Zitat von Lumba:Ja, das ist verständlich. Und genau diesen Teil meinte ich, als ich von Feigheit schrieb und Du dann so getroffen warst.

Du willst dem Problem ...
PMFI: Ich würde es nicht als "Feigheit"
werten, wenn jemand den Sprung in einen Ehebruch noch kurz vor dem Hindernis verweigert, wie hier bei @lilalauni der Fall.
Ich finde die TE überhaupt nicht feige. Zum einen hatte sie vor Jahren längst einen Seitensprung hingelegt und insofern längst "bewiesen", daß sie sehr wohl dazu imstande ist. Ob man das nun mit umgekehrter Logik als "mutig" werten soll, bleibt aber im Auge des Betrachters. Andere würden ihr an der Stelle sofort fehlende eheliche Loyalität vorwerfen und sie ebenfalls der Feigheit zichtigen, da die Affäre ja heimlich und nicht im Rahmen einer offenen Ehe stattfand damals.
Es geht hier um weitaus mehr als nur darum, mal eine neue Stellung im Bett auszuprobieren. Jeder heimliche Seitensprung führt unweigerlich zu einer Zäsur im ehelichen Verhältnis, die so nicht mehr rückgängig zu machen ist. Selbst wenn der so betrogene Partner sich nach Auffliegen bereit erklärt, ihn zu verzeihen und es doch nochmal miteinander zu versuchen: Die "Ehe reloaded" ist ein Neuanfang unter geänderten Vorzeichen, der das alte Eheleben auf der Strecke hinter sich zurücklässt.
Nun ist es in diesem Fall aber so, daß die TE (vor Jahren) tatsächlich schon mal fremdgegangen
ist und insofern bereits eine erste Zäsur hinter sich hat. Leider wurde diese damals offenbar nur einseitig von einem Profi begleitet, während ihr Mann dies für sich persönlich wohl ablehnte. Mir scheint, daß eben drum auch kein profunder Neustart dabei heraus sprang damals. Stattdessen lief es wohl eher auf ein Zukitten hinaus, dessen Füllung nun deutliche Risse zeigt.
Man darf der TE wohl zugestehen, daß sie jetzt nach einem anderen Ansatz sucht. Allerdings wird ihr Gatte da schon bei mitziehen müssen und eben das tat er bereits damals nicht wirklich, was sich u.a. in seiner Ablehnung einer Paartherapie zeigte.
Daß er seine Ehe nicht öffnen mag, kann ich ja noch nachvollziehen. Muss man auch nicht wollen, allerdings sollte dann der inhäusige Bettverkehr auch kein Sperrgebiet bleiben - was hier mittlerweile offenbar der Fall ist.
Daß er aber nicht mal bereit scheint, mit der TE zu reden, um Lösungen mit ihr zu entwickeln, die nicht nur seinen, sondern auch ihren Bedürfnissen gerecht werden, ist ein NoGo.
IMO ist nicht die TE zu "feige", sondern ihr Mann allzu arg davon überzeugt davon, daß sie eh bei ihm bleibt und sich überhaupt nichts ändern muß daheim, solange es ihm gut geht damit, wie alles jetzt (noch) ist.
Letztlich wirft das die Frage auf, wieviel Liebe und eheliche Fürsorge auf seiner Seite da überhaupt noch vorhanden sind und welche Optionen der TE angesichts seiner lethargischen Kompromisslosigkeit überhaupt noch bleiben.
Im Grunde bricht auch der Ehemann an der Stelle sein einst gegebenes Versprechen, denn sich lieben, achten und ehren schaut anders aus. Er masst sich sogar an, dies ganz offen zu tun. Derlei Dreistigkeit fusst leider oft auf dem Gedanken, die Frau durch Familie und Hausschulden hinreichend an die Ehe festgebunden zu haben und sich somit jetzt ganz um sich kümmern zu können, ohne mit Konsequenzen rechnen zu müssen.
Mich würde sowas erst die Stirn runzeln lassen, aber dann auch wirklich so wütend machen, daß ich längst die Trennung angeboten hätte. Andere hingegen nehmen sowas als Rechtfertigung, sich ein stilles Doppelleben aufzubauen und decken so nicht nur ihre liegengebliebenen Bedürfnisse, sondern grinsen womöglich auch leise in sich hinein, wenn sie wahrnehmen, wie überzeugt der Hauptpartner von sich ist, während sie längst genießen und selig schweigen.
Wieder andere suchen weiter das Gespräch und werden darüber zu ewigen Nörglern. Zwar kommen sie so mit ihren Bedürfnissen nicht weiter, aber die ganze Familie auch nicht mehr zur Ruhe und so haben wenigstens alle was davon.
Als Außenstehende kann man all das als "feige" werten. Selbst die Trennung - ist sie nicht ein feiges Weglaufen vor der Starrheit eben des Menschen, dem man einst lebenslange Treue geschworen hat? Oder das ewige Nörgeln - ist es nicht "feiger", als sich endlich zu trennen und einen eigenen Neustart zu wagen?
Nicht böse sein, denn auch ich meine es nicht so. Aber ich halte wenig von persönlichen Urteilen. Sie wirken abwertend dem Empfänger gegenüber, führen insofern dazu, daß er zumacht und zudem müssen sie nicht mal zutreffend sein, da jedes Ding mehr als eine Seite hat und andere Betrachter durchaus zu völlig abweichenden Schlüssen kommen können, wenn sie darauf blicken.