Hallo Cuba,
das ist mein erster und vielleicht auch einziger Beitrag in diesem Forum, ich war bislang stiller Mitleser und werde das auch gleich wieder sein...
Dir möchte ich allerdings etwas dazu schreiben, denn meine Geschichte ähnelt der deinen in vielen Punkten sehr, die Trennung liegt nunmehr über 7 Monate zurück und ich kann sehr gut nachvollziehen wie Du dich fühlst, denn es ging mir genauso.
Für Dich zählt jetzt im Moment nur Augen zu und durch, die Tage überstehen, funktionieren und etwas Zeit ins Land streichen zu lassen. Du wirst irgendwann immer mehr erkennen dass Du bereit warst Dich sehr zu verbiegen um die "Beziehung" am Leben zu halten, bzw. zu ermöglichen. Verliebt war alles rosarot, Du hast das nicht erkannt und Dir eingeredet dass Du das für diesen Menschen doch gerne machst, Dich selbst ganz anzustellen, so sollte Liebe doch sein. Das ist aber falsch, ich glaube das ahnst Du schon.
Jetzt ist alles tiefschwarz, keine Perspektive, keine Aussicht jemals wieder so einen tollen Menschen kennenlernen, so eine tiefe Liebe zu spüren. Auch das ist falsch, die Erkenntnis dauert bei Dir aber noch etwas.
Lieber stiller Mitleser,
vielen Dank für die lange und einfühlsame Antwort! Sie hilft mir sehr zu verstehen.
Es stimmt wirklich. Ich habe von Beginn an meine Bedürfnisse nach Nähe in dieser Beziehung zurückgestellt. Das lag daran, dass ich unglaublich verliebt war und wir gemeinsam die perfekte Welle geritten sind, in den Zeiten in denen wir uns gesehen haben. Das waren nicht nur die wild-romantischen, sondern auch die kleinen Momente des Alltags (sofern es den gab). Wir haben uns ohne Worte verstanden, konnten tagelang nebeneinander sein und uns geniessen ohne uns zu nerven. Es gab keine Konflikte, nicht im Kleinen nicht im Grossen, einfach pure Harmonie.
Mit den Jahren fiel es mir immer schwerer dieses extreme Nähe-Distanzverhältnis zu ertragen und ich bemerkte damals schon, dass meine Ex sich nicht meinetwegen anpassen wird. Daher habe ich das geschluckt und verdrängt, den starken Mann gespielt, obwohl ich sie sehr oft sehr vermisst habe. Ich dachte ich erkämpfe mir meine Liebe, indem ich auf meine Bedürfnisse verzichte. Ich wusste auch sie wird gehen, wenn ich ihr nicht ihre Freiheit lasse.
Das war rückblickend ein Fehler. Doch was hätte ich tun sollen? Ich habe diese Frau doch einfach nur von ganzem Herzen geliebt? Ich habe an die Liebe geglaubt. Mir fiel schon damals auf, dass sie nicht bereit war mir entgegenzukommen, es gab dann auch die ersten Konflikte.
Wir haben diese Konflikte verdrängt, indem wir sehr viel gemeinsam unternommen haben in den Zeiten die wir zusammen waren. Skifahren, Bergwandern, Reisen, Fallschirmspringen etc. Es war ein Traum.
Im letzten Jahr ist es dann komplett gekippt. Erst Einzug in die Traumwohnung und ich dachte mir, juhuu jetzt verbringen wir endlich Zeit zusammen. Es kam dann anders nämlich ein weitere Sommer in dem wir uns 12 Wochen nicht sehen konnten. Ich sitze also in der Wohnung vermisse sie und sie wiederum erhöht den Druck auf uns, indem sie eine baldige Entscheidung wegen des Kindes fordert. Ich verstehe bis heute nicht, warum sie das getan hat? Sie muss doch mitbekommen haben, dass es mir nicht so gut geht. Nach all den Jahren des Hintenanstellens meiner Bedürfnisse dachte ich dann, na gut dann lebe ich jetzt mein Leben in Berlin ohne sie und mache mich nicht mehr abhängig.
Ich habe dann in den letzten Wochen auch gemerkt, dass wir uns auseinandergelebt haben, weil es kaum noch gemeinsame Alltagserlebnisse gab. Wir hatten unseren Honeymoon, unsere Reisen, unser Abenteuer aber nie einen Alltag.
Den Rest kennst Du ja, indem Moment indem ich meine Bedürfnisse formuliere, geht sie auf Distanz und trennt sich letztendlich, nur um mir noch vorzuwerfen, ich wäre bestimmt kein guter Vater und sie möchte nicht für mein Leid verantwortlich sein.
Ich erkannte die Person plötzlich nicht mehr. Eiskalt. Abwertend. Vernichtend. Die letzten Wochen wurde sie ein komplett anderer Mensch, so distanziert und voller Vorwürfe mir gegenüber. Dabei habe ich sie doch einfach nur geliebt.
Ich schreib Dir jetzt mal wie es bei mir ablief:
Die ersten 7-8 Wochen waren die Hölle. Depressionen, Verzweiflung, Appetitlosigkeit, Schlafstörungen, emotionale Zusammenbrüche... das ganze Programm. Aus vergangenen Erfahrungen wusste ich dass die Phase bei mir zwischen 3 und 6 Wochen dauert, jetzt waren es am Ende eben 8 Wochen. Seis drum.
Das klingt hart. Immerhin hast Du damit schon Erfahrung, bei mir ist es mit Mitte 30 zum Glück der erste tiefe Liebeskummer. Nur leider geht das schon gute 3 Monate so.
Ich habe die Zeit aber genutzt um wieder besser zu mir selbst zu finden. Was sind meine Werte, Wünsche, Vorstellungen, Hoffnungen? Wer bin ICH im Herzen? Dabei wurde mir zunehmens bewusst dass wir doch nicht so gut zusammengepasst haben, wir haben es nur „passend gemacht“. Naja, ehrlicher wäre zu sagen „ich habs passend gemacht“, da Sie schließlich nie einen Grund an sich zu arbeiten gesehen hat – was Sie auch stets unumwunden zugab.
Same, same but different. Mein Problem gerade ist, dass ich das Gefühl hatte endlich angekommen zu sein im Leben, mit ihr an meiner Seite. Ich habe gespürt, dass ich ruhiger werde und mir dieses ganze Berliner Partyleben langsam auf den Zeiger geht. ich habe es auch versucht passend zu machen, indem ich in den 2 Monaten, die wir im letzten Jahr zusammengelebt haben, ihr trotzdem noch zu all ihren Freunden und Familie hinterhergedackelt bin, einfach weil ich Zeit mit ihr verbringen wollte.
Diese in mir reifende Erkenntnis hat sie dann nach und nach vom Sockel gestoßen. Bald war ich in der Lage mir vorzustellen wie es denn geworden wäre WENN wir eine Familie gegründet hätten, und so tief der Kummer war – es war keine schöne Vorstellung mehr. Mich mein Leben lang anzupassen, zu verbiegen? Will ich das? Und vor allem: Macht mich das glücklich? Naja, die Antwort darauf dürfte auch mit blutendem Herzen nicht schwer fallen.
Das hilft mir sehr. Sie sagte mal sie würde ihre Bedürfnisse nicht für einen Partner aufgeben, nur für ein Kind. Nein ich will mich nicht verbiegen, ich möchte ich selbst sein können in einer Partnerschaft Sie stellte mir Hunderte von Fragen bzgl. Kindererziehung, ob man noch in der Küche rauchen darf etc. So eine Art Shittest, um zu testen inwieweit ich mich ihren Wünschen einordnen kann. Auch hatten wir gar nicht klären können, wir wir das Unternehmen Familie den finanzieren, denn ich hätte als Mehrverdiener ja den Grossteil stemmen müssen.
Ich kann Dir nicht sagen, ob mich das glücklich gemacht hätte. Ich hatte damals einfach das Gefühl in ihrem Lebenskonzept zu kurz zu kommen, daher habe ich noch keine Familie gründen wollen, weil ich ganz einfach noch Zeit mit ihr alleine verbringen wollte.
Ich habe gespürt, dass es ihr in erster Linie um ihr Kind geht, nicht um uns oder mich. Das hat mir Angst gemacht.
Diese Erkenntnis kommt Dir auch bald, mach Dir keine Sorgen. Noch siehst Du das Licht am Ende nicht, aber bald wirst Du bei dem Gedanken an das „was hätte sein können“ erleichtert seufzen dass es eben nicht so kam.
Du wirst wieder Spaß an den Dingen finden die Dir immer Freude bereitet haben (war bei mir erst nach den ganz schlimmen 8 Wochen so), und ab da geht es steil bergauf. Die Lebensfreude kehrt zurück, der Optimismus, die Ausstrahlung, die Energie dein Leben in die Hand zu nehmen und nach DEINEN Vorstellungen zu gestalten.
Es wird sich dann wohl noch lange ziehen bis Sie ganz aus deinen Gedanken verschwindet, aber die Gedanken werden nicht mehr wehtun, sie werden friedlicher in dem Maße wie Du loslassen wirst. Das passiert dann ganz automatisch.
Ich hoffe doch sehr auf das Licht am Ende des Tunnels. Ich sehe es nur noch nicht. Seit 3 Monaten schon nicht. Nur Schwärze. Das Problem mit meinem Leben ist, dass ich es in den letzten Jahren ein wenig aufgegeben habe. Die Zeiten der Trennung habe ich mit Arbeit bis zum Umfallen zugestopft und den Rest der Zeit habe ich an ihr geklebt.
Loslassen wird schwer, es ist so eine Art emotionaler Koitus Interruptus. 3 Jahre habe ich um diese Liebe gekämpft, 6 Monate mit mir unter dem Druck ihres Kinderwunsches und ganz zum Schluss, als ich zu allem bereit war, bricht alles zusammen und ich muss wieder von vorne beginnen, gerade in dem Moment indem ich am verletzlichsten bin.
Jetzt bleibt Dir, wie schon gesagt, nur die Tage zu überstehen. Achte dabei auf Dich. Versuch genug zu essen, auch wenns nicht schmeckt und Du keinen Hunger hast. Geh früh ins Bett, auch wenn Du dann erst mal ein bisschen Gedankenkarrusell fährst, versuche immer genug Schlaf zu bekommen. Trink wenig Alk.. Vollsuff ist die nächsten Wochen verboten, das endet garantiert im Drama! Wenn Du Sport gemacht hast, zieh das durch, bleib dran. Zwing Dich notfalls, hinterher fühlst Du dich für den Abend IMMER besser. Umgib dich mit Freunden, Menschen die Dich verstehen. Versuch nicht im Selbstmitleid zu versinken, eine Zeit lang mag das bis zu einem gewissen Grad vielleicht sogar nötig sein, aber es ist ätzend für die anderen und letztendlich keine dauerhaft geeignete Perspektive auf das Leben. Richte den Blick in Dich selbst und nach vorne. Steigere Dich dabei nicht in Ängste und Sorgen rein, das sind Tricks deines verletzten Egos um Dich runterzuziehen, aber nicht die Realität. Lass die Gefühle zu, spüre den Schmerz bewusst und akzeptiere Ihn. Dann fließt er ab.
Das versuche ich. Aufstehen jeden Tag und einen weiteren Tag überleben. Endlich mal auf den einen Tag warten, an dem ich nicht 12 Std. an sie denke, endlich mal auf die eine Nacht warten, in der ich nicht von ihr träume. Ein kleiner Frühjahrsflirt wäre ja auch mal nett aber mir tut die Dame jetzt schon leid, denn sie hat keine Chance.
Versuche die Situation voll und ganz so zu akzeptieren wie sie IST, denn so ist sie nun mal. Und das ist gut so. Vertraue darauf dass das Leben keine Fehler macht, und ich verspreche Dir dass der Tag an dem Du für diesen Lauf der Dinge dankbar sein wirst kommen wird. Bald.
Danke! Das ist auch mein Motto. Life is a journey not a destination. Es muss einen tieferen Sinn hinter dieser Tragödie geben. Sonst wäre mir das alles nicht so um die Ohren geflogen. Es ist so seltsam, diese Liebe ist genau so schnell zerschellt, wie sie entstanden ist. Mit einer unglaublichen Energie geboren und mit schrecklicher Zerstörung gestorben.
Das sind die Tips die ich Dir für diese Zeit geben kann.
Halt durch!
Das werde ich. Danke nochmals?
Gruß
der stille Mitleser
