Antje
Zitat: Ich kann Dir aber auch sagen, dass es erst genau diese Gefühle waren : "Hass auf das, was er tut und der Wunsch nach Rache, weil er es tut", die mich dann weiter gebracht haben.
Ich bin nicht mehr die Gefangene....ich habe mich befreit !
Hallo Antje,
verstehe mich nicht falsch. Wut gehört zum Leben dazu, auch ich hatte oft große Wut auf meinen Narzissten, Hass alllerdings nie. Ich wollte nicht an euch appellieren, Heilige zu werden

Vielleicht ist es sogar so, dass wir Partner von Narzissten uns viel zu wenig abgrenzen, unsere berechtigte Wut in Verständnis ersticken aber womöglich entsteht der Hass weil wir unsere Wut zu lange unterdrückten, weil wir unser Glück in die Hände von jemanden legte, der es zerstört.
Ich denke, je eher man sich abgrenzt, sich also für sein eigenes Glück einsetzt, desto geringer ist der Hass.
Und auf die Gefahr hin, hier auf Widerstand zu stoßen, wenn noch lange nach der trennung nichts als Hass auf den Narzissten übrig bleibt, dann stimmt etwas nicht. Nein, ihr sollt ja nicht wie Heilige Zuneigung fühlen, ja, man muss sich vor Narzissten schützen, aber wenn Jahre nach der Trennung nichts als Hass zurück bleibt, dann ist etwas schief gelaufen, was in erster Linie euch selbst behindert.
Außerdem habe ich für mich selbst eine wesentliche Erfahrung gemacht, die nur für mich gilt, die aber vielleicht auch den einen oder anderen etwas sagt. Ja, mein Narziss hat sehr destruktive Seiten in sich, er hat mir großes Unrecht getan, aber worunter ja viele Angehörige von Narzissten leiden, ist dass sie die einerseits schönen Momente mit dem Narzissten nicht mit den negativen in Einklang bringen können. Auch ich befand mich in einem endlos Gedankenkarussell, dachte, wie konnte er in jenem Moment sooo liebevoll sein und mich dann wieder so hintergehen etc. Und heute denke ich, es gilt, anzuerkennen, dass beides nebeneinander bestand. Liebe und Hass. Beides ist wahr. Durchaus war nicht alles von ihm gespielt, er hatte Gefühle auch wenn er nicht wirklich lieben kann, durchaus tat er mir auch Gutes, unterstützte mich sonst wäre ich nicht so lange bei ihm geblieben. Lange Zeit versuchte ich mir dadurch zu helfen, dass ich mir sagte, alles Gute war nur Spiel, Manipulation und das Negative seine eigentliche Antriebskraft. So hatte ich ein klares Konzept, konnte loslassen denn Loslassen ist viel leichter wenn wir überzeugt sind, dass der ehemals geliebte Mensch durch und durch schlecht ist. Meines Erachtens ist das aber nur eine behilfsmäßige Prothese um abschließen zu können. Heute sehe ich es so, dass er eben auch gute Seiten in sich trägt, dass manche Gefühle durchaus echt waren. Ich kann beides nebeneinander stehen lassen, muss ihn nicht verteufeln obwohl ich dennoch genau weiß, dass eine Beziehung zu einem Narzissten unmöglich und immer zerstörerisch ist aber wenn man sich unabhängig gemacht hat vom Narzissten dann kann er einen nicht mehr zerstören.
Ich wollte euch lediglich mitteilen, dass es sehr schmerzhaft ist, einen Menschen zu sehen, der gescheitert ist. Es mag kitschig anmuten aber mir drängte sich ein Bild auf: ein erbitterter Kampf zwischen zwei Männern (ihr kennt das aus Filmen, aus der Literatur). Irgendwann unterliegt einer von beiden, er liegt am Boden und der andere hat nun alles in der Hand, er kann über Leben und Tod entscheiden. In diesem Moment lässt der Stärkere meist vom anderen ab. Warum? Was denkt ihr?
Frohe Ostern euch allen.