Hallo!
@traurigeSeele
Ich bin erst durch die Römerin (weil sie mich mittels @ erwähnt hat) auf diesen Thread bzw. Dein Problem gestoßen.
Ich konnte mir nun auch nicht alles durchlesen, was Du geschrieben hast, aber die Grundzüge habe ich zumindest mitbekommen und vor allem, daß es Dir derzeit so richtig mies geht. (Verständlicherweise. Niemand würde an Deiner Stelle vergnügt herumspringen ...)
Daher möchte ich Dir einiges sagen, was mir dazu einfällt.
Das Erste ist: Vergiß das mit diesem "Kämpfen" - es gibt Situationen, in denen es nichts zu kämpfen gibt und einen jeder Kampf nur noch mehr ermüdet und schwächt. Es ist sinnlos zu kämpfen, wenn einen gerade alle Kräfte verlassen haben. Man muß immer wissen, in welcher Situation was richtig ist.
Auch wenn Du gerade um nichts kämpfen kannst, so hast Du doch für alles die Verantwortung. Und ich rede hier nicht einmal von Deiner Tochter oder Deiner Frau oder von sonstigen Angehörigen und Nahestehenden, sondern ich rede von Dir, von Deinem eigenen Leben. Es in einem völligen Ausnahmezustand ganz sinnloserweise selber zu beenden, ist jedenfalls die schlechteste Option.
Daß man in gewissen Situationen auf diesen Gedanken kommen kann, ist verständlich. Dafür braucht man sich weder zu schämen noch ist es ein Zeichen von Schwäche, sondern vielmehr von einer momentanen tiefen Verzweiflung, in der man meint, unbedingt etwas tun zu müssen, aber tatsächlich nichts tun kann. Was man aber immer bedenken muß: Weggeworfen ist es leicht, aber zurückbekommen wird man es nie wieder. Und das Leben - wie immer es gerade sein mag - ist IMMER zu wertvoll und sinnhaft, um einfach weggeworfen zu werden. Auch wenn Du gerade diesen Sinn derzeit gar nicht sehen kannst, weil das Leid Dir jeden Blick verschleiert. Leben ist Erfahrung, dazu ist es da, und JEDE Erfahrung hat ihre Bedeutung, die man allerdings, während man sie macht, noch gar nicht abschätzen kann.
Was würdest Du tun, wenn plötzlich ein Angreifer mit einem Messer in der Hand vor Dir steht? Würdest Du Dich verteidigen oder sagen: "Ja, stich zu!"? Und ein bißchen bist gerade Du selber dieser Angreifer für Dich. Ich hoffe, Du weißt, was zu tun ist. Und zwar nicht aus Rücksichtnahme gegen irgendwen und irgendwas, sondern aus Wertschätzung Deinem eigenen Leben gegenüber, für das Du ganz alleine verantwortlich bist. Ganz so, als wäre es Dein eigenes Kind. Und wenn Dir ganz elend ist, dann stelle Dich vor einen Spiegel und frage es, ob es getötet werden will. Du wirst es kein Ja sagen, nicht einmal flüstern hören. Sondern es wir Dir ein Nein um die Ohren hallen, wie Du noch keines gehört hast.
Es kann durchaus sein, daß Du noch eine ganze Weile verzweifelt bist. Aber was ganz sicher nicht sein kann, ist, daß Du für immer verzweifelt bist. Auch das solltest Du bedenken, so gleichgültig Dir das gerade sein mag. Wo Du jetzt stehst, stehst Du nicht für immer, niemand wurzelt irgendwo an für alle Zeiten. Was Du in dieser Zeit jetzt durchlebst, ist ein Elend, ist schlimm, ist sch...e - ja! Aber die Krone würdest all diesem Elend erst aufsetzen, wenn Du Dir selber die Möglichkeit nimmst, auch wieder schöne Zeiten zu durchleben, vielleicht sogar schönere, als Du jemals hattest (das sage ich nicht als stumpfsinnigen Trost, sondern weil ich das selber genau so erlebt habe - ich weiß also durchaus, wovon ich rede).
Das Zweite, was ich sagen wollte: Es ging, soweit ich mitbekommen habe, auch um das Thema Selbstmitleid.
Dazu kann ich nur sagen: Ja, sei selbstmitleidig! Selbst wenn Du dann in den Augen manch anderer das Bild eines Waschlappens abgeben solltest. Das ist völlig egal. Solange Du noch selbstmitleidig bist, Mitleid mit Dir selber hast, fühlst Du auch noch und lebst Du auch noch! Und das ist das Entscheidende. Sonst gar nichts im Moment. Es spielt überhaupt keine Rolle, welches Bild Du gerade abgibst. Tappe nur ja nicht in diese Falle und schlage Dich auch noch damit herum! Verurteile nicht das, was Du empfindest, und kämpfe auch nicht dagegen an! Aus welchem Grund solltest Du nicht Mitleid mit Dir haben, wenn Du leidest, und das aus verständlichen Gründen?
Ich weiß auch nicht, woher diese nahezu schizophrene Verdrehtheit kommt, daß man sich zwar selber lieben, aber nur ja nicht bemitleiden soll. Das wäre ja so, also würde man zwar die Sattheit, aber nicht den Hunger spüren dürfen. Das halte ich für einen völligen Unfug, der nun jenen entfahren kann, die selber Angst haben, vielleicht einmal ein jämmerliches Bild abzugeben. In jeder Sitaution "Haltung" zu zeigen bedeutet nur, nicht authentisch sein zu können, das nicht zu wagen - und das ist, bei rechtem Licht besehen, erbärmlicher und lächerlicher als alles andere.
Was Du brauchst, ist Zeit. Jeder braucht diese in einer solchen Situation. Auch wenn sie in solchen Phasen so träge dahintröpfelt wie nie sonst. Aber ganz stillstehen wird sie nie, und auch Dir wird irgendwann wieder etwas anderes aufleuchten als diese Dunkelheit, in der Du Dich jetzt so gefangen fühlst. Die Zeit trägt Dich ganz von selber daraus heraus.
Worauf Du noch achten solltest, ist, daß Du Dir nicht selber alle möglichen bedrohlichen Gespenster züchtest, die Dir alle Zukunft schwer und mies erscheinen lassen. Das sind nur Täuschungen, die nichts anderes als Deinen momentanen Zustand zum Ursprung haben. Gerade so, wie man sich an der ewigen Liebe täuschen kann, kann man sich auch am ewigen Unglück täuschen.
Bleibe auch nicht mit Deinen Gedanken immerzu an der Vergangenheit hängen. Es lohnt nicht viel, zu sehr über die Vergangenheit nachzudenken, weil nichts in der Welt die Vergangenheit verändern kann, Du nichts daran verbessern kannst. Was Du aber sehr wohl gestalten kannst, ist die Zukunft. Und auch, wenn die Zukunft aus der Vergangenheit herauswächst, liegt es doch an Dir, Entscheidungen zu treffen, die Deine Zukunft in einem postiven Sinn gestalten und sie nicht in der Geiselhaft der Vergangenheit gefangen halten. Und dann kann es durchaus auch geschehen, daß sich auch Dein Blick auf die Vergangenheit verändert und damit in einem gewissen Sinn auch die Vergangenheit selber. Nicht in ihren Ereignissen und Erfahrungen natürlich, aber in den Bewertungen und den zugehörigen Gefühlen.
Liebe Grüße und alles Gute!