Zitat von E-Claire: Ich persönlich glaube, daß on/off auch deshalb so hart ist, weil es einem selbst die Rolle des Auszusteigenden zuweist, also die härteste Form der Selbstverantwortung, zu etwas "nein" zu sagen, wozu man eigentlich "ja" sagen möchte. Das aber im gnadenlosen wenig schönen Neonlicht betrachtet, ist ja wieder nur Hinweis dafür, daß es eigentlich um einen selbst und eigene Themen geht.
Dieses innere Dilemma hast Du gut auf den Punkt gebracht. Man weiß, man sollte nein sagen - schon lange - aber man schafft es nicht, weil man eigentlich genau das will, von dem man wiederum weiß, dass man es eh nicht bekommt. Man fühlt Trauer, oft genug auch Wut auf den anderen, aber es scheint unmöglich, auf diesen einzigartigen Menschen verzichten zu müssen.
Ja, man braucht ihn, dass man sein inneres Dilemma aus Traum und Realität an ihm ausleben kann. Das geht oft solange bis tatsächlich endlich einer die Reißleine zieht. Und das kann für den Verlassenden sogar so etwas wie eine Rettung sein. Der steckt ja in destruktiven Verhaltensweisen und Gefühlen bis zum Hals drin im Sumpf.
Auf lange Sicht tut der Verlassende dem Expartner damit sogar einen Gefallen, weil der jetzt endlich mal auf sich zurückgeworfen ist und sich zwangsläufig mit seinem eigenen Fehlverhalten auseinander setzen muss.
Nicht schön, das Ganze. Ich wurde nach der Trennung erst weinerlich, dann wütend. Aber die Wut galt nicht allein ihm, sondern mir, weil ich wiederum die ideale Plattform für seine Defizite gewesen war. Ich war also auch ein Werkzeug für ihn gewesen. Das schmerzt und macht oft genug auch wütend.
Klar, ich hatte Gewaltfantasien. Stellte mir vor, ich würde irgendwie seine Bremsen manipulieren und er würde wenn er erst in voller Fahrt wäre, die Kontrolle über sein Auto verlieren. Wundervoll, mir sein dämliches Gesicht vorzustellen! Ich wünschte mir, er wäre tot oder noch besser verunglückt und würde im Rollstuhl sitzen ... Das hilft nur für den Moment, weil es Aggressionen kanalisiert.
Aber irgendwann hilft nur noch das Loslassen. Den anderen in ein Leben seiner Wahl entlassen und sich damit rausnehmen. Das eigene Leben in den Mittelpunkt stellen, was man in der Beziehung sträflich vernachlässigt hat.
Es hat keinen Sinn sich ewig auf dem Kriegsschauplatz aufzuhalten. Solange Trauer und Wut regieren, kann man das nicht. Aber mit der Zeit. Und dann geht man einfach. Genug gekämpft auf diesem Schauplatz und verloren. Oder doch nicht? Man kann den Kampfplatz einfach verlassen und woanders hingehen. Sich anderen Menschen und Dingen und sich selbst zuwenden. Dann kehrt Frieden ein und der fühlt sich entschieden besser an als alles andere vorher.