Zitat von plietsche_deern:wurden diese Themen eigentlich auch in der Therapie angeschnitten? Oder waren es die akuten Angstzustände aufzudröseln? Fehlender Selbstwert hat ja ...
Ja, das war Teil der Therapie. Aber auch sehr viel Konfrontationstherapie, Erklärung von Angst und wie sie entsteht und warum sie wichtig ist, Ursachen in der Kindheit und auch sehr viel Raum für dieses ganze Beziehungsthema ist drauf gegangen. Jetzt sind die 80 Stunden fast Rum und ich komme in die Zwangspause - perfect Timing.
Und die Vorwürfe sind recht einseitig. Ich höre sie mir an, gestehe meine Fehler ein und sage entweder, dass es unfair ist dieses Thema wieder und wieder zu bearbeiten oder aber, dass man da auch anders hätte dran arbeiten können, wäre man damit offener umgegangen. Aber das endet oft in Absolutismen wie "Du warst schon immer so", "Du hättest das sehen müssen", "du wirst dich nie ändern". Warum ich so oder so reagiert habe, spielt keine Rolle, weil ich SIE nicht gesehen habe. Ein Beispiel, damit es nicht so abstrakt ist. Ihr Auto war reparaturbedürftig und sie war abhängig davon, wegen der Arbeit. Ich habe mich lange gegen ein neues Auto gestreubt aus finanzieller Sicht. Ich sagte, wir können das alte reparieren, ein gebrauchtes kaufen oder zur Not nimmt sie meins, da ich auch mit dem Zug auf Arbeit könnte. Das hat in ihr aber ein riesiges Unverständnis und Unsicherheit ausgelöst, sie konnte sich auf ihr Fahrzeug nicht mehr verlassen und ist dem so ausgeliefert. Am Ende hat sie mit ihrem Vater einen jungen gebrauchten gekauft / finanziert. Ich habe mich übergangen gefühlt und sie, dass ich sie nicht vor schlimmen bewahrt habe, sie nicht beschützt habe. Das spreche ich ihr auch nicht ab, ich verstehe ihr Gefühl. Aber auch ich habe nicht aus Eigennutz gehandelt, sondern versucht eine tragbare Lösung zu finden und alle Alternativen zu beleuchten. Genau diese Du-Warst-Nicht-Für-mich-da-Situation habe ich mindestens schon zwanzig mal vorgehalten bekommen wenn es darum ging, wieso sie mich nicht für den richtigen Menschen in ihrem Leben hält. Eine andere ist diese: Ich war nie groß weg mit Freunden, hatte keine Hobbys außerhalb der Wohnung (damals) und die Kinder waren noch sehr klein. Ich hätte trotzdem meine Zeit für mich gebraucht und damit genutzt, mir im Keller der Wohnung ein Moped aufzubauen. Nicht am Tag, sondern nach dem Abendbrot, wenn sie sich mit den Kindern hingelegt hat. Ich habe versucht einen Spagat zu schaffen zwischen Nicht-Wirklich-Weg-Sein und doch Zeit für mich zu haben zum Durchatmen. Insgesamt ging das geschätzt 5 Monate. Und dies bekomme ich zu hören, dass ich sie allein mit den Kindern gelassen habe. Sie selbst hatte selten aktive Hobbys und jedes Mal wenn sie welche hatte, habe ich mich für sie gefreut, weil ich wusste wie wichtig etwas Zeit für einen selbst ist. Gerade das Thema, dass sie die Kinder so allein hatte verletzt mich sehr, weil ich ein ganz anderes Bild habe. Ich bin abends auch aufgestanden, habe Flächschen warm gemacht und gefüttert, ich bin mit dem Kinderwagen um den Block gefahren und bin mit ihnen auf den Spielplatz gegangen. Meine Freunde und Familie sagen mir auch, dass ich ein super fürsorglicher Vater bin, haben oft gefragt wieso ich denn immer nur daheim hocke und nicht mit auf Party gehe, auch die anderen Papas. Es tut mir einfach weh, wenn sie mir sagt ich habe die Kinder vernachlässigt durch solche Aktionen, weil ich es dann manchmal wirklich selbst glaube
😔