Zitat von TuaUmbra:Hallo an Alle, ich, mitte 40, männlich, vom Beruf Softwareentwickler, seit 13 Jahren verheiratet, haben ein Kind (10 Jahre). Meine Frau ist ...
Huch....recht ähnlich wie bei mir...wenn ich den Zustand unserer Ehe auch besser beurteilen würde als den deiner.
Fakt, keiner kann dir deine Fragen beantworten. Das kannst du ausschließlich für dich selbst machen.
Aber ich kann dir sagen, wie ich damit heute umgehe.
Zum Hintergrund:
Mein Mann hatte mehrere Jahre eine Affäre mit einer Kollegin. Allerdings haben sie nicht denselben Arbeitsort, konnten sich also nicht täglich sehen. Die Affäre flog auf, weil sie meinte, ich müsse das jetzt unbedingt wissen. Das ist inzwischen bald 4 Jahre her. Im Gegensatz zu dir, musste ich mich nicht mit seinem Liebeskummer herumschlagen, da die Liebe wohl nicht so groß war und er sich lange entliebt hatte, bevor ich davon erfuhr.
Lange Rede - kurzer Sinn...
ER ist seither tatsächlich auch eifersüchtig. Lustig - war er die 15 Jahre vor der Affäre nie.
Mich amüsiert das und ich finde es süß.
Was mache ich, wenn ich das Geschehene oder unsere Gespräche damals im Kopf nochmal durchgehe und jedes Wort auf die Goldwaage lege? Ich schimpfe mit mir und erinnere mich an die Worte eines Therapeuten: "Jedes Mal, wenn Sie sich eine Erinnerung ins Gedächtnis rufen, vermischt sich diese Erinnerung mit dem aktuellen Gefühl und verändert sich dadurch." Das bedeutet, wenn du eure Gespräche weder mitgeschnitten noch detailliert protokolliert hast, entspricht deine heutige Erinnerung an eure Gespräche nicht mehr dem tatsächlichen Verlauf der Gespräche.
Mein Mann sieht mir mein Gehirne genauso an wie deine Frau deine. Er spricht mich dann auch an. Das Problem ist. Er hat alles vergessen, weil er nicht mehr daran erinnert werden will. Er hat alles in die Trashcan geschoben und sein Gehirn rebootet. Bei mir schwirrt das aber alles noch in irgendwelchen versteckten Dateien oder Zwischenspeichern herum und blockiert meinen Arbeitsspeicher.
Sie kann dir dabei genausowenig helfen wie mir mein Mann.
Wir müssen für die Ordnung in unserem Hirn selbst sorgen.
Und das geht nur durch Akzeptanz. Die Zeit der Analyse ist vorbei. Die Spezifikation wird auch durch noch mehr Analyse irgendwann nicht mehr besser. Es ist an der Zeit ans Prototyping zu gehen.
Nimm' die Vergangenheit als das hin, was sie ist: vergangen!
Du kannst nichts mehr daran ändern.
Sie kann es nicht ungeschehen machen.
Diese Geschichte gehört nun zu eurer Geschichte.
Das gilt es zu akzeptieren und zwar komplett unabhängig davon, ob ihr zusammenbleibt oder nicht.
Als Analyst stehe ich ja auf Pro- und Kontralisten. Ich überlege mir Gründe, warum ich bleiben sollte und Gründe dagegen.
Immer wenn es mir schlecht geht, gehe ich diese Liste durch und aktualisiere sie. Und in den letzten 4 Jahren (genau genommen auch schon vorher) war die Proseite immer so viel länger als die andere, dass ich immer und immer wieder die Entscheidung getroffen habe zu bleiben.
Allerdings sind die ersten beiden Punkte auf der Proliste seit jeher Liebe und "wenn er mich anlächelt, will ich ihm die Kleider vom Leib reißen". Und da braucht es echt schwerwiegende Kontrapunkte. Offenbar war nicht mal eine mehrjährige Affäre schwerwiegend genug.