Zitat von Error:Als eine der ersten Amtshandlungen hat Boris Rhein, Ministerpräsident Hessen, das Gendern in den Amtsstuben abgeschafft

Als ob es keine ...
Hi @Error
Ich finde, der Beitrag vermischt hier mehrere Themen, die man eigentlich getrennt betrachten sollte.
Die Entscheidung in Hessen betrifft in erster Linie den Sprachgebrauch in Behörden, also eine verwaltungsinterne Regelung. Daraus gleich eine grundsätzliche kulturelle Entwicklung oder gar einen „Hass auf unsere Kultur“ abzuleiten, halte ich für deutlich überzogen. (Quelle:
https://frankfurt.t-online.de/region/fr...stoff.html)
Auch das Argument „Frauen, die ich kenne, haben kein Problem damit“ ist wenig aussagekräftig. Gesellschaftliche Fragen lassen sich nicht aus dem eigenen Umfeld ableiten, es gibt ebenso viele Frauen, die gendergerechte Sprache befürworten, weil sie sich dadurch sichtbarer fühlen.
Der Vergleich mit Begriffen wie „der Ramadan“ oder „der Muezzin“ geht zudem am Thema vorbei. Beim Gendern geht es um Personenbezeichnungen im Deutschen, nicht um religiöse Begriffe oder willkürliche Sprachveränderungen. Solche Beispiele wirken eher wie eine Zuspitzung, nicht wie ein ernsthaftes Argument.
Auch die Behauptung, Weihnachtsmärkte würden flächendeckend umbenannt, entspricht so nicht der Realität. Einzelne andere Bezeichnungen gibt es, meist aus Marketinggründen, aber von einer Abschaffung traditioneller Begriffe kann keine Rede sein.
Ich habe eher den Eindruck, dass hier aus einzelnen Entwicklungen ein größeres Bedrohungsszenario konstruiert wird. Sprache verändert sich jedoch schon immer und die Frage ist weniger, ob das geschieht, sondern wie bewusst und reflektiert wir damit umgehen.
Im Zusammenhang des Themas Sprache finde ich auch die Perspektive aus dem Buch „Sprache und Sein“ von Frau Kübra Gümüşay interessant, das zeigt, wie stark Sprache Wahrnehmung prägt und warum solche Debatten überhaupt geführt werden. Man muss nicht jede Form des Genderns gut finden, aber es lohnt sich, die dahinterliegenden Überlegungen ernsthaft zu betrachten, statt sie ins Lächerliche zu ziehen.