Ehemaliger User
Gast
heute habe ich mit Erschrecken mal gemerkt, dass ich schon 9 Monate hier bin. Neun turbulente Monate, in denen viel geschehen ist, und in denen ich Fehler gemacht, Fehler eingesehen, viel geweint und wenig gelacht habe.
Das Leben ist weitergegangen, manchmal an mir vorübergezogen, manchmal hat es mich mit wunderbaren Glücksmomenten beschenkt.
Diese hätte ich gerne festgehalten, hätte gerne ein Leben in Liebe und Glück, voller Achtung und Respekt gelebt.
Gerne hätte ich besondere Tage auf besondere Weise gefeiert,aber oft fühlte ich mich wie gelähmt und wie zerfetzt von Schmerz.
Sind die Dinge anders oder besser geworden? Ich denke anders schon, besser aber nicht. Ich glaube, dass trotz allen Redens, trotz aller Einsicht die Dinge eher noch schlimmer geworden sind. Sicherlich war das nicht beabsichtigt. Ich habe einen langen Herbst und Winter, und einen kalten Frühling hinter mir, gerne hätte ich diese Zeit mit jemandem verbracht, der mir seine Liebe freimütig schenkt und dem ich meine in gleicher Weise zurückgeben kann.
Es hat nicht sollen sein.
Die wahre Liebe ist verloren, und es scheint keinen Weg aus diesem Irrgarten zu geben, um sie wieder zu finden. Je mehr Zeit vergeht, desto schwerer scheint es zu werden, sich jemandem anzunähern, dabei ist es doch mein einziger Wunsch geliebt zu werden, so wie ich bin.
Mir stellt sich die Frage, wie ich denn nun bin...sicherlich nicht mehr die, die ich VOR oder IN der Beziehung war, einen Weg zurück zu dem VOR der Beziehung gibt es nicht, dazu habe ich zu sehr geliebt (und tue es immer noch), eine Tatsache, die mich verändert hat.
Es hat mir gezeigt wozu Liebe fähig ist..in gutem und im schlechten Sinne. Sie lässt uns Dinge tun, die wir sonst nie tun würden, man gibt sich auf, man verletzt unbeabsichtigt, aber sie zeigt uns auch, wie schön das Leben zu zweit sein kann.
Wie schön ist es, Sonne Wind und Meer gemeinsam zu geniessen, engumschlungen im Gras zu liegen, oder Hand in Hand durch die Landschaft zu wandern. Liebe macht das Leben lebenswert, und verliert man sie, dann verliert man sich selbst vor lauter Verzweiflung.
Und das Leben geht weiter, unbemerkt verrinnen die Tage, es wird Sommer, die Sonne scheint, das Meer ist blau, die Luft riecht nach Salz, und immer noch wünscht man sich jemanden an seiner Seite, der all dies mit dir zusammen geniesst, weil es einfach doppelt schön ist.
Man sieht, man riecht, fühlt, hört und schmeckt...aber es ist anders als zuvor, ständig kommen die schönen Erinnerungen in einem hoch, zeigen dir was und wie es mal war, das macht so unendlich traurig.
Gleichzeitig kämpft man mit sich, will diese Erinnerungen niederringen, will sie mit all dem schlechten anfüllen, was man erlebt hat. Man möchte sich das Herz rausreissen, damit es endlich still ist. Doch die guten Dinge sind stärker, die Erinnerung daran zaubert ein Lächeln aufs Gesicht, doch gleichzeitig kullern die Tränen, weil man voller Sehnsucht nach dieser unendlichen Freiheit zu zweit ist.
Ich bin müde geworden, müde vom Kampf mit den Windmühlenflügeln ( bin kein guter aber dennoch ausdauernder Don Quixote), müde vom Kampf mit mir selbst und mit anderen. Dulcinea kann ich nicht retten, das kann nur sie allein, denn die Windmühlenflügel sind keine Riesen....sondern eben nur das, was sie in Wirklichkeit sind.
Gelernt habe ich viel in diesen Monaten, über mich und andere, anwenden und zeigen durfte ich es nicht wirklich.
Ich trauere meinem eigenen Ich nicht hinterher, die Frau, die ich jetzt hier und heute bin, die wird mich auf meinem weiteren Weg begleiten müssen. Verletzlich und stark, fähig zu lieben und zu leiden, schwach, vertrauensvoll, fähig zu vergeben und eigene Wege zu gehen, und andere ihre Wege und ihr eigenes Glück finden zu lassen.
Sicher werde ich oft stolpern, und mir eine starke Hand wünschen, die mich dann festhält, und vor dem Fallen bewahrt, ich weiss aber auch, dass es eine solche Hand nicht geben wird, und auch niemanden, der die Momente des Glücks mit mir teilen wird.
Damit umzugehen ist schwierig, weil man weiss, ein liebendes Herz ist gar nicht so weit weg, und doch scheint man so weit voneinander entfernt. Und wer Brücken baut, muss auch bereit sein, hinüberzugehen.
Ich kann nur meinen Weg gehen, und hoffen, dass die Dunkelheit und Einsamkeit nicht zu gross wird, dass vielleicht irgendwann ein Licht erscheint, welches meinen Weg mit jedem Schritt heller macht.
Ruhe wünsche ich mir, ein paar Wochen Einsamkeit auf einer Insel, wandern, lesen, schlafen, nur mir selbst und meinen Gedanken überlassen, Landschaften und das stille Leben um mich herum wirken lassen.
Leider ist es nicht machbar, beruftätige, alleinerziehende Mütter wissen wovon ich rede.
Daher kann ich nur die kostbaren Stunden vor Mitternacht zu meiner Ruhe-Insel machen, meinen Leuchtturm besuchen, am Strand spazieren gehen, die Ruhe des Stadtwaldes geniessen, oder mir einfach zu Hause die Zeit für mich nehmen.
Und schon springt mir wieder "mein Liebster" in den Kopf...hmm, das wird er wohl noch eine ganze Weile tun, vielleicht noch ein Jahr, oder noch eines? Wer weiss das schon? Aber irgendwann wird jemand hoffentlich wieder meine Hand halten, und ich kann ihm ein wenig Liebe schenken, wenn wir vom Deich auf das Meer schauen, und er wird stolz und glücklich sein, diese Liebe zu bekommen.
Thilde
