Hallo bluebalu,
vielen Dank für deine ausführliche Antwort!
Einige deiner Gedanken habe ich mir bereits auch gemacht...
Zitat von bluebalu:...ich hätte die Idee, dass dein Freund ein Nähe-Distanz-Problem hat und die Ursache dafür wahrscheinlich tiefer liegt, als lediglich in der Furcht, irgendwelche Erwartungen nicht erfüllen zu können.
Wir Frauen haben die Angewohnheit, uns bestimmte Verhaltensweisen Anderer (v.a.von Männern) schönzureden:
"Er ist vielleicht noch nicht so weit...", "Der will so gern Nähe, schafft es aber nicht...", "Ich kann ihm bestimmt helfen, wenn er es nur zuließe..."
Leider bin ich ein eher rational denkender Mensch, und würde mir teilweise wünschen einige Dinge schönzureden. Mein Problem ist das ich einfach sehr viel darüber nachdenke, wieso und weshalb sich ein Mensch verändert.
[/quote]Wenn du wissen möchtest, was mit IHM los ist, dann schau dir einfach DEINE Gedanken und Verhaltensweisen an, denn die zeigen meist unsere intuitive Reaktion und Resonanz auf das, was unser GEGENÜBER zeigt. Und stelle dir Fragen dazu.[/quote]
Interessanter Ansatz...besonders da ich zeitgleich eigentlich mehr auf Mimik und Gestik achte.
[/quote]Wie kann es z.B. sein, dass man sein Herz an einen Menschen hängt, der einen nicht sehen will?
Wieso kann ein Mann nur dann Nähe eingehen, wenn sein Gegenüber anderweitig gebunden ist, doch sobald er es mit einem Menschen zu tun hat, der eine wie auch immer geartete Bindung eingehen möchte, die Flucht ergreift?
Wieso gibt man sich derart tief, emotional und körperlich einem Menschen hin, der nicht in der Lage ist, das zu wertschätzen?[/quote]
Zu seiner Entlastung muss man sagen das er nicht wusste das die Frauen gebunden waren. Daher auch die Enttäuschung seinerseits. Es sind ja nicht nur immer die Männer die zwei Eisen im Feuer haben - im Gegenteil. Das sich nach Enttäuschungen gegebenenfalls Angst aufbaut Nähe zuzulassen, ist bis zu einem bestimmten "normal". Allerdings problematisch wenn diese einen daran hindern würde sie jemals wieder zuzulassen. Was die Tiefe und Emotionalität angeht sind wir auf einer Wellenlänge. Wäre dies nicht (bis jetzt) so, dann hätte mein Stolz bereits kapituliert.
[/quote]Wir Frauen glauben gern, dass wir diejenigen seien, die den goldenen Schlüssel zu solch einem Menschen finden werden, statt einfach mal das Naheliegende zu sehen.
Und das Naheliegende - nach deinen Schilderungen - scheint mir zu sein:
Er ist nicht bindungsfähig, er ist egozentriert und scheint zufrieden damit zu sein, wenn er sich ab und zu bei anderen aufwärmen und dort tanken kann. Wenn es Kontakt gibt, dann nur zu seinen Regeln und mit dem Benefit für ihn, dass er seine Beziehungszwischenlösungen, die für ihn gewohnt, erwünscht und erträglich sind, ab und an bei Bedarf immer wieder mal nutzen und darauf zurückgreifen kann.[/quote]
Ich verstehe was du meinst. Darüber hatte ich mir bereits auch so meine Gedanken gemacht-
Egozentrische Züge weist er überhaupt nicht auf, im Gegenteil. Wenn ich anrufe und was auf dem Herzen habe ist er sofort da. Er hilft allgemein lieber anderen, als sich selbst. Da ich den Zeitpunkt wo er sich veränderte relativ genau ausmachen kann, denke ich das ihn seine neue Arbeit sehr unglücklich macht. Klar, dies sollte eigentlich kein Grund dafür sein...NUR wir haben beide den selben beruflichen Weg zusammen begonnen - ich entwickelte mich schneller, er kommt wenn überhaupt im Schneckentempo voran. Für ihn sind kleine "Probleme" ein Disaster, für mich immer wieder eine neue Chance.
Für mich muss unsere Freundschaft nicht in eine Beziehung münden, nur ich möchte nicht das es an Banalitäten (jedenfalls) für mich scheitert.
Die pathologische Schiene habe ich versucht abzuklopfen, nur irgendwie passt dann so einiges nicht zusammen. Er möchte keine Beziehung eingehen, da er Angst hat sich zu verändern - was er wohl in einer vorherigen Beziehung gemacht hat (Eifersucht seinerseits, vereinnahmte seine Freundin). Dazu benötigt man aber immer das passende Gegenstück. Jede Beziehung ist schließlich individuell zu betrachten.
[/quote]Das, worauf du mit ihm hinsteuerst, ist eine Art der Nicht-Beziehung. Weder Fisch noch Fleisch. Schaffst du den Absprung nicht, wird das in einer immerwährenden On-Off-"Beziehung" münden, in der du dich permanent mit Hoffnungen trägst, die niemals eintreffen werden. Und das Leben läuft an dir vorbei. Irgendwann musst du erkennen, dass diese Faszination nichts mit einem tiefen Band zu tun hat, das unausgesprochen zwischen euch existiert, sondern mit einer Abhängigkeit, aus der du dich auch dann nicht mehr lösen kannst, wenn du es möchtest.[/quote]
Warum habe ich mich noch nicht abgewendet von ihm? Weil er mir bisher immer Kraft gegeben hat, ohne es zu wissen. Vielleicht hast du vollkommen recht, nur wie soll ich mich lösen wenn er immer wieder da ist, wenn ich ihn brauche? Ist es nicht das was zählt?
[/quote]Wann immer du dich für den Absprung bereit machst, wird er plötzlich mit einem verlockenden Kontakt-Angebot auf dich zukommen, sei es in Form eines tollen intensiven Gesprächs, oder mit schönem S. oder mit Hoffnungen die wie Wasser auf deinen Mühlen sind. Du wirst dir in diesem Moment denken: Wie konnte ich nur so blöd sein, gehen zu wollen! Er ist es einfach für mich![/quote]
Wenn der vermeintlich "Richtige" um die Ecke kommt, dann ist es für IHN sowieso zu spät, oder? Eine Freundschaft kann dann doch weiterbestehen. Oder ist das naiv gedacht?
Ich habe mir bisher nie so viele Gedanken gemacht bei meinen bisherigen Männern. Entweder hat es gepasst, oder nicht. Hier geht nun eine längere Freundschaft voran. Wie soll ich einfach gehen ohne das er mir einen wirklichen Grund dafür liefert? Wie ich schrieb - ich möchte ihn ja nicht verlieren...
Und dann erfolgt mal wieder ein Tief, da er mal wieder seine Eremiten-Phase hat, dich nicht sehen will, keinen Kontakt hält - und du verstehst die Welt nicht mehr.
Dann wirst du dir wieder erklären: Nein, der hat einfach nur gerade ne schlechte Zeit, eben viel zu tun auf Arbeit...
[/quote]Nein, dieser Mensch ist wie er ist. Und stell dir einfach mal Folgendes vor:
Er will es GENAU SO für sein Leben. Ab und zu mal tanken bei dir und fertig .[/quote]
Jeder Mensch ist anders. Ich möchte ich ihn nicht verändern. So wie ich ihn kennengelernt habe mag ich ihn auch. Mit seinen Ecken und Kanten.
Vielen Dank für deine Sichtweise der Dinge!