Hallo @katte
Zitat:Hm, je mehr ich darüber nachdenke, desto mehr macht diese Familiengeschichte Sinn. Bin aber eher eine Frau der Taten - wenn dem nämlich tatsächlich so sein sollte, was mache ich denn jetzt? Diese Erkenntnis ändert erstmal nichts an meiner unterschwelligen Angst vor Nähe oder wie man es nennen will...
Nun, es kommt darauf an, was du mit diesen Erkenntnissen anfangen möchtest.
Aufjedenfall ist das erkennen und benennen von Mustern und Problemen IMMER der erste Schritt, der dann Verhaltensänderung überhaupt möglich macht.
Bisher warst du bezüglich deiner Familiensituation noch nicht besonders konkret. Ich überlasse das dir, ob du dich hier in einem öffentlichen Forum, diesbezüglich noch genauer äußern möchtest oder nicht.
Mit den jetzigen Informationen, kann ich dir allerdings nur eine sehr allgemeine Antwort bzw. ein Musterbeispiel diesbezüglich geben, was sich mit solchen Erkenntnissen anfangen lässt:
Wenn du dich in der Gegenwart in einer Situation befindest, dass dich Ängste vor Nähe überwältigen, dann kannst du dir selber sagen:
"Stop. Ich habe hier ein altes Thema. Mein Vater, den ich über alles liebte, hat die Familie plötzlich verlassen, als ich 3 war und ich möchte nie wieder so verletzt werden. Aber das hat nichts mit dem Mann zu tun, der jetzt vor mir steht. Ich bin jetzt auch keine 3 Jahre mehr alt, bin mittlerweile eine gestandene Frau und ich würde auch mit diesem Fall jetzt ganz anders umgehen können."
Das Beispiel ist jetzt fiktiv, aber lässt sich auch bezüglich anderer, alter Themen so ähnlich anwenden. Es wird das alte Thema nicht schlagartig auslöschen. Aber alleine dadurch, dass du es anerkennst und ihm Raum gibst, wird es mit der Zeit immer weniger Einfluss auf dich haben und du wirst dir dadurch mehr und mehr Handlungsspielraum verschaffen.
Zitat:aber ich mache mir wirklich Sorgen mich selbst zu verlieren, wenn ich auf einmal so extrem auf jemanden achten muss.
Dass du das siehst, finde ich eine sehr, sehr wichtige Erkenntnis für dich.
Gegenfragen: Fällt es dir schwer anderen Menschen konsequent Grenzen zu setzen?
Hättest du weniger Sorge, dich selbst in jemand anderen verlieren zu können, wenn du dich selber besser kennen würdest?
Zitat:Zu der Frage mit dem Wunsch: Ich würde mir vermutlich wünschen, dass mir die Einsamkeit nicht so viel ausmachen würde und ich gar nicht erst darüber nachdenke, mir einen Partner zu suchen. Dann wäre das grundlegende Problem aus meiner Sicht gelöst...
Mir stellen sich daraus folgende Fragen:
Sind es deine Ängste vor Nähe, die dich daran hindern eine tiefgehende Beziehung einzugehen?
Oder ist dein Wunsch nach Freiheit wirklich so ausgeprägt? Ich schätze allerdings nicht, dass in diesem Falle ein Wunsch nach einer Partnerschaft bestehen würde.
Ich würde deshalb bei dir eher die erste These vermuten. Dann wäre mit deinem Wunsch das grundlegende Problem allerdings nicht gelöst. Folglich wäre es dann eher das Thema, diese Ängste zu lösen, bzw. dies zunächst auszuhalten lernen.
Zitat:Nur mache ich diese Rechnung gefühlt bei jedem Menschen automatisch und weiß nicht so ganz, wie ich das abtrainieren soll.
Auch dafür gibt es Möglichkeiten, aber das Thema ist recht komplex. Willst du dies wirklich verändern, auch wenn es mit täglicher Investition und Arbeit verbunden ist?