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Zeigt der Ex bei der Trennung sein wahres Gesicht?

Hitachi

Hitachi

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....das Sprichwort mit dem 2 mal kennenlernen, gefällt mir! Am Anfang einer Beziehnung zeigt man immer sein "Sonntagsgesicht", "verkauft" sich so gut wie möglich, was ja auch normal ist! Entweder die Charktäre passen oder im Laufe der Zeit eben nicht!...auch normal.
Wenn es nicht mehr geht sollte man sich trennen, es kommt aber auch immer auf den Grund der Trennung an, ist ein neuer Mensch im Spiel oder trennt man sich weil man den anderen nicht mehr liebt und erstmal alleine leben will!

Deinen Ex bezeichnest du als liebevoll mit großem Herzen, so hast du ihn kennen und lieben gelernt, aber auch solche Menschen haben ihre "Schmerzgrenzen"!

Nur mal so, warst du ihm gegenüber immer respektvoll? Jeder hat seine Macken und auch mal schlechte Tage/Stress, da kann es schon mal vorkommen das man keine Nerven hat, Dinge sagt die einem später leid tun... würde mich interessieren wie du dich selbst einschätzt!

26.01.2019 07:14 • x 1 #61


Maccie

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Ja, manche Sachen sind einfach unvorstellbar. Ich kann sie fast aus 2 Sichten erzählen.
Ich habe meine Frau quasi jahrelang angelogen, weil ich mich auf S. rumgetrieben habe. Von meiner Seite war da trotzdem immer die Verbundenheit zu ihr, ich wollte eigentlich der sein, der die glücklich macht und habe trotzdem (ohne ihr Wissen) ihr Vertrauen so schändlich missbraucht. Sie sagte mir am Schluss, dass sie das nie gedacht hätte von mir und mit welchem Mann sie da 16 Jahre verheiratet ist. Ich konnte ihr die Frage nicht beantworten.
Umgekehrt kenne ich sie nicht mehr wieder, kriege mit, dass sie jetzt Sachen macht, die vorher für sie unvorstellbar waren. Gleichzeitig hat sie sich von mir entfernt, was sie immer verneint hat. Ihr scheint es gut dabei zu gehen.
Und wir haben letztens gestritten, wie wir uns sogar noch in den letzten Wochen geschworen hatten, dies nie vor den Kindern zu tun.
Sie ist eine Fremde für mich und ich wahrscheinlich auch für sie. Mehr noch als eine Fremde, vielmehr jemand fremdes, dem man sogar misstraut, ihm alles schlimme zutraut. Das Gefühl ist da und gleichzeitig die Sehnsucht, dass man denjenigen wiederfindet, den man einst geliebt hat.

26.01.2019 09:21 • x 1 #62


stillsad


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Hallo an Alle,

ich hoffe, ihr habt ein schönes Wochenende und einen noch besseren Abend. Ich selbst war eine Woche lang sehr im Stress und deswegen nicht im Forum, orientiere mich gerade beruflich etwas um und hatte im neuen Bereich meinen ersten, offiziellen Auftrag/Versuch. Trotz oder gerade wegen des Stress und der Aufregung habe ich meinen Ex weiterhin so sehr vermisst und konnte die Gedanken an ihn nicht abschalten, obwohl ich doch so viel Arbeit hatte. Meine Therapeutin meinte dann, ich solle alle Gedanken bei ihr lassen, und hat sie symbolisch mit einer Decke zugedeckt. Und tatsächlich hat das gut funktioniert! Vielleicht auch ein Tipp für euch, falls die Gedanken mal wieder kreiseln? Denn ja, @milliways, ich glaube, manchmal muss man die Dinge einfach ruhen lassen.

Als dann vorgestern der D-Day kam und ich mich der neuen beruflichen Situation gestellt habe, habe ich super gutes Feedback bekommen. Plötzlich habe ich mich wieder als "jemand" gefühlt, der eben nicht nur ein Loser ist, sondern jemand, der zwar alles verloren, aber nie aufgegeben hat. Es war, als wäre mir eine Brille von den Augen genommen worden ich und ich konnte endlich sehen, was ich in der Zeit nach der Trennung alles gewuppt habe. Und zum ersten Mal war ich richtig stolz auf mich. Ja, als ich nach diesem Tag nach Hause kam und das Adrenalin mit der Tür ausgeschlossen habe, da habe ich meinen Ex immer noch vermisst, weil er mich in den Arm genommen hätte. Wie hätte er sich für mich gefreut und wäre stolz gewesen. Aber muss es wirklich er sein? Hätte sich nicht jeder, der mich liebt, für mich gefreut? Musste trotzdem schlucken, weil ich mich wieder so alleine gefühlt habe, auch keine Eltern, die ich hätte anrufen können oder nähere Familie, die mit einem mitgefiebert hätte. Aber dann habe ich mich später einfach mit einem Kumpel getroffen. Ist natürlich nicht dasselbe, aber es half, um nicht wieder in der Einsamkeit zu versinken. Jetzt hatte ich zwei schöne Abende mit Freunden und entweder strahle ich durch das berufliche Erlebnis etwas anderes aus oder aber ich nehme jetzt erst wieder wahr, wie viele tolle, liebe Menschen es um mich rum gibt. Gestern war ich auf einer Feier mit einer Gruppe von Freunden, die ich noch vor zwei Jahren nicht kannte, aber nun nicht mehr missen möchte. Was ich damit sagen möchte: Vielleicht habe ich meinen Ex nicht mehr, aber es gibt noch die Chance, jemand anderes zu treffen, der mich vielleicht sogar mehr wertschätzt, als der letzte es getan hat. Denn auch gestern gab es einige nette Männer, mit denen ich mich unterhalten habe, ohne Hintergedanken, ich wollte einfach sie und ihre Geschichten kennenlernen. Das waren die gar nicht mehr gewohnt, auch die Männer leiden unter der zunehmenden Oberflächlichkeit des anderen Geschlechts :D. Trotzdem fühle ich mich immer noch nicht hingezogen zu Männern, aber es ist trotzdem schon mal ein Anfang.

Zitat von milliways:
Nur damit du weißt, wenn ex sich meldet auch nicht soo gut.


Ja, so wie ich das bei dir lese, ist es wirklich besser, man kriegt keine Nachrichten mehr, wenn man selbst noch Hoffnung hat. Trotzdem hätte ich mir gewünscht, dass mein Ex auf meine Nachricht mit einer Bitte um eine Aussprache/Trennungsgespräch nach drei Monaten wenigstens "Nein" geschrieben hätte. Alles ist besser, als dieses respektlose Ignorieren. Ich wünschte, ich könnte dir ein Stück von deinem Liebeskummer abnehmen, aber leider geht das nicht. Bleib stark, tue das, was dir auf langer Sicht besser tut. Und wie du an mir siehst, so oder so gibt es Schwankungen, so lange du noch an ihm hängst. Aber es wird besser, das verspreche ich dir, auch wenn es vielleicht immer weh tun wird.

26.01.2019 22:28 • x 2 #63


stillsad


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Zitat von Hitachi:
Nur mal so, warst du ihm gegenüber immer respektvoll? Jeder hat seine Macken und auch mal schlechte Tage/Stress, da kann es schon mal vorkommen das man keine Nerven hat, Dinge sagt die einem später leid tun... würde mich interessieren wie du dich selbst einschätzt!

Interessante Frage, die ich natürlich nur subjektiv beantworten kann. Ich habe einige Fehler gemacht, habe glaube ich nicht richtig hingehört, als er vielleicht Andeutungen gemacht hat, was er fühlt/was für Probleme er mit mir hat, war auch sehr mit mir und meiner Trauer beschäftigt. Was ich mittlerweile auch aus der Retrospektive vermute ist, dass ich dieses aktuelle Gedankenkreiseln, das ich jetzt ständig betreibe, garantiert auch während der Beziehung gemacht habe. Und ich denke, das ist sehr belastend für jemanden, weil a) es nervt und man sich machtlos fühlt und b) man nicht gerne sieht, wie der andere sich immer wieder selbst zurück ins Leiden schubst. Also ja, ich war garantiert anstrengend in der Zeit, aber ich war meiner Meinung nach niemals respektlos. Eher im Gegenteil, in den Momenten, wo er fies war, habe ich aus Verlustangst zur Unterwürfigkeit tendiert. Aber wenn du ihn danach fragen würdest, käme vielleicht eine andere Meinung.

Zitat von Maccie:
Ich habe meine Frau quasi jahrelang angelogen, weil ich mich auf S. rumgetrieben habe. Von meiner Seite war da trotzdem immer die Verbundenheit zu ihr, ich wollte eigentlich der sein, der die glücklich macht und habe trotzdem (ohne ihr Wissen) ihr Vertrauen so schändlich missbraucht. Sie sagte mir am Schluss, dass sie das nie gedacht hätte von mir und mit welchem Mann sie da 16 Jahre verheiratet ist. Ich konnte ihr die Frage nicht beantworten.

Aber warum hast du das gemacht? Wäre es nicht eine Möglichkeit gewesen, dass du mit deiner Frau redest, dass du gerne polygam leben möchtest? Warum hast du dich für die Lügen entschieden? Letztlich hast du ihr ja wirklich zwei Gesichter "vorgespielt".

26.01.2019 22:40 • x 2 #64


Hitachi

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Zitat von stillsad:
Interessante Frage, die ich natürlich nur subjektiv beantworten kann. Ich habe einige Fehler gemacht, habe glaube ich nicht richtig hingehört, als er vielleicht Andeutungen gemacht hat, was er fühlt/was für Probleme er mit mir hat, war auch sehr mit mir und meiner Trauer beschäftigt. Was ich mittlerweile auch aus der Retrospektive vermute ist, dass ich dieses aktuelle Gedankenkreiseln, das ich jetzt ständig betreibe, garantiert auch während der Beziehung gemacht habe. Und ich denke, das ist sehr belastend für jemanden, weil a) es nervt und man sich machtlos fühlt und b) man nicht gerne sieht, wie der andere sich immer wieder selbst zurück ins Leiden schubst. Also ja, ich war garantiert anstrengend in der Zeit, aber ich war meiner Meinung nach niemals respektlos. Eher im Gegenteil, in den Momenten, wo er fies war, habe ich aus Verlustangst zur Unterwürfigkeit tendiert. Aber wenn du ihn danach fragen würdest, käme vielleicht eine andere Meinung.


...danke für deine ehrliche Antwort! Im Nachhinein weiss man immer was schief gelaufen ist, ging mir auch nicht anders!
Du bist auf einem sehr guten Weg voll durch zustarten, das freut mich für dich!

...das Gefühl mal was richtig GUT gemacht zuhaben beflügelt einem ungemein, das angeschlagene Ego kommt wieder in Gang, das strahlt man aus....".der Rest" kommt dann ganz von alleine.....

27.01.2019 05:48 • x 1 #65


stillsad


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Ich finde es wirklich bemerkenswert, wie viele, tolle Menschen hier im Forum schreiben und wie respektvoll, sensibel und klug eure Antworten in diesem Thread sind. Wart ihr schon immer so, oder aber seid ihr durch die Trennung (denn deswegen sind die meisten ja hier gelandet) so geworden? Weil, auch wenn das bescheuert klingt, aber wenn diese Feinfühligkeit sich durch die Trennung erst richtig entfalten konnte, dann sehe ich mittlerweile darin die Belohnung für den Schmerz. Zwar sehen wir das gerade noch nicht, weil wir alle noch unseren Exen hinterher trauern. Dazu noch die Angst vor der Zukunft, die uns lähmt, der Ärger über Fehler aus der Vergangenheit, der uns anhängt. Aber ich finde es schon auffallend, wie durchdacht und klar viele Menschen hier schreiben. Auch bei meinen Kumpels konnte ich durch eine harte Trennung einen starken Reifeschub erkennen. Vielleicht entwickeln wir dadurch auch ein "anderes", neues Gesicht, das für unsere Exen komisch ist. Und vielleicht gab es dir Veranlagung für dieses Gesicht auch schon während der Trennung, weswegen auch die Exen mit diesem für sie "neuen" Gesicht konfrontiert waren und uns nicht mehr erkannt haben, es vielleicht auch als "böse" empfunden habe, weil es sie mit ihrer eigenen Gefühlslosigkeit und Schwäche konfrontiert hat.

So oder so sind das aber auch nur wieder Gedanken von mir, die davon ausgelöst wurden, weil ich heute Nacht schon wieder von meinem Ex geträumt habe und mich das wieder ziemlich auf den Boden der Tatsachen zurück geworfen hat. Ich vermisse einfach immer noch sein "liebes" Gesicht und was es für mich bedeutet hat. Trotzdem wünsche ich euch einen schönen Sonntag, lasst es euch gutgehen! Und bleibt so fein, wie ihr seid!

27.01.2019 13:06 • x 4 #66


Kamikazeherz85

Kamikazeherz85

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Ach Stillsad, dieses Kompliment können wir wohl alle guten Gewissens an dich zurückgeben! :freunde:
Eine gute Frage, ob wir immer schon so waren. Ich für meinen Teil war immer schon sensibel und empathisch - zumindest ist es das, was meine Freunde sehr an mir schätzen. Durch die Trennung hat sich das aber wohl wirklich noch intensiviert, denke ich. Ich wurde völlig auf mein Innerstes zurückgeworfen, und somit auch auf meine guten und schlechten Eigenschaften. Wenn man so tiefen Schmerz empfindet, macht das wohl immer was mit einem, zumindest wenn man diesen Schmerz wirklich zulässt. Und Reflexion und Selbsterkenntnis sind auch ganz wichtig - nach einer Trennung begegnet man sich selbst, und wenn man dann reflektiert und sich selbst erkennt, dann kommt man da wohl am Ende irgendwie "echter" raus.
Soweit meine Philosophierei zu diesem Thema ... :wink:

27.01.2019 13:15 • x 5 #67


Hitachi

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Zitat von stillsad:
Ich finde es wirklich bemerkenswert, wie viele, tolle Menschen hier im Forum schreiben und wie respektvoll, sensibel und klug eure Antworten in diesem Thread sind. Wart ihr schon immer so, oder aber seid ihr durch die Trennung (denn deswegen sind die meisten ja hier gelandet) so geworden? Weil, auch wenn das bescheuert klingt, aber wenn diese Feinfühligkeit sich durch die Trennung erst richtig entfalten konnte, dann sehe ich mittlerweile darin die Belohnung für den Schmerz. Zwar sehen wir das gerade noch nicht, weil wir alle noch unseren Exen hinterher trauern. Dazu noch die Angst vor der Zukunft, ...


...ich für meinen Teil, kann meine Probleme hier sehr gut darlegen und bekomme hier im Forum genau das was ich nötig habe, nämlich verstanden sein!

..ja und ansonsten bin ich halt "gut sozialisiert worden"...., bei meinen Trennungen war alles dabei....richtig bösartiges, Trauer, Liebesverlust, aber dennoch respektvoller Umgang....

27.01.2019 13:26 • x 1 #68


Maccie

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wie du dich selbst einschätzt![/quote]


Zitat von Maccie:
Ich habe meine Frau quasi jahrelang angelogen, weil ich mich auf S. rumgetrieben habe. Von meiner Seite war da trotzdem immer die Verbundenheit zu ihr, ich wollte eigentlich der sein, der die glücklich macht und habe trotzdem (ohne ihr Wissen) ihr Vertrauen so schändlich missbraucht. Sie sagte mir am Schluss, dass sie das nie gedacht hätte von mir und mit welchem Mann sie da 16 Jahre verheiratet ist. Ich konnte ihr die Frage nicht beantworten.

Aber warum hast du das gemacht? Wäre es nicht eine Möglichkeit gewesen, dass du mit deiner Frau redest, dass du gerne polygam leben möchtest? Warum hast du dich für die Lügen entschieden? Letztlich hast du ihr ja wirklich zwei Gesichter "vorgespielt".[/quote]

Ich wollte und will ja gar nicht polygam leben. Der S. mit meiner Frau war toll, aber sie wollte oder konnte nicht mehr. Und sie war nur in seltenen Fällen zu einem Gespräch dazu bereit.
Ich habe mich für das lügen entschieden, um sie nicht zu verletzen oder zu verlieren. Die sehr kurzfristige und nicht erfüllende Befriedigung war dennoch ein Bedürfnis.

27.01.2019 23:47 • x 1 #69


stillsad


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@maccie: Vielen Dank für deine Ehrlichkeit, so etwas in einem Trennungsforum zuzugeben bedeutet schon Mut, ich denke, da ist dir hier schon der ein oder andere Gegenwind von Verlassenen entgegen geweht. Ich finde es allerdings sehr spannend, weil ich die andere Seite des Verlassenden/Betrügenden nicht kenne. Tatsächlich haben deine Worte Licht ins Dunkle gebracht, weil ich die zwei Gesichter nun ein bisschen besser verstehe. Und auch, dass es für den Verlassenden/Betrüger keine schöne Situation ist, denn wie du die Situation beschreibst, tust auch du mir Leid, weil dich das Betrügen langfristig kaputt gemacht hat. Betrügen ist einfach für beide Seiten doof, ich plädiere immer für Ehrlichkeit, auch wenn es bedeutet, dass man den anderen dann evtl. verliert. Aber wenn man ihn ohne sein Wissen jahrelang heimlich betrügt, hat man ihn meiner Meinung nach schon längst verloren - und im Zweifel auch sich selbst.

Zitat von Maccie:
Ich habe mich für das lügen entschieden, um sie nicht zu verletzen oder zu verlieren.

Aber wenn du das so klar sehen kannst, verstehst du dann nicht, dass das "andere" Gesicht deiner Frau, das dir jetzt so fremd ist, auch dem Selbstschutz dient? Für sie war es bestimmt ein Schock und eine riesige Verletzung, 16 Jahre betrogen worden zu sein. Dass sie dir gegenüber nicht mehr die zugewandte Frau ist, musst du doch auch verstehen. Sie sieht dich im wahrsten Sinne des Wortes nun eben mit neuen Augen, da ist es nur natürlich, dass sie die Haltung dir gegenüber auch ändert.

28.01.2019 11:25 • x 1 #70


stillsad


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Ach Leute, ich brauche unbedingt Trost und weiß nicht mehr, wohin.

Die letzte Woche war ich gut mit Arbeit beschäftigt, vielleicht zu gut, so dass ich heute so erschöpft war, dass ich mir auf dem Sofa ein ruhiges Wochenende gönnen wollte. Vormittags war ich noch guter Dinge, doch dann hatte ich Therapiestunde und musste wieder so sehr das Weinen anfangen, weil - obwohl langsam alles besser läuft - mir wieder klar wurde, wie sehr ich meinen Ex immer noch liebe und wie groß unsere Liebe einmal war. Und seitdem kreiseln meine Gedanken wieder nur um ihn. Dachte schon bei einem Pärchen auf der Straße, dass er es mit meiner Nachfolgerin ist (neue Freundin kann ich nach zwei Jahren ja nicht mehr sagen) und seitdem geht es bei mir wieder rund. Das Problem ist: Je mehr ich wieder bei mir ankomme, desto mehr vertraue ich auch wieder meinem Bauchgefühl. Und mein Bauchgefühl hat mir schon damals zur Trennung gesagt, dass wir wieder zusammen kommen werden ... und zwar nach zwei Jahren. Die sind jetzt in sechs Wochen. Und irgendwie scheint mein Bauch das immer noch zu glauben, denn er sagt immer noch das gleiche, obwohl ich ihm doch lange nicht mehr zugehört habe.
Dabei weiß ich aber auch andererseits, dass ich dem Ex nur schwer wieder vertrauen könnte und er auch Charakterzüge an sich hat, die er bei der Trennung gezeigt hat und die ich schlimm finde. Das sagt mir zumindest die Ratio. Habe dummerweise dann im Netz nach seiner Freundin gegoogelt und nun vergleiche ich mich auch noch mit ihr und finde mich so viel hässlicher und talentfreier, obwohl ich eigentlich weiß, dass das nicht stimmt. Trotzdem hätte ich Angst, er würde mich sehen und denken, ach, zu der Alten gehe ich nicht mehr zurück, die haben die letzten Jahre ganz schön mitgenommen. Dann kommt bei mir wieder all meine Trauer hoch, wenn ich mir die beiden zusammen vorstelle. Wie gesagt, seit zwei Jahren sind sie jetzt bald zusammen, und ich bezweifle, dass er auch nur eine Sekunde an mich denkt. Das Herz sagt, sie hat jetzt alles und den besten Mann der Welt, der Kopf sagt, naja, er wird sich für sie jetzt nicht um 180 Grad geändert haben, sondern in vielen Punkten immer noch kompromisslos sein, ob das dann die tolle Beziehung ist? Und der Bauch sagt, wart's ab, nutz die letzten sechs Wochen bis zur Zweijahresfrist jetzt kompromisslos für dich, um wirklich noch die letzten 30 Prozent bis zu deinem wahren Ich zurück zu schaffen, schau nach dir und deinem Körper, sei gut zu dir und werde zu der, die du sein möchtest, etwas anderes kannst du sowieso nicht machen.

Aber zwischen all den Stimmen sitze ich nun bitterlich weinend alleine am Schreibtisch und weiß mir nicht mehr zu helfen, als euch zu schreiben, auch wenn ihr mir wahrscheinlich auch nichts neues mehr sagen könnt. Meine Sehnsucht und Liebe ist ungebrochen und es bringt mich um, dass wir so schlimm auseinander sind und er mich so abserviert hat und jetzt mit IHR glücklich ist, während ich seit zwei Jahren um mein Leben kämpfe. Dennoch glaube ich auch, dass eine so große Liebe nicht zweimal im Leben passiert, wüsste aber nicht (wie aber auch bei jedem, neuen Mann), ob ich dem Ex noch einmal vertrauen und gar körperliche Nähe zulassen könnte. Denn, wer mich einmal so böse abserviert hat (im Urlaub auf dem Parkplatz stehen lassen) ... ich würde den Rest meines Lebens nie ohne Zweitschlüssel aus dem Haus gehen können ... oder?

Ich komm mir so klein und dumm vor, und möchte nur von ihm in den Arm genommen werden. Wie kann ich immer noch so sehr um ihn weinen? Selbst die Therapeutin kann nicht helfen, sie meint nur, es wäre ungesund, so sehr an ihm festzuhalten, weil das wäre, als hätte er die Liebe mit ins Grab genommen (auch wenn er noch lebt). Aber obwohl ich eigentlich dachte, ich hätte mich in den letzten zwei Jahren weiter entwickelt, vielleicht habe ich mich am Ende doch einfach nur wieder zu dem Prä-Trennungs-Ich zurück entwickelt? Und so toll war dieses Ich ja nicht, sonst hätte er mich nicht ausgetauscht :( . Ich wäre so gerne einfach mal nur einen Tag nicht traurig.

Gestern 01:08 • #71


Kamikazeherz85

Kamikazeherz85

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Zitat von stillsad:
Ach Leute, ich brauche unbedingt Trost und weiß nicht mehr, wohin.

Liebe Stillsad, bitte fühl dich erst mal ganz fest in den Arm genommen! :kuss: (Hast du jemanden in deinem nahen Umfeld, der dir diese Umarmung auch wirklich physisch geben könnte? So eine Umarmung wirkt ja manchmal Wunder ...)
Zitat von stillsad:
so sehr das Weinen anfangen, weil - obwohl langsam alles besser läuft - mir wieder klar wurde, wie sehr ich meinen Ex immer noch liebe und wie groß unsere Liebe einmal war.

Nach zwei Jahren ist das wirklich heftig. Aber ich kann mir vorstellen, dass du auch deswegen noch so sehr an deinem Exfreund hängst, weil du dir eben selbst diese Zwei-Jahres-Frist gesetzt hast, die du weiter unten erwähnst. Vielleicht sträubst du dich deswegen unbewusst gegen das Loslassen, weil diese zwei Jahre noch nicht ganz abgelaufen sind. Und vielleicht wird es jetzt zum Ende hin nochmal richtig unerträglich, eben weil dir nun langsam die Zeit davonläuft ... Das mag alles Humbug sein, was ich hier schreibe, aber irgendwie habe ich das Gefühl, dass du dir durch diese Zwei-Jahres-Frist wirklich selbst im Wege stehst.
Zitat von stillsad:
obwohl langsam alles besser läuft

Vielleicht schaffst du es, dir in den ganz schlimmen Momenten genau das vor Augen zu halten: dass es eigentlich langsam besser läuft und dass es nach den ganz schlimmen Rückfällen auch wieder aufwärts geht ...
Zitat von stillsad:
Das Problem ist: Je mehr ich wieder bei mir ankomme, desto mehr vertraue ich auch wieder meinem Bauchgefühl. Und mein Bauchgefühl hat mir schon damals zur Trennung gesagt, dass wir wieder zusammen kommen werden ... und zwar nach zwei Jahren

Dass du deinem Bauchgefühl (wieder) vertraust, finde ich an sich gut. Nur in diesem Fall scheint es dir einen Streich zu spielen. Andererseits: Ich habe das hier ja schon in einem meiner letzten Beiträge geschrieben: Ich finde, du hast nichts zu verlieren. Und um deinen Bauch zu beruhigen, wäre es vielleicht doch gut, deinen Exfreund nochmal zu kontaktieren. Schlimmer als jetzt kann es ja nicht mehr werden. Und dann hättest du endlich Gewissheit. Wer weiß, vielleicht hat dein Bauch ja tatsächlich Recht? Und wenn nicht, dann kommt die Trauer nochmal geballt zurück - aber dann ist vielleicht auch mal gut. Oder du wartest noch die restlichen sechs Wochen bis zu deiner Zwei-Jahres-Frist ab und schaust, was dann passiert. Vielleicht lässt dein Unterbewusstsein ja dann ganz von alleine los ...

Zitat von stillsad:
Dabei weiß ich aber auch andererseits, dass ich dem Ex nur schwer wieder vertrauen könnte und er auch Charakterzüge an sich hat, die er bei der Trennung gezeigt hat und die ich schlimm finde

Das ist doch eine gute Einsicht. Ich nehme an, du bearbeitest mit deiner Therapeutin genau diese Fragen, die sich mir hier stellen: Woran liegt es, dass du an einem Menschen hängst, der dich so behandelt hat? Da gibt es vielleicht ungelöste Konflikte aus deiner Kindheit ...?
Zitat von stillsad:
Habe dummerweise dann im Netz nach seiner Freundin gegoogelt

Lass das besser sein, liebe Stillsad ... Da kannst du nur verlieren, weil:
Zitat von stillsad:
nd nun vergleiche ich mich auch noch mit ihr und finde mich so viel hässlicher und talentfreier

Außerdem wäre auch das ein guter Ansatzpunkt. Dir scheint es an Selbstbewusstsein zu fehlen (damit kenn ich mich aus! :roll:). Aber auch da bist du wahrscheinlich schon längst mit deiner Therapeutin dran ...
Zitat von stillsad:
Aber zwischen all den Stimmen sitze ich nun bitterlich weinend alleine am Schreibtisch und weiß mir nicht mehr zu helfen, als euch zu schreiben, auch wenn ihr mir wahrscheinlich auch nichts neues mehr sagen könnt.

Das ist okay. Lass es raus! Wahrscheinlich können wir dir tatsächlich nichts Neues mehr sagen - aber vielleicht hilft es dir trotzdem, zu sehen, dass jemand an dich denkt und dich in deinem Schmerz ernst nimmt ... :freunde:
Zitat von stillsad:
Dennoch glaube ich auch, dass eine so große Liebe nicht zweimal im Leben passiert

War die Liebe denn wirklich so groß? Oder vielleicht auch in weiten Teilen nur Illusion? Was genau hat diese Liebe für dich so besonders gemacht?
Zitat von stillsad:
Ich komm mir so klein und dumm vor, und möchte nur von ihm in den Arm genommen werden.

Nochmal eine virtuelle Umarmung an dieser Stelle. Hoffentlich hast du jemanden vor Ort, der dich auch richtig in den Arm nimmt! Falls du irgendwo in Süddeutschland lebst, komm ich vorbei und übernehme das ... :D
Zitat von stillsad:
Aber obwohl ich eigentlich dachte, ich hätte mich in den letzten zwei Jahren weiter entwickelt, vielleicht habe ich mich am Ende doch einfach nur wieder zu dem Prä-Trennungs-Ich zurück entwickelt?

Das glaube ich nicht. Der Trauerprozess hat auf jeden Fall etwas mit dir gemacht.
Zitat von stillsad:
Und so toll war dieses Ich ja nicht, sonst hätte er mich nicht ausgetauscht

Sowas darfst du gar nicht erst denken! Dass dein Exfreund die Beziehung nicht mehr wollte, hat nichts mit deinem Ich und deinem Wert als Mensch zu tun. Irgenwo da draußen wartet jemand auf dich, der dich genauso liebt, wie du bist! Abgedroschen, ich weiß. Aber daran glaube ich ganz fest! :freunde:

Gestern 11:48 • x 1 #72


ili

ili

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Deine Nachricht klingt sehr traurig und erinnert mich daran wie es mir noch vor nicht all zu langer Zeit ging. Fühl dich gedrückt.
Schreib doch mal eine Liste was in den letzten 2 Jahren gut war und was sich verbessert hat. Und dann hole diese Liste raus wenn es dir schlecht geht.
Meine Erfahrung hat gezeigt, dass es am besten ist keinen Kontakt mehr zu haben. Weil es immer nur weh tut. Aber vll musst du dich nochmal melden um endgültig loslassen zu können. Aber diese Entscheidung musst du für dich treffen.
Ich habe mich auch oft mit der Neuen verglichen- man verliert immer. Man sieht nur die vermeintlichen Stärken von ihr und seine eigenen Schwächen. Außerdem kennt man sie ja nicht mal sondern glaubt dieser Scheinwelt im Internet.
Wie auch immer- konzentriere dich nicht auf sie, sondern auf dich.

Gestern 12:38 • x 2 #73


stillsad


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Ihr Lieben,

vielen Dank für Eure aufmunternden Worte. Ich bin zwar immer noch traurig, aber es ist hilft tatsächlich, dass es Menschen gibt, die mich trotz meiner immer selben Leier virtuell umarmen. @Kamikazeherz85: Schade, dass ich nicht mehr im Süden wohne, sonst hätten wir uns wirklich treffen können ;). Im echten Lebe habe ich mir heute stattdessen eine Mass. gegönnt, quasi als Umarmungsersatz, und viel mit Freunden telefoniert. Trotzdem fühle ich mich noch nicht wirklich besser. Er fehlt mir einfach so sehr. Und meine Freunde, ja, denen tut leid, dass ich in den letzten Jahren so viel Verlust erleiden musste, aber niemand kann den Schmerz verstehen. Bei ihnen ist alles gut, alle leben noch, alle haben ihre Partner und die eine auch noch ein Baby im Bauch. Das bleibt die Empathie irgendwie auf der Strecke, denn "jeder hat eben sein eigenes Leben", wie mir heute gesagt wurde. Ja, das stimmt auch, aber während alle anderen leben, bleibe ich stehen. Und an euren Reaktionen merke ich ja auch, dass ihr zwei Jahre Trauer schon abnormal lang empfindet, was ich - um ehrlich zu sein - nicht hundertpro nachvollziehen kann. Wenn man sich wirklich geliebt hat und diese Person dann verliert, egal auf welche Weise, sind zwei Jahre dann wirklich so lang?

Zitat von ili:
Deine Nachricht klingt sehr traurig und erinnert mich daran wie es mir noch vor nicht all zu langer Zeit ging. Fühl dich gedrückt.

Was hat dir denn dann geholfen, wenn du schreibst, dass es dir bis vor kurzem noch ähnlich ging?

Zitat von Kamikazeherz85:
War die Liebe denn wirklich so groß? Oder vielleicht auch in weiten Teilen nur Illusion? Was genau hat diese Liebe für dich so besonders gemacht?

Eine sehr gute Frage. Mein erster Gedanke darauf war: "weil es sie gab". Ich glaube, ich hatte noch niemals davor wirkliche Liebe erfahren, was auch an meiner Familie lag (ja, das hat die Therapeutin bzw. ich mit ihrer Hilfe schon rausgefunden ;) ). Und dann war da plötzlich einer, der mich wirklich liebte, aufmerksam war, zu mir gehalten hat. Dann kam halt während der Beziehung der Verlust der Familie, der mich niedergedrückt hat, aber wo er immer an meiner Seite war und nicht abgehauen ist. Ich denke, das hab ich dann auch als so besonders gesehen, dass er geblieben ist. Am Ende hat er mir aber genau das vorgehalten und mich eben doch "fallengelassen", dazu die Worte, dass seine Familie von Anfang an gesagt hat, dass er sich das mit mir doch nicht antun sollte, mit dem Trauerballast auf meinen Schultern. Er erzählte mir das im Sinne, "aber ich bin trotzdem geblieben", nur ist das ja eigentlich eine Selbstverständlichkeit in einer Beziehung, oder? Denke ich mir zumindest jetzt mit etwas Abstand. Und vielleicht sind auch die Aufmerksamkeiten, das liebevolle Miteinander, das sich umeinander sorgen auch Selbstverständlichkeiten? Ich weiß es nicht, alle Beziehungen davor waren nicht so. Und seitdem hatte ich keine. Ich denke, dieses Schicksalsschläge haben alle überfordert, denn abgesehen davon haben wir uns wirklich so sehr geliebt, das hat jeder gespürt. Wir haben manchmal auch darüber geredet, weil für uns beide ein solches Geschenk war, er hat das davor auch nicht so gekannt hat. UND ICH HABE MIR DAS NICHT EINGEBILDET, wirklich. Nun ist er wieder mit seiner Ex zusammen ... Deswegen, ich kann nicht glauben, dass es die fehlende Liebe war, weswegen er gegangen ist, eher, weil er glaubte, dass unsere Zukunftswege nicht zusammen passen. Aber das hätte man besprechen können, es hätte einen Weg gegeben und jetzt, wo ich wieder ein bisschen klarer sehe und die Trauer angepackt habe, wünsche ich mir dieses eine, letzte Gespräch. Nur, da spricht wieder der Bauch, das Herz sagt, tu das nicht, so lange ich noch Gefühle für ihn habe, sonst zerbreche ich gleich wieder ... und der Kopf sagt, vergiss es, zwei Jahre, der Typ ist sich sicher, der hat keinen Bock auf dich, check's doch endlich. Und dann werde ich panisch, wenn die drei zu streiten anfangen und weiß gar nichts mehr.

Zitat von Kamikazeherz85:
Außerdem wäre auch das ein guter Ansatzpunkt. Dir scheint es an Selbstbewusstsein zu fehlen (damit kenn ich mich aus! ). Aber auch da bist du wahrscheinlich schon längst mit deiner Therapeutin dran ...

Ja, das stimmt :P. Aber auch nach anderthalb Jahren Therapie hat sich das noch nicht geändert. Wobei, nein, das stimmt nicht, ich werde langsam auch auf das Außen wütend, das ist neu ... ach, das Schreiben hilft so beim Gedankensortieren, da kann man sich schlechter selbst besch.n :).
@Kamikazeherz85 : Wenn du dich mit dem fehlenden Selbstbewusstsein auskennst, was machst du dagegen? Und wie geht es dir generell? Deine Geschichte hat mich auch sehr berührt.

Gestern 17:32 • #74


Ukulele

Ukulele

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Liebe @stillsad

2 Jahre sind lange. Mir zu lange. Aber ich habe für mich erkannt, dass es nicht mehr nur die Trauer um ihn, sondern viel anderes dazu kommt. Bei mir, jetzt allein erziehend mit drei Kindern, Überforderung, Verletzungen aus der Vergangenheit, Perfektionismus und daraus folgend die Trennung als Niederlage zu sehen...
Bei dir vielleicht die vielen schmerzhaften Verluste, das fallen-gelassen werden?!

Mir geht es gerade allgemein besser, ich habe das Gefühl, nun doch ein paar gute Schritte gegangen zu sein und die Lösung ist für mich: mich annehmen, meine Trauer annehmen, mein langsames vorankommen annehmen.

Ich lese gerade ein Buch (nach der Trennung kommt das Glück; Mit Buddha den Liebeskummer meistern), das mir ein wenig hilft und neue Gedankengänge anstößt.

Deine Überlegungen/Bauchgefühle bezüglich einer Wiederannäherung nach zwei Jahren kann ich auch verstehen. Allerdings hatte ich ja das im Nachhinein zweifelhafte Vergnügen, dass mein Mann noch einmal zu mir zurück kam. Ehrlich: es war die Hölle, ich war nicht mehr ich. Ich wollte alles richtig machen, für ihn wieder die perfekte Frau sein und verbog mich bis zur Unkenntlichkeit.
Das will ich auf keinen Fall mehr. Dh ich trauere zwar um ihn, um meinen Mann, mit dem ich 18 Jahre sehr glücklich war, weiß aber kognitiv, dass es niemals mehr funktionieren würde, er und ich haben uns sehr verändert.

Gestern 17:57 • x 1 #75