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8 Monate nach Affäre vergangen- es tut noch weh

Mel007

Mel007

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Hallo an alle Leidgenossen ,
Ich bin neu hier, habe lange überlegt meine Geschichte zu schreiben.
Ich bin 50 Jahre alt und 27 Jahre mit meinem Partner zusammen, unser Sohn ist 25. Wir haben schon viele Schwierigkeiten überwunden, u.a auch eine Suchtgeschichte vor sehr vielen Jahren.
Es fing vor einem Jahr an, die große Krise. wir gingen uns aus dem Weg , es lief nichts mehr großartig und gemeinsame Zeit war beruflich bedingt kaum da, wir haben einmal im Monat am Wochenende mal zusammen frei, daran kann man nun mal nichts ändern. Mittlerweile kam ich mir nur noch wie eine Putzfrau vor, den ganzen Haushalt alleine schmeissen , keine Anerkennung, nichts. Dadurch wurde ich immer abweisender zu meinem Partner. meine Wünsche mal was zusammen zu unternehmen wurden ständig abgelehnt. Dann lag die Schwiegermutter schwer und ist im März 2020 im Altenheim nach langen auf und ab verstorben. Mein Partner hat es natürlich mitgenommen und mich auch. dann fing er an nach 15 Jahren Abstinenz zu trinken, zumindest hin und wieder. Dadurch wurde meine Abneigung noch stärker. Reden wollte er nicht darüber. ein paar Wochen später, Ende Mai hatte er wieder getrunken, dann ist das Fass übergegangen und er sagte mir er ist unglücklich und hat keine Gefühle mehr . Ich war völlig schockiert, denn er sagte dann nur: wie machen wir das jetzt mit der Wohnung"?. ich stand völlig fassungslos da und wusste nicht wohin, brach in Tränen aus und hatte einen Zusammenbruch. Dann kam ein Gespräch, das dazu führte, das er nicht von heute auf morgen die Trennung will, aber er könnte seine Gefühle nicht erzwingen. das war alles eine Woche vor meinem 50 Geburtstag. An meinen Geburtstag war die Stimmung noch nicht so dolle , ich habe meiner Familie gegenüber versucht mir nichts anmerken zu lassen. Mein Geschenk hat er an diesem Tag spontan gekauft, ein sauteures Handy , womit ich garnicht gerechnet habe. Ein paar Tage später wollte er mit mir in den Urlaub, auch spontan, wir hatten dann auch kurzfristig was an der Nordsee bekommen und ich hatte Hoffnung, das er mich doch noch liebt. Urlaub war soweit wie immer schön und bei uns lief auch regelmäßig wieder was ( ihr wisst schon) . Ich habe in dieser Zeit einiges geändert , ging wieder auf ihn zu , machte mich immer schick und verwöhnte ihn. Von Trennung sprach er nach dem Urlaub nicht mehr. ein paar Wochen später erwischte ich ihm beim schreiben mit einer fremden Frau, ich fragte wer das ist, da wurde er etwas frech. es wäre eine Bekannte aus dem Altenheim, sie hätte auch die Schwiegermutter mit gepflegt, also eine Pflegerin. Ich war total verwirrt, eine Pflegerin also. was hatte er damit jetzt noch zu tun? Daraufhin kontrollierte ich ihn und schaute auch auf sein Handy, was ich noch nie nötig hatte, denn ich habe ihm all die Jahre vertraut, Untreue hat er absolut verachtet.
Es kam alles raus, als ich ihn konfrontiert habe , zuerst hat er alles abgestritten, dann gab er es zu . Sie hatten sich mehrmals getroffen in unser Krise. Habe dann mit meinen Recherchen herausgefunden wer sie,
ist , eine Türkin die sich mit einem deutschen noch nicht mal blicken lassen dürfte. Sie wollte ihn , obwohl sie wusste wie lange wir zusammen sind und ich hasse sie jetzt noch. Leider konnte ich nicht mal eben so ins Altenheim marschieren wegen Corona.
In den ganzen schlimmen Wochen war ich nicht mehr arbeitsfähig, magerte ab und lag nur depressiv im Bett . Als es raus war , versprach er es zu beenden und tat es auch, doch die Stimmung war natürlich dementsprechend. mittlerweile sind 8 Monate vergangen, eine Antwort auf mein Warum konnte er mir bis jetzt nicht geben. Es tut ihm leid, daß ausgerechnet er sowas gemacht hat. Unsere Beziehung läuft wesentlich besser, soweit ist alles ok, aber in meinem Inneren bin ich zerrissen und noch wütend , trennen möchte ich mich aber nicht, weil ich ihn ja liebe, auch nach 27 Jahren noch. doch es kommt mir wie ein Trauma vor , denke noch jeden Tag daran . ist das alles normal? ich sehe meinen Partner seit dem mit anderen Augen und das Vertrauen ist weg. zu der Zeit der Affäre war er nie weg, wenn ich auch zuhause war und er kam immer pünktlich von der Arbeit, ich habe nichts von allem bemerkt und das macht mir Angst, weil er das so gut Vertuschen konnte. Die haben sich nur getroffen, wenn ich Spätschicht hatte und er zufällig frei. Zudem mussten sie sich nicht nur wegen mir verstecken, auch wegen ihrer türkischen Familie, mit der sie in einem Haus wohnt.
Irgendwie werde ich damit nicht fertig, obwohl unsere Beziehung wieder gut ist , er wäre auch nicht mehr unglücklich sagt er . Es ist einfach immer noch so schwer für mich .

11.04.2021 18:15 • x 1 #1


Iunderstand


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Entweder du verzeihst ihm/kannst ihm verzeihen, oder du lässt es...
Selbstverständlich ist er in der Pflicht nach diesem Vertdauensbruch dein Vertrauen wieder zu gewinnen, aber nachdem du sagst eure Beziehung ist wieder gut, solltest du dir die Frage stellen ob du verzeihen kannst oder nicht...

Und auch wenn ich wieder gepfählt werde dafür, meine Meinung und eben Erfahrung dazu: wer einmal lügt, tut es immer wieder... Es wird schließlich mit jedem Male leichter

11.04.2021 18:29 • x 2 #2



8 Monate nach Affäre vergangen- es tut noch weh

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Mel007

Mel007


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Lunderstand, das ist ja auch meine Sorge, wer einmal lügt...
Leichter wird es dann ehr nicht, im Gegensatz zu früher pass ich auf wie ein Lux , jetzt bin ich ein gebranntes Kind.
Was für mich auch noch so ein Vertrauensbruch ist, es fing im Altenheim an, wer denkt denn an sowas? Sorry , da krieg ich das Kotzen, als Pflegerin da rumgebaggert zu haben(hab ich aus einer Quelle )erfahren, Schwiegermutter war währenddessen totkrank ...er hat sich aber drauf eingelassen und das ist das Hauptproblem. Ich möchte verzeihen, arbeite dran ,vielleicht dauert es noch eine Weile

11.04.2021 18:47 • #3


Trust_him


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Wie stehst du denn zu deinem Mann? Genießt du seine Gegenwart? Bist du froh, dass er da ist? Genießt du seine Berührungen? Wenn ja, dann brauchst du einfach noch Zeit zu heilen. Die Affäre meines Mannes ist nun mehr als 2 Jahre beendet und ich weiß davon seit 1,5 Jahren. Ich bin glücklich mit ihm und wir lieben uns. Wir sind so nah wie noch nie. Mein Bauch sagt, dass alles gut ist. Dennoch erwische ich mich dabei, wie ich irritiert bin, wenn er schmunzelnd auf sein Handy schaut oder außer Plan ins Büro muss. Ich spreche diese Unsicherheiten auch jedes Mal an. Er bemüht sich bei jeder Kleinigkeit geduldig mir zu beweisen, dass ich mir keine Sorgen mehr machen muss. Mit meinem Vertrauen ist es noch immer nicht weit her. Das braucht seine Zeit. Er hilft mir dabei so gut er kann.
Die Frage die du dir stellen solltest: Ist es das wert? Wäre die Alternative besser?
Wenn du weißt, dass du diese Ehe willst und du ihm vertrauen willst, dann musst du anfangen, deine Gedanken entsprechend zu lenken. Achtsamkeit ist da ein Schlüssel. Klappt bei mir noch nicht immer, aber immer öfter.

12.04.2021 16:45 • x 4 #4


Löwin45

Löwin45


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Liebe Mel007
Nach so vielen Jahren von der Affäre des geliebten Partners zu erfahren, ist super schmerzhaft und oft sogar traumatisch.
Damit wirklich rational umgehen zu können, dauert einfach sehr lange.- wenn überhaupt.
Direkt zu Beginn, wenn alles aufgeflogen ist, ist alles aufgewühlt, super emotional und zudem sehr unklar, instabil und einfach wacklig.
8 Monate sind da viel zu kurz.
Somit nimm dir Zeit!
Zitat von Mel007:
Als es raus war , versprach er es zu beenden und tat es auch, doch die Stimmung war natürlich dementsprechend. mittlerweile sind 8 Monate vergangen, eine Antwort auf mein Warum konnte er mir bis jetzt nicht geben.

Wie gesagt, was sind denn schon 8 Monate?
Eure bisherige Partnerschaft dauerte so lange an und wurde jetzt von deinem Mann beendet. Alles, was jetzt kommt, ist neu.
Damit das gelingen kann, sind viele Gespräche, verbunden mit wichtigen Erkenntnissen, erforderlich.
Wurde diese Zeit entsprechend genutzt?
Denn zurück zur Tagesordnung funktioniert auf Dauer nicht
Zitat von Mel007:
Unsere Beziehung läuft wesentlich besser, soweit ist alles ok, aber in meinem Inneren bin ich zerrissen und noch wütend , trennen möchte ich mich aber nicht, weil ich ihn ja liebe, auch nach 27 Jahren noch. doch es kommt mir wie ein Trauma vor , denke noch jeden Tag daran .

Ist es tatsächlich okay?
Bist du denn wieder glücklich?
Du klingst nicht so.

Zitat von Mel007:
Es tut ihm leid, daß ausgerechnet er sowas gemacht hat.

Es tut ihm leid?
Was bedeutet das denn für ihn?
Wie zeigt sich das denn?
Hatte er dich eigentlich um Verzeihung gebeten?
Wie steht er denn jetzt zu dir?
Weißt du, eine wichtige Voraussetzung, damit du endlich abschließen kannst, ist, dass du ihm verzeihen kannst.
Dazu müsste er sich aber genau das sehnlichst wünschen und auch alles dafür tun - nicht nur mit Worten, sondern auch in dem er sich wirklich um dich bemüht, keine Gespräche scheut und es dir auf vielerlei Arten beweist.
Ist das der Fall?
Begreift er, was er bei dir angerichtet hat?
Versteht er, dass er dein Vertrauen missbraucht hatte und dies so schnell nicht wieder kommt - wenn überhaupt. Es liegt in seinen Taten,

Deine Liebe alleine reicht nicht aus - was empfindet er denn für dich?
Dafür dass eure Ehe in Schieflage geriet, seid ihr beide verantwortlich.
Aber für diese Affäre war er ganz alleine verantwortlich.
Ganz egal, wie eingeschlafen eure Ehe war, es hätte andere Wege gegeben.
Und genau deswegen, weil du das weißt und auch spürst, kommst du nicht zur Ruhe.

12.04.2021 23:57 • x 2 #5


Mel007

Mel007


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Trust him
ich kann mit Sicherheit Deine Frage mit JA beantworten ,ich genieße seine Gegenwart und alles andere auch ...es gab Zeiten ,da hätte ich keine Antwort darauf gewusst ,nachdem ich ihn fast verloren hätte ,weiß ich jetzt aber...
traumatisiert ,so fühle ich mich wirklich ...wenn er mal weg muss ,fragt er jetzt immer ,ob ich mit möchte ,er merkt meine Unsicherheiten auch und ich rede über meine Ängste .



@löwin
er ist zwar nicht auf Knien gefallen um um Verzeihung zu bitten ,aber entschuldigt hat er sich und liebt mich (
so wie er sagt ),das merke ich auch ,denn er verhält sich ja ganz anders ,als zu der Zeit der Krise ....als alles aufflog ,hatte ich mich ja ein paar Tage zuvor schon um eine Unterkunft für wenigstens 2 Nächte gekümmert ,ich wollte mal weg und er sollte überlegen ,was er nun wirklich vorhat- das sagte ich ihm ,das ich für ein paar Tage weggehe ,der kleine Koffer war schon gepackt ---daraufhin war er irgendwie etwas panisch ,das wollte er auch nicht ,das ich gehe und dann hat er das andere beendet .
Gepräche fallen ihm immer noch schwer ,er schämt sich und möchte es einfach vergessen ,dennoch redet er ,aber ich muss anfangen. Bin schon davon überzeugt ,das er merkt was er anggerichtet hat...mit Sicherheit hätte es einen anderen Weg gegeben ,als eine Affäire .


Mein Freundeskreis meint ,es müsste jetzt ja mal endlich gut sein mit meiner zwischendurch noch aufsteigenden Wut ,vor allem auch auf diese Frau ..ich hatte damals sogar im Altenheim angerufen und sie am Telefon verlangt , dazu kam es aber nicht ,da sie immer krank war ..vielleicht auch besser so .

Tatsächlich ist jetzt alles neu ,so sorglos einfach mit Freundinnen im Urlaub fahren wie früher, würde ich nie ..das ist jetzt nur ein Beispiel ...

Danke für Euren Zuspruch

13.04.2021 11:27 • x 1 #6


Trust_him


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Hallo Mel,

Mir geht es sehr ähnlich wie Dir, wenngleich ich mich, glaube ich, schon mehr gefangen habe.

Zitat von Mel007:
traumatisiert ,so fühle ich mich wirklich ...wenn er mal weg muss ,fragt er jetzt immer ,ob ich mit möchte ,er merkt meine Unsicherheiten auch und ich rede über meine Ängste .

Das ist auch ein Trauma. Meine Therapeutin meinte, ich hätte eine "kleine PTBS". Das kann man aber wieder in den Griff bekommen, wenn man das will.
Dein Mann macht das doch super! So macht es meiner übrigens auch. Und wenn ich nicht mitgehen kann, bekomme ich zwischendurch Nachrichten oder Anrufe und ich kann seinen Standort sehen. Er hilft mir dabei, so ganz langsam, Schritt für Schritt mein Vertrauen wieder aufzubauen.

Zitat von Mel007:
Gepräche fallen ihm immer noch schwer ,er schämt sich und möchte es einfach vergessen ,dennoch redet er ,aber ich muss anfangen. Bin schon davon überzeugt ,das er merkt was er anggerichtet hat...mit Sicherheit hätte es einen anderen Weg gegeben ,als eine Affäire .

Auch hier sieht es bei uns ähnlich aus. Wenn ich mal wieder an irgendwas denken muss, was damals war, merkt er mir das inzwischen an und fragt nach. Ich sage ihm möglichst ruhig und neutral, was mein Hirn sich da zusammenspinnt. Meist rollen ihm dann die Tränen über die Wangen. Er meint dann, dass es ihn traurig macht, was er mir damit angetan hat. Er bereut auch sehr. Auch wäre es ihm am liebsten, er könne es ungeschehen machen.

Zitat von Mel007:
Mein Freundeskreis meint ,es müsste jetzt ja mal endlich gut sein mit meiner zwischendurch noch aufsteigenden Wut ,vor allem auch auf diese Frau

Meine beste Freundin sieht das auch so. Mein Mann ist da geduldiger. Es dauert eben so lange wie es dauert. Aber ich finde über die Achtsamkeitsübungen so langsam einen Weg.

Zitat von Mel007:
Tatsächlich ist jetzt alles neu ,so sorglos einfach mit Freundinnen im Urlaub fahren wie früher, würde ich nie ..das ist jetzt nur ein Beispiel ...

Auch da habe ich meine Probleme. Früher war ich gerne mit den Kindern ohne ihn mal im Urlaub. Das kann ich mir gerade noch nicht wirklich vorstellen.

Wie gesagt.... Vertrauen zerstört hat man innerhalb von Sekunden.... Es wieder aufzubauen dauert einfach sehr lange.
Aber auch da hilft es mit der Achtsamkeit.

13.04.2021 22:26 • x 2 #7


Löwin45

Löwin45


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Zitat von Trust_him:
Wenn ich mal wieder an irgendwas denken muss, was damals war, merkt er mir das inzwischen an und fragt nach. Ich sage ihm möglichst ruhig und neutral, was mein Hirn sich da zusammenspinnt. Meist rollen ihm dann die Tränen über die Wangen. Er meint dann, dass es ihn traurig macht, was er mir damit angetan hat. Er bereut auch sehr. Auch wäre es ihm am liebsten, er könne es ungeschehen machen.

@Trust_him
Ja, so ist es leider- für eine lange Zeit. Es dauert einfach.
Die beschriebene Scham, sollte diese dann tatsächlich einsetzen, ist das, was Betrüger aushalten müssen.
Ja, das ist auch nicht leicht.
Aber dennoch ist es selbst verschuldet.
Denn, im Gegensatz zum Betrogenen, hatte der betrügende Part sich genau dazu entschieden.
Eine Affare mit all den Lügen... ist einfach auch ein beschämender Akt.

@Mel007
Nimm dir die Zeit, die du brauchst.
Es ist ganz egal, wie andere es einschätzen.
Wenn du noch nicht so weit bist, dann bist du noch nicht so weit!
Du entscheidest - ganz alleine du!
Wenn dein Partner dich wirklich liebt und sich jetzt um dich sorgt, wird er diese Gefuld aufbringen können und müssen.
Ja klar wäre es ihm viel lieber, dass alles wieder gut und verziehen ist.
Denn es ist anstrengend und auch beängstigend für ihn.
Er kann gar nicht abschätzen, wie du dich entwickelst. Tja, das ist sein Preis, den er zu zahlen hat.

So schnell geht das alles nicht.
So schnell verzeihst du auch nicht.
Und...
Vertrauen kommt auch nicht über Nacht zurück.
Das ist sehr schwer.
Dein Mann scheint sich wirklich zu bemühen, aber er sollte auch verstehen, dass es ein schwieriger Prozess ist.

Zitat von Trust_him:
Dein Mann macht das doch super! So macht es meiner übrigens auch. Und wenn ich nicht mitgehen kann, bekomme ich zwischendurch Nachrichten oder Anrufe und ich kann seinen Standort sehen. Er hilft mir dabei, so ganz langsam, Schritt für Schritt mein Vertrauen wieder aufzubauen.

Ja, das kann hilfreich sein.
Es ist ein erster Schritt.
@Trust_him da hast du recht.
Aber Vertrauen kommt leider nicht nur deshalb zurück, weil durch das Sichtbarmachen von Standorten... , Kontrolle überflüssig wird.
Mit anderen Worten: Nur weil der ehemalige Betrüger jetzt jeden Weg zeigt und du dich somit nicht sorgen musst, vertraust du doch nicht automatisch wieder.
Ja, es hilft, weil der Betrogene den "guten Willen" sieht.
Aber es ist nicht gleichbedeutend mit Vertrauen zurückgewinnen.
Es gehört viel mehr dazu.
Ehrlichkeit, Offenheit, Liebe, Respekt, Reue... und auch Scham sind einige der wichtigsten Voraussetzungen.
Erst wenn du nicht mehr das Bedürfnis nach Kontrolle hast, du dir sicher bist, dass dein Partner dich exklusiv liebt und ganz sicher nicht (mehr) hintergeht, ist das Vertrauen wieder da.

13.04.2021 23:23 • x 2 #8


Trust_him


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Zitat von Löwin45:
Erst wenn du nicht mehr das Bedürfnis nach Kontrolle hast, du dir sicher bist, dass dein Partner dich exklusiv liebt und ganz sicher nicht (mehr) hintergeht, ist das Vertrauen wieder da.

Da hast du natürlich recht! Deshalb meinte ich ja auch, dass es Schritt für Schritt zurückkommt. Dass es noch nicht ganz wieder da ist, weiß ich und weiß er. Vertrauen, das über 20 Jahre aufgebaut wurde, in einer Minute zerstört wurde, kann nicht in 2 Jahren wieder aufgebaut werden. Und wenn Corona im Griff ist und unser normales Leben wieder losgeht, werden wir sehen, an welchem Punkt in Sachen Vertrauen wir stehen.
Ich denke, es ist am Anfang so ähnlich wie bei einem trockenen Alk., der noch am Anfang steht: Sich selbst schützen, indem man dafür sorgt, dass kein Alk. zur Verfügung steht, ein Sicherheitsnetz spannen, damit man das aushalten kann. Und hier stellt der Alk. nicht den Betrüger dar! Aber je länger man es geschafft hat, desto weniger wird das Sicherheitsnetz relevant sein, weil es verinnerlicht wurde. Und irgendwann darf dann auch der offene Alk. in greifbarer Nähe sein ohne dass man in Panik verfällt.

14.04.2021 07:19 • x 4 #9


Mel007

Mel007


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Das ist alles sehr gut beschrieben, vom Verhalten und den Gefühlen her..ich habe mich noch nie mit Gleichgesinnten ausgetauscht.
Vielleicht wäre das mit der Aufmerksamkeit auch was für mich , davon habe ich schon mal gelesen.
Mit der Kontrolle, da tue ich manchmal Dinge, die ich mir selber nicht zugetraut hätte .
Eigentlich habe täglich diese Flashbacks ...z.b weiß ich noch alle Daten vom letzten Jahr, wo mir was komisch vorkam , ich aber noch nicht wusste was abgeht.
Der zweite Schock war dann, als ich später wusste wer diese Dame war und darauf wäre ich NIE gekommen .

Zumindest weiß ich jetzt, das ich soweit ganz normal bin , ich hätte nur gerne mein altes Ich zurück.

14.04.2021 08:54 • x 1 #10


BernhardQXY


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Die wenigsten Menschen wissen, wie man mit Krisen umgehen sollte, damit man sich wieder findet.
Viele hoffen, mit einer Aussprache ist alles gut und alles kommt wieder. Es dauert eben nur.

Ich sehe das anders. Nach so einer Geschichte bedarf es eine komplette Neuausrichtung und die Werkzeuge dafür muss man sich suchen und entwickeln. Denn bei allem Unrecht, das geschehen wurde ist es ja das Ziel, miteinander wieder glücklich zu leben. Und zwar BEIDE auf Augenhöhe.
Beide Parteien müssen viel viel lernen. In diesem Fall muss Dein man verstehen, dass man mit Vergessen nicht weiterkommt. Jedenfalls nicht dauerhaft. Er muss lernen es auszuhalten, dass Du verletzt wurdest und Vertrauen verloren hast.
Und er braucht Geduld, viel Geduld.
Und Du auch. Jeder Heilungsprozess dauert eben. Wie Löwin schrieb, Kontrolle kann ein bisschen unterstützen, aber neues Vertrauen musst Du ihm irgendwann einfach so schenken. Du wirst das Risiko erneut enttäuscht zu werden einfach eingehen müssen- willst Du mit ihm zusammen glücklich werden. Das zu verstehen und zu verinnerlichen ist eine langwierige Angelegenheit.
Ihr müsst regelmäßig in Kontakt treten und gegenseitig Eure Herzen ausschütten. Ihr beide müsst lernen Euch selber zu trauen und der Beziehung und dem Gegenüber.

Bei uns ist es jetzt nach der Krise so, dass wir nun Konflikte direkt angehen. Es war ist mich eine Riesenlernerfolg meine Frau anzusprechen: Du wir müssen da etwas klären. Und dann Achtsam ihr mitzuteilen, warum mein Wohlbefinden gerade ne Delle hat. Ich habe also die Angst verloren ihr mein inneres zu zeigen. Und sie wiederum hat nicht den Kopf eingezogen, sondern ihre Gefühle, warum es zu der von mir beanstanden Handlungen kommt. Auch offen und ehrlich aber achtsam. Und so konnten wir gemeinsam uns etwas überlegen und entwickeln.
Und weil wir eh grad dabei waren hat sie auch noch etwas angesprochen. 2 Probleme abends um 11 im Bett besprochen und gelöst. Naja, ne Lösung auf Probe besprochen, ob man damit besser leben kann.
Das ist nur möglich, weil wir Vertrauen gelernt haben und dafür haben wir viel Zeit gebraucht. Die Krise ist nun 2,5 Jahre her.
Und wir haben geübt und wurden von außen gestützt.

14.04.2021 08:59 • x 2 #11


BernhardQXY


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Zitat von Mel007:
Zumindest weiß ich jetzt, das ich soweit ganz normal bin , ich hätte nur gerne mein altes Ich zurück.

Völlig nachvollziehbar.
ich habe ne schlechte und ne gute Nachricht:
Vergiss es. Du wirst nicht mehr das alte ich sein. Egal, wie es weitergeht. Du hast die Zäsur erlebt und das verändert Dich.

Die Gute Nachricht:
Du hast jetzt ne Chance bekommen, Dich weiter zu entwickeln. Man sagt, nur mit Krisen kommt man im Leben weiter.

14.04.2021 09:02 • x 3 #12


Trust_him


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Zitat von Mel007:
Mit der Kontrolle, da tue ich manchmal Dinge, die ich mir selber nicht zugetraut hätte .

Anfangs bin ich mit ihm zum Einkaufen gefahren. Dann saß ich zuhause und starrte auf seinen Standort auf Google Maps. Später schaute ich alle paar Minuten. Wieder einige Zeit später schaute ich nur noch nach, wenn es etwas länger als normal dauerte. Heute schaue ich, ob er noch im Supermarkt ist, wenn ich etwas vergessen habe aufzuschreiben, um zu sehen, ob er schon auf dem Rückweg ist oder noch im Markt.
Krank, ich weiß, aber ich finde, eine Entwicklung in Richtung Besserung ist erkennbar

14.04.2021 10:25 • x 3 #13


Trust_him


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Zitat von Mel007:
hätte .
Eigentlich habe täglich diese Flashbacks ...z.b weiß ich noch alle Daten vom letzten Jahr, wo mir was komisch vorkam , ich aber noch nicht wusste was abgeht.

Auch das kenne ich. Ich durchforste in diesen Momenten meist WA, um mich besser erinnern zu können, was da war.
Aber das verbiete ich mir inzwischen. Schließlich ist passiert, was passiert ist. Ich kann es nicht mehr ändern. Detailanalysen bringen mich jetzt nicht mehr weiter. Im Gegenteil, sie werfen mich immer wieder zurück.

14.04.2021 10:30 • x 3 #14


BernhardQXY


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Kenne ich auch.
Sieh es wie Trust_him.
So gaaaaanz langsam verschwinden die Flashbacks.

14.04.2021 10:32 • x 3 #15



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