Moin!
🙂 Zitat von LeiderEinRetter: Ich muss nun zu mir zurück finden, auf mich schauen und genau hin sehen.
Verstehen, warum ich das trotz der vielen negativen Seiten zugelassen habe.
Ich hatte die letzten Tage keine Zeit, vor der Arbeit hier reinzuschauen, da ich einfach zu spät aufgestanden bin und mich dann beeilen musste.
Meine Beziehung und später Ehe mit einem Borderliner dauerte 20 Jahre. Wobei ich hinzufügen muss, dass bis ca. 1 Jahre vor der Trennung keiner von uns was von der Erkrankung wusste. Erst als er in Therapie ging und die Diagnose bekam.
Und ich weiß haargenau, wie Du Dich jetzt fühlst. Bei mir ging das erste 3/4 Jahr gar nichts mehr. Weinkrämpfe, Panikattacken, Gewichtsabnahme, absolute Leere. Dunkelheit um mich herum, ich konnte keinen Weg mehr erkennen und entsprechend wusste ich auch nicht, in welche Richtung ich gehen wollte, sollte, müsste.
Mein Glück war, dass ich durch absolute Hartnäckigkeit meinerseits sofort einen Therapieplatz bekam. Ich bin einfach ins ZIP (Zentrum für integrierte Psychiatrie der Uni-Klinik hier) und sagte, dass ich Hilfe brauche. Der Arzt, ein Psychiater, sah, dass eine der Psychotherapeutinnen gerade Zeit hatte und machte mir gleich einen Termin mit ihr. Ich war knapp 8 Wochen bei ihr, als sie mir eröffnete, dass sie sich selbstständig niederlassen wird und die Uni-Klinik verlassen würde. Ich müsste mir leider einen neuen Platz suchen. "Ich komme mit Ihnen!" Sie überlegte kurz und sagte dann: "Warum eigentlich nicht?"
3 Jahre war ich bei ihr. Einmal pro Woche. Mitte des zweiten Jahres, im Sommer nach dem Corona-Ausbruch, merkte ich trotz der Isolation durch den Lockdown, erstmals, dass ich im Vergleich zum Anfang, Fortschritte machte. Ich habe aber auch unbewusst gut mitgearbeitet. Auch wenn ich das hier schonmal geschrieben habe: ich habe Dinge gemacht, die ich vorher nie gemacht habe bzw. hätte. Lies bitte mal hier nach:
Zitat von EmmaPee: Ich war im Schock-Zustand. Habe ich damals nicht gemerkt, weiß es erst heute. In dem Zustand habe ich praktisch gleich nach seinem Auszug (war ein September) das Wohnzimmer renoviert und mich dabei schon gewundert, woher die Kraft dazu kam. Ich kam bis zur Hälfte und dann verließ es mich. Der Schock wich und ich wurde in die Realität geworfen.
Und wie Vicky schon einige Beiträge vorher schrieb: ich dachte, ich würde sterben. Noch nie zuvor habe ich so einen Schmerz verspürt. Sofort nach dem Aufwachen liefen die Tränen, ich hatte Herzrasen, Panik-Attacken. Dann im Januar und im Februar verstarben meine geliebten Katzen kurz hintereinander und mir war klar, dass das jetzt das Ende sein würde, wenn ich nicht aktiv werden würde. Als erstes sagte ich meinem Ex, dass er mich in Ruhe lassen solle. Das tat er zunächst. Dann machte ich mich unabhängig von seinem Auto und kaufte mir einen Roller. Ab da, also ab der Kontaktsperre, ging es etwas besser.
Ich sagte allen Freunden und dem Rest der Familie, die ich noch hatte, dass es mir sehr sehr schlecht geht und sie bitte auf mich achten mögen. Und das nahmen sie wörtlich. Ich habe Sachen gemacht, die mich vorher nie interessiert haben. Den zweiten Mann meiner verstorbenen Mutter überall hin begleitet. Zu Geschäftsterminen nach Hamburg, Lübeck usw. Selbst, als er einen Freund 100 km weiter weg im Krankenhaus besuchte, fuhr ich mit. Jeden Sonntag gingen wir stundenlang bei Sturm und Regen hier an der Küste spazieren. Meine Tante schleppte mich auch überall hin. Ob wir nun in die City gingen, sie mich fast täglich zum Abendessen bei ihr einlud oder mich in eine soziale Anlaufstelle schleppte, bei der man in Gesellschaft günstig zu Mittag essen konnte. Mein bester Kumpel, den ich zu der Zeit nach 20 Jahren wieder an meiner Seite hatte, bestand darauf, dass ich an den monatlichen Treffen von Freunden bei ihm zuhause teilnahm und auch zur einmal im Monat stattfindenden Party in einem Club mit ihm ging. Das alles waren Dinge, die ich entweder lange nicht mehr oder noch gar nicht gemacht hatte.
Langsam wurde ich zumindest etwas stabiler. In der Zwischenzeit (ich hatte sofort nach der Trennung eine Therapeutin gefunden) war bei mir eine Depression diagnostiziert worden. Wir waren uns einig, es erstmal ohne Antidepressivum zu versuchen. Aber im März entschied ich mich dann doch dafür. Und ab da ging es dann langsam auch mal in Richtung bergauf.
Der Frühling kam und ich konnte erstmals wieder arbeiten (bin selbstständig und mein Gewerbe lag bis dahin brach). Das war recht erfolgreich und baute mich auf. Den Sommer über fuhr ich, wann immer es das Wetter zuließ, zum Strand. Allein oder manchmal auch mit meiner Cousine. Mein Zustand wurde immer besser, konnte aber noch nicht als gut bezeichnet werden.
Heute weiß ich, dass ich der Zeit funktionierte. Viel Freude empfand ich nicht. Die Hoffnung erhielt mich aufrecht. Die Hoffnung, dass er entweder eines Tages zurück kommt oder aber ich ihn nicht mehr will. Nichts davon passierte. Ich machte also weiter vor mich hin.
Dann vor kurzem, 4 bis 6 Wochen?, brachte mein Ex mal wieder ein Ding und endlich wachte ich auf. Das erste Mal dachte ich von mir aus: 'Stop! Das reicht! Ich will Dich nicht mehr in meinem Leben haben. Ich möchte das Du verschwindest. Geh und werde mit Deiner Next glücklich. Und ich will Dich nicht mehr!' Ich selbst war komplett überrascht über diese Gedanken, die da von mir kamen. Denn auf einmal ging die Initiative ganz und nur von mir selbst aus. Darauf habe ich wirklich lange warten müssen.
Zusammengefasst - was hat mir geholfen?
Keinen Kontakt
Aktiv Hilfe einfordern und auch annehmen
Therapie
Antidepressivum
Und den Glauben daran, dass es auch wieder besser werden wird, nicht verlieren. Auch wenn es länger dauern kann, bis man dort ankommt
3 Jahre war ich in Therapie. Eine erhebliche und fühlbare Verbesserung spürte ich nach ca. 2 Jahren und Mitte des dritten Jahres fing meine Therapeutin an, mich langsam an das Ende der Therapie heran zu führen.
Ich kann Dir nur raten: mach was, auch wenn Du keine Lust hast. Nimm alles mit, was Du an Aktivität vertragen kannst. Jeder Schritt, den Du aus der jetzigen Situation heraus gehst - und wenn es nur ein paar Stunden sind - helfen Dir.
Im September 2023 war meine Trennung 5 Jahre her. Nach 20 Jahren mit einem Borderliner. Mein Leben ist wieder normal. Wenn ich das schaffe, schaffst Du das ganz sicher auch!