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Wenn Liebe allein nicht reicht

Kesey

Kesey

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Salut zusammen,

ich (43) habe, wie soviele von euch, auch lange überlegt, ob ich hier schreiben soll oder nicht. Ich lese schon seit geraumer Zeit in den Foren und habe durch eure Geschichten und die dazugehörigen Ratschläge schon viel Trost gefunden, daher mein Dank an alle unbekannten und doch teils vertrauten Leidensgenossen.
Nun zu meiner Story: Vor etwa zwölf Jahren lernte ich beruflich eine wundervolle Frau kennen. Unsere Wege kreuzten sich über die Jahre immer wieder und wenn ich sie sah oder am Telefon hörte, spürte ich jedes Mal einen leisen Wind um mein Herz, dem ich aber nie Beachtung schenkte. Im November vergangenen Jahres ergab es sich, dass wir anfingen privat Kontakt aufzunehmen und wir stellten bald fest, dass wir auf allen Ebenen sehr gut harmonieren. In einer E-Mail zu Silvester deutete ich ihr an, dass in mir Gefühle aufkeimen, die über das freundschaftliche hinausgehen und fragte nach, ob diese Gefühle bei ihr Anklang finden könnten. Sie verwies in ihrer Antwort auf ihre letzte Beziehung, die sie, gleichwohl seit über zwei Jahren vorbei, noch nicht ganz verarbeitet hatte und bat um weiteren freundschaftlichen Kontakt. Ich akzeptierte dies. Wir trafen uns weiterhin, gingen ins Kino, Spazieren und zusammen essen. Das Thema "Liebe" hatte sich jedoch irgendwie verselbständigt und schwebte zwischen uns. Ich spürte, auch wenn sie es zu verbergen suchte, auch bei ihr beginnende Gefühle für mich. Ein Umstand, der mich eigentlich hätte erfreuen sollen, allerdings gab es von meiner Seite aus einen, nunja, ich nenne ich es mal einen speziellen Umstand: Ich bin körperlich nicht als Mann auf die Welt gekommen - da ich aber vom ersten "Schlüpfschrei" jedoch wie ein Mann fühle, denke und handele, habe ich diesen "Geburtsfehler" mit Anfang 20 korrigiert. Ich hatte bisher einige Beziehungen, Affären und Liasons und die Damen, die mir dabei ihre Gunst schenkten, hatten auch kein Problem mit meiner Vergangenheit, den fehlenden Zentimetern und den Narben auf meiner Brust, die ein lebenslanges Zeichen meiner Freiheit bleiben werden. Aufgrund ihres kulturellen Backgrounds, sie ist Südamerikanerin, und auch durch die vielen Gespräche mit ihr, wusste ich, dass es bei ihr allerdings ein Problem sein würde. Nun stand ich also vor der Wahl, mich zu outen oder mich zurückzuziehen. Letzteres war aber keine Option mehr, da ich ihr keine vernünftige Erklärung dafür hätte bieten können - wir waren in unserem Zusammensein schon viel zu vertraut, als dass sie Ausflüchte meinerseits nicht durchschaut hätte. So gab ich also eines abends bei ihr mein Geheimnis preis und erfuhr die erwartete Reaktion - sie zitterte am ganzen Körper und, wie sie mir später erzählte, etwas in ihr brach in sich zusammen, da sie sich erstmals seit der letzten Beziehung wieder verliebt hatte - in mich. Aufgrund ihrer Reaktion, für die ich vollstes Verständnis habe, denn es ist für Außenstehende sicher nicht einfach einen Menschen wie mich zu verstehen, hakte ich traurig unsere erblühende Liebe ab und fuhr nach Hause. Aber wir waren in unseren Gefühlen wohl schon zu weit fortgeschritten und suchten in den folgenden zwei Wochen telefonisch weiter Kontakt. Wir sprachen viel über meine optische Wandlung und eines freitags beschloss sie, über Nacht zu mir zu kommen. Vier Wochen verbrachten wir nun, liebten uns und genossen unser Zusammensein, gleichwohl immer ein Schleier der Traurigkeit über allem hing. Ich merkte zwar, dass sie auch unseren körperlichen Kontakt sehr genoss, aber auch, dass sie dennoch jedes Mal über ihren Schatten springen musste. Und auch, dass sie in gewisser Form noch im Verarbeitungsprozess der letzten Beziehung steckte. So kam es wie es kommen musste - sie beendete die Beziehung, die sie jedoch als so intensiv empfunden hatte, dass sie um eine letzte gemeinsame Nacht zum Abschied bat. Ich glaube, ich muss hier nicht beschreiben, welchen Schmerz eine solche Form des Abschieds auslöst.
Dies ist nun schon oder erst elf Wochen her. Wir haben in dieser Zeit weiter telefoniert und uns zwei Mal gesehen. Zwischendurch habe ich einmal eine dreiwöchige Kontaktsperre erbeten, da ich vor Verzweiflung und Sehnsucht nur noch gegen die Wand gelaufen bin
Es ist nicht meine erste Trennung und nicht meine erste verlorene Liebe - aber einen solchen Schmerz habe ich noch nie gefühlt Wir hatten gestern am Telefon noch einmal ein sehr offenes Gespräch über uns und darin hat sie mir unmissverständlich klar gemacht, dass sie es so mit mir nicht kann und will, auch wenn Gefühle für mich da sind. In meinem Kopf habe ich dies auch akzeptiert, mich intensiv in den vergangenen Wochen mit der Trennung und den dazugehörigen Begleiterscheinungen auseinandergesetzt, allein mein Herz und meine Seele wollen meiner Ratio nicht folgen, denn beide wissen, sie ist die Frau, mit der ich alt werden kann und will. ....
Ein Exkurs: Ich sitze hier, schreibe über unsere Liebe, das Telefon klingelt. Sie ist es. "Ich will wissen, wie es dir geht, habe gemerkt, dass es dir nicht gut geht bei unserem Gespräch gestern. Und ich will, dass es uns beiden gut geht. Was können wir machen?" "Dann führen wir also nun erneut einen philosophischen Diskurs über die Quadratur des Kreises - und den konnten schon die alten Griechen nicht lösen."
Plaudereien.
Zum Abschied: "War schön deine Stimme zu hören." Ihre Antwort: "Danke, deine auch. Bis später."
Wir können, so scheint es, nicht miteinander aber auch nicht ohne einander. Was soll ich nur tun? Kontaktsperre hatte ich schon, wie gesagt, versucht. Tat gut ist aber nicht der Weisheit letzter Schluss.
Nun hat sie nochmal angerufen, bin mit der Zeit auch Erziehungsberater bezüglich ihrer beiden Kinder (16/17) geworden. Und jajajajaja, ich weiß, nicht immer "heranziehen" lassen und da sein für sie, wenn sie es gerade braucht. Aber wir sind nicht im Streit außeinander, hatten nie einen, verstehen uns nach wie vor blind und geben einander gerne Rat in schwierigen Situationen.

Irgendwie ist das alles absurd

Bin gespannt auf eure Meinungen.....

Seid lieb gegrüßt!

Kesey

PS: Mein Nickname ist der Nachname des Autors von "Einer flog übers Kuckucksnest" - so komm ich mir vor grad.....

24.05.2014 13:43 • #1


manfredus


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Hallo Kesey,

Zitat von Kesey:
Wir hatten gestern am Telefon noch einmal ein sehr offenes Gespräch über uns und darin hat sie mir unmissverständlich klar gemacht, dass sie es so mit mir nicht kann und will, auch wenn Gefühle für mich da sind.


Ich würde lügen, würde ich sagen ich kann mich in Deine oder Ihre Situation hineinversetzen. Das kann ich nicht. Ich finde es nur sehr schade, daß zwei Menschen sich lieben und etwas steht zwischen Ihnen, egal ob das eine körperliche Sache oder sonst etwas ist. Du schreibst aber, Sie sagte klar und deutlich, Sie könne und, was ich viel gravierender finde, sie wolle nicht.

Das Sie das nicht kann stimmt ja so nicht, dafür seid Ihr euch ja schon viel zu nahe gekommen. Ich denke, es ist auch die Angst vor der ungewohnten Situation bei Ihr und die Angst vor Reaktionen der Umwelt und / oder der Familie, die vielleicht wenig bis kein Verständnis aufbringen wird. Das sind ungelegte Eier, denn Dir fehlen die genauen Informationen.

Fakt ist, daß Sie sich weigert, blockiert ist, keine Chance für euch sieht. Beziehungen funktionieren nun mal leider nicht einseitig. Um Dich zu lösen wirst Du eine Kontaktsperre durchziehen müssen und ihr auch klarmachen müssen, daß Du mit ihr nur ganz oder gar nicht zusammen sein willst und kannst. Das kann bei ihr was bewegen, zumindest aber wird die Wunde nicht bei jedem Kontakt / Telefonat neu aufgerissen.

Liebe Grüße und viel Kraft
Manfredus

24.05.2014 14:36 • #2



Wenn Liebe allein nicht reicht

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Kesey

Kesey


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Lieber Manfredus,
ich habe auch deine Geschichte etwas verfolgt und danke vorab, dass du dir die Zeit in deiner Lage für die meine genommen hast!
Nun, sie hat ihrer Schwester, ihrem Sohn und auch Teilen ihres Freundeskreises über meine Vergangenheit berichtet und dort zwar zunächst erstaunen, aber keine Ablehnung erfahren. Es sind wohl sehr viele Gefühle in ihr im Widerstreit: die letzte Beziehung, meine Art sie zu lieben, die sie emotional so noch nie von einem Mann erfahren hat (salopp gesagt, waren ihren Erzählungen zu Folge recht eindimensionierte Idioten...) und eben meine etwas andere Art der männlichen Körperlichkeit.
Ja, du hast Recht, sie ist blockiert. Ich merke zwar, dass sich nach jedem Gespräch zwischen uns die ein oder andere Stellschraube lockert, aber die Maschine dahinter ist doch sehr groß.
Kontaktsperre..... Ich hatte drei Wochen, in denen ich viel Kraft getankt habe und ich bin in der Verarbeitung unserer Beziehung auch schon sehr weit und durchaus zufrieden mit meinen Fortschritten.
Es ist nur so.... hmm, wie formulier ich das, damit es nicht abgedreht esoterisch klingt.... Kennst du Momente, in denen du eine innere Stimme hast, die dir entgegen aller Überzeugung im Kopf und auch der äußeren Umstände sagt, "Es ist noch nicht vorbei"? Ich bin zwar ein emotionaler Mensch, aber ich bin kein Träumer und verschließe die Augen nicht vor dem Leben wie es ist. Nach meinem Outing sprach alles gegen uns und schon auf der Heimfahrt schloss ich mit ihr ab - aber dieses Flüstern war auf einmal da und es behielt gegen allen Verstand recht. Und das Flüstern bleibt und es ist nicht diese Art des sich "Nichteingestehenwollens", denn ich will abschließen und ich will, dass es mir gut geht, auch ohne sie. Es ist irgendwie seltsam...
Dass ich keine Freundschaft will, weiß sie - wir haben, wenn wir telefonieren und die Sprache auf uns kommt, immer sehr ehrliche und auch reflektierende Gespräche.
Im Grunde trennen wir uns mustergültig - aber dennoch ist die Situation, nunja, einfach nur absurd - es ist der einzige Begriff, der mir zu dieser Situation einfällt: Sie ist meine Traumfrau, ich ihr Traumann und dennoch sind wir getrennt
Danke nochmals und da ich sie auch wieder bisserl habe, sende ich dir von meiner Kraft ein Stück retour

Kesey

24.05.2014 15:10 • #3


Gedankensplitte.


Hallo Kesey,

das klingt nach einer sehr traurigen Liebesgeschichte. Und im Unterschied zu fast all den anderen hier, nach einer beiderseitigen traurigen Liebesgeschichte.

Ich wüsste auch nicht, wie ich reagieren würde, wenn ich an der Stelle deiner Freundin wäre. Es ist immer leicht gesagt "Ja, und...warum nicht?!", wenn man nicht direkt mit einem - ich nenne es mal so - Problem konfrontiert ist.
Sie hat ihre Schwierigkeiten damit. Und das muss einfach erstmal respektiert werden.

Es sind zwei Dinge, die mir beim Lesen deiner Liebesgeschichte aufgefallen sind.

Über das erste habe ich schon öfter nachgedacht, weil es in meinem Bekanntenkreis eine Situation bei einem Pärchen gab, die eurer in gewisser Weise ähnlich ist:

Dieses Pärchen lernte sich über eine Single-Börse kennen. Mann und Frau. Schon vom Profil der beiden her wirkte es sehr stimmig. Das verstärkte sich noch durch die Kontaktaufnahme und das erste Kennenlernen per schriftlichen Austausch. Es kam zu einem ersten Treffen. Ein für beide wunderbares Treffen. Es wurde erzählt, geredet, gelacht...aus einem "Käffchen trinken" wurde eine ganze Nacht. Nur so, also ohne Intimitäten. Es folgten weitere Treffen. Es stimmte einfach für beide. Und eigentlich war es schon besiegelt. Sie wollten gemeinsam in die Zukunft gehen, weil auch diesbezüglich beide die gleichen Vorstellungen davon hatten.

Es musste nur noch ausgesprochen werden. Der Tag kam. Beide waren ineinander verliebt. Da sagte die Frau: "Da gibt es aber noch einen Haken...". Er, der sich keinen vorstellen konnte, denn er war schon sehr glücklich, fragte: "Welchen?". Sie nannte ihm den Namen einer chronischen Krankheit, die ihr Handicap war. Er sagte daraufhin liebevoll: "Das macht doch nichts".
Sie wurden ein Pärchen. Auf dem Weg ins Glück sozusagen.

Machte es wirklich nichts? Er war schon verliebt, und er hatte höchstens mal von der Bezeichnung der Krankheit gehört. Im Laufe der Beziehung lernte er dann die Bedeutung dieser Krankheit kennen. Auch, welchen schrecklichen Verlauf sie nehmen könnte...
Es passierte etwas in ihm. Er bekam Angst. Angst vor der Zukunft. Angst, ob er dem gewachsen sei, was diese Krankheit mit ihr machte. Was sie teilweise schon machte, und vielleicht/wahrscheinlich noch viel viel mehr machen würde.

Kann man ihn verurteilen? Als feige? Als verantwortungslos? Als oberflächlich?

Ich kann das nicht.

Diese Geschichte erzähle ich dir, weil ich dich etwas fragen möchte: Ist es nicht aufrichtiger oder auch fairer, vor dem näheren Kennenlernen, dem sich ineinander verlieben, etwas von sich preiszugeben, das ein wichtiger Teil des eigenen Lebens ist? Um dem anderen die Chance zu geben, sich gleich zu fragen, ob eine Partnerschaft trotzdem vorstellbar ist für ihn?

Du hast keine schwere chronische Krankheit. Aber dir ist bewusst, dass du körperlich nicht als Mann geboren wurdest, und dass das für eine Frau ein Problem darstellen könnte.

Es ist nicht so, dass ich nicht auch diese Frau aus der von mir erzählten Geschichte oder dich verstehen kann. Ich denke, ihr schweigt aus Angst erst einmal. Aus Angst, etwas Wunderbares vielleicht gar nicht erst zu erleben, wenn ihr gleich offen über das sprecht, was ein Problem sein könnte.

Es ist schwierig...

Das zweite, was mir aufgefallen ist an deiner Geschichte:
Deine Freundin hat nichts gemerkt. Ihr kam nichts sonderbar vor. Du warst für sie einfach ein Mann! Erst als du dich "geoutet" hattest, weil es notwendig war, wenn es auch körperlich werden würde zwischen euch, wusste sie, was zu deinem Leben gehörte. Warum sollte es also irgendjemand anderes merken aus ihrem Lebensumfeld? Nein, das wäre für mich kein Argument, das gegen eine Beziehung spricht. Weil es nur eine Sache zwischen euch beiden ist und bleiben könnte...wenn sie es denn schaffen würde, damit zu leben.


Ich hoffe, du fühlst dich jetzt nicht angegriffen... es sind nur meine Gedanken dazu. Und es tut mir viel zu Leid, wo eure Zuneigung zueinander jetzt steht. Für dich. Und für sie.

LG Gedankensplitter

24.05.2014 16:14 • x 1 #4


Kesey

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Lieber Gedankensplitter,

wie könnte ich mich ob deiner Zeilen angegriffen fühlen?! Im Gegenteil, deine Zeilen haben mich berührt, denn du triffst einen weiteren Kern der Problematik. Bislang habe ich immer die "Karten" gleich auf den Tisch gelegt, wenn sich ein Flirt anbahnte. Nur in diesem Fall stand ich vor einem Balanceakt, da wir uns ja bereits beruflich kannten. Ich muss mich für mich selbst nicht schützen, denn ich bin mit mir eins. Aber durch meinen Beruf stehe ich ein bisschen in der Öffentlichkeit (nichts prominentes) und kann mich dadurch nicht ohne Risiko offenbaren - deshalb habe ich lange, vielleicht zu lange, gezögert und ihr dadurch auch weh getan, gleichwohl sie sich letztlich dennoch für kurze Zeit mit mir verbunden hat. Und du hast Recht - es ist natürlich auch immer ein Stück Angst dabei. Aber wer von uns hat nicht den ein oder anderen Makel, der uns Ablehnung bescheren könnte.
Ich verurteile deinen Bekannten auch nicht, denn nicht jeder Mensch hat die Kraft und Stärke in sich, den anderen so zu lieben wie er ist. Eine schwere Krankheit ist natürlich eine Bürde für die Zukunft. Aber wenn es dieser eine Mensch ist, mit dem ich die Zukunft sehe, dann würde ich versuchen, sie mitzutragen.
In meinem Fall habe mich selbst aber auch oft gefragt, ob ich eine Frau lieben könnte, die in einem männlichen Körper geboren wurde und die finale Operation nicht durchgeführt hätte. Meine Antwort: Ich weiß es nicht - deshalb verstehe ich sie. Es gibt bei uns beiden keine Schuld und keine Vorwürfe. Sie hat es versucht entgegen allen gesellschaftlichen und moralischen Vorstellungen mit denen sie erzogen wurde und hat es nicht geschafft. Sie hat mir dadurch jedoch ihre tiefe Liebe gezeigt und aus mir für wenige Wochen einen sehr glücklichen Menschen gemacht.
Und nein, man sieht und merkt es mir nicht an - ich könnte einige sehr gute Freunde und Arbeitskollgen in ihren Grundfesten erschüttern, wenn ich ihnen mal alte Fotos (die ich allerdings nicht mehr habe) zeigen würde
Ich bin gerade dabei, unsere Geschichte in einem Buch zu erzählen - es ist fast fertig und ich werde es ihr demnächst zum Geburtstag schenken. Vielleicht öffnet sich dadurch ihr Blick für einen weiteren Horizont. Wenn nicht, werde ich Abschied nehmen und diese Zeit der Liebe als Geschenk mit auf meinen weiteren Lebensweg nehmen.

Danke nochmals für deine Worte und die Splitter deiner Gedanken

LG
Kesey

24.05.2014 17:47 • #5


Kesey

Kesey


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Habe heute Abend für mich ihre Lieblingspasta gekocht, die sie immer und immer wieder von mir zubereitet haben wollte: Spaghetti mit Fenchel, Thunfischsahnesoße. Ich hatte keinen Hunger, aber ich wollte wissen, ob ich es kochen kann, ohne einen partiellen inneren Tod zu erleiden Nunja, ich bin bisserl gestorben dabei und hatte Tränen in den Augen, aber ich konnte auch einen kleinen Teller davon essen und bin daher stolz auf mich. Ich vermisse sie unendlich: Ihr Lachen, ihre Wärme, ihre Sinnlichkeit, ihren Intellekt und die Art, wie sich mich sprachlich herausfordert und Kommunikation auf höchster Ebene fordert. Möchte sie noch einmal flüstern hören: "Ich will in deinen Arm."
Wenn ich doch zumindest etwas ändern könnte - was gäb ich dafür, wenn es ein Teil meines Verhaltens wäre, was sie zweifeln ließe - aber da ist nichts, es ist nur das, was ich selbst für mich sicher nicht so wollte. Ich steh dieser Trennung so hilf- und machtlos gegenüber.....

25.05.2014 22:17 • #6


Alena-52


Zitat von Kesey:
Wir hatten gestern am Telefon noch einmal ein sehr offenes Gespräch über uns und darin hat sie mir unmissverständlich klar gemacht, dass sie es so mit mir nicht kann und will, auch wenn Gefühle für mich da sind.

Wir können, so scheint es, nicht miteinander aber auch nicht ohne einander. Was soll ich nur tun?

Aber wir sind nicht im Streit außeinander, hatten nie einen, verstehen uns nach wie vor blind und geben einander gerne Rat in schwierigen Situationen.
hallo Kesey

ich glaube du kannst da leider nur für dich entscheiden ob du eine freundschaft mit ihr erhalten kannst oder nicht.

so traurig es auch ist, sie hat dir deutlich klargemacht, dass sie nicht mit dir kann und will, der wille ist da massgebend, denn mit willen könnte sie es nochmal probieren und sich nochmal überprüfen ob bindungsbeziehung nicht mehr geht. vielleicht ist sie auch schon an dem punkt angekommen in dem beides so ist wie sie sagt.

es liegt an dir zu überprüfen ob dir ihre freundschaft noch soviel bedeutet, dass du das leid dafür in kauf nimmst, was dieser kontakt immer wieder in dir auslöst.

manchmal ist ein ende mit schrecken besser als ein schrecken ohne ende, erstes kann dich irgendwann frei von ihr machen.

alles gute für dich!

25.05.2014 22:53 • #7


Kesey

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Liebe Alena,

ja, das ist die Quadratur des Kreises, in der wir uns bewegen. Ihr Wille... er ist so viel stärker als ihr Gefühl. Freundschaft.... Ich weiß, dass ich ihr freundschaftlich begegnen kann, aber eine Freundschaft will ich nicht und das weiß sie. Ich habe das Sprungbrett noch nicht gefunden - ein neuer Mann in ihrem Leben wäre mein Abflug, definitiv. Es ist oft so widersprüchlich wie sie einerseits spricht und dann wieder handelt. Wir wollen uns beide nicht verletzen, wollen beide, dass es dem anderen gut geht. Können nicht mit, aber auch nicht ohne einander.
Aber ich schließe mich dir gerade vom Kopf her an: Sie kann und will nicht - wobei das "will" leider der maßgebliche Faktor ist - dass sie es kann beziehungsweise könnte, hatte sie mir ja schon gezeigt.

Ich prüfe mich weiter.

Hab Dank für deine Worte!

Kesey

26.05.2014 00:37 • #8


Alena-52


Zitat von Kesey:
Es ist oft so widersprüchlich wie sie einerseits spricht und dann wieder handelt.
Können nicht mit, aber auch nicht ohne einander.
hallo Kesey

diesen konflikt : verstand vs. gefühl kennen wir alle
und das ist es auch was uns durcheinander bringen kann,
meist sitzen ängste dahinter und solange die bereitschaft fehlt sich diesen ängsten zu stellen verliert die liebe ihre chance immer mehr.

vielleicht kann erstmal eine totale kontaktsprerre über eine längere zeit helfen, vielleicht vermisst sie dich so sehr, dass sie ihren gefühlen der liebe nachgehen kann, es kann aber auch sein, dass sie der angst nachgeht und sich mehr zurückzieht. es ist risiko und chance in einem.
wenn sie der angst nachgeht, was könntest du dann wirklich verlieren ?

26.05.2014 13:59 • #9


Kesey

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Liebe Alena,

eine Kontaktsperre hatten wir ja schon, zwar nur drei Wochen, aber ich denke, diese Zeit war dennoch ausreichend. Ich komme mit unserem wiederbelebten Kontakt im Prinzip auch gut zurecht. Natürlich habe ich die Sehnsucht nach ihr und bin, wenn ich ihre Stimme gehört habe, danach auch traurig. Aber es geht jeden Tag ein Stückchen besser. An meinen Gefühlen für sie hat sich in den drei Monaten seit der Trennung nichts geändert, aber ich fange wohl irgendwie an zu akzeptieren, dass sie unsere Liebe nicht leben will. Ich beobachte mich und meine Reaktionen auf unsere Kontakte jedes Mal sehr genau und bin immerhin mittlerweile so weit, dass ich egoistisch genug wäre, mich sofort zurückzuziehen, sollte es mir wieder schlechter gehen.
Was könnte ich verlieren?
Ich habe schon verloren, also kann mir nichts mehr abhanden kommen. Nur ist die Zeit im Leben manchmal nicht zu kurz, als dass man keinen anderen Weg als Schweigen finden kann, um vielleicht doch zueinander zu finden? Ich bin Zeitungsredakteur und habe an sovielen Tagen die Polizeimeldungen über Unglücke im E-Mail Eingang, dass ich viel zu oft vor Augen geführt bekomme, wie schnell alles vorbei sein kann. Sie bedeutet mir ja nicht nur als Frau etwas, sondern auch als Mensch, also versuche ich lieber an mir zu arbeiten, damit wir zumindest einen Teil dessen leben können, was unsere Liebe ausmacht - auch wenn das letztlich "nur" Freundschaft bedeuten würde.
Natürlich schwebt über alle dem immer das Mäntelchen des "vielleicht kommt sie ja doch zurück" und es gibt immer noch zuviele Momente in mir, die hoffen, hoffen, hoffen - und ich werde wohl noch einige Male emotional gegen die Wand fahren und meine Wunden *beep* - aber vielleicht wache ich auch eines morgens auf und merke: Hoppla, ich hab abgeschlossen und kann ihr dann wirklich und ohne weitere Hintergedanken einfach nur ein guter Freund sein. Ein harter Weg, aber der Mensch wächst ja mit seinen Aufgaben - vielleicht ist das in meinem derzeitigen Leben einfach die meine.
Ach ich weiß es nicht - "Die Liebe ist ein seltsames Spiel" - glaube, Connie Francis hat das mal "geschnulzt - vielleicht hör ich es mir mal wieder an
Ich danke dir einmal mehr für dein Feedback und entsende liebe Grüße durch den Äther
Kesey

26.05.2014 18:51 • #10


Kesey

Kesey


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Heute ist mal wieder kein so guter Tag. Bemerke das Ziehen wieder in den Armen und Beinen, das ich in den ersten zwei Monaten nach der Trennung ständig hatte und wohl ein körperlicher Ausdruck meiner Sehnsucht war. Bleibe aber immerhin tränenfrei (nur ein zwei kleine Rückfälle in den vergangenen vier Wochen). Habe beschlossen, ab morgen mit dem Rauchen aufzuhören, nach über 20 Jahren..... Hoffe, dass dieses Unterfangen mich von ihr ablenkt, da ich meine Gedanken dadurch auf eine andere Standfestigkeit fokussieren muss. Und somit gewinne ich der Trennung auch etwas positives ab: Adieu Qualmerei - willkommen mehr Lebensqualität und mehr Euronen im Geldbeutel
Bin gespannt und seltsamerweise voller Vorfreude auf den morgigen Tag und den Start meines Unterfangens. Alle Aschenbecher, bis auf einen, und Rauchutensilien sind schon verbannt - die letzten Kippen werden bis zum Schlafengehen "verraucht" und dann geht ein neues Kapitel im Leben los.

Ich vermisse sie so sehr.......

27.05.2014 16:20 • #11


Alena-52


das finde ich mutig und gesund noch dazu !

unerfüllte sehnsucht auszuhalten ist nicht einfach. abzulenken eine möglichkeit nicht ständig in diesem gefühl zu bleiben.

vielleicht kannst du jetzt irgendetwas für dich tun, was du schon immer machen wolltest, ein tolles hobby, sport, musik o.a. ? ich hoffe, dass du ein gutes soziales netzwerk hast, was dich auffangen kann.

viel kraft für den weg in dein neues leben !

27.05.2014 22:12 • x 1 #12


Kesey

Kesey


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Ja, das habe ich, Gott sei Dank. Am Freitag steht ein "Männerabend" mit einem meiner besten Freunde an - wird sicher gut tun. Und ich habe tatsächlich soviele Pläne gerade für mein Leben. Unsere Beziehung war so intensiv und auch die Trennung, dass für mich so verwirrend viel Kraft trotz der der Trauer darin steckt. Ich möchte vorwärts preschen wie ein junger Hengst und zugleich meinen Kopf in ihren Schoß betten wie ein Kater. Haben gerade wieder eineinhalb Stunden telefoniert, über ihr und mein Leben geredet, über Literatur philosophiert, etwas geflirtert, sie ihr "Nein" wiederholt, sind von Thema zu Thema gesprungen, haben uns soviel zu sagen - hätten uns soviel zu geben. Und das macht es mir so schwer - diese Bürde der möglichen Freundschaft, die ich nicht will, da ich sie liebe. Aber Zeit ohne sie ist vergeudete Zeit. Und es ist so seltsam - sie ruft mich immer in diesen Momenten an, in denen ich im Kopf stark sein will: Als sie anrief dachte ich in diesem Moment: "Ich lass dich los." Musste durchaus lachen und sie merkte es am Telefon und dachte, ich habe gute Laune... Neulich, als ich diesen Thread eröffnete und gerade schrieb, rief sie auch an. Es ist meistens so - wenn ich das Band im Kopf kappen will, in dem Moment meldet sie sich. Wir werden uns am Sonntag treffen - in ihrem Wohnort ist ein internationaler großer Töpfermarkt - öffentliches neutrales Terrain.
Werde mich wieder genau prüfen und beobachten, ob es auch für uns "neutraler" geht. Mein Buch über unsere Geschichte und Liebe ist fast fertig. Ihr Geburtstag am 12. Juni ist gerade meine Deadline, da ich es ihr dann schenken werde - wenn sie, nachdem sie alles gelesen hat, nicht noch ein kleines Fragment eines "Ja" insich fühlt, dann muss ich einen endgültigen Schnitt für mich machen: Wenn ich Freundschaft ohne Qual kann, dann gut, wenn nicht, dann kein Kontakt mehr, auch wenn das gegen mein Herz und meinen Kopf ginge.

Schlaf gut Alena und wie immer meinen Dank für deine aufmunternden Worte - die Unterstützung tut mir gut. Wenn ich dir zur Seite stehen kann, ein Wort genügt!
Kesey

27.05.2014 23:16 • #13


Alena-52


Zitat von Kesey:
Und das macht es mir so schwer - diese Bürde der möglichen Freundschaft, die ich nicht will, da ich sie liebe. Aber Zeit ohne sie ist vergeudete Zeit. Und es ist so seltsam - sie ruft mich immer in diesen Momenten an, in denen ich im Kopf stark sein will: Als sie anrief dachte ich in diesem Moment: "Ich lass dich los."

Mein Buch über unsere Geschichte und Liebe ist fast fertig. Ihr Geburtstag am 12. Juni ist gerade meine Deadline, da ich es ihr dann schenken werde - wenn sie, nachdem sie alles gelesen hat, nicht noch ein kleines Fragment eines "Ja" insich fühlt, dann muss ich einen endgültigen Schnitt für mich machen: Wenn ich Freundschaft ohne Qual kann, dann gut, wenn nicht, dann kein Kontakt mehr, auch wenn das gegen mein Herz und meinen Kopf ginge.
hallo kesey

es zeigt eure sensitivität für den anderen und eure verbundenheit wenn ihr den anderen auch in der ferne wahrnehmen könnt. ich kenne das auch

manchmal sind es gerade menschen, mit denen keine liebesbeziehung möglich ist, die uns an unsere tiefen bringen und deshalb sehr wertvoll sein können. diese tiefe seelische verbindung zu ihnen kann dann den schmerz auslösen, den du jetzt empfindest. und genau diesen schmerz in dir kannst du jetzt lösen wenn du erkennen kannst woher dieser seinen ursprung hat.

liebe ist in der lage den anderen freizugeben wenn sie spürt, dass der andere unfrei ist. manchmal kann es sein das sie gerade durch das freigeben zurückkehren kann. es kann dann aber auch sein, dass es dir gelingen kann auf eine tiefe freundschaftliche ebene zurückzukehren.
beides ist möglich, es liegt an dir wie du damit umzugehen lernen kannst.
ohne zu leiden, sondern in mitgefühl, wertschätzung, dankbarkeit und respekt sein kannst.

das finde ich eine tolle idee mit dem buch und es zeigt deine kreativität, eine qualität von dir auf die du stolz sein kannst.

ich wünsche dir, dass die liebe siegen kann!

schönen abend !

28.05.2014 18:26 • x 1 #14


Kesey

Kesey


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Wir waren auf dem Töpfermarkt - es war ein wunderschöner Nachmittag mit ihr, aber sie empfindet nur noch Freundschaft für mich, auch mein Buch konnte sie nicht mehr umstimmen. Ich fühle mich gerade so hundelend

Wir haben gestern Abend telefoniert. Sie meinte, wenn ich Kontakt haben könne mit ihr, dann soll ich mich melden - wenn nicht, würde sie es verstehen.

Habe ihr heute morgen diese Mail geschrieben:

"Liebe ....,

danke für deine offenen und ehrlichen Worte gestern und vor allem für deine unglaubliche Geduld mit mir und meinem unbändigen Anstürmen und des Nichtloslassenwollen.
Ich habe auch nach dieser schlaflosen Nacht keine Ahnung was ich machen und mit der Situation umgehen soll.
Könnte kein Kontakt zu dir mir wirklich helfen? Wenn ich an meinen ersten Versuch diesbezüglich zurückdenke, dann weiß ich, dass es nichts bringt. Ich muss ja dennoch ständig an dich denken, ob ich dich nun höre oder nicht - es ändert leider nichts für mich.
Ich versuche meinen Gefühlen für dich etwas die Schwermut zu nehmen, in dem ich mir fortan immer wieder vorsage: Wenn wir zwei füreinander bestimmt sind, dann wird es so sein - wenn nicht, dann nicht. "Wer etwas liebt, sollte es freigeben, damit es zurückkommt!" habe ich mal irgendwo gelesen - vielleicht ist dies so.
Ich bin am Dienstag um 10 Uhr bei Susi - eigentlich ist alles gesagt und ich habe keine Fragen, aber ich fühle mich so verloren und hoffe, sie kann in den Karten einen Anker für mich sehen, der mir bislang verborgen bleibt.

Bin gerade meine kleine Runde gelaufen und habe weiter darüber nachgedacht, wie es mir geht, wenn wir Kontakt halten. Resultat: Ich genieße jede Sekunde mit dir auch wenn es höllisch schmerzt.
Und ich habe darüber nachgedacht, wie es mir geht, wenn wir keinen Kontakt haben. Resultat: Ich vermisse jede Sekunde mit dir und es schmerzt höllisch.

Die Quadratur des Kreises......

Aber ein Entschluss muss her.......

Ich glaube du weißt ja nun in allen Facetten wie ich für dich empfinde. Zu deiner, wie ich denke großen Erleichterung, werde ich dich damit nicht mehr weiter bedrängen und dem Schicksal seinen Lauf lassen. Du hast mir ja versprochen, es mich wissen zu lassen, sollten sich die Mosaiksteinchen in deinem Leben doch noch in meine Richtung bewegen, auch wenn du die Chancen bei 0 Prozent ansiedelst. Dieses Versprechen reicht mir.
Wenn es für dich in Ordnung ist, dass ich dir nicht in der Rolle des "guten Freundes" begegne, dann würde ich gerne weiter Zeit mit dir verbringen. Telefonieren, Scrabbeln, Baden oder Spazieren gehen. Wenn ich merke, ich kann es manchmal nicht, dann werde ich dies sagen.

Was meinst du?

Liebe Grüße
Stefan"

Sie hat mich danach angerufen und gesagt, dass sie sich freut von mir zu hören. Aber auch bekräftigt, dass nur Freundschaft möglich ist und wir eine solche bereits haben. Sie hat mich gefragt, ob ich am Montag mit ihr Picknicken möchte - natürlich will ich. Jaaa, gegen alle Vernunft. Wenn mein Herz oft genug bricht, vielleicht spüre ich es dann nicht mehr. Ich sollte mich nicht selbst quälen, ich weiß es im Kopf. Aber der Schmerz vergeht einfach nicht, egal, ob ich sie sehe oder nicht. Also sehe ich sie lieber. Bin heute den zehnten Tag rauchfrei - wenn ich das trotz allem schaffe, dann schaffe ich es vielleicht auch, wirklich irgendwann auch nur Freundschaft für sie zu empfinden......
Wenn nur endlich diese Sehnsucht enden würde. Fühle mich gerade, als ob mir jemand bei lebendigem Leib die Haut abziehen würde....

Traurige Grüße

Kesey

06.06.2014 13:41 • #15



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