Zitat von Abendrot: Bei dir lese ich fast überall den Versuch heraus ,perfekt zu sein , alles im Griff zu haben , Fehler bis ins kleinste Detail zu erkennen
und auszumerzen .
Perfektionismus ist oft der verzweifelte Versuch, die eigene Unsicherheit zu kompensieren, in dem ich anderen keine Angriffsfläche biete, mich zu kritisieren oder gar abzulehnen, in den ich eben "perfekt" bin.
Leider ist oft das, was ich als perfekt ansehe, das was ich glaube, was andere sehen wollen. Ergo: Es hat immer weniger mit mir selbst zu tun, ist daher nicht absolut nicht mehr authentisch, weil nur noch Fake-Self-Blase.
Zitat von Wasabix: Du meinst Leistung steht letztendlich über allem ?
Getroffen - versenkt.
Nur das dieses Prinzip in Bezug auf Beziehungen nicht funktioniert. Lediglich ein ebenfalls selbstwertschwacher Partner wird mich hauptsächlich für das "lieben", was ich darstelle und geleistet habe (eigentlich keine Liebe, sondern Beziehung als Selbstwert-Prothese). Hingegen die Vorstellung, einfach geliebt zu werden, weil ich so bin, wie ich bin - mit allen Unzulänglichkeiten und Unperfektheiten - ist schwer denkbar.
Zitat von Abendrot: Mir fehlt bei dir so ein bischen die menschliche Wärme , mich persönlich erstickt das
Genau solche Menschen empfinde ich ebenfalls als sehr anstrengend, weil vieles einfach knallhart rational durchgeplant und -kalkuliert wird. Nichts wird dem Zufall überlassen - Vertrauen ist gut, aber Kontrolle ist noch viel viel besser. Denn nur größtmögliche Kontrolle ist ein vermeintlich probater Schutz vor eigenen Ängsten und Unsicherheiten.
Zitat von Abendrot: etwas gefühlskalt
Weil Gefühle nun mal was sind, was sich für das Verständnis solcher Menschen schlecht kontrollieren lässt. Darum muss ich mich betont rational geben und jeden Impuls aus dem Bauch heraus ganz schnell bei Seite schieben.
Zitat von Abendrot: sehr festgefahren im durchsetzen der Ziele , kein bischen Lockerheit , kein Laissez - faire .
Das Leben als Checkliste, die möglichst minutiös abgearbeitet werden muss. Jede Minute muss unbedingt und unter allem Umständen sinnvoll und konstruktiv genutzt werden. Entspannung und Innehalten ist Stillstand und macht ein schlechtes Gewissen, weil man/frau ja was/wen wichtiges verpassen könnte.
Zitat von lolala: Ich befürchte der Eindruck entsteht manchmal, ohne dass ich es will.
... womit wir wieder beim Gesetz der Anziehung sind.
Zitat von lolala: Meine Familie ist nicht ganz leicht, Eltern getrennt, beide Elternteile alleine und unglücklich aber wir haben ein gutes Verhältnis. Die Kindheit war frei, liebevoll, naturverbunden und relativ normal würde ich sagen.
Wenn das tatsächlich so gewesen wäre, hättest Du heute nicht die Bindungsprobleme, die mehr als offensichtlich sind. Anscheinend ist es dir bei all einen Selbstreflexionsversuchen noch nicht gelungen, dieses romantisch-verklärte Familienbild auf den Boden der Realität zurückzuholen.
Zitat von Wasabix: Dh du bräuchtest einen Partner der genauso freiheitsliebend ist wie du?
Irgendwo muss dieses starke Autonomiebedürfnis ja herkommen. In der Regel hat es was damit zu tun, dass das Bedürfnis bereits sehr früh mehr oder weniger stark frustriert worden ist. Darum wird jeder Partner, von dem ich auch nur vermuten könnte, dass er mich irgendwie einengen könnte, zur potentiellen Gefahr. Ganz häufige Folge: Bindungsangst und Flucht in Beziehungsmodelle mit größtmöglichen Freiheitsgraden wie F+ oder Affäre. Längerfristig folgt jedoch die Einsicht, dass das doch nicht die eigene Sehnsucht nach Bindung befriedigt und führt in ein Paradoxon: Ich will eigentlich Bindung und Nähe, sabotiere mich aber dabei selbst, in dem ich unbewusst statt Nähe Distanz zu anderen schaffe.