Zitat von Lenilotte:Nichtsdestotrotz denke ich , gerade wenn man Kinder hat , und einer kümmert sich gewisse Zeit vermehrt um Kinder und Haushalt , und verdient weniger, dann sollte der Partner auch aus Liebe Verantwortung in finanzieller Hinsicht zeigen !
Hallo Lenilotte,
ich finde deine Gedanken und Beweggründe nachvollziehbar und finde es auch richtig, dass du dafür einstehst, einen Teil vom gemeinsam gebackenen Kuchen zu bekommen - auch wenn dieser dir rechtlich gesehen natürlich nicht zusteht. Ich finde auch nicht, dass du materiell eingestellt wirkst; den Eindruck erweckt auf mich eher dein Mann, dem es anscheinend doch ganz zupass kam, dass du romantisch-naiv genug warst, auf eure Vereinbarung zu vertrauen und dich nicht abzusichern.
Ich sehe das so aus folgender Überlegung heraus: Welche Karriere und welches Einkommen hätte dein Partner wohl in den letzten Jahren gemacht, wenn ER sich um euer Kind und den Haushalt gekümmert hätte und du Hauptverdienerin geworden wärst? Natürlich hast du ihm, indem du die Familienarbeit übernommen hast, auf ganz klassische Weise - nur leider ohne die klassische Absicherung - den Rücken für seinen Wohlstand frei gehalten! Den hätte er als Vollzeitvater wohl kaum in dieser Form erreichen können, wenn du an seiner Stelle die Karriere gemacht hättest.
Von dir zu erwarten, dass du im Trennungsfall keinerlei Ansprüche an den finanziellen Teil eurer Rollenverteilung stellst, kommt mir daher in etwa so vor wie von ihm zu erwarten, dass er im Trennungsfall keinerlei Ansprüche an den familiären Teil eurer Rollenverteilung zu stellen hat. Nach dem Motto, jedem steht nach all den Jahren nur das zu, worum er sich primär gekümmert hat ... das wäre bei ihm das Geld und bei dir das Kind. Uah...
Aber die Situation ist jetzt nun mal wie sie ist, da hilft es nicht darüber zu grübeln ob sie gerecht ist oder nicht, und viel mehr als dir gutes Verhandlungsgeschick und einen fairen Abschluss zu wünschen kann man wohl nicht tun. Oder doch - ich möchte dir noch die Überlegung mit auf den Weg geben, ob du diese Annäherung, von der du schreibst, wirklich willst. Das Gesamtbild, das du hier zeichnest, schreit nicht gerade nach einer Fortführung eurer Beziehung. Das Verhalten deines Partners muss aus deiner Perspektive doch auf ganzer Linie enttäuschend wirken. Ich stelle es mir sehr schwer vor, vielleicht auch unmöglich, jemanden nach solchen Erfahrungen weiterhin vorbehaltlos zu lieben, geschweige denn auf die Tragfähigkeit der Beziehung zu vertrauen.
Egal, ob du mit leeren Händen oder mit einer "Abfindung" aus dieser Beziehung herausgehst, oder ob du sie fortführst - du wirst auf jeden Fall daraus die bittere Lektion ziehen müssen, dich in finanzieller Sicht radikal zu verselbständigen bzw. auf rechtlich abgesicherter Versorgung zu bestehen.
Dich aus der Opferrolle zu befreien, wie von jemand anderem hier erwähnt, halte auch ich für einen - wenn nicht DEN - wichtig(st)en Schritt. Aber das braucht Zeit, Hadern mit den an der Realität zerbrochenen Idealen ist ein Teil des Trauerprozesses, hab Geduld mit dir es schmerzt aber es wird gelingen. Vielleicht tröstet dich die Vorstellung, dass du in der Vergangenheit zumindest die Möglichkeit hattest, dein Kind gut versorgt aus dem Gröbsten heraus zu kriegen und dass du viel Zeit mit deiner Tocher verbringen konntest; auch das ist wertvoll.