stillsad
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die Feiertage sind gottseidank vorbei und das neue Jahr ist bald da. Mit ihm würde ich gerne die Altlasten meiner Ex-Beziehung nach fast zwei Jahren Trauer und Vermissen endlich komplett hinter mir lassen, um mich wieder ganz den Möglichkeiten des Lebens zu öffnen. Die letzten Tage habe ich mich deshalb bewusst zurück gezogen und noch mal die Ex-Beziehung und vor allem ihr - für mich - traumatisches Ende durchdacht. Ja, mittlerweile habe ich auch langsam Wut, wie er mich abserviert hat (im Urlaub auf einem Parkplatz stehen gelassen, fünf Tage vor meinen mündlichen Abschlussprüfungen), dass er warm gewechselt und trotzdem (oder gerade deswegen?) noch nachgetreten hat. Ich habe durch ihn alles verloren, noch nicht einmal die Wohnung wollte er mir überlassen "entweder wir bleiben beide als WG oder wir ziehen beide aus", wohl wissend, dass er schon eine Alternativwohnung hatte. Am Ende musste ich neun Monate bei Freunden auf Sofas pennen und komplett neu angefangen.
Alles in allem war das Ende und die letzten zwei Jahre der Trauer keine gute Zeit für mich. Aber die Beziehung und vor allem die Person, die mein Ex in der Beziehung für mich und mir gegenüber war, war wirklich toll und hat mir das Loslassen erschwert. Ich hatte und habe bis heute noch nie einen Menschen getroffen, der innerlich so schön war. Ja, eine Veränderung seiner Haltung mir gegenüber hatte ich ein halbes Jahr vor der Trennung punktuell gemerkt, da war er manchmal respektlos, aber ihm geglaubt, dass es am Stress lag. Plus, das muss ich ehrlich sagen, ich denke, er wollte seine Probleme mitteilen, hat es auch 2-3 Mal probiert, aber ich konnte (oder wollte?) ihn damals nicht verstehen, weil ich ein paar private Schicksalsschläge verdauen musste und jeglichen weiteren Verlust allein schon gedanklich nicht ausgehalten hätte. Vielleicht habe ich also die Kritik an mir nicht wirklich gehört oder aber er hatte Angst, mich noch mehr zu verletzen und die Kritik deshalb zu schwammig formuliert. Ich sehe also ganz deutlich meinen Anteil am Scheitern der Beziehung, genauso wie auch seinen, weil er die Arbeit ständig über die Beziehung hob und sehr kompromisslos in allen Entscheidungen war.
Unterm Strich liebe ich ihn immer noch, aber eben dieses Bild von ihm, dass ich von ihm in der liebenden Beziehung hatte. In meinen Träumen ist er immer noch der tolle Mann mit der schönen Ausstrahlung und dem großen Herzen. Aber immer mehr schiebt sich das Bild, das er am Ende war, über diese Fantasie. Da war er ein egoistischer Mann, absolut kompromisslos und berechnend. Wenn ihn aber ein Außenstehenden kennenlernen würde, würde mir sein zweites Gesicht niemand glauben, denn er wirkt wirklich überhaupt nicht so. Die meisten, die ihn kennen, schätzen ihn als gutmütigen, liebevollen Menschen. Und 3,5 Jahre habe ich ihn auch nicht so kennengelernt, erst am Ende war er anders.
Es gibt doch dieses Sprichwort: Man lernt sich zweimal kennen, einmal beim Verlieben und einmal bei der Trennung. Deshalb nun meine Frage an das Forum: Stimmt es, dass das "negative" Gesicht sein wirkliches Gesicht ist oder aber ist das vor allem der - für ihn ja auch - Ausnahmesituation geschuldet? Ich bin mir mittlerweile ziemlich sicher, dass er mich einfach überhaupt nicht mehr geliebt hat am Ende und nur noch an der Idee von unserer Beziehung, wie wir einmal waren, hing. Leider war er am Ende auch für kein Abschlussgespräch offen, weswegen ich mit all diesen Fragen alleine bin. Vielleicht fragen sich jetzt auch viele, was würde das für mich ändern, ob er jetzt ein A. ist oder nicht, er ist ja weg. Aber ich würde ihn gerne für mich in Frieden gehen lassen und dafür fehlt mir dieses letzte Steinchen. Und ich denke, es ist besser, jemanden in Liebe gehen zu lassen, als in Hass.
Außerdem hat ein gemeinsamer Bekannte erst kürzlich wieder sehr wohlwollend von ihm geredet, von wegen "die Art der Trennung war jetzt nicht sehr empathisch, aber er ist so ein toller Mann, du hast ihn nur zu sehr als Retter gesehen und damit überfordert". Und ja, das ärgert mich dann auch sehr. Weil er am Ende eben NICHT fein zu mir war und ich mir dann vorkomme, als wäre ich schizophren und hätte mir nur alles eingebildet oder im schlimmsten Falle ihn dazu provoziert, so zu handeln. Aber die Verantwortung für sein Tun sehe ich ganz klar bei ihm, denn so ist das nun mal bei uns Menschen, und den Schuh möchte ich mir nicht anziehen, dass ich an der Trennung und seinem Verhalten schuld bin.
Ihr seht, ich bin innerlich zerrissen und das ist der letzte Faden, der mich noch an ihm hält. Liegt die Wahrheit nicht eher in der Mitte? Oder aber bringen Trennungen Monster in uns hervor, die nichts mit unserem wahren Charakter zu tun haben?
Wie war das bei euch? Habt ihr vielleicht auch mal verlassen und könnt sagen, ob ihr euch wie ein Fremder im eigenen Körper gefühlt habe? Habt ihr noch Kontakt zu einem Ex-Partner, der euch sein Verhalten erklärt hat oder seid ihr sogar noch mit ihm befreundet und konntet ihr sein Verhalten bei einer weiteren Trennung beobachten? War das anders, als bei euch?
Freue mich auf eure Meinungen!
