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Zeigt der Ex bei der Trennung sein wahres Gesicht?

stillsad


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Zitat von Ukulele:
Bei mir, jetzt allein erziehend mit drei Kindern, Überforderung, Verletzungen aus der Vergangenheit, Perfektionismus und daraus folgend die Trennung als Niederlage zu sehen...

Das ist einfach noch mal eine ganz andere Nummer, meine Hochachtung, dass du das so rockst und es nebenher noch schaffst, nach dir zu schauen. Dass das dann länger dauert, ist nur natürlich, ich habe nur mich selbst und krieg's trotzdem nicht gebacken. Deshalb Chapeau, da lernen deine Kinder mal wirklich was es heisst, eine starke Frau zu sein!

Zitat von Ukulele:
Ich lese gerade ein Buch (nach der Trennung kommt das Glück; Mit Buddha den Liebeskummer meistern), das mir ein wenig hilft und neue Gedankengänge anstößt.

Hab ich vor einem halben Jahr auch gelesen, habe ja auch mit der Meditation angefangen, trotzdem klappt's nicht. War in meiner Not letzte Woche sogar auf zwei netten Dates, aber hat nichts an der Tatsache geändert, dass es mein Ex ist, den ich mir vom Universum herbeiwünsche.

Zitat von Ukulele:
Allerdings hatte ich ja das im Nachhinein zweifelhafte Vergnügen, dass mein Mann noch einmal zu mir zurück kam. Ehrlich: es war die Hölle, ich war nicht mehr ich. Ich wollte alles richtig machen, für ihn wieder die perfekte Frau sein und verbog mich bis zur Unkenntlichkeit.

Ich habe damals zwar bei dir mitgelesen, aber hilf mir schnell, wann genau kam er wieder? Er hatte doch auch eine andere, oder? Meiner kam nach zwei Wochen "wieder", von wegen, lass uns Paartherapie probieren. Damals war ich auch innerlich zerrissen, weil ich so Angst hatte, irgendetwas falsch zu machen bzw. ich selbst zu sein. Ich werde nie vergessen, wie er Frühstück gemacht hat und am Ende aufgestanden ist, um mir einen Kuss zu geben. Ich bin damals aus dem Reflex so zusammen gezuckt, weil mein Körper diesem Menschen einfach nicht mehr getraut hat. Ich denke, das war auch für ihn nicht schön. Andererseits war das damals alles zu früh und frisch, ich denke kaum, dass irgendeine Beziehung so schnell wieder aufgenommen werden und am Ende funktionieren kann. Erst jetzt ist langsam die Zeit, wo ich wieder bei mir bin, und alles mehr aus der Distanz sehe, auch meine eigenen Anteile an der Trennung erkannt habe. Ich glaube ja, dass bei uns auch die externen Faktoren Stress und Trauer einen großen Anteil hatten, die sind - wenigstens von meiner Seite - in Bearbeitung. Andererseits hat er nichts bearbeitet, da gleich in die nächste Beziehung. Und selbst WENN er sich geändert/weiterentwickelt hätte, seine Familie wird es nicht getan haben. Und die werden evtl. weiterhin gemein sein. Sein Bruder hat ein halbes Jahr vor der Trennung ihm nämlich gesagt, dass ich nicht zu ihm passe, einen Monat später der Schwester das gleiche über ihren Freund ... und alles nur, weil er selbst unglücklich in seiner Beziehung und neidisch auf uns war. Tja, am Ende wurden wir trotzdem alle entsorgt, bei dem Gedanken wird mir immer noch ganz schlecht.

Ach Leute, wenn ich das so noch mal durchlese, das macht doch alles keinen Sinn, wieso trauere ich dem Typen denn hinterher? Außerdem wünsche ich mir da eine Geschichte, die er doch gerade schon mit seiner Ex lebt, nach Jahren der Trennung wieder glücklich vereint. Und jetzt soll diese Variante noch mal mit mir wiederholt werden? Mann verlässt Freundin für Ex-Ex, nur, um dann nach zwei Jahren wieder mit der Ex zusammen zu kommen. So ein Blödsinn, dann würde ich ja erwarten, dass das Spielchen immer so weiter geht. Und mit so jemanden will ich dann mein Leben verbringen und eine Familie gründen?

Trotzdem, jetzt kommen schon wieder die Tränen, weil ich ihn nicht loslassen kann, der Schmerz ist zu groß. Ich glaube, es hilft nichts und ihr habt Recht, ich werde ihn ein letztes Mal kontaktieren müssen. Ich weiß zwar nicht, was es bringen soll, weil was könnte er sagen, dass mich ihn aufhören lässt zu lieben, wo alle Gemeinheiten, die er schon gemacht haben, mich nicht haben loslassen lassen?

Sechs Wochen. Ich schaue jetzt sechs Wochen nach mir, schaue, dass ich wieder etwas stabiler werde, und dann werde ich ihm schreiben.

09.02.2019 18:34 • x 1 #76


ili

ili


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Zitat:

Du bleibst nicht stehen auch wenn es sich so momentan anfühlt. Sei mal ein wenig stolz auf dich was du schon alles geschafft hast. *Schulter klopfen*.

Zitat:
Jeder trauert unterschiedlich und dadurch auch unterschiedlich lang. Es braucht so lange wie es eben braucht. Und ist doch egal was andere sagen- du fühlst momentan eben immer noch so.

Zitat:
Mein erster Gedanke- sei froh, dass du diese Menschen nicht mehr in deinem Leben hast.

Zitat:
Irgendwann, wenn der richtige Moment da ist wirst du es können. Kopf hoch. Nicht so sehr unter Druck setzen.

Einen Geheimtipp habe ich leider nicht. Es war eher ein Prozess. Ein sehr langsamer. Auch ich habe irgendwann eingesehen, dass ich die Trauer zulassen muss- alle Gefühle zulassen und das ich es akzeptieren muss das es eben seine Zeit braucht. Irgendwann wurde es besser. Aber es hat auch über ein Jahr gebraucht. Auch bei mir war ein anderer Verlust und das Gefühl im Stich gelassen worden zu sein im engen Zusammenhang mit dem Trennungsschmerz. Letzendlich hat es mir geholfen den Kontakt komplett einzustellen ( auch kein Online schauen), mir immer wieder vor Augen zu führen wie schlecht er mich teilweise auch behandelt hat und das seine neue Partnerin auch nicht besser ist als ich.
Es gibt manchmal immer noch Tage an denen ich an ihn denke - wütend bin, enttäuscht, traurig. Aber ich habe jetzt wieder die Hauptrolle in meinem Leben- nicht mehr er. Und ich kann mit diesen kleinen Tiefs besser umgehen.

09.02.2019 20:40 • x 3 #77


Kamikazeherz85

Kamikazeherz85


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Zitat von stillsad:
Und meine Freunde, ja, denen tut leid, dass ich in den letzten Jahren so viel Verlust erleiden musste, aber niemand kann den Schmerz verstehen. Bei ihnen ist alles gut, alle leben noch, alle haben ihre Partner und die eine auch noch ein Baby im Bauch. Das bleibt die Empathie irgendwie auf der Strecke, denn "jeder hat eben sein eigenes Leben", wie mir heute gesagt wurde. Ja, das stimmt auch, aber während alle anderen leben, bleibe ich stehen.

Ja, so ist das leider. Das merke ich auch bei mir gerade: Das Leben der anderen geht ohne großartige Tiefschläge weiter, und irgendwann wollen die sich dann die eigene Leidensgeschichte auch nicht zum 7289. Mal anhören - ist ja auch irgendwie verständlich. Aber man fühlt sich inmitten all dieser (zumindest nach außen hin) einigermaßen glücklichen Menschen dann doch immer wie ein Fremdkörper ...
Zitat von stillsad:
Und an euren Reaktionen merke ich ja auch, dass ihr zwei Jahre Trauer schon abnormal lang empfindet, was ich - um ehrlich zu sein - nicht hundertpro nachvollziehen kann. Wenn man sich wirklich geliebt hat und diese Person dann verliert, egal auf welche Weise, sind zwei Jahre dann wirklich so lang?

Ich finde, es gibt zwei unterschiedliche Formen der Trauer: die akute, vernichtende Trauer, die über allem steht und einem die Luft zum Atmen nimmt. Und es gibt die dumpfe, unterschwellige Trauer, die einen durchaus über eine lange Zeit begleiten kann. Bei dir habe ich das Gefühl, dass du nach zwei Jahren immer noch die erstere Form der Trauer fühlst - und das ist schon lang, finde ich.
Zitat von stillsad:
Deswegen, ich kann nicht glauben, dass es die fehlende Liebe war, weswegen er gegangen ist, eher, weil er glaubte, dass unsere Zukunftswege nicht zusammen passen. Aber das hätte man besprechen können, es hätte einen Weg gegeben

Wenn es nicht die fehlende Liebe war, sondern "Vernunftgründe", ist das Ganze für dich natürlich umso schwerer zu verstehen, das ist klar ... Und gerade deswegen hilft vielleicht doch eine letzte Kontaktaufnahme.
Zitat von stillsad:
Wenn du dich mit dem fehlenden Selbstbewusstsein auskennst, was machst du dagegen? Und wie geht es dir generell? Deine Geschichte hat mich auch sehr berührt.

Hm, schwierige Frage. Ich glaube, ich habe mein fehlendes Selbstbewusstsein mittlerweile als Teil von mir angenommen. Und wie es mir geht? Besser. Es gibt mittlerweile Tage, an denen ich einigermaßen positiv in die Zukunft schauen kann. Dann kommen aber auch wieder Tage, die voller Trauer sind. Aber im Großen und Ganzen bin ich nicht mehr so vergangenheitsorientiert und versuche, mich auf Dinge zu freuen, die (vielleicht) auf mich warten ...
Ich wünsche dir einen schönen Sonntag, liebe Stillsad!

10.02.2019 12:46 • x 2 #78


stillsad


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Hallo,
habe gestern noch ganz lange mit meiner Großtante telefoniert, sie ist die einzige, die mir an Familie noch geblieben ist und kennt mich, seitdem ich ein Baby bin und natürlich auch die verstorbene Familie, was mir sehr hilft, da sie Dinge nochmal anders einordnen kann. Auch kennt sie meinen Ex und hatte zudem selbst eine ganz schlimme Scheidung, wo ihr Ex sie von heute auf morgen nach 20 Jahren ohne Vorwarnung verlassen hat. Hab ihr wie euch mein Herz ausgeschüttet. Sie hat mich dann beruhigt, dass es auch bei ihr Jahre gedauert hat, bis sie ihren Ex wirklich loslassen konnte und ist sich sicher, dass es auch bei mir passieren wird, aber bis dahin soll ich einfach akzeptieren, dass es noch nicht so weit ist - und mich nicht kirre machen lassen, sondern auf mich konzentrieren und die Vergangenheit mit der Familie aufarbeiten (sie merkt dahingehend zumindest schon mal Fortschritte, selbst merke ich die ja nie ). Hab auch wegen mich nochmal bei ihm melden gefragt und von meinem Bauchgefühl erzählt, dass ich glaube, dass es noch einmal was wird, aber da hat sie mir von abgeraten bzw. auch aus ihrer Vergangenheit und ihrem Bauchgefühl bezüglich ihrer großen Liebe mit Anfang 20 erzählt, ... aber 30 Jahre später hat sie ihn immer noch nicht wieder gesehen und ist jetzt mit jemand ganz anderem zusammen. Laut ihr ist dieses Bauchgefühl also nur eigene Einbildung. Vielleicht hat sie da Recht.

Zitat von Kamikazeherz85:
Und es gibt die dumpfe, unterschwellige Trauer, die einen durchaus über eine lange Zeit begleiten kann.

Mmh, weiß ich nicht, stimmt glaube ich beides. Ich denke, in meinem Fall kommt nicht nur die Trauer um den Ex zusammen, sondern auch die um die Familie. Und weil ich das alles verdrängt habe, kann sein, dass die akute Trauer hochploppt, weil noch nie verarbeitet, und sich dann mit der langwierigen vermischt. Aber unterm Strich habe ich keine Ahnung und heul halt einfach sehr viel sehr plötzlich .

Zitat von Kamikazeherz85:
Wenn es nicht die fehlende Liebe war, "Vernunftgründe", ist das Ganze für dich natürlich umso schwerer zu verstehen, das ist klar ... Und gerade deswegen hilft vielleicht doch eine letzte Kontaktaufnahme.

Ja, ich weiß. Ach, ich geb mir noch ein bisschen Zeit. Aber dann, ja, ... aber mir ist jetzt schon schlecht davor, auch, weil er ja gar nicht mehr der Mensch ist, den ich betrauere. Es wäre schlimm, ihn als Fremden zu treffen/lesen/hören, wie auch immer ich das anstelle. Erst einmal muss ich dafür aber noch ein bisschen stärker werden.

Zitat von Kamikazeherz85:
Aber im Großen und Ganzen bin ich nicht mehr so vergangenheitsorientiert und versuche, mich auf Dinge zu freuen, die (vielleicht) auf mich warten ...

Das freut mich wirklich sehr! Und so wie du klingst und immer schreibst, wird die Zukunft etwas ganz tolles für dich parat halten, da bin ich mir sicher. Denn so wie man handelt, sieht man die Welt ... da kann sie für dich nur schön sein.

10.02.2019 14:12 • #79


Kamikazeherz85

Kamikazeherz85


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Zitat von stillsad:
(sie merkt dahingehend zumindest schon mal Fortschritte, selbst merke ich die ja nie

Das ist doch schon mal gut! Sie als Außenstehende, die dich aber trotzdem sehr gut kennt, kann das bestimmt richtig einschätzen. Und allein von anderen zu hören, dass man selbst Fortschritte macht, ist sicherlich auch heilsam.
Zitat von stillsad:
Ich denke, in meinem Fall kommt nicht nur die Trauer um den Ex zusammen, sondern auch die um die Familie. Und weil ich das alles verdrängt habe, kann sein, dass die akute Trauer hochploppt, weil noch nie verarbeitet, und sich dann mit der langwierigen vermischt

Ja, so wird das sein. Ich habe jetzt gerade nicht auf dem Schirm, wann all die Verluste waren, aber sicherlich ist es so, dass alles, was man nicht richtig verarbeitet hat, dann in einer akuten Situation wieder hochkommt und sich die Trauer somit multipliziert,
Zitat von stillsad:
Es wäre schlimm, ihn als Fremden zu treffen/lesen/hören

Meinst du? Vielleicht wäre es auch gar nicht so schlimm, weil du dann wüsstest, dass er in der Gegenwart nicht der Mensch ist, mit dem du zusammen sein möchtest - und dass du die Vergangenheit entsprechend loslassen kannst, weil da nichts ist, woran es festzuhalten lohnt. Aber sicherlich ist es auch richtig, mit einer möglichen Kontaktaufnahme noch zu warten, bis du dich stark genug fühlst. Das kannst nur du selbst einschätzen.
Zitat von stillsad:
Und so wie du klingst und immer schreibst, wird die Zukunft etwas ganz tolles für dich parat halten, da bin ich mir sicher. Denn so wie man handelt, sieht man die Welt ... da kann sie für dich nur schön sein.

Ach, wie lieb von dir! Das kann ich aber genauso an dich zurückgeben ...

10.02.2019 15:18 • x 2 #80


Fuulhorn16

Fuulhorn16


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Guten Abend
Habe jetzt nicht alles gelesen, hier im Thread aber schon mal geschrieben und unterschreibe die Fragestellung zu 100%. 24 Jahre Beziehung, 20 Jahre verheiratet, 3 Kinder (volljährig), gute Zeiten, schlechte Zeiten. Seit 2 Jahren getrennt, er gleich Next am Start, seither völlig anders. Er hält nichts, was er sagt, er will gleich die Scheiung und wenn ich nicht einwillige, dann klagt er diese ein, etc. Ja, ich stimme dem zu, der Ex zeigt bei der Trennung sein wahres Gesicht. Es tut weh, v.a. jetzt, wo es um die Scheidung und seine Forderungen geht. Ich kann es nicht verstehen und ich habe jetzt eine grosse Angst vor der Zukunft. Er will das Haus und ich seh mich schon im Tief. Die Kinder? Wollen bestimmt im Haus bleiben, wohl mit Ex und next, ich hab hier ein Anwaltsschreiben, es ist echt so übel. Ich habe echt genug Tränen geweint....

10.03.2019 21:09 • x 2 #81


Maccie


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Kriege das auch mit. Bin aber noch nicht vor Gericht.
All is fair in love and war. Hier hat man ja gleich beides.
Ziehst du dich anwaltlich nicht auf die Extremposition zurück, hast du dann gleich schon Vorsprung verloren? Stichwort Ankerpreis.
Wer also mit realistischen Forderungen ins Rennen geht muss immer noch einen Kompromiss eingehen. Warum dann nicht unrealistische Forderungen stellen und als Kompromiss oder Verhandlungsergebnis die realistische Forderung erreichen

10.03.2019 22:20 • x 2 #82


stillsad


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Hallo ihr Lieben,

ich weiß nicht, ob hier noch jemand mitliest, dennoch wollte ich ein kleines Feedback zum Thema, aber auch kurz zu mir und wie es weiterging, schreiben. Hatte mich ja die letzten sieben Wochen aus dem Forum zurück gezogen, weil ich den Zeitrum für ein sechswöchiges Arbeitsprojekt dazu nutzen wollte, nur auf mich und nach mir zu schauen und alle Gedanken an den Ex und die ewige Frage "Soll ich ihn noch mal kontaktieren, um endlich abschließen zu können" auf danach zu verbannen. Tja, die sechs Wochen sind seit einer Woche rum und ich habe in der Zeit alles für mein Arbeitsprojekt, aber auch für mich und mein Selbstbewusstsein gegeben. Habe z.B. mit Freundinnen bei einem Tanz-Workshop mitgemacht und bin am Ende sogar aufgetreten (ich kann nicht tanzen, aber von dem Erlebnis und meinem Mut bin ich immer noch total beseelt ); habe mit Pole-Dance ein neues Hobby angefangen, was mich nicht nur komplett fordert, sondern tatsächlich auch absolut high macht (Endorphine!) und mir mehr Selbstbewusstsein gibt; habe in der Zeit auch viel mit meinen Freunden gemacht und konnte endlich deren Liebe mir gegenüber erkennen: Ich weiß jetzt, dass ich auch ohne Freund und Familie eine gute Zeit im Leben haben kann und nicht alleine bin; auch bei der Therapie habe ich einen riesigen Sprung gemacht: Ich weiß jetzt, wo meine Probleme sind und wie ich sie langsam ändern kann, und dass ich mich für eine glückliche Zukunft meiner Trauer um meine Familie stellen muss ... und dank der Erfahrungen der letzten Wochen weiß ich auch, dass ich es SCHAFFEN WERDE, mich der Trauer zu stellen! Und alleine das ist für mich, die seit 17 Jahren von der Trauer gefangen ist, ein Aufatmen, dass ich euch nicht beschreiben kann.

In meinem Leben ist noch bei weitem nicht alles gut, aber mein Leben ist seitdem so viel leichter geworden!. Und das beste: Seit drei Wochen habe ich endlich auch keine Albträume mehr, die mich seit Jahren verfolgt haben. Im Gegenteil: Die Menschen in meinen Träumen sind plötzlich alle sehr nett zu mir, sogar die Neue von meinem Ex rennt lieber vor mir weg, als mich wie sonst anzugreifen .

Natürlich war ich in den sechs Wochen auch oft traurig und die Sehnsucht nach meinem Ex ist immer noch sehr präsent, vor allem, wenn Dinge nicht so klappen, wie sie sollen und das Leben mir wieder einen Knüppel zwischen die Beine wirft. Und das passiert immer noch seeehr oft. Auch sehne ich mich nach zwei Jahren Alleinsein sehr nach einem Menschen, mit dem ich mein Leben teilen und mich auch mal zum Kraft holen anlehnen kann. Aber, und das ist erst seit einer Woche so, ich denke nicht mehr, dass der einzige Mensch dafür mein Ex ist! Und damit komme ich auch zum eigentlichen Thema des Threads:

Seit der Trennung vor zwei Jahren habe ich das meditieren angefangen und beschäftige mich seitdem auch mit dem Buddhismus. In der letzten Woche habe ich dann ein Buch gelesen, das das buddhistische Prinzip der Leerheit ganz einfach erklärt, so dass auch ich es endlich verstanden habe . Denn, so die Annahme, die Dinge und Menschen in unserer Welt sind für den Betrachter erst einmal leer, sprich weder gut noch schlecht. Wie wir die Sachen bewerten, liegt also einzig an uns und unserer Wahrnehmung der Dinge. Sprich, wie wir Dinge und Menschen bewerten, liegt in unserer Hand. Und ich weiß nicht warum, vielleicht war die Zeit nach den sechs Wochen Fokus auf mich endlich reif, aber plötzlich hat sich bei mir ein Schalter umgelegt und ich habe verstanden, dass mein Ex eben nicht "böse" oder "gut" ist oder "ein wahres Gesicht" hat, sondern dass ich entscheiden kann, wie ich ihn finde und auf unsere Ex-Beziehung zurück blicke. Dadurch ist zwar die Liebe zu meinem Ex nicht verschwunden, eher im Gegenteil: sie ist komplett rein geworden, weil sie nicht mehr von meinen Vorwürfen und Groll und Trauer und falschen Erwartungen durchmischt war, sondern jetzt eine erwartungsfreie Liebe ist. Und so bescheuert es klingt: Dadurch konnte ich ihn endlich loslassen, weil ich die Liebe zu ihm einfach das sein lassen kann, was sie ist, ohne etwas von ihm dafür haben zu wollen. Ich wünsche ihm sogar, dass er glücklich ist mit seiner Neuen und hege keinen Groll mehr gegen seine neue Beziehung. Wenn er Unrecht getan und mich betrogen haben sollte (was ich immer noch glaube), so tut er mir eher leid, denn dadurch hat er sich selbst keine schöne Welt erschaffen und vor allem auch keinen schönen Blick auf die Liebe und Beziehungen. Aber auch das hat mit mir nichts zu tun und es interessiert mich nicht mehr, denn ich kann nicht beeinflussen, was er wahrnimmt. Das ist seine Entscheidung. Deshalb kümmere ich mich lieber darum, meine Wahrnehmung auf die Welt positiv zu beeinflussen und weiter Verantwortung für mein eigenes Leben übernehmen.

Ich hoffe, ich wirke nicht zu esoterisch oder konfus. Vielleicht kann ich meine Gedanken und Gefühle der letzten Woche auch nicht so erklären, dass mich jemand versteht . Ich will auch niemanden zum Buddhismus bekehren, von dem ich ja selbst noch viel zu wenig verstehen. Trotzdem wollte ich meine Erfahrungen zu der Sache kurz schreiben, vor allem, weil sie gefühlt endlich die erste positive Entwicklung bei mir zeigen und mir "meine" Antwort auf die Frage im Thread, den ich ja begonnen habe, geben: Ob der Ex bei der Trennung sein wahres Gesicht zeigt, entscheidet der Verlassene selbst. Ich habe mir die Antworten, die ich von meinem Ex wollte, endlich selbst gegeben und brauche ihn nun nicht mehr zu kontaktieren. Was die Zukunft bringt, keine Ahnung, vielleicht trifft man sich mal zufällig, vielleicht werde ich ihn niemals wieder sehen. Ich kann mir mit beidem vorstellen, gut zu leben - zumindest im jetzigen Moment (ist ja alles ein Prozess, wer weiß, vielleicht bin ich in zwei Wochen wieder heulend hier im Forum unterwegs, weil ich den Ex kontaktiert oder gesehen habe ). Meine Liebe ihm gegenüber wird immer bleiben, vielleicht auch als Talisman für eine noch größere Liebe mit einem anderen Mann.

Und wer sich bis hierhin durchgekämpft hat: Vielen Dank für eure Geduld und die Unterstützung im Forum. Ich wünsche euch einen schönen Abend und weiterhin viel Erfolg auf eurem eigenen Weg zur Trennungsverarbeitung !

07.04.2019 22:14 • x 5 #83


Kamikazeherz85

Kamikazeherz85


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Liebe Stillsad!
Wow, tolle Worte! Es spricht die reine Kraft aus dir, das finde ich bemerkens- und bewundernswert!
Die letzten Wochen scheinen dir wirklich sehr gut getan zu haben. Und die wichtigste Erkenntnis ist wohl die, dass alles in dir selbst liegt.
Ich denke, wenn man an dem Punkt ist, dass man sagen kann: "Die Liebe zu meinem Expartner darf da sein, ohne dass ich etwas dafür verlange", dann ist man mit sich wirklich im Reinen. Ich hoffe, dass du diesen Weg voller Positivität und Zuversicht weitergehen wirst, ohne großartige Rückschläge zu erleben. Und selbst wenn mal wieder traurige Momente kommen, bin ich mir sicher, dass du genug Kraft und Stärke in dir besitzt, um diese unbeschadet zu meistern.
Ich wünsche dir, dass du bald ganz viel Liebe geben darfst - und von einem wunderbaren Mann zurückbekommst.
Und bis dahin weißt du ja, dass du auch alleine bzw. mit deinen Freunden glücklich sein kannst.

08.04.2019 08:13 • x 1 #84




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