Lieber Paulaner,
Ja, mein Mann stellt sich der Aufarbeitung unserer Eheprobleme, die zu der Affäre geführt haben. Darüber hinaus, will die Therapeutin ihm erklären welche innere Not ich nach Beendigung der Affäre durchgestanden habe und warum ich teilweise über Wochen und Monate völlig bewegungslos auf dem Sofa rumhing und nicht mehr in der Lage war, meiner Arbeit nach zu gehen.
Ich war nämlich nicht nur Betrügerin sondern wurde zeitgleich vom AM betrogen und hintergangen. Dieser Mann verlangte von mir, mein bisheriges Leben aufzugeben und als er sah, dass ich dem nachkam, hinderte es ihn nicht daran gleichzeitig u.a. mit der besten Freundin seiner verstorbenen Frau anzubändeln. Er dachte wohl, je mehr Eisen er im Feuer hätte, desto besser. Als er die neue dann sicher glaubte, ließ er mich fallen, wie eine heiße Kartoffel. Von jetzt auf gleich und in tiefster Not. Er tat das ohne jede Erklärung. Er blockierte mich auf allen Kanälen. Ignorierte mich! Er rief mich nur noch einmal nach Monaten zu sich, um mich noch einmal für bestimmte Praktiken zu benutzen, die ihm wohl sehr gefallen hatten und die ihm die neue scheinbar verweigerte. Ich erfüllte seinen Wunsch und wurde danach aus dem Haus gejagt. Wo da mein Selbstwert war fragst du? Keine Ahnung - igendwo hatte ich den schon längst verloren! Ich ließ auch danach noch nichts unversucht, die Gunst dieses Mannes zurück zu gewinnen. Ich machte ihm Geschenke, bot ihm meine Ersparnisse an, hätte nicht nur mich selbst und meine Körper sondern wirklich alles für ihn gegeben. Ja, so bedürftig war ich tatsächlich. Aber alles half nichts. Dieser Mann liebte mich nicht und würde es nie tun. Er nahm sich von mir, was er wollte und warf mich dann weg. Was von mir übrig war war nur noch eine leere Hülle.
Als ich dann zu meinem Mann zurück gekehrt war, weil dieser sah, wie schlecht es mir ging und er mich in meinem Elend nicht allein lassen wollte, erfuhr ich von der anderen und wurde so wütend, dass ich leider ein paar Dummheiten beging und anfing, den Ex zu beobachten. Dabei stieß ich auf seine "Neue", die nicht davor zurück schreckte, mich zu beschimpfen und zu bedrohen. Das alles hielt ich vor meinem Mann geheim. Er sollte ja nicht mitbekommen, dass ich mit dem Thema immer noch nicht durch war, dass ich trauerte, wütend war, resignierte. Diese Resignation führte mich dann schnurstracks in eine immer tiefere Depression.
Deren Auswirkungen bekam mein Mann natürlich mit, ohne die Ursache dafür zu kennen. Erst als sich der Ex nach Monaten des Schweigens im Frühling diesen Jahres wieder bei mir meldete, weil die andere ihn verlassen hatte, regte sich bei mir ein Fünkchen Überlebenswillen. Er schreckte sogar nicht davor zurück, mir die Schuld für das Scheitern seiner Beziehung in die Schuhe zu schieben. Nur um meine Schuldgefühle dann direkt zu nutzen, indem er mich erneut in sein Haus einlud. Diesmal widerstand ich und lehnte ab. Ich hatte ja schon mit der Aufarbeitung begonnen und war immerhin soweit, seine Manipulationsversuche zu durchschauen.
Außerdem war ich meinem Mann inzwischen wieder näher gekommen und wollte meine Familie, mein Zuhause und mein Leben nicht noch einmal riskieren. Ich lehnte also ab und wurde dann sofort wieder blockiert, ignoriert und abgeschrieben. Diesmal war ich froh darüber! Gleichzeitig aber bekam ich Wut. Wut, die bis heute anhält. Daher auch meine Drohungen an den ExAm. Er sollte sich lieber nicht mehr darauf verlassen, dass ich die Klappe halte. Ich habe nicht mehr viel zu verlieren. Sollte sich die Gelegenheit ergeben und sollte ich noch einmal die Chance erhalten, mich vor Kollegen oder meiner ehemaligen Chefin zu erklären, werde ich ihnen mal meine Version der Geschichte präsentieren. Dann werde ich auch davon berichten, dass nicht nur ich diesem Mann verfallen war, sondern auch die andere Kollegin, die inzwischen auch dort unter mysteriösen Umständen gekündigt hat, obwohl ihr eine neue Position angeboten worden war. Und ich werde meinen begründeten Verdacht äußern, dass wir beide nicht die einzigen waren. Dass ich ihn z.B. auch mit einer Praktikantin in der Wäschekammer erwischt habe. Dieser Mann hat nicht nur Kontakt zu den Patientinnen sondern auch zu deren zum großen Teil weiblichen Angehörigen. Das dürfte also nicht ganz uninteressant sein, für seine Chefin. Noch überlege ich, ob ich mich damit nicht erst Recht zum Vollhorst mache. Aber eigentlich sollte mir das egal sein! #metoo
Das alles soll meinem Mann jetzt ein "Profi" erklären. Ich hätte Angst, damit neue Wunden bei ihm zu reißen. Es muss aber auf den Tisch, damit nichts in irgendeiner dunklen Ecke liegen bleibt und dort vor sich hin modert. Der Müllhaufen den diese Affäre hinterlassen hat ist noch nicht ganz abgetragen. Ich hoffe, dass mein Mann die Kraft und das Verständnis aufbringen wird, diesen Weg gemeinsam mit mir weiter zu gehen. Ich hoffe er versteht, dass dieser Mann zeitweise eine große Macht über mich hatte. Dass ich aufgrund meiner Prägung aus der Kindheit und Jugend zu schwach war, mich ihm zu entziehen und mich selbst und meine Ehe zu schützen. Letztlich habe ich es dann ja doch irgendwie geschafft. Aber es war eine blutige Schlacht, die ich da gewonnen habe.
Ob wir auch den Krieg gewinnen, bleibt abzuwarten. Ich bin zuversichtlich!
LG