MiaMiaMiaMia
Mitglied
- Beiträge:
- 4
- Themen:
- 1
- Danke erhalten:
- 15
- Mitglied seit:
ich sitze mal wieder zuhause und überlege "ihn" anzurufen. Völlig bekloppt, wirklich völlig bekloppt. Und trotzdem, . ich spiele mit dem Gedanken, obwohl er mich zwar nicht blockiert hat, aber gelöscht (macht er immer so).
Ich schildere mal mein Problem:
Ich war immer eine Frau (46), die sich wirklich alleine und selten bis nie einsam gefühlt hat, ich probiere gern alleine Neues aus, habe zwei Freundinnen, beide verheiratet und leider zu nichts zu bewegen, außer mal gemeinsam essen zu gehen, daher habe ich mir vor zwei Jahren selbst gesagt: Mach Dinge, die du tun willst, nicht von Anderen abhängig, mach sie einfach alleine. Ich habe also viele Hobbys, Sport, Interessen, lese gern, bin auch offen für einen Freund.
Kurzum:
Ich habe vor genau 1 Jahr "ihn" kennengelernt. 43J, zuckersüßer Typ, schaut gut aus, ein Machertyp, irgendwie mochte ich ihn sofort. Wir kamen meines Geschmacks nach viel zu rasch zusammen, nachdem wir uns zwei, drei Mal gedated haben, waren wir bereits in einer Beziehung. Mir ging das ziemlich schnell, da ich aber lange Solo war zuvor und eher eine Eigenbrödlerin ließ ich mich drauf ein und dachte "ok, ich muss mich einfach umgewöhnen".
In den ersten Wochen merkte ich schon, das es mich anstrengt, wir hatten nicht so recht viele Gemeinsamkeiten, er ist eher ein Stubenhocker, ich bin aktiv. Er macht keinen Sport, lebt eher ungesund, hat keine Lust zu kochen, auch nicht mit mir, ist eher der Fast Food Typ. Er hat große Schlafstörungen, was es mir sehr schwierig gemacht hat, dort ruhig mit ihm zu übernachten. Irgendwie war es ein schneller Prozess, dass er deutlich machte, dass das "so nichts wird mit uns, wenn ich dies und das nicht ändere". Also er wollte mich Freitag bis Sonntag Abend bei sich haben. Mir kam das schnell recht inhaltslos vor, ihm ging es einfach darum, gemeinsam den Alltag zu bewerkstelligen, alles gemeinsam machen, gemeinsam einkaufen, gemeinsam spazieren (was schön war), gemeinsam dies, gemeinsam das. Während der ersten Wochen machte ich das mit, merkte aber, bei mir blieb alles, was mir Spaß machte, auf der Strecke und die gemeinsame Zeit mit ihm führte immer mehr zu Diskussionen, weil er seine Unzufriedenheit komplett an mir ausließ.
Während ich das Gefühl hatte, wirklich nichts richtig machen zu können, versuchte ich in den ersten Monaten alles, um ihm zu gefallen. Irgendwann brach ich zusammen, war lange krank, mein Hausarzt sagte: Stress, Psyche. Er machte noch mehr Druck mit Ratschlägen, was ich alles tun solle, wobei er wusste und es sogar ab und an erwähnte, dass er der Stressfaktor ist.
Er hatte einen enormen Anspruch mich ständig zu sehen, war dann aber selber oft gestresst und genervt, während ich zb unter der Woche direkt nach der Arbeit zu ihm kam, war er dann genervt, obwohl ich ja da war. Er war recht schnell dauerhaft mies gelaunt. Ich sagte ihm dann oft, wenn er so schlecht gelaunt ist, solle er doch einfach sagen, dass er mich nicht sehen mag, da ich daheim genug anderes zu tun habe.
Er war dann auch zunehmend überempfindlich, alles sah er als komplette Kritik an sich und seiner Person, während umgekehrt er immer Recht hatte und mich zunehmend beschimpfte und beleidigte, fühlte er sich bei der kleinsten Kritik angegriffen und rastete komplett aus.
Er beendete drei Mal die Beziehung, normal hätte jeder Mensch gesagt: Lass das, das hat keinen Zweck. Mit ihm war absolut nicht zu diskutieren, nicht auf konstruktive Weise zu streiten, er drehte sich im kreis, war einfach streitsüchtig, wollte garkeine Lösung, sondern einfach nur seiner Wut freien Lauf lassen.
Ich nahm mir im Juli psychologische Hilfe. Las viel, das war die Zeit, in der er sich für zwei Monate getrennt hatte. Ich wurde sehr klar und sah ihn fast zunehmend neutral, entliebte mich, sah ihn fast schon als lebendiges Arbeitsprojekt, an dem ich aktiv meine Grenzen testen konnte und mir war klar, dass man mit ihm keine vernünftige Beziehung führen können wird, da er komplett in seiner Welt war, in der er das Recht hatte, mich zu beschimpfen, wenn er sich ungerecht behandelt fühlte.
An der Stelle würde wieder normalerweise jeder sagen: Nimm die Beine in die Hand und lauf. Ich hingegen dachte permanent an ihn, nicht in einer Form Liebeskummer, sondern in der Form "du bist noch nicht fertig, wir müssen noch weiter arbeiten". Total bekloppt, aber nachdem wir es im November ein drittes Mal versucht hatten, rastete er an einem Weihnachtsmarkt wieder vollends aus aufgrund einer Kleinigkeit, die ich ihm nicht sagte, also dass ich mich an Weihnachten mit einer Freundin treffen wollte, er fühlte sich hintergangen, da ich ihn nicht zuerst fragte - was schwierig war, denn wir waren in einem Dauermodus von On und Off, Planbarkeit war nicht gegeben und ich lebte einfach irgendwann mein Leben weiter.
Er ist ein richtig hasserfüllter Mensch, ich glaube, das liegt in seinem Elternhaus begraben. Er wurde vom Vater oft gedemütigt, geprügelt und nicht ernst genommen. Er kompensiert das nach außen mit einem harten und bestimmten Auftreten, ist im Kern aber ein extrem unsicherer Mensch, jede Whatsapp eines Arbeitskollegen ließ ihn komplett exkalieren und er war oft so hilflos, dass er herum schrie, mich hinaus schmiss aus der Wohnung, wenn ihm was nicht passte. Also ein unmöglicher Mensch.
Und nun bin ich wieder seit einiger Zeit getrennt von ihm. Ich versuche mich gut abzulenken, mich auf Dinge, die ich gern tue, zu freuen und sie trotzdem ich oft energielos bin, durchzuziehen, denn wenn ich dann dabei bin, habe ich Freude daran und vergesse ihn gedanklich zum Glück auch.
Aber dann gibt es Tage wie heute, an denen ich daheim sitze, nicht ausgefüllt bin und an ihn denke, ihn anrufen will, wieder mit "ihm arbeiten" will.
Ich selbst habe eine schwierige Kindheit gehabt, überbehütet, meine Eltern waren sehr streng, ließen uns kaum Fehler machen aber übergingen auch unsere Grenzen, die meiner Geschwister und mir, also Grenzen mütterlicher Seits wurden kaum akzeptiert, das war schon oft ein Thema, weshalb ich mir auch in Beziehungen entweder garnichts oder zuviel gefallen ließ, aber kein Mittelmaß fand.
Ich habe keinen Liebeskummer in der klassischen Form, so dass man sich wirklich nach der Person sehnt, sondern ich sehne mich nach ihm als eine Art "Spiegel, an dem ich arbeiten kann". Und ich würde diesen Teufelskreis gern verlassen, ich würde ihn gerne gedanklich frei geben und merke auch, dass ich aktuell nicht offen bin für jemand anderen, das stört mich am meisten.
Hat irgendwer vielleicht Input für mich, Hilfestellungen oder Links für weiterführende Hilfe?
Ich bin zwar in therapeutischer Betreuung, aber die Termine liegen oft so weit auseinander, fallen häufig aus, dass ich mich gern zwischendurch noch neu inspirieren lassen würde und hoffe hier auf Input.