Zitat von DerNorde: Tah ist kein Torjäger, kein Stürmer. Er trainiert nicht um Tore zu schießen sondern um Tore schießen zu verhindern. Er ist Verteidiger!
Er wird dafür bezahlt um den eigenen Kasten sauber zu halten.
1. Genau das.
Und 2.: Tah hatte wenigstens die Eier in der Hose, überhaupt zum Elfmeter anzutreten. Im Gegensatz zu manch anderem, der aufgrund seiner Position, seiner Erfahrung und seiner Routine eigentlich eher in der Pflicht gewesen wäre.
Für mich war das Elfmeterschießen sinnbildlich für das gesamte Turnier. Da standen gestandene Nationalspieler ratlos herum und es wurde hektisch nach Schützen gesucht. So etwas darf auf diesem Niveau eigentlich nicht passieren.
Ein Trainer muss sich auf genau dieses Szenario vorbereiten. Dazu gehört, die Elfmeterschützen und ihre Reihenfolge vorher klar festzulegen. Genauso gehört dazu, Ein und Auswechslungen so zu planen, dass die richtigen Schützen im Zweifel noch auf dem Platz stehen. Dass auf dem Feld erst einmal nach Freiwilligen gesucht werden musste, war für mich ein deutliches Zeichen dafür, dass in diesem Moment etwas nicht gepasst hat.
Kimmich tat mir in der Situation wirklich leid. Man hat ihm angesehen, wie verzweifelt er versucht hat, jemanden zu finden. Dass sich offenbar einige eher wegduckten, spricht auch nicht gerade für den Teamgeist.
Und genau da liegt für mich das eigentliche Problem. Mir hat dieses "Einer für alle, alle für einen" gefehlt.
Ich hatte schon vor und während des Turniers den Eindruck, dass die Mannschaft mit Nagelsmanns vielen taktischen Ideen eher verunsichert als befreit wirkte. Vieles sah verkopft aus, nicht eingespielt.
Nagelsmann selbst wirkte auf mich oft mehr mit seinem Tablet beschäftigt als damit, seine Mannschaft emotional mitzunehmen. Gerade nach dem gegnerischen Führungstreffer hätte ich eigentlich erwartet, dass er aufspringt, bis an die Seitenlinie geht, seine Mannschaft lautstark pusht und noch einmal alles versucht, um Energie auf den Platz zu bringen. Stattdessen ging sein Blick aufs Tablet. Natürlich gehören Analysen dazu. Aber für mich war genau das fast schon sinnbildlich für dieses Turnier.
Am Ende sind Fußballer keine Schachfiguren und keine FIFA Avatare, die man auf einem Tablet einfach von A nach B schiebt. Es sind Menschen. Sie brauchen einen klaren Plan, aber genauso Vertrauen, Führung und das Gefühl, gemeinsam als Team auf dem Platz zu stehen.
Deshalb würde ich die Niederlage weder an Tah noch an einem verschossenen Elfmeter festmachen. Für mich war sie das Ergebnis einer ganzen Kette von Dingen, die bei diesem Turnier und auch davor nicht richtig zusammengepasst haben.