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Was denkst du gerade?

Herbstmonat
Lieber @Tempest,

ich habe gerade nach den von Dir erwähnten "Sterbeverlängerungseinrichtungen" in meiner Nähe gesucht, keine gefunden. Ich hätte mich entsprechend Deiner Anregung ja mal hinbegeben.

Google sagt dazu:

Meintest Du: Steuerverlängerung Einrichtung?

Gibt es die offiziell, diese "Sterbeverlängerungseinrichtungen"?, und wer betreibt die? Kannst Du mir Tipps geben, kennst Du Dich da aus?

Oder ist das wieder so ein Geheimdings, das nicht jeder finden darf? Wie diese Wortpolizei, von der ich an anderer Stelle mal las?

x 1 #22186


S
Zitat von Herbstmonat:
Sterbeverlängerungseinrichtungen"

Aus meinen Erfahrungen heraus sind das die Krankenhäuser. Ohne Patientenverfügung wird dort alles unternommen, damit man nicht stirbt. Auch wenn das Leben keine Lebensqualität mehr hat. So meine Erfahrung.

x 1 #22187


A


Was denkst du gerade?

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T
Zitat von Sincerite:
Und jetzt bekomme ich bestimmt einen Shitstorm

Das ist nur der Klimawandel, keine Sorge 😇
Ich kenne auch noch die kleinen Mülleimer vor der Tür. Die haben damals gereicht. Und Fisch gab es eher selten. Dennoch esse ich ihn gerne, bis heute.
Wie es auf den Fangschiffen zugeht, weiß wohl mittlerweile jeder. Es geht nur noch um Filets und Tierfutter.
Die Kreatur selbst ist vollkommen in den Hintergrund geraten.

x 2 #22188


T
Zitat von Herbstmonat:
Lieber @Tempest, ich habe gerade nach den von Dir erwähnten "Sterbeverlängerungseinrichtungen" in meiner Nähe gesucht, keine gefunden. Ich hätte mich entsprechend Deiner Anregung ja mal hinbegeben. Google sagt dazu: Meintest Du: Steuerverlängerung Einrichtung? Gibt es die offiziell, diese ...

Dafür bist du wohl noch zu jung 😉
Du wirst sie nicht finden, sie werden dich irgendwann finden 😉

x 2 #22189


Herbstmonat
Liebe @Sincerite
Zitat von Sincerite:
Aus meinen Erfahrungen heraus sind das die Krankenhäuser


Verrätst Du uns, welche Erfahrungen das waren? Wegen derer Du Krankenhäuser für "Sterbeverlängerungseinrichtungen" hältst? Bitte?

x 1 #22190


S
Hallo @Herbstmonat

Ich habe meine Mutter begleitet. Sie war nur noch ein Häufchen Elend und psychisch konnte sie es auch nicht mehr allein in diesem Krankenhaus aushalten (Koronazeit). Ich habe als Bevollmächtigte gesagt, dass sie entlassen werden soll. Aber der Arzt sagte, so einfach ginge das nicht, und hat noch eine unangenehme Untersuchung angeordnet. Dann haben mein Bruder und ich schriftlich die Verantwortung übernommen und entschieden, dass sie entlassen werden soll. Dann musste sie noch einen ganzen Tag warten, weil sie unbedingt noch ihre Lunge röntgen wollten. Ein anderes Mal konnte ich als Bevollmächtigte verhindern, dass sie einen Zugang für künstliche Ernährung bekommt. Den kann man auch vor Gericht nicht mehr so leicht widerrufen, wenn er mal gesetzt wurde. Sie hat sich erholt und hat wieder gegessen. Und zuletzt, da konnte ich nicht mehr, wurde sie künstlich mit Druck beatmet und ich hatte zugestimmt, weil ich Angst hatte etwas falsch zu machen. In ihrer Patientenverfügung stand aber, dass sie nur lebensverlängernde Eingriffe möchte, wenn das Leben danach lebenswert ist. Trotzdem haben sie mich gefragt. Im nach hinein hätten sie das nicht tun sollen. Es war eine Qual für sie. und es hat nicht geholfen. Sie hatte zu viel Kohlendioxid, schon vorher, der Körper hatte sich daran gewöhnt. Durch die künstliche Sauerstoffzufuhr hat sich der Körper wieder daran gewöhnt. Durch die Entlassung hatte sie das nicht mehr und ist im Schlaf gestorben. Das war gut. Ich glaube aber, wenn man sie in Ruhe gelassen hätte, hätte sie sich noch einmal erholt. Die Ursache für ihr Einschlafen vor dem Krankenhaus war das zu hohe Körperwasser auch in der Lunge. Das war ja weg. Egal. Es lagen dort alte Patienten, die schon Monate an der künstlichen Beatmung waren. Was macht das für einen Sinn, wenn man nur noch lebt, weil Sauerstoff in einen reingepumpt wird.

Das alles hat juristische Gründe. Wenn nicht alles getan wird, sind die Ärzte juristisch angreifbar. Auch die Patientenverfügung soll nur eine Grauzone sein.

x 3 #22191


T
Zitat von Sincerite:
Ich habe meine Mutter begleitet. Sie war nur noch ein Häufchen Elend und psychisch konnte sie es auch nicht mehr allein in diesem Krankenhaus aushalten


Mir geht es mit meiner genauso. Sie sitzt aber im Pflegeheim, aller Freiheiten beraubt. Sowas mit anzusehen ist schlimm.
Ich habe auch die Betreuung, aber man kommtauch dadurch gegen gewisse Dinge nicht an. So möchte ich jedenfalls nicht enden (verenden @Fenjal)
Das hat immer einen faden Beigeschmack.

x 2 #22192


S
@Tempest
Das verstehe ich. Mein Mutter habe ich 15 Jahre im Pflegeheim begleitet. Je mehr ich mitbekommen habe, um so mehr Pflege habe ich übernommen, bin mit ihr gelaufen, damit sie am Laufen bleibt, mit ihr durchs Bergische gefahren, damit sie mal rauskommt usw. Ich habe das neben meiner Arbeit gemacht, die ich dafür reduziert hatte. Ich habe mich damit übernommen. Aber ich konnte sie da einfach nicht alleine lassen.

x 1 #22193


Herbstmonat
Danke, liebe @Sincerite.

Es tut mir leid, vom Leid Deiner Mutter und von Deinem Mitleid und Mitleiden zu lesen. Das und Deine Emotionen darum habe ich mit meiner zuvor gestellten Frage nicht relativieren wollen, was Du hoffentlich (und so glaube ich) richtig erkannt hast.

Ich selbst habe mehrere Abschiede hinter mir, die dank guter Vorsorge (Patientenverfügung), familiärem Einvernehmen und verständnisvollem und weise handelndem medizinischen Personal (sei es auf ärztlicher, sei es auf Pflegeebene) sehr würdevoll waren. Ich verstehe also sachlich und emotional, wovon Du schreibst, worum wir hier schreiben.

Umso mehr hinterfrage ich, wenn jemand "Sterbeverlängerungseinrichtungen" als Synonym für Krankenhäuser verwenden möchte und damit mittelbar all die Menschen verteufelt, die Tag für Tag leben retten, erhalten, uns gesund halten oder jedenfalls ermöglichen, dass wir es bleiben. Und ja, das ganze als ein System bezeichnet.

Ich störe mich an unsubstantiierter Miesmacherei. Die ist es, die unser Miteinander erschwert.

x 1 #22194


S
@Herbstmonat
Verstehe. Es gibt auch gute Menschen dort und durch zu wenig Personal sind alle überfordert. Aber Fehler werden nicht zugegeben (hat auch juristische Gründe). Und es ist eine Massenabfertigung geworden. Wenn man noch selbst mitdenken kann, läuft es auch besser. Das habe ich auch so im Pflegeheim erlebt. Aber schön, dass du gute Erfahrungen gemacht hast.

x 2 #22195


T
Zitat von Herbstmonat:
Umso mehr hinterfrage ich, wenn jemand "Sterbeverlängerungseinrichtungen" als Synonym für Krankenhäuser verwenden möchte und damit mittelbar all die Menschen verteufelt, die Tag für Tag leben retten, erhalten, uns gesund halten oder jedenfalls ermöglichen, dass wir es bleiben. Und ja, das ganze als ein System bezeichnet.

weil ich gesagt hatte, dass es nicht um Unfälle geht, da machen Krankenhäuser Sinn, Dummerchen 😉
Es geht um die Palliativmedizin. Klar gibt es auch Hospizarbeit, eine sehr gute Einrichtung.

x 1 #22196


Arella
Zitat von Herbstmonat:
Hast Du damit eigene Erfahrungen, liebe ? Mit diesem unmenschlich gewordenen System?

Hab ich.
Und reichlich mehr, als nur anekdotisch.
Es sei dir aber unbenommen, dass du andere Erfahrungen und Einblicke hast.
Und leider ändert sich manches System durch die geschaffenen Sachzwänge, obwohl es so ursprünglich nicht gedacht war. Die dann ein systemisches Eigenleben entwickeln.
Grundsatzdiskussion liegt zum Thema momentan nicht in meinem Bedürfnis. Aufgrund von Vergeblichkeit, die ich persönlich längst realisiert habe. Für idealistische Träumereien fühle ich mich zu alt. Die Phase ist längst rum.
Medizin ist ein knallhartes Geschäft.
Aber vielleicht erwähne ich damit etwas Neues.

x 2 #22197


Arella
Zitat von Sincerite:
zu wenig Personal sind alle überfordert.

Zu wenig Personal ist eine gesellschaftliche Entscheidung.
Auch das Zulassen dysfunktionaler Prozesse über Jahrzehnte, ist eine gesellschaftliche Entscheidung.

x 1 #22198


S
Zitat von Sincerite:
Und zuletzt, da konnte ich nicht mehr, wurde sie künstlich mit Druck beatmet und ich hatte zugestimmt, weil ich Angst hatte etwas falsch zu machen.

Mach dir deswegen keinen Vorwurf, du wolltest in dem Sinne deiner Mutter entscheiden, du weißt was am Ende raus kommt.

Zitat von Sincerite:
Sie hatte zu viel Kohlendioxid, schon vorher, der Körper hatte sich daran gewöhnt. Durch die künstliche Sauerstoffzufuhr hat sich der Körper wieder daran gewöhnt. Durch die Entlassung hatte sie das nicht mehr und ist im Schlaf gestorben.

Vielleicht wäre sie auch so gestorben. Wasser in der Lunge ist eigentlich immer tödlich und eigendlich regiert der Körper auf zu wenig Sauerstoff in dem er vermehrt rote Blutkörperchen bildet, aber da gibt es irgendwanne eine Obergrenze, weil das Blut zu dickflüssig wird. Der Effekt von erhöhten rote Blutkörperchen baut sich aber nicht sofort ab, sondern über mehrere Wochen.
Ich weiß natürlich nicht, ob das so bei deiner Mutter war, ich bin kein Mediziner, aber früher war ich Alpinist und daher weiß ich wie der Körper auf weniger Sauerstoff im Blut reagiert.

Was ich dir eigentlich sagen wollte, mach dir keine Vorwürfe, man weiß nie, was passiert wäre, wenn man sich anders entschieden hätte - du hast im besten Sinne deiner Mutter gehandelt und genau das hat sich wahrscheinlich auch deine Mutter gewünscht. Du wolltest in dem Ansinnen deiner Mutter gehandelt, evtl. war es ein Fehler die Entscheidung - aber das denkst du nur im Nachhinein, da ist man immer schlauer.

x 1 #22199


S
Ich denke gerade, dass dieses Forum ein toller Ort ist, an dem Menschen ihr Mitgefühl, ihre Erfahrung und ihr Wissen teilen. So in dieser Form habe ich es damals nur in den Selbsthilfegruppen erlebt.

#22200


A


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