Zitat von kleines_bluemchen:Liebe
Neja,
ich muss noch ein paar Dinge dazu sagen. Ich habe den Post eben in Eile geschrieben und daher ist vllt nicht rausgekommen, wie ich das meinte.
Keine Sorge - ich hatte diese Mauer auch und ich weiß, dass ich nie wieder in meinem Leben zu diesem Punkt kommen möchte. Ich habe das hier gestern schon mal beschrieben. Ich habe immer alles in einen Sack gepackt und mich hinter meiner Mauer in Watte gepackt. Ich habe oberflächlich gelebt, bis mein Ex-Freund kam. Er durfte hinter meine Mauer blicken, weil er es mir wert war. Mit der Trennung kam aber das, wovor ich immer Angst hatte. Davor, erneut so tief verletzt zu werden bzw einen geliebten Menschen zu verlieren.
Und nun sitze ich hier in einem Trümmerhaufen und sehe, dass auch noch andere Gefühle in mir auflodern. Dinge, die ich nie verarbeitet habe.. Ich habe gesehen, wie leer mein Akku eigentlich wirklich ist. Und nun nehme ich mir viel Zeit für mich, um nachzudenken und um in mich zu gehen.
Deine Beschreibung mit der Kreide gefällt mir sehr gut - ich schrieb hier gestern, dass ich nur eine kleine Mauer aufbauen will. Denn dann kann mir soetwas nicht noch einmal passieren, zumindest nicht mit voller Wucht. Mir ist bewusst, dass Trauer dazugehört und ich versuche im Moment, sie bewusst zu erleben. Natürlich lenke ich mich ab, aber ich weine, wenn ich weinen muss. Ich habe das akzeptiert. Das habe ich nach dem Tod meiner Schwester nie und genau das ist mein Problem.. ich versuche einfach noch bewusster zu fühlen, die Trümmer meiner Mauer wegzuräumen und einen kleinen Neuanfang für mich selber zu starten. Ich hab da einfach einen kleinen Knacks weg, glaube ich.
Also keine Sorge, ich verspreche es dir
Ich war gerade 1 1/2 Stunden draußen spazieren. Das Wetter war wirklich Mist, aber die frische Luft tat sehr gut

Da ähneln wir uns sehr.
Mein Mauerbau hat mit dem Tod meines Bruders begonnen und fand seine Vollendung mit zusätzlicher Aufstockung in meiner Ehe.
Auch bei mir war es so, dass mein Exfreund der erste war, der sich überhaupt die Mühe machte, über die Mauer zu schauen und dann darüber sprang, um zu schauen, wie es mir da ging und zu fragen, warum ich mich überhaupt dahinter befinde.
Er riss diese Mauer ein und ich lugte Stück für Stück hervor, immer in der Position, schnell wieder Deckung beziehen zu können.
Nachdem der letzte Stein auf der Deponie lag und ich ohne diesen gewohnten Schutz zu leben lernte, zog er sein Messer aus der Hosentasche und stieß es mir direkt ins Herz. Ich konnte mich nicht mehr zur Wehr setzen, mich verkriechen, Schutz suchen....
Und dachte daran, dem ganzen ein Ende zu setzen.........
Durch diese Trennungsgeschichte ist alles in mir hochgekommen. So wie du hatte ich nie die Zeit und die Gelegenheit, den Tod meines Bruders zu verarbeiten. Meine Psychotante sagte da zu mir: Nehmen sie beide Geschichten und legen sie sie übereinander. Was sehen sie? Das eine könnte die Schablone für das andere sein. In beiden Fällen wurden sie vor Entscheidungen gestellt, ohne gefragt zu werden, aber leben müssen sie damit. Beide Male geschah es durch Menschen, die ihnen sehr am Herzen lagen. Und in beiden Fällen werden sie nie Antworten auf ihre Fragen erhalten. Und sie hatte recht.
......Mittlerweile habe ich gelernt, mich auch ohne Mauer zu schützen. Denn ICH bestimme, wen oder was ich an mich herankommen lasse und wie weit. Niemand sonst!
Das kannst du auch!
