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Wo bin ich?! Und wie komm ich raus?

MisterMartini


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Liebe AnnaLüse,

Dank dir für deine Nachricht

Ich bin gar kein Trennungsspezialist. Ich kenne die Phasen der Trennung oberflächlich aber bin noch nie bewusst durchgegangen - vermutlich, weil ich eben davor nie wirklich geliebt habe und aus Scham.

Auf welches Modell beziehst du dich? Und ja - du triffst da was bei mir: meine Wut ist mir peinlich. Ich habe zum Beispiel Angst davor, dass Bekannte von ihr, die hier noch in "meiner" Stadt im Viertel leben, davon mitbekommen und mich dumm anschauen.
Oder es ist mir peinlich, dass ich überhaupt wütend bin - also dass hier ein Gefühl mein Handeln diktiert und nicht ich. Dass ich meinem Gefühl trotz besserem Wissen ausgeliefert bin.

Also das sind interessante Punkte für mich, die du mir lieferst! Herzlichen Dank! Ist denn die Wutphase normal und haben da andere auch (schon) dumme Dinge gemacht, die er/sie besser gelassen hätten?

Das Thema Arbeit ist bei mir so ein Dauerbrenner. Das wäre jetz ein eigener Thread. Ich lese gerade Fromm - "Die Kunst des Liebens" und darin beschreibt er die Problematik meines Berufs für mich ganz nachvollziehbar: es ist ein moderner Zivilisationsberuf, in dem ich nur "funktioniere" und wiederum zur "Konformität" erziehe.
Ich kompensiere das durch Kunst - wo ICH kreieren darf, und durch "guten" Unterricht, der nicht 0815 ist. Aber es ist schon ein sehr entfemdeter und entfremdender Beruf, den ich ausübe. In den Sommerferien war ich zB auf einer Käsealp in der Schweiz und da habe ich mich nach kurzer Zeit sehr verbunden gefühlt. Kurz gesagt: erträglicher Job, Mittel zum Zweck mit weniger Freiheiten als gedacht

09.10.2021 12:58 • #16


MisterMartini


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Ach - und jemand hat geschrieben, dass ich nicht allein sein könne. Das hört sich auch so nach einer Floskel an.

Was heißt das für euch konkret, alleine sein zu können? Vielen Dank für Antworten!

09.10.2021 13:12 • #17



Wo bin ich?! Und wie komm ich raus?

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Dia

Dia


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Zitat von MisterMartini:
Ach - und jemand hat geschrieben, dass ich nicht allein sein könne. Das hört sich auch so nach einer Floskel an. Was heißt das für euch konkret, alleine sein zu können? Vielen Dank für Antworten!

Keine Partner zu brauchen, um sich angekommen zu fühlen, heißt das für mich.

09.10.2021 13:18 • x 1 #18


Hansl

Hansl


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Zitat von MisterMartini:
Was heißt das für euch konkret, alleine sein zu können?

Alleine sein, ohne einsam zu sein.

09.10.2021 13:19 • x 2 #19


Lukullus


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Vielleicht gehörst Du zu der Sorte Mensch, die sich zwar eine Beziehung wünschen um nicht alleine zu sein und zu bleiben aber gleichzeitig auch eine verdammte Angst davor haben zb. vor der Bindung, persönlichen Einschränkung siehe Freiheit oder gar Verlustangst wenn man sich mal auf wen einlässt in der Tiefe.

So liest es sich gerade, da vielleicht tatsächlich an Dir arbeiten solltest irgendwie, auch mit Hilfe. Kann schon ein psychisches Problem oder eine Fehlschaltung sein im Kopf/Herzen.

Also würde über eine Beziehung nie so ein Geschreibsel abliefern das eigentlich nur um mich kreist und was ich für Ängste habe etc. ... ich tue es einfach, gebe mein Bestes und dann schauen was passiert. Zu der Beziehung ja auch noch der andere Mensch gehört, der vielleicht auch nicht immer okay ist zb. Aber so viele Gedanken würde ich mir echt nicht machen um mich selbst, eher genießen und maximal lernen aus eigenen Fehlern und natürlich kann eine Beziehung auch mal enden. Warum auch nicht, Menschen verändern sich stetig, nicht nur man selbst sondern auch die PartnerInnen. Passiert. Das nicht nur eine persönliche Geschichte ist und auch nicht kontrollieren kann.

09.10.2021 14:08 • x 1 #20


Lukullus


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Und Alleinsein, ich kann auch alleine und glücklich sein, mit Hobbys etc. und Freunden, da auch nicht wirklich alleine bin und auch beschäftigt positiv.

Aber was ich nicht brauche, eine Partnerschaft wo ich mich am Ende noch einsamer fühle als wenn ich ich alleine wäre.

Und nur für irgendwelche Gelüste zb. Kuschelbedürfnis, Seelenmülleimer oder Gummipuppe für den Hormonstau oder für das Image da sicher nichts anfange hier und dann rechne ob sich der eigentlich ungewollte Einsatz da auszahlt um ihn oder sie da zu halten.

09.10.2021 14:17 • #21


Doppelherzchen


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Es ist tatsächlich schei. viel Text, habe mir alles durchgelesen und dachte erst, da schreibt ein Teenie. Meine Annahme bezieht sich auf deinen Sprach- bzw. Schreibstil. Den Rest (deine Fragen bezüglich der Trennung, auch deine Auffassung von Liebe und wie du mit Frauen umgehst) empfinde ich auch eher unreif. Das soll kein Angriff sein, Ich denke aber, es muss einiges bei dir nachreifen und sich entwickeln. Dass du das nun schon angegangen bist, mit therapeutischer Hilfe, finde ich sehr gut. Ich weiß nicht, wie stark du konsumierst, (und wozu überhaupt) aber das macht den Zugung zu Emotionen meist nicht unbedingt einfacher. Eine Meinung zu deiner Geschichte habe ich auch, wird dir aber wahrscheinlich nicht gefallen. Ich verstehe es, dass du dir auch einfach alles mal von der Seele schreiben willst, das ist auch absolut ok. Für mich ist es viel heiße Luft um nichts. Du scheinst mir sehr egozentrisch und kreist permanent um dich selbst. Für dich ist bzw. war immer alles hyper-super- mega-cool. Du bist cool, die Tanten sind cool, alles cool. Außer du hast Stress. Dann ist alles kacke und die Alte sowieso. Und alle soll'n dich mal nicht *beep*. Auf mich wirkt es, als würdest du es dir sehr einfach machen. Alles was geht und nicht anstrengend ist, mitnehmen. Die anderen scheinen für deine Befindlichkeiten verantwortlich gemacht zu werden. Du wurdest nun verlassen und dein Ego wurde zerbombt aus deiner Sicht, oder? Und jetzt willst du zurückschießen, sie plattmachen? Die Wut für dich nachzuspüren, ok. Sie (dazu gehören auch ihre Eltern) kontaktieren, nicht ok. Dir geht's jetzt mies und nun ist es aber Zeit, dass du mal selbst Verantwortung übernimmst. All deinen Kummer, all deinen Schmerz, sämtliche Gefühle. Es ist jetzt deine alleinige Aufgabe, damit klarzukommen. Besonders diese tiefe Wut, die du verspürst. Wie auch immer du das für dich regeln magst. Sport, Holzhacken oder was dir sonst hilft.

Es klingt für mich nicht so sehr nach Liebe. Was weißt du überhaupt über deine große Liebe? Kennst du ihre Wünsche, ihre Sehnsüchte? Ihre tiefsten Ängste und Dämonen? Weißt du, wie sie denkt und fühlt? Hast du dich dafür jemals interessiert?

Mir scheint, du willst gerade das, was du nicht haben kannst. Das würde ich auf alte Muster zurückführen. Schau dir vielleicht mal deine Biografie an. Deine Herzdame hat offenbar ja das gleiche Problem, rennt Verflossenen hinterher, die sie nicht wollen...Das nur am Rande, das ist nun nicht mehr dein Problem.

Versuche abzuschließen und räum mal ernsthaft in dir auf!

09.10.2021 15:05 • x 3 #22


Hola15

Hola15


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Ich kann mich Doppelherzchen anschließen.
Du beschreibst dich als lost und so kommst du auch rüber, gepaart mit einem großen kreisen um dich selbst.

Bitte verstehe es als Feed-back.

An deiner Stelle würde ich - wie es dir viele hier empfehlen - tatsächlich professionelle Hilfe in Anspruch nehmen.

Ein weiterer Punkt ist, dass du es in etwa so beschreibst, als wären Gefühle deine Feinde. Dem ist nicht so! Deine Gefühle sind fundamental wichtig. Sie zeigen dir den Weg und du solltest auch tatsächlich alle Ablenkung inkl. Dro. weglassen und dich mit dir beschäftigen. Geh ruhig mal da hin wo es wehtut. Ist die Angst davor zu groß mach es mit Unterstützung eines Therapeuten.

Gefühle sind das eine. Werte und Haltungen das andere. Was weißt du über dich? Wer bist du ? Was macht dich aus? Welche Werte sind dir wichtig ? Gibt es da welche oder fällst du so ohne Kompass durch dein Leben?
Solltest du feststellen Werte zu besitzen lebst du nach diesen? Bist du integer? Gelten sie nur für dich? Behandelst du dein gegenüber mit dem gleichen Maßstab wie du behandelt werden willst?

09.10.2021 16:36 • x 2 #23


AnnaLüse

AnnaLüse


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Hey @MisterMartini, wie geht es dir?

Zitat von MisterMartini:
Auf welches Modell beziehst du dich?
Auf keins und auf alle zugleich, schätze ich. Die heftigen Gefühle gehören einfach dazu und ich war/bin dankbar, dass ich auch mal Wut fühle, da mir diese Emotion geholfen hat und noch hilft, nicht ständig traurig zu sein. Vielleicht hilft es dir ja, auch bewusst andere Gefühle zuzulassen?
Zitat von MisterMartini:
Und ja - du triffst da was bei mir: meine Wut ist mir peinlich. Ich habe zum Beispiel Angst davor, dass Bekannte von ihr, die hier noch in meiner Stadt im Viertel leben, davon mitbekommen und mich dumm anschauen.
Oder es ist mir peinlich, dass ich überhaupt wütend bin - also dass hier ein Gefühl mein Handeln diktiert und nicht ich. Dass ich meinem Gefühl trotz besserem Wissen ausgeliefert bin.
Warum ist die Wut bei dir überhaupt so groß? Kannst du den Grund irgendwie benennen?

Zitat von MisterMartini:
Ist denn die Wutphase normal und haben da andere auch (schon) dumme Dinge gemacht, die er/sie besser gelassen hätten?
Mit Sicherheit. Ich habe nur dämliche wütende Nachrichten geschrieben, die mich (und ihn) zurückgeworfen haben, aber andere machen in ihrer Wut auch mal was kaputt, verbrennen Sachen des/der Ex, zerkratzen Autos... Hat es doch alles schon gegeben.

Zitat von MisterMartini:
Ich lese gerade Fromm - Die Kunst des Liebens und darin beschreibt er die Problematik meines Berufs für mich ganz nachvollziehbar: es ist ein moderner Zivilisationsberuf, in dem ich nur funktioniere und wiederum zur Konformität erziehe.
Puh. Hm, hab ich selbst nicht gelesen, pack ich mal auf die Liste. Ich sehe ein, dass unser Beruf in der Realität meist weit weg von der Club-der-toten-Dichter-Romantik ist, aber es gibt doch schon kleine Revolutionen, interessante Konzepte und Ideen, für die man sich einsetzen kann?

12.10.2021 14:07 • x 1 #24


MisterMartini


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Hallo zusammen!

Ich wollte nur mal kurz einen Zwischenstand geben: Danke für die Inputs, die müssen erstmal verkraftet, verdaut und einsortiert werden!
Gut und entlastend finde ich das Verständnis von AnnaLüse bezüglich der Wut. Sie fragt, wo sie herkommt - nun ich habe mal was von der Frustrations-Aggressions-Hypothese gelesen und die kommt hier auch zum Ausdruck: Wenn man den Eindruck hat, dass man viel (oder alles - Sich ) gibt und erwartet, dass man im Gegenzug auch den anderen bekommt, aber das nicht klappt, dann ist das mal das große Ofenfeuer für die Wut. Ich fühl(t)e mich von K. verraten und zurückgelassen, im Stich gelassen, weil sie mich während meines Refs verlassen hat, obwohl wir es anders abgesprochen hatten. Also sie hatte mir größtmöglichen Beistand versprochen.
Dann kommen die drei-vier Monate absoluter Sinnkrise nach der Trennung, gepaart mit der totalen Erschöpfung und Bringschuld durch das Referendariat, die ich ihr verdanke und der Ruf nach Vergeltung und Rache diesbezüglich.
Dazu kommen dann ein paar Einzelaktionen nach der Trennung, die ich ihr gegenüber auch nicht so durchgezogen hätte und die mich tief gekränkt haben.

Summa sumarum ist der Punkt, an dem ich gerade stehe und über den ich nachdenke, wenn ich Zeit habe, der Punkt Selbstliebe. Eigentlich sollte meine Selbstliebe überwiegen. Ich sollte mir wichtiger sein, mehr Fürsorge, Verantwortungsgefühl und Erkenntnis mir gegenüber aufbringen als dem Schmerz ihr gegenüber.
Ich meine, darin sammeln sich auch die Hinweise anderer Forenbeiträge, denn Selbstliebe impliziert Achtsamkeit gegenüber mir selbst, Kenntnis meiner Selbst und meiner Werte...(auch das ziehe ich aus Fromm).

Und ein Grund, warum meine Selbstliebe nicht so ausgeprägt ist, ist dann vielleicht tiefenpsychologisch zu begründen (?).

Jedenfalls Danke für die Inputs und für das Lesen, so far!

Ach ja, und Dro. nehme ich kaum und der flapsige Stil kam mit der Erinnerung an eine flapsige Zeit hoch. Also stimmt, eine gewisse Unreife und Auflehnung steckt da drinnen und damit auch der Vorwurf, dass das System an allem schuld sei. Ich verstehe die Vermischung.

16.10.2021 08:20 • x 1 #25


Hola15

Hola15


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Zitat von MisterMartini:
.(auch das ziehe ich aus Fromm

Pass ein bisschen auf. Nichts gegen Fromms Werke die sind klasse. Aber sie können einen auch zu sehr in Richtung: zu wenig gesunden Egoismus, Wahrung der eigenen Grenzen treiben. Zumindest war es wohl mein Genickbruch.

16.10.2021 08:40 • x 1 #26


MisterMartini


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Zitat von Hola15:
Pass ein bisschen auf. Nichts gegen Fromms Werke die sind klasse. Aber sie können einen auch zu sehr in Richtung: zu wenig gesunden Egoismus, Wahrung der eigenen Grenzen treiben. Zumindest war es wohl mein Genickbruch.



Haha, deinen Avatar-Spruch find ich klasse!

Kannst du deine Warnung vielleicht ein bisschen genauer fassen? War es bei dir so, dass du dann ZUVIEL gesunden Egoismus und ZUVIEL Grenzpflege betrieben hast? Verstehe ich das richtig?

16.10.2021 09:04 • #27


Hola15

Hola15


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Zitat von MisterMartini:
Haha, deinen Avatar-Spruch find ich klasse! Kannst du deine Warnung vielleicht ein bisschen genauer fassen? War es bei dir so, dass du dann ZUVIEL ...

Nein. Es ist jetzt wie gesagt ein paar Jahre her, dass ich mich damit beschäftigt habe und ich bin mir auch nicht sicher ob ich es in eine "falsche" Richtung gelesen habe. Aber es geht ja sehr in Richtung "Aufhebung des eigenen Egos".
Leider kann dies ein Einfallstor für jedwede Art manipulativer, egozentrischer Menschen sein.
Wichtig ist, dass du deine Bedürfnisse kennst und beschützt.

16.10.2021 09:30 • x 1 #28


MisterMartini


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Ah, okay, verstehe! Danke! Ja, in der Ecke verorte ich mich auch gerade ein wenig - da schreibt er auch drüber, unter dem Aspekt Selbstlosigkeit, kritisch übrigens. Vielleicht lohnt sich für dich ja eine erneute Lektüre! Jedenfalls danke für die Warnung und alles Gute!

16.10.2021 15:03 • x 1 #29


AnnaLüse

AnnaLüse


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Zitat von MisterMartini:
Wenn man den Eindruck hat, dass man viel (oder alles - Sich ) gibt und erwartet, dass man im Gegenzug auch den anderen bekommt, aber das nicht klappt, dann ist das mal das große Ofenfeuer für die Wut. Ich fühl(t)e mich von K. verraten und zurückgelassen, im Stich gelassen, weil sie mich während meines Refs verlassen hat, obwohl wir es anders abgesprochen hatten. Also sie hatte mir größtmöglichen Beistand versprochen.


Verstehe deine Emotionen gut, aber es gibt in der Liebe keine Garantien und keine sinnvollen Schwüre, wenn es um Gefühle geht. Hättest du dir wirklich gewünscht, dass sie dich weiter unterstützt, obwohl sie gefühlsmäßig schon woanders war?

Insgesamt sind deine Erwartungen an die Partnerin vielleicht auch einfach too much, also ich meine das alles-geben und alles-bekommen?

Bist du letztlich wütend, weil sie nicht alles gegeben hat? Oder nicht geben wollte? Weil deine Erwartungen nicht erfüllt wurden? Weil sie ein Versprechen nicht hielt? Ist deine Wut nur gegen sie gerichtet oder auch gegen dich?
Versteh die Fragen nur als Anstoß, du musst gar nicht auf alle eingehen.

17.10.2021 08:03 • #30



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