Zitat von Bahia84: Am Ende des Tages zählt aber nur, ob ich mich mit dieser Nähe- Distanz Sache wohl fühle.
Er steuert das nach meinem Empfinden. Wieviel Nähe. Wieviel Distanz.
Bin mir da aber nicht sicher
Liebe Wasabix,
die Beschreibung der Szene am Abend - sie hätte von mir sein können. Er kocht und bäckt und Du arbeitest ihm zu und bist guter Dinge. Dann fährt er Dich an aus einem völlig banalen Grund.
Ist nicht in Ordnung, aber ein Vorgeschmack auf sein Verhalten, wenn der Alltag mal vollends eingekehrt ist. Denn das ist sein Teil seines wahren Gesichtes.
Was macht das mit Dir?
Du fragst Dich, was habe ich falsch gemacht, wieso reagiert er so heftig? Und dann spürst Du, wie eine völlig andere Hormonmischung durch Dich flutet. Traurigkeit und Unverständnis machen sich breit und Du fühlst Dich allein gelassen. Genau diese Situationen hast Du vermutlich als Kind schon erlebt und das hat sich festgesetzt.
Du verspürst Nähe und Distanz und er entscheidet, wieviel davon Du bekommst und ob überhaupt. Dabei geht es nicht um Dich, sondern um sein Befinden. Er ist gut drauf, will ausgehen, alles paletti oder er ist gerade zufrieden mit Dir und der Welt und Du kriegst Deine Dosis.
Wenn er gestresst ist oder im Alltagstrott befangen ist, dann sieht es anders aus. Er macht sich eine Tasse Kaffee, Du darfst Dich zu ihm setzen, während er seine Nase in den PC steckt und Du fühlst Dich wie ein Möbelstück. Halt da, aber eigentlich unwichtig. Du kapierst, das wird jetzt nichts und verabschiedest Dich.
Mir fällt auf, dass Du unglaublich stark auf ihn reagierst, auf seine Laune, seine Befindlichkeiten. Er bestimmt darüber, wie Du Dich fühlst.
Und er ist mal warm und leider auch sehr oft kalt und eher abweisend. Wenn er gerade warm, also liebevoll und zugewandt ist, blühst Du auf. Ist er anders, dann verstummst Du und fühlst Dich traurig. Er hat Dich in der Hand und das geht so rasend schnell dass Du es gar nicht merkst. Du merkst es erst, wenn Du schon in dem Hamsterrad läufst und stark auf ihn reagierst. Auf seine Vorgaben, sein Verhalten, seine Befindlichkeiten.
Oh Mann, ich kenne das alles. Dieses heiß und kalt und Du spürst, da läuft was falsch, aber Du kannst es nicht ändern und weißt auch nicht, wie Du damit umgehen sollst.
Dann kommen nach den ersten rauschartigen Wochen nun die Alltagserscheinungen. Er ist nicht mehr so zugewandt, eher desinteressiert. Seine blöden Tauben sind wichtiger als Du. Vieles ist wichtiger als Du. Du fühlst Dich eher wie ein Zaungast anstatt als Partnerin. Du hast keine Augenhöhe, denn er ist oben und Du unten.
Und das ist so, weil Du emotionale Defizite hast, die er auffüllen soll. Das tut er nicht, das ist nicht seine Art. Sein Alltagsgesicht unterscheidet sich krass von seinem Fassadengesicht und vom anfänglichen Überschwang, als er Vollgas gab und Dir viel zu schnell seinen Schlüssel überließ, ist nicht mehr viel übrig. Der Alltag ist eine graue Brühe und das muss man erst mal aushalten, vor allem wenn der geliebte Partner auf einmal so anders ist und längst nicht mehr so engagiert ist wie am Anfang. Die Botschaft, die er Dir mitteilt und die Du fühlst: ich bin eigentlich überflüssig.
Der ist so befangen in seinem Trott, mit seinen Tauben, mit Dingen. Aber reden will er nicht. Er geht nicht auf Dich ein, er geht über Dich hinweg und stellt Dich kalt, mit den Worten, was hast du, passt doch alles!
Aber das ist Dir doch nicht genug. Er ist unempathisch und er weiß nicht wie er mit Dir umgehen soll.
Er sieht eine Frau, die recht oft da ist, die in sein Leben eingetreten ist (was ihm in diesem Ausmaß evt. mittlerweile zu viel ist) und die wartet und wenig sagt, weil sie sich nicht traut und weil sie weiß dass sie oft genug gegen eine Mauer läuft.
Du kannst Dir gar nicht vorstellen, wie bekannt mir diese banale Schilderung von Dir vorkam.
Es ist, als ob der von damals und ich beieinander säßen. Auch ich fühlte dieses Nähe-Distanz-Phänomen, wobei meiner noch schlimmer war. Und ich fühlte mich ausgeliefert.
Du wirst mit zunehmender Dauer trauriger werden, Sinnlosigkeit verspüren und vor allem dieses furchtbare Gefühl der Unterordnung spüren, weil er Dich nämlich gar nicht hochkommen lässt. Er sorgt dafür, dass Du schön brav zu seinen Füßen liegst. Und da Du nicht noch mehr Öl ins Feuer gießen willst, schweigst Du und ziehst Dich zurück.
Aber fröhlich darüber bist Du nicht, denn eigentlich sollte doch alles ganz anders laufen. So mit Vorfreude auf den Partner, mit mehr Zärtlichkeit, Zugewandtheit und mit Gesprächen, in denen er Dich ernst nimmt und sich hineinfühlt.
Tja, ein grober Allgäuer Klotz eben. Was hast Du (das "schon wieder" verkneift er sich, aber er denkt es sich vermutlich), passt doch alles?!.
Nein, verdammt, das tut es nicht! Und das solltest Du ihm auch mal sagen, dass Du kein Möbelstück bist, keine Verfügungsmasse von seinen Gnaden, keine Frau der man irgendwelche Verschwurbelungen über verschwundene Kond. erzählt, sondern dass Du Respekt und Achtung verdient hast. Du bist so kleinmütig wie ich damals. Lieber schweigen, lieber daheim sitzen und ein paar Tränen dort weinen, weil der Mann null Einfühlungsvermögen hat und nicht belästigt werden will mit irgendwelchen emotionalen Dingen von gefühlsbeladenen Frauen, die ständig was wollen.
Er wird das nie verstehen, der Zug ist abgefahren. Und er ist keiner von den Softies, die auf Frauen eingehen. Und du wirst noch mehr von seinem Alltagsbenehmen sehen, was Dir nicht gefallen wird.
Wasabix, Du bist schon in der Schleife drin und aus der kommst Du ganz schlecht wieder raus, weil Du schon sehr abhängig geworden bist. Äußerlich nicht, aber innerlich.
Ich kann Dir nur raten:
Schraub Deine Erwartungen an ihn deutlich runter, denn er wird Dich sonst nur enttäuschen.
Er ist nicht der charmante Mann, den Du kennengelernt hast und der Dir die Sterne vom Himmel geholt hat. Er ist ein stinknormaler Mann, der sich nicht mit Problemen abgeben will und von dem Du kein Einfühlungsvermögen erwarten kannst. Er braucht eine innerlich stabile und eher abgeklärte Frau an seiner Seite, die gut damit leben kann, weil sie nicht von seiner Zuführung von Nähe abhängig ist.
Tiefgründige Gespräche werden Seltenheitswert haben, wenn sie überhaupt stattfinden. Er mag das nicht, er fühlt sich damit nicht wohl, weil es ihn vermutlich überfordert. Der war zu sehr damit beschäftigt, Mann zu werden, dass da wohl vieles auf der Strecke blieb. Er stammt aus einem Haus, in dem nicht gesprochen wurde, vor allem nicht über emotionale Dinge wie Traurigkeit oder ein Gefühl der Verlassenheit.
Stell Dein Leben auf eigene Beine. Häng nicht dauernd bei ihm rum, wenn Du doch nur ein nettes Add-on bist. Halt da, aber muss man sich ja nicht darum kümmern. Nicht mal einen Kaffee hält er für Dich bereit. Das ist nicht etwa rücksichtslos, nein, er hat es aber nicht gelernt, für zwei zu denken oder sich überhaupt zu fragen, ob Du vielleicht auch einen möchtest. Er ist ich-fixiert und das Du existiert vielleicht, aber im Grund genommen käme er ja auch prima ohne Dich aus.
Lerne, mehr für Dich zu tun und gehe mit Freundinnen aus. Wenn es geht, fahr doch mal ein paar Tage weg, allein oder mit einer Freundin. Such Dir ein Hobby für Dich und übe das aus. Ohne ihn, Versuche, Deinem Leben mehr Qualität zu geben und das unabhängig von ihm.
Du kannst auf Dauer von diesem Mann nicht mehr erwarten als das, was er Dir jetzt zeigt. Und wenn das zu wenig ist, dann ist er eben für Dich nicht geeignet. Aber hör auf, von ihm wundersame Dinge zu erwarten.
Klar, sein Arbeitstag ist anstrengend, er muss um fünf raus. Das ist brutal früh, das macht keine Freude, aber für seine Tauben lang es allemal, denn die sind ihm wichtig. Entweder Du kannst mit einem Schmalspuralltag mit ihm zurecht kommen oder halt nicht. Aber lass Dich nicht verheizen. Achte auf Dein Selbstwertgefühl und pass auf Dich auf, dass Du nicht von ihm getreten wirst.
Versuche, autarker zu werden und wieder mehr Unabhängigkeit zu finden.
Er ist ein Mann und daher kannst Du nicht allzu viel von ihm erwarten, vor allem kein Eingehen auf Dich und kein Einfühlungsvermögen. Ein Verdränger, der keinen Bezug zu seinen Gefühlen hat. Natürlich wird er auch von ihnen gesteuert, aber er ist kein Mann, mit dem die Sonne beständig scheint. Er ist schnell ungehalten, oft respektlos und grob und wie es mit seiner Ehrlichkeit bestellt ist, ist ebenfalls sehr zweifelhaft.
Entweder Du kannst damit leben und es mit Humor sehen oder es ist Dir viel zu wenig. Dann ist es besser zu gehen.