Zitat von PapaInWarteschl: Also ich habe fest geplant, dass ich tagsüber in der Klinik bei ihr bin, das habe ich auch bereits so mit dem Krankenhaus abgesprochen, dass das erlaubt ist. Ich habe in der Zeit sowieso Urlaub und danach gehe ich 2 Monate mit in Elternzeit, damit ich auch eine gute Bindung zum Kind bekommen kann.
Top! Ich muss wirklich sagen, ich finde es toll wie viel Einsatz du zeigst. Und ich glaube, dass das auch ganz wichtig ist. Wenn sie jetzt schon so angeschlagen ist und sich oft "unnütz" fühlt und sich langweilt und vielleicht sogar einsam ist weil sie nicht arbeiten kann wird die Babyphase hart für sie. Selbst Mütter die echt drauf hinfiebern und die Schwangerschaft regelrecht zelebrieren können in dieses "Loch" der Isolation fallen. Mit Baby ist man schnell von dem Rest der Welt abgeschirmt. Plötzlich gibt es nur noch dieses winzige Leben und dich, dazu die Hormonumstellung. Und wirklich spannend ist die Babyzeit auch nicht immer. Umso wichtiger ist es, dass du dann da bist und sie unterstützen kannst. Bitte sei dir bewusst, dass sie nach der Geburt in ein richtig tiefes Loch fallen kann.
Was der Körper und die Psyche in der Zeit mitmachen unterschätzt man schnell.
Zitat von PapaInWarteschl: Also sie redet in den letzten 5-10 Tagen mehr über die Geburt, auch mehr über das Kind. Sie scheint sich darauf zu freuen, ihrer Tochter alles zu geben, was sie sich auch gewünscht hätte, aber es geht irgendwie mehr um materielles, nicht um emotionales.
Aber sie beschäftigt sich mit dem Kind gedanklich und das ist doch gut. Auch wenns "nur" materielle Gedanken sind. Vielleicht ist es ihr noch zu abstrakt, vielleicht traut sie sich keine emotionale Nähe zu. Aber sie setzt sich gedanklich damit auseinander und das ist wichtig, vorallem wenn sie bisher eher verdrängt hat.
Zitat von PapaInWarteschl: Gleichzeitig zieht sie sich aber immer auch wieder raus, um am Handy zu schreiben oder auch TikTok/Facebook Videos zu "doomscrollen".
Zitat von PapaInWarteschl: Sie selbst hat ja einmal zu mir im Schreiton gemeint "Was soll ich denn sonst den ganzen Tag machen? Ich darf nicht arbeiten, ich soll nicht viel machen. Was also?" und war verzweifelt.
Sie wirkt auf mich, laut deinen Beschreibungen, extrem isoliert und angeschlagen. Ihr scheint ein wirklich wichtiger Anker verloren gegangen zu sein indem sie nicht arbeiten kann im Moment. Sie scheint sich über ihre Arbeit sehr zu definieren, vorallem was ihren Selbstwert betrifft. Und ja, wahrscheinlich ist die Schwangerschaft bereits sehr anstrengend für sie. Die Optionen der Beschäftigung können dann schon mau werden und dann setzt die Langeweile ein.
Vielleicht kannst du ihr (wenn du willst) helfen, indem du ihr bewusst machst, was ihr Körper da eigentlich leistet. Beispiel: Während der intensivsten Phase der Entwicklung werden im Kopf des Kindes durchschnittlich 250.000 neue Nervenzellen pro Minute produziert. Bis zur Geburt baut die Mutter so ein Netzwerk aus etwa 100 Milliarden Neuronen auf. Aus einer einzigen befruchteten Eizelle erschafft der Körper innerhalb von 40 Wochen ein Wesen mit rund 2 Billionen(!) Zellen. Das bedeutet, dass der mütterliche Organismus über die gesamte Schwangerschaft hinweg täglich Milliarden neuer Bausteine produziert, sortiert und an die richtige Stelle im Baby-Körper navigiert.
Während sie sich "nutzlos“ fühlt, weil sie nicht arbeiten geht, hat sie in derselben Zeit wahrscheinlich 15 Millionen(!) Gehirnzellen für einen neuen kleinen Menschen erschaffen. Das ist eine Produktivität, die sie auf ihrer Arbeit niemals erreichen könnte.
Zitat von PapaInWarteschl: Die Kurse habe ich vorgeschlagen, aber sie meinte, im Internet haben Leute gesagt, dass lohnt sich nicht und sie hört gerne auf das Internet, zumindest zur Zeit.
Das fiese an Tiktok und co ist, dass sie sie in ihrer Blase immer weiter bestätigen. Wenn sie sich also Videos anschaut in denen es heißt, dass diese Kurse blödsinn sind, wird sie immer mehr Material sehen, das genau das bestätigt. Das ist schade, denn ich glaube, dass ihr solche Kurse mehr Sicherheit geben könnten und euch als Paar auch helfen könnten.