen und nicht immer die Arbeit vorzuschieben.
Ich kann das also mittlerweile alles sehr deutlich sehen. Aber gehen kann ich nicht. Und ich frage mich warum? Ich glaube ich kann nicht sehen was alleine besser sein soll bzw. was für unser Kind daran besser sein sollte. Wir verstehen uns soweit gut, wir streiten selten. Dann das ganze wirtschaftliche. Ja, ich kann auf eigenen Beinen stehen. Ich brauche ihn dafür nicht. Aber was ist es dann? Die Hoffnung? Das Versprechen das ich gab? Mein Ansehen? Niemand der verstehen könnte warum ich so einen netten Mann verlasse? Denn das ist er wirklich, ein sehr lieber netter Mensch. Das ich meine alte Vorstellung von ihm aufgeben müsste und ihn wirklich vom Podest schubse? Oder fürchte ich nur diesen kack Liebeskummer oder es zu bereuen? Er ist jemand bei dem ich nicht das Gefühl hatte irgendwie anders sein zu müssen um geliebt zu werden. Aber irgendwie habe ich das Gefühl, dass auch ich einfach Gewohnheit für ihn bin. Oder brauche ich gefühlt seine Zustimmung, dass wir das beenden? Oder warte ich tatsächlich auf einen Retter wie das hier immer so genannt wird?
Warum gehe ich nicht? Wer kennt das? Wovor hattet ihr Angst und waren eure Ängste begründet?
