Huhu, Twinky, ich bin hier! Ich hatte auch wieder ein paar härtere Tage und irgendwie nichts Sinnvolles beizutragen. Bin aber oft als stille Mitleserin mit euch unterwegs.
Ich drück dich zurück. Es ist toll, wie ihr immer allen Mut zusprecht, du und Neja. Danke euch beiden wieder einmal dafür!
Ich hoffe, du nimmst dir auch Raum für dich heraus, wenn du ihn brauchst. Wie geht es dir denn im Moment?
Karin, es tut mir leid, dass dein Umfeld so wenig Verständnis zeigt für deine Trauer.
Manchmal geschieht das nicht mal aus Ignoranz oder in böser Absicht, sondern einfach auch aus einer gewissen Hilflosigkeit heraus.
Was es wohl auch nicht einfacher macht, ist die Tatsache, dass bei vielen der Schmerz nicht in der Anfangsphase am intensivsten ist, sondern erst Wochen oder Monate nach der Trennung.
Bei mir war es auch so. In den ersten Tagen habe ich irgendwie auf Autopilot geschaltet und weiterfunktioniert. Ich habe mich mit Kolleginnen verabredet, bin ins Kino gegangen, in den Tanzkurs. Die Erstarrung kam zeitverzögert. Plötzlich ging das alles überhaupt nicht mehr.
Am Anfang ist ja bei den meisten noch viel Hoffnung mit dabei, und gerade sie lässt einen nicht in sich selbst zusammenfallen. Ich habe diese Hoffnung auch noch lange gebraucht und sie mir auch von niemandem wegnehmen lassen. Vor allem meine Therapeutin ist damit zum Glück sehr behutsam umgegangen.
Das Problem war einfach, dass die Hoffnung – neben all den anderen Gefühle wie Erstarrung, Erschütterung, Fassungslosigkeit etc. – mich lange blockiert hat. Irgendwie hatte ich das Gefühl, ich kann nur entweder weiterhoffen oder weitergehen. Ich hatte Angst, dass weitergehen bedeutet, nicht mehr mit meinem Ex-Freund verbunden bleiben zu können. Ihn ganz zu verlieren. Weil es die Trennung so zementiert. Ich musste lernen, dass es sowohl als auch sein darf.
Mit der Zeit – und wenn man sich vielleicht auch noch ein paar weitere Zurückweisungen abgeholt hat, wie ich – gelingt es dann immer besser, den Griff etwas zu lockern und sich nicht mehr so verzweifelt an etwas zu klammern, was man sowieso schon verloren hat.
Aber eben – dieser Prozess braucht Zeit.
Und die wird einem in der heutigen, schnelllebigen Zeit leider nicht von überall her zugestanden. Da kommen dann eben manchmal Aussagen wie sie auch Milagro erwähnt: „Das muss doch jetzt mal langsam wieder gut sein.“
Bei unserem letzten Telefonat vor neun Wochen hat mein Ex mich auch immer wieder in diese Richtung zu reden versucht. „Kannst du nicht auch die Chancen sehen, die sich dadurch auch für dich eröffnen?“ Und als ich gesagt habe, dass ich noch viel Zeit brauchen werde, bis ich mich nicht mehr so wund fühle und mich auch wieder jemandem öffnen kann, meinte er: „Aber es ist doch schon so viel Zeit vergangen.“
Für mich ist ein Mensch nicht einfach ersetzbar. Mir geht es nicht darum, einfach wieder jemanden zu haben. Ich habe keine Mühe damit, alleine zu sein, alleine zu wohnen. Ich bin allein, aber nicht einsam. Mir geht es um diesen Menschen, den ich verloren habe. Um alles, was zwischen uns mal war und um alles, was zwischen sein könnte. Es ist so vieles, von dem ich Abschied nehmen und das ich loslassen muss.
Und das alles geschieht in genau der Zeit, die ich dafür brauche. Es gibt nicht den Masterplan für das Trauern, an dem wir uns doch bitteschön alle orientieren sollen. Der uns sagt, wie lange und wie intensiv wir trauern dürfen. Wir alle trauern in unserem eigenen Tempo. Es dauert so lange wie es dauert.
Und wenn dein Umfeld gerade nicht auf deine Gefühle, Bedürfnisse oder auch Grenzen achtet, dann ist es umso wichtiger, dass du selbst das tust. Vielleicht ist gerade das etwas, was du lernen kannst und auch sollst in dieser Zeit: Für dich zu Sorgen und darauf zu achten, dass deine Grenzen nicht überschritten werden. Und wenn du merken solltest, dass du dafür Unterstützung brauchst, dann hol sie dir unbedingt! Denn auch wenn man der Trauer Raum geben darf: Dauerhaft völlig in der Trauer zu versinken, ist natürlich auch nicht das Ziel.
Was die Zukunft betrifft – die Frage, ob wir wieder lieben und vertrauen können werden:
Auch wenn es zur Zeit furchtbar weh tut, so bin ich doch froh, dass ich so tief empfinden kann. Denn mit genau dieser Intensität werde ich auch die schönen Gefühle wieder fühlen können, wenn die Zeit dafür da ist.
Und das wirst du auch!
Du schreibst ja auch:
Du wirst gar nicht anders können, als wieder zu lieben! Das musst du jetzt noch nicht glauben – das kommt von alleine!
Auch bei dir, Minopolis!
"Mach den ersten Schritt im Vertrauen. Du brauchst nicht den ganzen Weg zu sehen. Mach einfach den ersten Schritt."
(Martin Luther King jr.)
Und nach dem ersten machen wir den nächsten. Und dann den nächsten……
Milagro, zwei Wochen sind noch keine Zeit. Hab Geduld mit dir und Vertrauen in dich, in das Leben und in den Heilungsprozess, in dem du bereits mittendrin steckst!
Twinky, in deinem Sinne:
Ich hoffe, meine Worte machen einigermassen Sinn. Kann das gerade nicht so einschätzen.
Mein Stand ist etwa heute Mittag.....den Rest muss ich noch nachlesen. Ihr seid ja ganz schön fleissig.
Aber ich schreibe auch von der Arbeit aus und war heute noch nicht wirklich produktiv. Jetzt muss ich mal versuchen, den Kopf für ein paar Stunden noch eigermassen bei der Sache zu haben.
Bis später also.
Noch kurz eine Runde Gruppenkuscheln?
Wir schaffen das!