Zitat von Zugaste:Sich reiben können ist wichtig, finde ich auch.
Das dient ja auch dem gegenseitigen Verständnis. ...Wenn man sich wieder abgeregt hat.
Zitat:Allerdings will streiten auch gelernt sein.
Übung macht den Meister. Tatsächlich kommt es da auch stark drauf an, wieviel Möglichkeiten man hatte, sich anständig zu zoffen. Ich hatte 2 große Brüder und bin somit klar im Vorteil.
Dann ist es stark davon abhängig, ob man zu den Menschen gehört, die Wert darauf legen gemocht oder aber lieber respektiert zu werden. Menschen, die gemocht werden wollen, sind zwar eher bereit zu vergeben, dafür ist es schwer, sie überhaupt zu einem Streit bewegen zu können. Wer gemocht werden will, gibt kein Kontra, der pflichtet bei.
Menschen, die ihren Fokus auf Respekt legen, können sehr schlecht nachgeben, sind aber verbissene Fighter, was den Disput angeht. Sie neigen auch dazu, für andere in die Bresche zu springen. Darüber generieren sie Sympathie.
Unabhängig vom Charakter ist es noch eine Frage der Erziehung. Wenn man nur Liebe und Zuneigung bekommen hat, sobald man brav und anschmiegsam war, traut man sich ja nicht einmal zu streiten. Dagegen sind diejenigen, die eine strenge Erziehung hatten, aber gelernt haben, dass sie Ernst genommen werden, sobald sie das Schwert aufnehmen, zwar durchaus nicht gerade auf Kuschelkurs, neigen dafür aber eher zum Querulantentum. Als Rentner sind sie für gewöhnlich nicht zu ertragen.
Zitat:dass ich gerade mal tief Luft geholt habe und der Andere schon klein bei gibt.
Oh, das kann ich hassen! da frage ich mich wirklich, wofür ich mir die Mühe gemacht habe, mir Argumente zurecht zu legen. Außerdem macht mich das immer misstrauisch. Niemand kann immer zu 100 Prozent mit mir einer Meinung sein. Wenn er es doch ist, veräppelt er mich und plant vermutlich hinterrücks einen Putsch!
Zitat von Zugaste:Und immer bin ich da auch nicht gut drin. Dann gehe ich auch mal gerne in mein Schneckenhaus und bin beleidigte Leberwurst.
Naaajaaa, das heißt nicht, dass Du schlecht streiten kannst, sondern nur dass die Aufgabe schwer fällt.
Mich muss man erst einmal schmollen lassen, weil ich dann wieder runter kommen muss. Es ist völlig egal, wer den Streit gewonnen oder verloren hat, ich habe noch das Adrenalin im Blut bis Oberkante Unterlippe. Ganz davon abgesehen muss ich das erst einmal geistig verarbeiten. Es ist also ratsam, mich eine Runde um den B lock joggen zu lassen oder aber mir ne Stunde mit dem Computer, einem Headset und einem PC-Spiel zu geben. Mir geht es für gewöhnlich wieder viel besser, wenn ich die Horde verkloppt habe auf dem Schlachtfeld und ich weiß, dass da nun irgendein Zocker auf der Welt echt miese Laune hat.
Dieser Cool down ist auch wichtig, weil ich nix dagegen hab, wenn man die Versöhnung später ins Schlafzimmer verlegt. Allerdings muss man den Cool Down abwarten, sonst braucht man einen wattierten Kampfanzug, wenn man auf Tuchfühlung gehen möchte. ...Gut, für gewöhnlich braucht man den auch, wenn ich mich willig zeige. ...Das Adrenalin, ich kann da gar nix für!
Dafür macht mir meine ehemalige Schulkollegin wirklich Sorgen. Anscheinend ist sie nicht in der Lage, ohne Beziehung zu leben. Sie ist relativ lebensuntüchtig. Sehr behütet aufgewachsen, extrem verzärtelt worden und vom Elternhaus direkt mit einem Mann zusammen gezogen, der dann die Papi- und Beschützerrolle übernommen hat. Sie ist nun 43 und hat nie gelernt, selbstständig zu leben, sich selbst zu verteidigen, eigene Probleme zu lösen. Und das autark.
Vor 2 Jahren hat der Mann sie verlassen, sie musste eine Vollzeitstelle antreten und war mit der Erziehung der Tochter schon überfordert. ...Die ihre Mutter auf den Tod nicht ernst nehmen kann, da sie im Gegensatz zur stolzen Frucht ihres Leibes, eben keine Kämpfernatur ist. Darüber hinaus pubertiert die Ullige gerade heftigst und beißt gerne mal Kehlen durch. Ganz der Papa, die Kleine, ganz der Papa. ...Ich mag sie.
Nun sucht diese Freundin händeringend einen Mann, der aber darüber hinaus ihr Seelenverwandter ist und trotzdem die Fähigkeit besitzt, Probleme zu lösen und sie vor dem Übel der Welt zu beschützen. Sie liest auch nur noch diese Beziehungsratgeber und Bücher, die sich mit Seelenverwandtschaft befassen. Ich glaube, ihr tut auch die Küchenpsychologie aus den Frauenzeitschriften nicht gut. Sie ist die einzige von uns, die sowas liest, die andere Freundin liest nur Tierzeitschriften, ich vorwiegend Computermagazine.
Und man kann davon halten, was man will: ich hatte es ja mal geschafft, so weit runter zu kommen, dass ich ein halbes Jahr auf dem Campingplatz gehaust habe, aber das hat mir nicht geschadet, was die Überlebensfähigkeit angeht. Und trotzdem ist was aus mir geworden.
Und man lernt wichtige Dinge, über Kraftmanagement, Haushaltführung (nein, ich schmeiße immer noch liebend gern Geld zum Fenster raus), Zähigkeit und eine Menge Beamtendeutsch!
Wirklich, ich lebe nicht schlecht, sogar eher gut, bis zu sehr gut. Trotzdem hat diese Freundin immernoch Mitleid mit mir, weil mir so schlimmes widerfahren ist und kein Mann da war, der mich gerettet hat. ...Ja wie denn? Ich hab in der Zeit alle Männer zerbissen. Mir kamen Beziehungen schrecklich anstrengend vor. ...Das wäre das letzte gewesen, was ich in der Zeit hätte brauchen können.
Aber sie hat Mitleid mit mir. ...Ich habe es aufgegeben, beleidigt zu sein. Stattdessen durfte ich schon 2 Mal ihre Stromrechnung zahlen...
Was die psychische Unterstützung angeht, überlass ich das lieber Freundin A. die hat zwar deutlich mehr Verständnis und Achtung für mich, kann sich aber auch besser in diese Frau einfühlen. Ich muss echt sagen, so lieb, wie ich die habe, mir fällt es einfach schwer Respekt und Verständnis aufzubringen. Ich glaube, ich leiste lieber finanzielle Nothilfe. Da kann ich weniger Schaden anrichten.