@MoBi
ich bin jetzt erst auf Deinen Faden gestoßen. Oh man, mit so einem Verhalten bin ich aufgewachsen. Früher nannten wir es "schneiden" bzw "man wird gerade wieder geschnitten".
Genau wie Du beschrieben hast, sind die Auslöser dermaßen unberechenbar, eigentlich unscheinbar. Man weiß einfach nicht, was zum Auslöser wird und was nicht. Und dann herrschte wieder auf unberechenbare Zeit dieses eisige Schweigen. Das Kopf wegdrehen, wenn er angesprochen wurde. Das aufstehen und Raum verlassen, wenn man auf ihn zuging. Und das waren die netten Teile. Er konnte auch unberechenbar ausrasten, wenn sein Raum betreten wurde, damit er seine Ruhe vor uns hat. Sein Raum ist ua das von der ganzen Familie genutzte Wohnzimmer, wo er sich bereits aufhielt.
Du hast keine Ahnung, wie unglaublich viel Verständnis wir hatten. Schließlich wurde er als junger Mann in den Krieg gezerrt. . .
Auf der anderen Seite ist dieses permanente unberechenbare Verhalten ungemein destruktiv. Es macht etwas mit den anderen. Es zerstört sehr viel.
Und dann weiß man, daß er das zb nicht auf Arbeit bringt, oder im Krankenhaus oder Reha oder sonstwo. Dieses Verhalten wird dort ausgelebt, wo "Schwächere" vorhanden sind.
Deswegen kann ich Eure aktuelle Entscheidung nur begrüßen, daß Ihr Eure Rückzugsorte behaltet. Er wird sich nicht ändern. Warum auch?
Zitat von MoBi: Es wird viel zu leicht aufgegeben
Ja. Und es braucht Augenmaß, wann etwas schwierig ist und wann etwas toxisch ist. Dann muß man in den Selbstschutz gehen.
Zitat von MoBi: 'Liebe ist eine Entscheidung, die Entscheidung zu bleiben, zu kämpfen und etwas Starkes aufzubauen - auch wenn es schwierig ist.'
Ja. Total. Nur müssen dafür b e i d e dabei sein und nicht nur eine.
Zitat von MoBi: Die Frage, die sich mir stellt, ist eher - kann ich in Zukunft damit umgehen? Wie soll ich in Zukunft damit umgehen?
Gib Deinem Partner die Verantwortung und die Konsequenzen aus seinem Verhalten zurück.
Er hat sich zu überlegen, wie er damit umgeht, wenn etwas für ihn unpassendes gesagt wird. Wie reagiert er auf Arbeit? Woanders? Er k a n n anders reagieren, wenn er will. Da ist Potential dran zu arbeiten.
Und, erlaube mir meine persönlichen Gedanken zu dem Rauswurf seiner ersten Ehe. Dass es so passiert ist, stelle ich nicht in Frage. Ich frage mich eher, ob er entsprechend in der Beziehung auch so dermaßen destruktiv gewesen ist, daß sie sich nicht mehr anders zu helfen wußte, als sich in einer Nacht- und Nebelaktion von ihm zu befreien? Wohl gemerkt: sein Verhalten macht etwas mit den anderen. Permanentes laufen wie auf Eiern. Ständige Verunsicherung. Schuldumkehr. Silent treatment. Das demontiert Menschen.
Du bist eine gestandene Frau, die bereits verunsichert ist. Wieviel mehr wird aus einer früher jungen Frau nach 25 Jahren werden unter diesem permanenten Damoklesschwert?
Zitat von MoBi: Wir werden jetzt einmal jeder in seiner Wohnung bleiben und uns während der Woche öfters sehen - so dass jeder seinen Rückzugsort im Moment behält.
Überlege es Dir s e e ehr gut, ob nur im Moment. Solange er nicht an sich arbeitet, - nicht einsieht an sich arbeiten zu sollen -, wird der fehlende Rückzugsort, Deine fehlende Autonomie, exakt dann Dir wieder auf die Füße fallen, wenn es zum Zusammenziehen kommen wird. Dazwischen wird einfach "Waffenruhe" herrschen, weil die "familiäre Situation" fehlt, die dieses Verhalten zu unterstützen scheint.