Zitat von BernhardQXY:Ich habe sozusagen passive Erfahrung an dieser Stelle. Meine Frau hatte eine klassische Affäre und wir hatten uns nicht getrennt. Die emotionale Abhängigkeit meiner Frau von dieser Person war unfassbar und ich stand hilflos daneben.
Heute, nach einem für sie sehr schmerzhaften Weg der Emanzipation für sich selber, hat sie sich zu einer selbstbewussten Person gemacht, die überaus attraktiv daher kommt, entwickelt.
Kann ich voll für mich unterschreiben. Zwar weiß ich nicht ob ich attraktiv daher komme, aber ich habe durch den Umweg und die Verirrung über die Affäre irgendwann erkannt, was alles in mir im Argen lag. Und wenn einem das bewusst wird, geht man anders damit um bzw. lernt auch, schädliche Mechanismen einfach abzuwenden.
Ich hatte beständig bösartige Kobolde in mir, die immer nur eines taten. Sie machten mich schlecht, freuten sich über meine Selbstzweifel und waren maßlos begeistert, wenn ich mich wieder von ihnen leiten ließ. Sie waren hämisch und bösartig: Na, wieder mal auf die Nase gefallen, haben wir es Dir nicht gleich gesagt. Es ist wie immer, Du bist einfach nicht gut genug für dies und das. Da gibt es Menschen, die sind viel besser als Du, die haben alles im Griff, die straucheln nicht, die verrennen sich nicht in Affären, die sowieso kaputt gehen. Aber wir freuen und sehr, denn wir haben es Dir doch gleich gesagt. Das wird eh nichts und jetzt kannst Du schauen wie Du Dich wieder aufrappelst. Hahaha!
Wenn die wieder ankommen, sag ich mittlerweile: Verschwindet und geht in Euerem Schrank, aber ich lass mich von Euch nicht mehr niedermachen. Ja, ich bin gescheitert und das ist in Ordnung so. Lektion gelernt, aber das Büßerhemd ziehe ich mir nicht an.
Ich konnte nach der Affäre in der Ehe bleiben, weil ich auf Augenhöhe zurückkehren konnte. Hätte mein Mann jetzt verlangt, dass ich jetzt für alles und jedes Rechenschaft ablegen muss und dass ich jetzt bereuen muss, hätte die Beziehung das keinesfalls überlebt. Denn dieses Ungleichgewicht hätte zu einer Trennung geführt.
Es dauerte alles seine Zeit, aber seit einigen Jahren ist mir bewusst, was ich mit meinem Mann für ein unfassbares Glück hatte. Er ist viel besser als die anderen da draußen und Männer interessieren mich nicht mehr. Irgendwann bin ich endlich in meiner Ehe richtig angekommen und das fühlt sich jetzt gut und stimmig an. Es passt, keine Zweifel mehr.
Ich hoffe, Johannes findet auch etwas, so oder so. Es sind unglückliche Zeiten, wenn man in so was festhängt und nicht los lassen kann.
Du, Bernhard, hast obwohl es viel Geduld brauchte, auch gewartet, aber es hat sich gelohnt und die Affäre Deiner Frau bedeutete nicht das Ende der Ehe. Man kann wieder zusammen finden, aber man muss sich Zeit nehmen und zwar beide. Wenn man sich auf Augenhöhe begegnen kann und nicht der eine im Büßerhemd wieder zurück kommen muss, kann es funktionieren. Denn man erkennt manchmal gerade durch solche Einbahnstraßen was man eigentlich hat. Und dann braucht man so was wie eine Affäre auch gar nicht mehr.