Liebe @Friwa
ich lese hier sporadisch mit und so langsam kommt ein Bild für mich zustande. Ich schreibe dir jetzt mal meinen Eindruck über dich und deine Situation. Für alle die, die meinen Eindruck ganz anders sehen: ja, ist ok, ist mein Eindruck aufgrund meiner Erfahrungen im Leben. Vielleicht hilft ihr das etwas.
Seit Jahrzehnten bist du mit einem Mann zusammen, der aufbrausend ist. Da hast du aus Eigenschutz gelernt, den Kopf einzuziehen, immerzu im voraus alle möglichen Reaktionen auf deine Aussagen oder Taten überlegen zu müssen. Denn seine (!) Reaktionen sind das A und O in eurer Familie. Was mit den anderen ist, ist ihm eigentlich (häufigstes Wort bei dir) egal. Was sein Verhalten bei euch auslöst, ist ihm egal. Hauptsache, seine Gefühle, sein (Un-) Willen werden beachtet. Sonst passiert sonstwas. Sollte dir oder deinen Kindern etwas so wichtig gewesen sein, daß ihr die Ausraster in Kauf genommen habt, dann steigert er seinen (emotionalen, psychischen, moralischen) Druck und es kommen andere Formen der Drohung, seine (!) Depression oder mehr.
Das will verständlicherweise niemand Schuld sein. Also wird sich arrangiert und alles so eingerichtet, daß man irgendwie durch kommt, ohne zuviel Schuld zu sein an seinem Unwohl.
Dass das jegliche positiven Gefühle für den anderen auslöscht, ist verständlich. Daß man sich hilflos fühlt, die ganze Kraft in die Vorbeugung der nächsten Ausraster fällt, sich selber halb aufgegeben hat und sich Nischen sucht, in denen man halbwegs sicher ist, das sind übliche Folgen.
Jetzt sind ein paar Sachen zusammen gekommen, die dir gezeigt haben, daß du im Leben vielleicht nicht a l l e s zu ertragen hast (wer hat dir diesen Gedanken eingetrichtert?!).
Daß du von ihm so unberechenbar ignorant und aufbrausend behandelt wirst, ist eine Sache. Daß das doch nicht spurlos an deinen Kindern vorbei geht scheint der endlich notwendige Weckruf für dich gewesen zu sein. Und daß dann auch noch ein Mensch in deinem Leben auftaucht, der dir zeigt, es gehe auch anders, menschlich, ab, zeigt dir nochmehr, wie kaputt dein aktuelles Leben ist.
Und ja, abgesehen von dieser Angst-und Schreckensherrschaft, die er über Jahre und Jahrzehnte erfolgreich aufgebaut hat, ist er ein guter Mensch. Er versorgt seine Familie nach äußerem Standard.
Und die größte Sorge, die du hast, ist, daß man dir klar macht, du müßtest bei ihm bleiben.
Für dich ist zuviel zusammen gekommen, was dir jetzt endlich so klar geworden ist, daß du es nicht mehr leugnen kannst und willst. Nur, wie geht es weiter?
Meine Vorschläge wären:
Stärke dich selber, indem du dir Infos holst, wie deine Situation tatsächlich aussieht auf den verschiedenen Ebenen.
Dazu gehört, daß du dich bei einem Anwalt über Familienrecht beraten lässt, wie deine Situation in verschiedenen Konstellationen aussieht.
Dazu gehört, daß du für dich anfängst aufzuschreiben, wie dein Mann tatsächlich jeweils reagiert hat und wie er ansonsten so ist. Was das mit euch gemacht hat. Da bist du noch massiv in der typischen hilflosen Haltung, die den Täter damit schützt, verteidigt, sein Tun klein redet.
Im Grunde weißt du, daß ein konkreter Schritt von dir alles unwiderruflich ändern wird. Es wird zu deinem Besten sein. Aber das wird ein langer Weg werden, der lange eingefräst wurde und entsprechend braucht, auseinander gedröselt zu werden. Aber dieser Weg lohnt sich sehr. Dafür könnte therapeutische Begleitung sehr hilfreich sein.
Langer Rede kurzer Sinn:
Stärke dich selber für deinen nächsten Schritt. Und was auch immer er getan hat, hat er! getan. Das ist seine eigene Verantwortung und Zuständigkeit.
Du kannst nur an dir arbeiten und bei dir etwas ändern. Du bist nicht! für ihn und sein Tun verantwortlich,
auch wenn er es seit jahrzehnten anders herum euch gegenüber erfolgreich dargestellt hat. Nein, das bist du nicht!