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Abhängigkeit in der Affäre

Johannes1

Johannes1

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Hallo zusammen.
Mein Thema gibt es tausendfach und dennoch interessiert mich eure Meinung und eventuell Erfahrungen.
Vor zwei Jahren musste ich einen schmerzlichen Trauerfall verkraften und lernte über eine Trauerbegleitung im Netz eine Frau kennen, der es ähnlich erging. Wir schrieben uns gelegentlich und im Laufe der Zeit wurde der Austausch persönlicher und vertrauter. Schließlich telefonierten wir auch und verliebten uns ineinander. Uns beide verband von Beginn an die fehlende Unterstützung seitens unserer Ehepartner in der Phase der größten Trauer. Und damit ist die typische Konstellation benannt: wir sind beide verheiratet, beide ca 20 Jahre, beide nicht sehr glücklich. Seit vier Monaten treffen wir uns alle drei Wochen heimlich und genießen die gemeinsame Zeit in vollen Zügen. Noch ist unsere Affäre zu frisch, als dass wir beide ernsthaft eine Trennung von unseren Ehen in Erwägung ziehen können.
Soweit die Situation.
Jetzt zu meinem persönlichen Problem: leider hat mich diese Affäre von einer Depression in der Trauer nun in ein weiteres schwermütiges Stimmungstief geführt. Diese Affäre bindet meine ganze Aufmerksamkeit, weil sie mich emotional abhängig macht. Ich hänge unglaublich an der Affäre, weil diese Frau mir so vieles schenkt, was ich in meiner Ehe schon länger vermisse: Fürsorge und Zuwendung. Und je nachdem, wie oft und in welcher Form wir Kontakt haben, geht es mir einigermaßen gut oder richtig schlecht. Meist schreiben wir uns und wenn die Anzahl der Nachrichten ihrerseits nachlässt, dann werde ich sofort traurig und trübsinnig. Aufgrund ihrer Ehe kann sie nur selten telefonieren und ungestört schreiben, so dass ich meist derjenige bin, der auf Kontakte warten muss. Dies belastet mich sehr und es ärgert mich, dass ich mich in meiner Stimmung so abhängig davon machen lasse.
Ich suche unentwegt nach Strategien, damit gelassener umzugehen, aber es gelingt mir nicht.
Bitte keine Ratschläge, dass ich selbst Schuld bin, dass ich es beenden könnte, dass es sowieso nicht ok ist. Ja, ja und ja.
Noch, so ehrlich bin ich, gibt mir diese Affäre so viel, als dass ich bereit wäre sie aufzugeben.
Gibt es Meinungen, Erfahrungen und eventuell Tipps, wie ich mich emotional weniger abhängig machen kann?
Danke für's Lesen

26.04.2021 21:04 • #1


Gorch_Fock

Gorch_Fock


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Hallo Johannes, willkommen hier. Also mal Klartext: Alle 3 Wochen trefft ihr Euch irgendwo heimlich und habt S.. In der Zwischenzeit führt ihr - wie fast jede Affaire - Eure emotionale Beziehung über den Messenger. Mit dem hohen Entdeckungsfaktor, mit dem ungedrehten Display, mit den Nachrichten, die von der Toilette aus geschrieben werden.
Von Deiner Frau lesen wir nur, dass ihr "nicht sehr sehr glücklich" seid. Warum ist das so? Was hast Du bis dato getan, um dies zu verbessern? Du schreibst von einer Depression. Hast Du hier schon mal an prof. Hilfe gedacht? Denn besser wird das Ganze nicht, ganz im Gegenteil.
Ich würde Dir empfehlen, mal zu überlegen, was Dich in Deiner aktuellen Beziehung hält. Die üblichen Aussagen a la "ich vermissen die Kinder falls wir uns trennen", unser schönes Haus mit den zig Tausend schulden oder das sie och manchmal ganz nett ist, reichen hier vielleicht nicht aus. So lange Du diese Probleme nicht angehst, wird sich hier nichts ändern.
Dir ist schon klar, dass ein Fehler / ein falscher Satz am Messenger Dein ganzes System sprengen kann? Ihr beide seid durch die Affaire zu dem voll erpressbar. Ein aufmerksamer Nachbar, jemand aus dem Nachbarort der Euch bei den Treffen sieht kann Eure Partner informieren? Und dann?

26.04.2021 21:20 • x 13 #2



Abhängigkeit in der Affäre

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tina1955


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Hallo @Johannes1 Du schreibst, diese Dame kann aufgrund ihrer Ehe nicht so oft schreiben und Du wartest immer darauf, dass sie sich meldet.
Das gibt mir schon zu denken, dass sie doch so keine schlechte Ehe führt. Sie scheint sehr viel mit ihrem Mann gemeinsam zu unternehmen, sie sind also viel und intensiv zusammen. Eine Frau, deren Ehe auch nur auf dem Papier besteht, die nimmt sich einfach auch die Zeit und tut das, was ihr gefällt.

Also Facit: ihre Ehe ist doch nicht so schlecht, wie Dir erzählt.

Dann frage ich mich auch, warum kannst Du mit Deiner Frau nicht über Deine Probleme, die Trauer und die Emotionen sprechen?
Was ist bei Dir in der Ehe nicht in Ordnung, dass Deine Frau Dir in der Hinsicht nicht zur Seite steht, Dich nicht dahingehend unterstützt?

Was stimmt bei Euch nicht?

26.04.2021 22:01 • x 2 #3


commitmentor

commitmentor


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Zitat von Johannes1:
Tipps, wie ich mich emotional weniger abhängig machen kann?

Gehört schlichtweg zu den "Risiken und Nebenwirkungen" einer Affäre. Natürlich sind auch hier nicht alle gleich betroffen. Manch ein AM ist sicherlich weniger gefühlsmäßig verstrickt. Aber bei Dir ist es halt so und ich denke Du wirst hier nur schwer mit einfacher Willenskraft heraus kommen, solange diese Frau Dir - wie Du schreibst - so "viel schenkt".

Schafft es Dir Ernüchterung die Perspektive Deiner Ehefrau oder die Perspektive des EM der AF einzunehmen? Zwei Menschen die in die Irre geführt und damit bewusst in Ihrer Entscheidungsfreiheit beschränkt werden.

26.04.2021 22:13 • x 2 #4


tina1955


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Allein schon die Überlegung im Kopf zu haben, die langjährigen Ehen nach 4 Monaten zu opfern, finde ich sehr fragwürdig.

Wie wäre es denn, wenn Du mal mit Deiner Frau redest, warum sie Dir in der für Dich schweren Zeit, nicht die nötige Aufmerksamkeit schenken konnte?
Da scheint ihr ja schon länger in einem Zustand der Nichtachtung zu hängen, dass Du Dich nicht traust, Deiner Frau zu erklären, was Dir all die Jahre gefehlt hat.
Wann habt ihr denn aufgehört, miteinander zu reden?

26.04.2021 22:35 • x 3 #5


DerBote

DerBote


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Warum beendest du die Ehe nicht, oder gibst deiner Frau die Möglichkeit dies zu tun?
Wenn du nicht glücklich bist und eine andere willst, warum willst du dann deine Ehefrau nicht freigeben oder loswerden?

Ist doch irgendwie unlogisch. Erkläre es mir.

26.04.2021 22:47 • x 8 #6


Erbse73


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Gut...
Die Eigendynamik geht hier schon wieder los...
Ich versuch mal auf deine Hauptfrage einzugehen.
Die emotionale Abhängigkeit kannst du nicht so einfach ablegen. Das besagt ja auch allein der Name
Du befindest dich mitten drin und du bist so ähnlich wie auf Dro....
Strategie: Versuch dich abzulenken. Mach Dinge die dir wirklich Spaß machen. Geh wandern.
Realität:
Ich war in einer ähnlichen Situation. Hab auf Nachrichten gewartet, kam keine wurde ich schlechtlaunig, reizbar etc. Das hat mich richtig runtergezogen!
Bei mir war aber nicht die Ehe der Grund, sondern meine Ungeduld und teilweise "Kindergarten" Spiele. Wenn du Lust hast, lies dir einfach meinen Thread durch.
Lange Rede kurzer Sinn.
Du musst da raus!
Auch ich hab erst zu spät erkannt, dass ich unter einer Depression leide und das die Affäre lediglich das Symptom ist, nicht die Ursache.
An der Ursache musst du arbeiten.
Die Affäre suggeriert dir kurzfristigen Glück und im Endeffekt bist du es am Ende gar nicht.
Du befindest dich in einen Hamsterrad.
Bist unglücklich, Affäre verspricht Glück, macht dich aber wieder unglücklich usw.
Es gibt Leute die machen das Jahre mit und sind am Ende ein seelisches Wrack.
Bei dir ist das alles noch relativ frisch.
Arbeite an dir selbst. An deiner Ehe. An deinen Glück.
Nur du selbst bist dafür verantwortlich und geh da raus und schau auf dich selbst. Reflektiere dich.
Der Schmerz wird am Anfang groß sein, aber irgendwann bist du durch.
Kann sein, dass ich bei dir total daneben liege, aber die Situation kommt mir so bekannt vor, dass ich es einfach loswerden muss.

Btw.
Wandern, spazieren hat mir wirklich geholfen mich und meine Situation zu verstehen und mach Lösungen zu suchen.

26.04.2021 23:45 • x 9 #7


Sentimentalo

Sentimentalo


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Lieber Johannes jetzt bist du am Zug, etwas mehr zu deiner Ehe und sonstigen Ursachen für deine Depression zu erklären.

Es wäre in etwa so wie wenn man in der Werkstatt anruft und sagt, mein Wagen läuft nicht so wie ich mir das vorstelle, er ist grün und hat vier Räder, was könnte das denn sein?

26.04.2021 23:58 • x 5 #8


VictoriaSiempre

VictoriaSiempre


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Zitat von Johannes1:
Vor zwei Jahren musste ich einen schmerzlichen Trauerfall verkraften

Es ist schlimm, wenn man einen geliebten Menschen verliert. Trauer wird sehr individuell erlebt. Ich musste auch schon viele gehen lassen. Darf ich fragen, wer verstorben ist?

Zitat von Johannes1:
Uns beide verband von Beginn an die fehlende Unterstützung seitens unserer Ehepartner in der Phase der größten Trauer.

S. o.: Trauer wird sehr unterschiedlich erlebt. Viele Paare finden z. B. nicht mehr zueinander, wenn ein gemeinsames Kind verstorben ist. Das wird bei Dir, denke ich, aber nicht der Fall sein, denn dann würde Deine Frau auch trauern - wenn auch vielleicht anders.

Zitat von Johannes1:
Jetzt zu meinem persönlichen Problem: leider hat mich diese Affäre von einer Depression in der Trauer nun in ein weiteres schwermütiges Stimmungstief geführt.

Von einer Depression in die nächste. So besonders gut tut Dir die Affäre anscheinend nicht...

Zitat von Johannes1:
Ich hänge unglaublich an der Affäre, weil diese Frau mir so vieles schenkt, was ich in meiner Ehe schon länger vermisse: Fürsorge und Zuwendung.

Du vermisst es also schon länger!? Nicht erst seit dem Trauerfall?

Zitat von Johannes1:
Aufgrund ihrer Ehe kann sie nur selten telefonieren und ungestört schreiben, so dass ich meist derjenige bin, der auf Kontakte warten muss.

Du hättest demnach trotz Deiner Ehe jederzeit die Möglichkeit, jederzeit zu telefonieren oder ungestört zu schreiben? Hmm. Wie sieht es mit Deiner Fürsorge und Zuwendung zu Deiner Frau aus?

Zitat von Sentimentalo:
Lieber Johannes jetzt bist du am Zug, etwas mehr zu deiner Ehe und sonstigen Ursachen für deine Depression zu erklären.

Das sehe ich auch so. Ins Detail musst Du nicht gehen, aber grundsätzlich denke ich auch, dass da schon länger einiges im Argen lag.

Ein Trauerfall kann ja durchaus auch ein Augenöffner sein: Wenn man erlebt (auch wenn man es eh weiß), dass das Leben endlich ist, stellt man sich ja häufig die Frage "Wie will ICH den Rest meines Lebens verbringen?" Wobei das für mich vor allem gilt, wenn nahestehende Menschen "vor der Zeit", mitten aus dem Leben und verhältnismäßig jung sterben mussten. Wenn alte Eltern oder Großeltern sterben, dann ist es nicht minder schmerzhaft - aber eben leider doch der normale Verlauf eines Lebens.

Also, lieber Johannes: Was willst Du? In Deiner Ehe bleiben, auch wenn Du Dich da nicht mehr geliebt und gewertschätzt fühlst? Bis dahin darauf warten, dass Deine Affärenfrau sich trennt, um mit ihr in den Sonnenuntergang zu reiten? Bis dahin unzufrieden und unglücklich sein? Und falls sie sich trennen sollte: Dann servierst Du Deine Ehe ab?

Nutz Deine Trauer besser konstruktiv und nimm Dein Leben in die Hand. Beende Deine Ehe, wenn sie so kagge ist. Übernimm Verantwortung für Dich und schieb sie nicht auf andere.

27.04.2021 00:46 • x 5 #9


Lebensfreude

Lebensfreude


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Johannes hat vor 3 Stunden diesen Thread eröffnet, antwortet aber nicht!

27.04.2021 00:56 • x 2 #10


Milly85

Milly85


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Zitat von Lebensfreude:
Johannes hat vor 3 Stunden diesen Thread eröffnet, antwortet aber nicht!


Naja vielleicht kann er ja gerade nicht, um die Uhrzeit ist man ja auch oft mit der frau im Ehebett. Soll er das riskieren, dass sie nebenher sieht, wie er in dem Forum hier aktiv ist? Der antwortet schon noch.

27.04.2021 01:08 • x 2 #11


Sentimentalo

Sentimentalo


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Zitat von Lebensfreude:
Johannes hat vor 3 Stunden diesen Thread eröffnet, antwortet aber nicht!


Hallo Lebensfreude, irgendwann müssen unsere Klienten ja auch mal schlafen wir sind ja nicht beim Kriminaldauerdienst

Sonst kommen wieder Threads wie "... - nächtelang wach"!

27.04.2021 01:57 • x 3 #12


Lebensfreude

Lebensfreude


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Zitat von Sentimentalo:
Hallo Lebensfreude, irgendwann müssen unsere Klienten ja auch mal schlafen wir sind ja nicht beim Kriminaldauerdienst Sonst kommen wieder Threads wie "... - nächtelang wach"!

jajaja

27.04.2021 01:59 • #13


Johannes1

Johannes1


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Danke für die Antworten.
Ich verfolge dieses Forum auch bereits länger passiv und mir war klar, dass mir erstmal ordentlich der Kopf gewaschen wird. Es gibt keine Rechtfertigung für meine Affäre. Es war auch nicht meine Intention

27.04.2021 06:27 • #14


Lumba


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Du hast Dir eine Krücke besorgt @Johannes, weil Du nicht selbst gehen wolltest / konntest.

Das ist Dir auch bewusst.

Deshalb bist so abhängig und genervt. Das ist Dir auch in weiten Teilen bewusst. Es wird der Tag kommen, da entscheidest Du aktiv, dass Du wieder aufrecht gehen und Dein Leben in die Hand nehmen willst oder die Entscheidung wird Dir abgenommen.

Das Letztere ist übelst hart, aber vermutlich zu erwarten. Denn "Krücken" haben ein Ablaufdatum, denn es ist meist nichts Reales.

Mein Rat: kümmere Dich um Dich, vielleicht Therapie, neues Hobby - what ever. Und leg das verdammte Handy mal aus der Hand und lebe.

27.04.2021 06:28 • x 4 #15



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