Ich denke mir gerade, dass ich das mit meiner Trennung und der Arbeit gut hingekriegt habe.
Aktuell gibt es in meiner Kollegenschaft 3 Leute, die frisch getrennt sind, und alle gehen komplett unterschiedlich damit um. Die Gerüchteküche brodelt, wir sind mehr als 80 Leute.
Als mein Ex sich von mir getrennt hat, war ich 2 Tage zuhause um mich zu fangen. Dann bin ich in die Arbeit marschiert. Wenn ich bei der Tür reinkomme, gehe ich an ca. 20-25 Leuten vorbei. Die Hälfte fragt mich, was es Neues gibt, wie mein WE war oder wie es mir geht. Nachdem ich diesen Spießrutenlauf zum ersten Mal hinter mich gebracht habe, dachte ich: ok, so packe ich das kein zweites Mal. Also habe ich am nächsten Tag den Leuten, wenn sie mich gefragt haben, gesagt: "mir geht's besch****, mein Mann hat sich von mir getrennt." Viele haben mich umarmt, mich ermutigt, mir gesagt, wie leid es ihnen tut, das zu hören oder mir ein offenes Ohr angeboten. Ein paar Stunden später wussten es alle, die es wissen wollten. Am nächsten Tag haben mir viele nur zugenickt und Dinge gesagt wie "ok, ich erspar mir heute die Frage, wie es dir geht". Das war so erleichternd. Ich konnte mit roten Augen rumlaufen
👀, fertig ausschauen oder mal rumgranteln. Alle wussten, was Sache ist, keine blöden Fragen, kein Getuschel hinter meinem Rücken und ganz viel Support. Dass ich in der Zeit in die Arbeit flüchten konnte, hat mir buchstäblich den Hals gerettet.
Und gefreut hab ich mich heute so, weil ein frisch getrennter Kollege meinte: "ich mach das auch so wie du, da kennt sich jeder aus und es gibt keine blöden Fragen!"
Aktuell gibt es leider auch eine Kollegin, die ebenfalls frisch getrennt ist und seit mehr als 3 Wochen im Krankenstand ist, weil sie es nicht erträgt, dass alle sie fragen, was los ist. Sie möchte nicht, dass die anderen wissen, was passiert ist, denn sie schämt sich so. Ich habe versucht ihr zu erklären, dass man sich da doch nicht schämen muss - Hunderttausende trennen sich jedes Jahr. Aber ja, das ist ihr Weg und ich hab mir eben wieder gedacht, ich bin froh, dass ich das anders machen konnte. Geht sicher auch nur, wenn die Umgebung passt und prinzipiell wohlgesonnen ist.
Ich finde es jedenfalls spannend, wie unterschiedlich diese Dinge gehandhabt werden und bin froh, dass ich mit meiner Entscheidung richtig gelegen habe für meine persönliche Situation.
