Zitat von Malena3:
Ich hatte nicht so wahnsinnig viele Erfahrungen. Paar Belanglosigkeiten als ich sehr jung war. Dann meine Ehe. Dann eben dieser Mann.
Ich glaube nicht, dass ich je den Eindruck vermittelt habe, nicht von mir zu halten. Aber ich bin ein Teamplayer und sehr loyal. Niemals würde ich einen Freund verraten oder wegen Kleinigkeiten ein Drama machen. Und zu meinem Mann habe ich eben auch lange bedingungslos gehalten.
Und ja, sowohl meinem Ex-Mann als auch diesem Mann habe ich Grenzüberschreitungen verziehen. Das hätte ich nicht tun sollen und tue ich auch nie wieder.
Malena, was du schreibst, gibt mir aus gutem Grund Anlass zu denken, dass du dazu neigst, deine Grenzen zu missachten und missachten zu lassen.
Eine loyale Teamplayerin, die niemals wegen Kleinigkeiten ein Drama machen würde? Das klingt ersteinmal toll. Loyalität ist eine Tugend.
Dennoch habe ich genau solche Worte oft von Menschen gehört, die sich selbst zu wenig achten. Da spielt es auch keine Rolle, welchen Eindruck du anfangs nach außen vermittelst.
Deine zwei Beziehungserfahrungen (von denen eine ja nicht einmal eine war) sprechen allein schon Bände. Du hast zu deinem Mann
bedingungslos gehalten?
Allein das macht mich misstrauisch. Auch das klingt toll. Sehr selbstlos (im wahren Sinne des Wortes). Aber Bedingungslosigkeit ist nie eine gute Idee. Das heißt nicht, dass du andere erpressen sollst. Aber es heißt, dass du dich jederzeit, bei kleinen und großen Dingen, fragen solltest, ob du sie selbst eigentlich willst. Und welchen Preis du bereit bist dafür zu zahlen.
Diese sogenannte Bedingungslosigkeit hält nämlich in Wahrheit kein Mensch durch. Du ja auch nicht. Irgendwann hat es dir gereicht. Aber bis dahin hast du x Grenzen überschreiten lassen.
Mein Rat an dich wäre Folgender: Übe es, deine eigenen Grenzen zu wahren und beginne mit ganz kleinen Dingen, die dir vielleicht total egal und nebensächlich und unwichtig erscheinen.
Du trinkst mit einer Freundin auf einer Terrasse einen Kaffee. Sie schlägt vor, noch etwas zu bestellen. Dir ist eigentlich kalt. Setz dich selbst darüber nicht hinweg, weil es dir unwichtig erscheint.
Sag ihr freundlich: Ein andermal gerne. Aber mir ist kalt. Für heute möchte ich nach Hause. Oder sag: Gerne. Aber mir ist kalt. Lass uns reingehen und dort noch einen trinken.
Verstehst du? Du setzt dich irgendwo hin. Willst du wirklich dort sitzen? Wäre dir ein anderer Platz lieber? Hättest du vielleicht gerne ein Kissen? Frag dich solche Dinge andauernd.
Es geht auch nicht darum, dass du ab jetzt die Diva spielst und andere Menschen tyrannisierst. Überhaupt nicht. Es geht zunächst einmal um die Wahrnehmung deiner eigenen Bedürfnisse. Und darum, ständig im Alltag Kleinigkeiten zu verbessern, wo immer es dir möglich ist (und es ist sehr oft möglich).
Nehmen wir an, eine Freundin hat großen Kummer und möchte mit dir reden. Du bist todmüde. Wenn dir deine Freundin wichtig ist, dann red trotzdem mit ihr. Aber mach es dir bewusst. Nur das. Mach es dir bewusst.
Du redest jetzt mit deiner Freundin und setzt dich über dein eigenes Bedürfnis hinweg. Weil sie dir gerade wichtiger ist. Nur das. Nimm es einfach wahr. (Das heißt auch übrigens nicht, dass du ihr das aufs Butterbrot schmieren sollst, das meine ich nicht).
Auf diese Weise kannst du in ganz kleinen Dingen lernen und üben, dich selbst und deine Bedürfnisse wahrzunehmen und vor allem ernstzunehmen.
Ich bin mir ziemlich sicher, dass du zu den Menschen gehörst, die sich selbst ständig übergehen.
Und glaub mir, kein vernünftiger Mensch nimmt dir das krumm. Dadurch verlierst du keine Freunde. Und wenn, dann waren sie es absolut nicht wert.
Und wenn du das ein paar Wochen und Monate wirklich geübt hast, andauernd, bei allen möglichen Kleinigkeiten, dann wirst du vielleicht selbst erkennen, dass du alles andere willst, als die Affäre eines verheirateten Mannes zu sein.
Aber das ist dann schon die Königsdisziplin. Wie gesagt, übe es erst einmal an ganz kleinen, scheinbar unwichtigen Dingen, wo deine Grenzen liegen.
Die eigenen Grenzen gegenüber einem Mann zu wahren, in den man verliebt ist, ist nämlich noch viel, viel schwieriger. Aber wenn du deine Wahrnehmung geschärft hast, wird dir das auch eines Tages gelingen. Weil du dann so viel Übung hast und dir diese Wahrnehmung in Fleisch und Blut übergegangen ist.
Im Moment erscheint es dir als erstrebenswert, die Affäre dieses Mannes zu sein. Weil
er im Moment nicht einmal das will, nachdem er dich angefixt und dir Hoffnungen gemacht hat.
Aber glaub mir. Es ist alles andere als erstrebenswert. Gerade du bist nicht abgebrüht genug, um so etwas genießen zu können. Du denkst, du fühlst dich dann besser. Weil er dich will. Weil er dich begehrt. Weil du ihm nahe sein kannst.
Das Gegenteil wird der Fall sein. Du wirst es maximal ein paar Wochen genießen. Vermutlich nicht einmal das.
Du wirst sehr schnell erkennen, dass die Machtverhältnisse einer Affäre sehr im Ungleichgewicht sind und zwar zugunsten des verheirateten Partners. Glaub es mir und anderen hier. Du würdest - ließe er sich wirklich auf dich ein - sehr schnell noch viel mehr leiden als jetzt.
Ich weiß. Du glaubst mir das jetzt nicht. Oder glaubst es vielleicht, aber deine Sehnsuch ist so groß, dass du es trotzdem willst.
Deshalb mach diese Übung. Immer und überall. Wo du gehst und stehst. Vielleicht kannst du es dann bald fühlen, dass es das letzte ist, was du wirklich willst, der Spielball eines Mannes zu sein, der nie wirklich für dich da ist und dem du schon allein aufgrund der Konstellation hoffnungslos unterlegen bist.
Alles Gute dir!