Ich halte es für wichtig, dass man sich informiert. Aber eben richtig, und da ist man als geisteswissenschaftlich/journalistisch geprägter Mensch wie ich natürlich anders gepolt als die breite Masse. Und die Naturwissenschaftler wiederum haben ja noch mal eine andere Zugangsweise
Das zeigt sich jetzt im Moment sehr deutlich, auch eben Bildungsunterschiede, allein mathematische Bildungsunterschiede (jemand, der Statistik studiert hat wird mit dem Zahlenwerk anders umgehen als jemand, der sich damit vorher noch nie beschäftigt hat).
Ich hatte darüber gestern auch ein Gespräch mit meiner Tochter, die sich in den letzten Schulwochen ständig mit Corona auseinandersetzen musste, weil es in jedem Fach Thema war (in Mathe sollten dann natürlich exponentielle Wachstumskurven errechnet werden

in Philosophie wurde über ethische Fragen gesprochen, im Englisch LK lesen sie gerade 1984, was aktuell auch ganz wunderbar passt - das stand aber schon lange vorher im Lehrplan usw.).
Sie klagte, dass ihr "der Kopf rauscht" von all den unterschiedlichen Sichtweisen und Informationen - Pädagogik, Sowi, Mathe und Bio, Philosophie ... - und meinte, sie hätte absolutes Mitgefühl mit Angela Merkel, die sich den ganzen Tag mit all den Sichtweisen befassen muss und irgendwie versuchen, alles unter einen Hut zu bekommen. Damit hat sie auch völlig recht meiner Meinung nach - das ist eine Herkulesaufgabe, und natürlich ist es einfacher für jeden, sich gar nicht mit Alternativen gedanklich zu befassen, sondern einfach die Lage, wie sie ist, zu akzeptieren und sich lieber darum zu kümmern, dass die "Regeln" eingehalten werden (und das Klopapier niemals ausgeht

).
Mir persönlich ist halt wichtig, dass kritische Stimmen zumindest gehört werden und nicht mundtot gemacht werden. Die Meinungs- und Pressefreiheit ist in meinen Augen eines der höchsten Güter unserer Gesellschaft, und DIE verteidige ICH - zur Not bis aufs Blut

Sobald daran gedreht wird, geh ich auf die Barrikaden.
Anderen ist vielleicht das Recht auf Unversehrtheit wichtiger, wieder anderen ihr Eigentum oder ihr Recht auf wirtschaftliche Selbstverwirklichung oder ihre Reisefreiheit usw - niemals zuvor wurden unsere persönlichen Werte wohl so auf den Prüfstand gelegt wie heute, und da zeigt sich eben schnell, wer wie tickt und wem welche Werte wichtig sind. Eigentlich ist Corona auch eine Wertekrise.
Zumindest kann man sagen, dass der Wunsch nach Sicherheit bei den allermeisten Menschen stärker ausgeprägt ist als der Wunsch nach Freiheit. Aber das ist im Grunde auch nichts Neues, es wird nur im Moment stark offenbar.