@Laurana
Zitat von Laurana:Liebe Ivy,
was ich an deinem Text auf S. 181 (?) besonders schmerzhaft finde ist, dass Du ein klares Gefühl hattest, dass da irgendwas im Busch ist- und er es grundlegend abstritt. Deine Wahrnehmung also gänzlich in Frage stellte, nur weil er nicht die Courage hatte offen und ehrlich damit umzugehen.
Das war sehr schmerzhaft. Ich habe es ihm auch einmal mit fast deinen Worten gesagt: Dass er einfach meine Wahrnehmung in Frage gestellt hat, anstatt sich mit mir auseinanderzusetzen. Wenn jemand das macht, besteht die Gefahr, dass man zeitweise selbst an seiner Wahrnehmung zweifelt. Ich habe jedoch immer wieder erfahren, dass ich ihr trauen kann. Das war etwas vom Positiven am Ganzen. Das Feintuning meiner Antennen hat mich manchmal selbst überrascht.
Zitat von Laurana:Wie meinst Du das im Zusammenhang mit der Beziehung, dass Du so viel Verantwortung übernommen hast? Kannst Du mir Beispiele zum Verständnis geben?
Jetzt, wo ich meine Formulierung genauer betrachte, sehe ich, wie es auch verstanden werden könnte. In diesem Zusammenhang waren jedoch Selbstvorwürfe gemeint. Ich wollte das Wort „Schuld“ umgehen, da es ja nicht um Schuld geht. Habe stattdessen das Wort „Verantwortung“ gewählt, was es wohl irgendwie schwer verständlich gemacht hat.
Zitat von Laurana:Dass Du durch den Ablauf und die Trennung ansich in deinen Grundfesten erschüttert bist, kann ich gut nachempfinden. Besonders das Thema mit dem „eigene Wahrnehmung vertrauen“ und sich „mit Haut und Haar auf das Gegenüber eingelassen zu haben“ und dann zu merken, dass Du allein in dem Schiffchen gesessen hast- zum Mindest seit geraumer Zeit. Ich hab gestern mit meiner Mutter telefoniert und mir kam das Bild, dass ich in den letzten Monaten meiner Beziehung das Gefühl hatte, dass wir auf rauher See unterwegs sind und wir uns beide drüber bewusst sind, dass es eine schwere Phase ist und ich bewusst entschieden habe, meinen Ex in bestimmten Lebensbereichen zu entlasten, also vermehrt allein zu strampeln und zu rudern. Mit der gedachten Gewissheit, dass diese Phase vorbei geht und er dann mal das Paddeln übernimmt oder wir es wieder gemeinsam tun. Revue Passierend sehe ich es jedoch so, dass ich um unser Überleben gepaddelt habe und er schon längst mit Rettungsweste am Sonnenstrand lag, ohne mich davon in Kenntnis zu setzen.
Dieses Bild berührt mich sehr – dein verzweifeltes Rudern und die anschliessende Ernüchterung, Enttäuschung, das Sich-hintergangen-Fühlen.
Das ist keine schöne Erfahrung. Aber weisst du was? Während er sich für ein seichtes All-inclusive-Erlebnis in Strandnähe entschieden hat, hat dich das Rudern auf rauher See stärker gemacht. Du hast dich den Stürmen des Lebens mutig entgegengestellt und dein Schiffchen von ihnen nicht zum Kentern bringen lassen. Du wirst dich aus eigener Kraft zu neuen Ufern bringen können, die für ihn nur ferner Horizont bleiben.
Zitat von Laurana:Für mich war und ist es weiterhin schwer zu begreifen, dass mir dieser Mensch so nahe war und währenddessen akute Zweifel hatte. Was war also echt...Und zu akzeptieren, dass die Ablösung beim Gegenüber eingesetzt hat, ohne dass Du/ich davon in Kenntnis gesetzt wurden, macht hilflos und ohnmächtig. Jede Chance einzuleiten wurde genommen.
Ich weiss ganz genau, wovon du da sprichst.
Zitat von Laurana:Wie gesagt, das „nicht-begreifen-können“ kenne ich. Drei Tage bevor sich mein Ex getrennt hat, waren wir noch im „Rosa Himmel hart Nähemodus“ zueinander und dann komme ich von der Arbeit, er schlecht geschlafen und innerhalb von 10 Minuten ist alles vorbei. Vielleicht hat er vorher ein Buch „Trennung für Dummies“ gelesen. Da gibt’s bestimmt den Schnelldurchlauf für die Ungeduldigen Verlasser.
Mein Ex hat tatsächlich beiläufig ein Dokument erwähnt, das er zur Vorbereitung für die Trennung gelesen hatte und das er mir netterweise auch gemailt hätte, wenn ich mal hätte reinschauen wollen.
Zitat von Laurana:Und diese „love language“ möchte ich nicht lernen. Weil sie 0,0 mit Wertschätzung, Selbstreflexion oder Achtsamkeit zu tun hat.
Dann ist es keine love language. Ich meinte mit den verschiedenen Sprachen der Liebe wirklich verschiedene Arten, Liebe zu transportieren. Die Botschaft war mehr „Wenn dich jemand nicht so liebt, wie du es dir wünschst, dann bedeutet das nicht, dass er dich nicht liebt“. Aber „wenn es verletzt, ist es keine Liebe.“ (Chuck Spezzano)
Zitat von Laurana:Letztlich ist ein Teil in mir sehr traurig- u.a. weil ich denke, dass ich besser auf mich aufpassen hätte müssen...
Du bist gerade auf einem sehr guten Weg, es zu lernen.
Zitat von Laurana:Liebe Ivy, danke, dass Du so schön schreibst!

Tu ich das? Ich habe oft nicht das Gefühl, dass ich euch diesbezüglich das Wasser reichen kann.
@Denise
Zitat von Denise80:...er kann sich nicht entscheiden...das sind seine Worte...er hat Angst davor, wenn er wieder auf mich eingeht, und sich gefühlsmässig in ihm nichts ändert, dass er mir wieder weh tut... .
Hä? Auf welche Gefühle wartet er denn?
Zitat von Laurana:Vielleicht würde ich erwarten, wenn er sich getrennt hat, und mich das überrascht hat und ich deshalb einige Wochen gelitten habe, bis er sich die Möglichkeit offen lassen wollte, dass er zurück kommt, dass er nun lernt die Dinge beim Namen zu nennen. Konkret zu werden, was nun geht oder nicht. Nicht Du hast die Beziehung in Frage gestellt, sondern er. Ich kann deine Distanz zu ihm verstehen. Dich jetzt nackig zu machen (geistig), bedeutet nach dem Vertrauensverlust Gefahr und ich habe ehrlich gesagt noch nichts gelesen, was dir dieses Vertrauen zu ihm (gesponsort durch sein Verhalten durch aktive Klarheit) geben sollte.
Ich bin froh und diese Ergänzungen von Laurana. Ich bin davon ausgegangen, dass er dich liebt, es dir aber einfach nicht so zeigen kann, wie du es brauchen würdest, um dir seiner Liebe sicher zu sein. Meine Ausführungen zu den Sprachen der Liebe waren in diesem Zusammenhang zu verstehen.
Gerade auch unter Berücksichtigung deiner Aussage von oben gehe ich mit Laurana einig: Natürlich ist er es dir schuldig, dich wissen zu lassen, was er dir gegenüber und in Bezug auf eure Beziehung empfindet!
@Alex
Zitat von AlexM:Und letzte Worte dürfen ruhig theatralisch sein

Da bin ich anderer Meinung. Letzte Worte sollen ehrlich sein und zur Klärung beitragen. Das sind die Verlassenden uns schuldig! Sonst bleibt eben dieses Gefühl des „offenen Endes“ zurück, das Else beschreibt:
Zitat von Else, die 1.:Zitat von Twinky:Zitat:Weißt Du, ich kann nicht einfach alles beenden, eben WEIL es offen ist. Weil es für mich nicht "fertig" ist. Und doch, es gibt offene Enden, da muss ich Dir widersprechen. Für mich fehlt da alles, was eine Geschichte bzw. eine Beziehung "schließen" würde und doch ist es ein Ende. Und das zu verdauen, ist schwer. Momentan habe ich es noch nicht geschafft.
Was würde Dir denn helfen? Was "schließt" eine Beziehung?
Naja, so was wie eine gewisse Einvernehmlichkeit. Ehrlicher Austausch über Gründe, den Verlauf etc. Bilanz ziehen. was war gut, was war schlecht... . So was halt.
„Abschluss-Gespräche“ bewahren uns nicht vor dem (wichtigen und notwendigen) Trauerprozess. Aber sie lassen einen wenigstens nicht auch noch mit dem Gefühl zurück, dass einem die Möglichkeit zur Klärung vorenthalten wurde, auf die man ein Recht gehabt hätte.
Uiuiui…..jetzt ist es aber ganz schön spät geworden. Ich schleiche mich jetzt auf Zehenspitzen in die Koje, damit ich euch nicht aufwecke.
Schlaft schön!
