Zitat von machiennelilly:Sicher kannst du viel von ihm fernhalten. Dennoch bemerkt sein Sohn sehr viel mehr, als dir lieb ist. Ich weiß nicht wie alt er ist. Aber statt es fernzuhalten, rede mit ihm darüber, altersgerecht. Er fühlt sich dann auch ernst genommen, wird dir von seinen Gefühlen, Empfindungen erzählen können, wenn du dich ihm öffnest. Vorallem wird er später deine Ehrlichkeit schätzen.
Mein Sohn ist natürlich über die Trennung an sich in vollem Umfang informiert, er wird übernächste Woche 9.
Nur ist meine Exfrau ein wenig "speziell", ich habe es mir zur Aufgabe gemacht als Puffer zwischen ihren Launen und meinem zu fungieren. Außerdem hat sie nur sehr wenig Zeit für ihn und es kommt auch oft vor dass sie diese wenigen Termine auch nicht einhält, auch hier betrachte ich es als meine Aufgabe in diesem Fall einzuspringen und erst gar keine Enttäuschung aufkommen zu lassen indem ich dann sofort etwas mit ihm unternehme, ihn quasi ablenke.
Das Pendel schwingt natürlich dann in die andere Richtung, je öfter ich so in die Bresche springe umso tiefer wird die Bindung zwischen meinem Sohn und mir umso seltsamer reagiert meine Exfrau weil sie diese Bindung für unnormal hält.
Teufelskreis der sich bei mir schließt.
Zitat von machiennelilly:Das ist eine große Aufgabe! Aber damit gibst du ihm auch Mitschuld, indirekt wird er es so aufnehmen. Versuche doch, ihn mit in seinen Möglichkeiten einzubeziehen. Ich bin mir sicher, dass er dir gerne helfen würde. Es würde ihn mit Stolz erfüllen, seinen, wenn auch kleinen Anteil, leisten darf. Es formt seinen Charakter mit. Es festigt in in seinen Gefühlen, in seiner Entwicklung.
Tut er ja schon ... auch seine Ergotherapeuthin hält mich immer wieder dazu an im Pflichten zuzuteilen die er bewältigen kann.
Zitat von machiennelilly:Freunde zu haben, ist eindeutig von Vorteil. Sie sollten in jedem Fall auch dein Leben begleiten. Nicht Freunde im Sinne von helfen, sondern auch von Unternehmungen. Wenn du es ihm nicht vorleben kannst, wie soll er dir das glauben?
DIES ist der Spagat der mir mitunter die größte Sorge bereitet.
Ich habe keine Freunde und gedenke es dabei zu belassen.
Ich hatte eine schöne Kindheit mit vielen Freunden bis hinein ins junge Erwachsenenalter, viele Erlebnisse die ich niemals missen möchte und hätte auch gerne dass mein Sohn ähnliche Erlebnisse "sammeln" kann. Aber vorleben kann ich ihm das leider nicht mehr, dieses Kapitel habe ich geschlossen und das Buch weggeräumt.
Und nein, ich habe keine Ahnung wie ich meinen Sohn glaubhaft in diese Richtung lenken kann. An diesem Punkt wäre es ja schön wenn meine Exfrau dort Einfluss nehmen würde denn sie hat einen großen und aktiven Freundeskreis ... nur leider ist meine Exfrau keine Bezugsperson für meinen Sohn mehr.
Mein Sohn ist schon sehr introvertiert und hat kaum Lust mit anderen zu spielen, und das obwohl andere Kinder um ihn buhlen ... ich würde ihn hier gerne meinem schlechten Einfluss entziehen, habe aber keine Ahnung wie ohne Lügen und Theater.
Zitat von machiennelilly:Die Welt ist nicht rosarot. Spiele ihm nicht die heile Welt vor. Kinder sind nicht blind und taub. Sie tauschen sich mit Schulkameraden aus, oder auch schon im Kindergarten. Du belügst ihn damit, und dich selbst, es wird dich zerreißen, solche Lebenslügen aufrechtzuerhalten. Versuche die Freundschaft in Sachlichkeit runterzufahren. Und setze dich damit nicht selbst unter Druck. Und wenn du etwas davon loslässt, kann Sachlichkeit dann auch irgendwann gelebt werden.
Auch hier muss ich wieder betonen dass meine Exfrau ein wenig speziell ist. Sie ist der Meinung wir wären tolle Freunde, seit 5 Sekunden nachdem sie die Trennung ausgesprochen hat, und sie weigert sich beharrlich aus meinem Leben zu verschwinden.
Mehrfache DEUTLICHE Bitten meinerseits und die Erklärung meinerseits dass wir KEINE Freunde sind weil ich nicht nach 9 Jahren Ehe einfach nach dem Verlassenwerden auf Freund umschalten kann werden geflissentlich ignoriert.
Es macht auch keinen Sinn meinen Sohn wissen zu lassen was für eine fundamentale Enttäuschung die Trennung und der Betrug an mir gewesen ist. Wozu ? Da ist es mir lieber dass er denkt ... na gut, sie leben nicht mehr zusammen aber verstehen sich noch.
Was in mir kaputt ist muss er doch gar nicht wissen ... irgendwann wenn er erwachsen ist, werde ich ihm mal die wahre Geschichte erzählen, aber jetzt .... sind wir Freunde .... auch wenn ich sie sehr sehr sehr gerne sehr viel weiter auf Distanz hätte, eine "Geschäftsbeziehung" eben. Aber ohne einen harten Bruch kriege ich meine Exfrau nicht "weg" und den provoziere ich wegen meinem Sohn nicht.
Zitat von machiennelilly:Hier noch einmal zu oben, es gibt sicher Hilfe, und deine Mittel sind sicherlich begrenzt, denke ich. Wenn sie nicht dafür vorgesorgt haben, müssen sie damit leben. Ich weiß auch nicht, ob sie je die Möglichkeit hatten, so vorzusorgen. Es ist nicht deine Aufgabe in vollem Umfang. Das kann Keiner leisten.
Meine Eltern sind sehr wichtige Bezugspersonen für meinen Sohn, lasse ich meine Eltern fallen würde das meinen Sohn sehr hart treffen, weil meine Eltern meinem Sohn das auch ziemlich hart verkaufen würden.
Meine Mittel sind mit Sicherheit nicht unbegrenzt, aber ich verdiene schon sehr gut und mit dem Verzicht auf "große Sprünge" und finanziellen Spielraum schaffe ich das schon irgendwie zu Schultern.
Meine Eltern sind zu stolz irgendwelche "fremden" Hilfen in Anspruch zu nehmen und ich verdiene zu viel um welche zu bekommen ... also ... mein Problem
Zitat von machiennelilly:Nach den heutigen Berechnungen, fast völlig unmöglich, wenn du ein relativ normales Einkommen beziehst. Zudem der Markt heute kaum etwas Adequates zu bieten hat.
Im Grunde genommen habe ich schon sehr gut vorgesorgt, ich habe bereits mit Ausbildungsbeginn privat Vorgesorgt, mein Arbeitgeber hat noch etwas für mich getan und in 8 Jahren habe ich auch mein Haus bezahlt. Der vollständige Verzicht auf Versorgungsausgleich durch meine Exfrau hat mir diese Zukunft auch nicht verbaut.
Genaugenommen ist mein Ruhestand irgendwann das worauf ich echt hinarbeite und hoffe dort endlich sorgenfrei zu sein.
Zitat von machiennelilly:Sag, wer kümmet sich um all das, wenn du morgen nicht mehr da wärst? Und woher willst du für all das die Kraft nehmen, wenn du dich selbst dabei übergehst?
Da sind wir bei einer meiner Urängste.
Der Tod an sich ist etwas das ich nicht unbedingt beängstigend finde, er ist etwas vollkommen natürliches und er ereilt irgendwann jeden.
Aber Abzutreten bevor ich alles geregelt habe ist ein Alptraum.
Im Grunde genommen könnte es mir dann egal sein, aber die Vorstellung mein Minderjähriger Sohn steht dort mit seiner Mutter die keine Zeit für ihn hat, Großeltern die aus dem Haus fliegen weil sie es nicht bezahlen können und und und
Gut, für das finanzielle habe ich per Versicherung vorgesorgt (Wenn der Kleine erfährt was er bekommt wenn sein Papa hops geht muss ich um mein Leben fürchten

).
Das Wissen dass mein Sohn in seiner gewohnten Umgebung bleiben kann wenn ich weg wäre lässt mich schon wieder deutlosch ruhiger schlafen.
Dann noch dieses ...."ich wollte dir noch so viel sagen".
Hierfür schreibe ich zur Zeit ein "Erinnerungsbuch" für meinen Sohn. Dort schreibe ich meine Erlebnisse und Erinnerungen, aber auch Dinge wie die Wahrheit über unsere Trennung, der nette "beste Freund" seiner Mama usw auf. Dinge die ihn jetzt noch nicht interessieren müssen es mir aber ein Anliegen ist dass er sie irgendwann erfährt wenn die Zeit reif ist.
Ein morbides Gefühl ein Buch zu schreiben das erst jemand lesen soll wenn man Tod ist ^^
Das klingt jetzt alles irgendwie als würde ich mein Ableben vorbereiten, was natürlich Quatsch ist, ich will einfach nur ein paar Sorgen abschalten falls es doch mal passieren sollte. Dadurch schlafe ich jetzt sehr viel besser.
Ich habe noch nicht das Gefühl am Ende meiner Leistungsfähigkeit angelangt zu sein, es ist alles eine Frage von "Resourcenverteilung". Solange ich keine bahnbrechenden Veränderungen an meinem derzeitigen Leben vornehme kriege ich das gestemmt ... 8 Jahre dann ist das Haus bezahlt, der Sohn wird irgendwann Flügge, meine Eltern werden auch nicht ewig Leben ...
Irgendwann kann ich dann die Situation neu bewerten
Schönes Wochenende
vom ängstlichen Eremiten
