Zitat von Carlson:Guten Morgen Gemeinde!
Jeder hat mehr als zwei gute Momente am Tag. Und wenn es ein nettes Gespräch mit einem Kollegen/in ist, ein Schnäppchen beim Einkaufen. Ein Lacher über den Alltag.
Nur, die Bereitschaft das zu sehen, die muss kommen. Es ist viel leichter sich schlecht zu fühlen, als das Gute ranzulassen.
Das ist aber auch psychologisch bedingt. "Wenn es mir schlecht geht, bekomme ich Aufmerksamkeit...." - erkennt sich da jemand wieder? Natürlich möchte und braucht man das. Es besteht aber die Gefahr, dass man sich davon abhängig macht.
Also - positive Gedanken zulassen. Sich selber positive Dinge bewusst machen.
Ich weise gerne noch einmal auf den Autosuggestionsthread hin. Der hat einigen ganz gut geholfen, wie mir berichtet wurde

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Kopf hoch, Brust raus - heute wird ein guter Tag!
Lieben Gruß
Carlson
Lieber Carlson
Ich rechne es dir hoch an, dass du uns immer wieder dazu anhältst, nicht in unserem Schmerz zu versinken und den Blick für das Schöne um uns herum nicht zu verlieren, und das meine ich ganz ehrlich. Trotzdem fühle ich mich dazu herausgefordert, auf deinen Eintrag von heute Morgen zu reagieren.
Du lässt darin völlig ausser Acht, dass es für die Tatsache, dass wir uns schlecht fühlen, einen Grund gibt, und unterstellst uns – direkt oder indirekt – dass wir uns dieses Zustands (nur) bedienen, um ein bestimmtes Ziel zu erreichen – nämlich das, Aufmerksamkeit zu bekommen.
Ich gebe dir Recht darin, dass man, wenn man nicht an sich arbeitet, durchaus an den Punkt gelangen kann, an dem man sein Sich-schlecht-Fühlen fast schon zelebriert und vielleicht auch für bestimmte Zwecke instrumentalisiert.
Aber du kannst nicht generell jedem Sich-schlecht-Fühlen diese Absicht zuschreiben, weil du uns damit auch sagst, dass wir selbst Schuld sind an unserem Schmerz.
Ich spreche jetzt hier für mich, aber es gilt wahrscheinlich für die meisten von uns:
Ich habe einen immensen Verlust erlitten, und für mich war diese Erfahrung ganz existenziell. Ich muss Abschied nehmen von einem Menschen, den ich sehr liebe, von seinem Umfeld, zu dem ich ganz selbstverständlich dazu gehörte, von Träumen, Plänen, Hoffnungen, ja von einem ganzen Lebenskonzept.
Ich bin nicht einfach nur melancholisch oder habe gerade mal eben schlechte Stimmung. Ich traure intensiv, weil es so viel ist, was ich verloren habe.
Ich mache das gerade allein in meiner Wohnung, weit weg von Familie und Freunden, das heisst es ist niemand hier, der deswegen alle Aufmerksamkeit auf mich richten und mich dafür bemitleiden könnte.
Bei mir war die Trennung Auslöser für eine (fachmännisch diagnostizierte) Depression. Das ist eine Krankheit, und kein Zeichen von persönlicher Schwäche, von persönlichem Versagen oder von Schuld.
Meine Seele weint, und sie darf Raum und Zeit haben dafür.
Wie gesagt: Ich stimme dir in dem Punkt zu, dass der Schmerz leicht chronisch werden kann, wenn man nicht aufpasst.
Ich sitze aber nicht zu Hause und suhle mich darin. Ich versuche wirklich, an mir zu arbeiten. Ich führe wertvolle Gespräche mit einer Therapeutin und versuche, das, was wir dort erarbeiten, umzusetzen. Ich war bei einer Trauerbegleiterin und in einer Liebeskummer-Praxis. Ich spreche über das, was mich bewegt, und schreibe es auf. Ich gehe in die Natur, treibe Sport. Ich stehe auf und gehe zur Arbeit, obwohl ich manchmal schier verzweifeln könnte. Und ich taste mich behutsam an ein neues Leben heran.
Die Schritte sind klein, aber sie sind da.
Ich gönne es dir von Herzen, dass du es so schnell geschafft hast, wieder auf die Beine zu kommen.
Aber jeder hat sein eigenes Tempo dafür.
Wenn du jedoch bemerkst, dass wir wieder einmal nur auf der Stelle treten und den Blick für das grosse Ganze zu verlieren drohen, dann spornst du uns hoffentlich gerne weiterhin an und trittst uns auch mal in den Allerwertesten!
In diesem Forum (wie auch in der Welt) hat jeder seine ihm ganz eigene Rolle und es braucht jeden genau so, wie er ist!
Deine Aufgaben sind zur Zeit vielleicht in etwa vergleichbar mit denen des Chors im antiken Theater: "Der Chor war Kommentator, Mahner, Gewissen, begleitete die Handlung oder griff in sie ein."
Danke dafür, du alter Antreiber du!
Dir und auch allen anderen einen kraftvollen Tag – in deinem Sinne mit Blick für das Schöne um uns herum!
