Zitat von whynot60: Mir verursacht vor allem die Reichweite all dieser öffentlichen Selbsttherapeuten Sodbrennen.
Es ist wirklich bedenklich, wie viele es gibt. Andererseits existiert ein großer Markt für Heilung, zum Teil auch aus dem Selbstoptimierungswahn resultierend. Also Kapitalismus pur. An dem man jeder profitieren möchte. Die Grundbedürfnisse sind (zumindest hier im Westen) gedeckt, also muss man mit was anderem die Konsummentalitaet füttern.
Ich möchte absolut nicht damit bestreiten, dass viele Menschen reale emotionale Probleme haben. Und sie sind unter anderem auch ein Produkt unserer Lebensweise. Alles viel schnelllebigen als je zuvor in der Geschichte der Menschheit, Überflutung mit Reize, wie noch nie da gewesen, der Zwang, dich dem auszusetzen, sonst wird man kaum noch lebensfähig (siehe wenige Post- oder Bankfilialen, WhatsApp Gruppen für wichtige alltägliche Kommunikation mit Mitmenschen etc). Es wundert mich nicht, dass Menschen damit überfordert sind und krank werden. Auch die Erwartungen sind komexer geworden sowohl in der Arbeitswelt als auch privat. Und dazu - als würde das alles nicht schon reichen - werden wir noch gefüttert mit Inhalte, die besagen, dass wir ein Recht haben, glücklich zu sein und das beste aus unserem Leben machen. Und wenn wir nicht ganz so leben, wie gewünscht, dann schleicht dich das Gefühl rein, dass wir versagt haben. Und wir strengen uns noch mehr an......
In meinen Augen gibt es zwei Kategorien solcher Autoren. Einige, die sich selbst überschätzen und denken, sie hätten ein "Heilmittel" entdeckt und die Scharlatane, die einfach nur Geld machen wollen. Für mich sind beide gleich gefährlich, Skrupellosigkeit versus Selbsttaeuschung und Inkompetenz, im Endeffekt denkt der Hilfesuchender, dass es Hilfe bekommt, was wohl nicht der Fall ist.
Ich bin gewohnt, verschiedene Perspektiven einer Situation zu betrachten - was oft in den privaten Kontakte eine Ueberforderung meiner Mitmenschen verursacht und bei mir eine Hemmung, Entscheidungen zu treffen aufgrund der Komplexität der Situation, die aus diese Betrachtung resultiert - also frage ich mich, womit haben wir das "verdient". Im Sinne von was in uns macht uns empfänglich für den Input solcher Autoren....
- Blauäugigkeit. Wären wir rein rational, würden wir ihr Spiel beziehungsweise die Täuschung erkennen
- aus Ueberdrüss entstandene Mangel an Zufriedenheit und Sinn
- der Wunsch, schnell Erfolge zu erzielen anstatt jahrelang Psychotherapie zu machen
Es gibt vielleicht noch mehr Gründe. Entschuldigt für den Offtopic, hat nichts mit Weihnachten zu tun.