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Abhängigkeit

Tomatensuppe

Hallo,
ich suche nun schon seit einiger Zeit Ratgeber in Form von Büchern,die das Thema Abhängigkeit in Beziehungen behandeln. Kann mir hier jemand bestimmte Werke empfehlen?

Und zuletzt noch eine allgemeine Frage:

Ich lese so oft hier im Forum, dass vielen nach der Trennung ein "Licht aufging", weil sie merkten von ihrem alten Partner abhängig gewesen zu sein. Zum Beispiel weil sie ihre sozialen Kontakte nicht mehr gepflegt haben und ihr Leben voll auf den Partner fokussierten.

Nun, aber in gewisser Weise ist es doch immer so, wenn man verliebt ist, dass dann natürlich erstmal der neue Freund im Mittelpunkt steht. Was ich damit sagen will: Es liegt doch in der Natur der Sache, dass wenn etwas Neues ins Leben tritt, man dann immer dieser neuen Sache etwas mehr Aufmerksamkeit schenkt.
Genau so ist es ja wenn ich Single bin. Dann mache ich mehr mit mir alleine oder ggfs. mit Freunden, weil dann eben kein Partner "da ist". Das ist ja auch völlig und die natürliche Konsequenz des Single-Daseins.
Und im Forum habe oft gelesen, dass dies kritisiert wird. Und da verstehe ich eben nicht warum.

Versteht jemand was ich meine?

Schönes Wochenende

13.09.2014 08:34 • #1


Tsumitsuki

Tsumitsuki


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Hallo Tomatensuppe,

Ich verstehe was du meinst. Das man in der Anfangsphase der Beziehung nur noch Augen für sich hat und sehr viel miteinander unternimmt ist meiner Meinung nach ganz normal. Wie du schon sagst, man möchte das Neue kennen lernen.
Diese Anfangsphase ist es höchstwahrscheinlich auch nicht was hier immer wieder kritisiert wird. Es geht darum, wenn es dauerhaft so ist und über Monate oder sogar Jahre hinweg anhält. Es gibt Menschen (mich leider eingeschlossen) die sich komplett auf den Partner fixieren und alles um sich herum vergessen. Ich habe durch meine letzte Beziehung leider auch meine Freundschaften nicht gepflegt. Nun stehe ich fast komplett alleine da. Es existiert plötzlich nur noch diese eine Person im Leben und man will so viel Zeit wie möglich mit ihr verbringen. Ich bereue es jetzt zutiefst, dass ich mich so an ihn geklammert habe.

Ich hoffe ich habe deine Frage damit beantwortet. Wenn dir noch etwas unklar sein sollte, frag einfach nochmal nach

13.09.2014 08:49 • #2



Abhängigkeit

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Spaceboy


Um das zu verstehen musst du begreifen, dass es einen Unterschied zwischen soziokulturellen Vorstellungen und Prägungen und psychologischer Salutogenese gibt. Oder um es mit einfachen Worten zu sagen: Das, was gesellschaftlich als normiert betrachtet wird, ist nicht immer das, was am gesündesten für uns selbst ist. Oder um es noch anders zu sagen: Nur weil es viele Leute praktizieren, wird es nicht automatisch richtiger.

Es hängt immer sehr von der Ausgangslage des Einzelnen ab, in wie weit da Muster entwickelt werden, die eine Abhängigkeit nach sich ziehen. Alle diese Muster haben eines gemeinsam: Man BRAUCHT etwas, man ist bedürftig. Verliebtheit hin oder her - damit man nicht in eine Abhängigkeit rutscht, muss man aufhören "zu brauchen". Und das ist ne Trickkiste, die allein schon sehr viel Selbstreflexion erfordert. Das lernt man nicht mal eben zwischendurch. Die Arbeit liegt also bei einem selbst, nicht in der Beziehung als solches.

Wenn du jetzt eine einfache Antwort erwartet hast, wie man "mal eben aufhören kann, abhängig zu sein", tuts mir leid. Das Thema ist einfach zu komplex um es in ein Forenposting zu quetschen.

13.09.2014 09:05 • x 2 #3


Hinrich


Zitat von Tomatensuppe:
Genau so ist es ja wenn ich Single bin. Dann mache ich mehr mit mir alleine oder ggfs. mit Freunden, weil dann eben kein Partner "da ist". Das ist ja auch völlig und die natürliche Konsequenz des Single-Daseins.
Und im Forum habe oft gelesen, dass dies kritisiert wird. Und da verstehe ich eben nicht warum.


Hallo,
die Kritik daran geht vielleicht in folgende Richtung: Du fängst erst an etwas "alleine oder ggfs. mit Freunden" zu machen, weil eben gerade kein Partner da ist. Der Knackpunkt ist aber, dass Du eben auch, wenn ein Partner "da ist" etwas "alleine oder ggfs. mit den Freunden" machen musst und kannst. Tust, oder noch schlimmer, kannst Du das nicht, rutschst Du eben in eine Symbiose oder infantile Abhängigkeit von Deinem Partner und die Spirale fängt sich an zu drehen, die zum Scheitern der Beziehung und zu unsäglichem Liebesleid führen wird. Die Phase der Verliebtheit nehme ich davon aus. Da ist der Mensch einfach nicht mehr Herr seiner selbst.
Bei vielen ist es ja so, dass erst der Partner einen Lebenssinn vermittelt, Selbstbewusstsein gibt oder Beschäftigung ermöglicht; also alles Dinge, die in einem "gesunden" und erwachsenen Menschen eigentlich von sich heraus existent sein sollten.
Was meinst Du denn, warum hier ganz viele Menschen in ein tiefes, dunkles Loch fallen? (Mit Ausnahmen natürlich, bei denen andere Mechanismen eine Rolle spielen.)
Da kommen dann immer Tipps von Forenmitgliedern, dass man z.B. seinen Hobbies nachgehen soll. Und dann sieht man ganz oft, dass diese Menschen so etwas eigentlich nicht haben. Da ist nichts. Einfach nichts. Nur tiefe, dunkle Leere. Und diese "Leere" wurde eben in der Beziehung durch den Partner gefüllt. So entsteht Abhängigkeit, die man tatsächlich mit einer Dr0ge vergleichen kann. Deshalb auch die schweren Entzugserscheinungen, die über "normalen" Herzschmerz hinausgehen.

Verstehst Du das jetzt vielleicht etwas besser?

Beste Grüße!

13.09.2014 09:49 • #4


manfredus


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Hallo Tomatensuppe,

Zitat von Tomatensuppe:
Hallo,
ich suche nun schon seit einiger Zeit Ratgeber in Form von Büchern,die das Thema Abhängigkeit in Beziehungen behandeln. Kann mir hier jemand bestimmte Werke empfehlen?


"Ich lieb Dich nicht, wenn Du mich liebst" von Cassandra Phillips und Dean C. Delis.

Mfg
Manfredus

13.09.2014 10:00 • #5


power


sehr gute zwei beiträge von spaceboy und hinrich !

danke ... macht "lust" auf noch mehr davon, obwohl es ja klar formuliert wurde.
würde gerne noch etwas mehr über diese "komplexität", von der spaceboy geschrieben hat, erfahren...

13.09.2014 10:03 • #6


Tomatensuppe


Hallo ,

erst mal danke für eure Antworten.

@ Manfredus
Zitat:
"Ich lieb Dich nicht, wenn Du mich liebst" von Cassandra Phillips und Dean C. Delis.


Ich kenne dieses Buch schon, habe es während meiner Trennungsphase oft gelesen. Das Buch beschreibt ja grundsätzlich nur das Problem, wenn der eine Partner mehr liebt als der andere, weil er eben viel mehr von sich in die Beziehung einbringt und der andere dann als Konsequenz weniger liebt, weil er ja dann meint, er müsste nicht mehr so viel für die Beziehung tun. Aber DAS ist nicht das was ich meine, denn mir geht es generell um Abhängigkeit. Um das Muster/den Mechanismus der Abhängigkeit selbst. Ich meine damit Menschen die nach ihrer Beziehung festgestellt haben, dass sie abhängig waren und sich die Beziehung eigentlich nur um eine Person gedreht hat.

@ Spaceboy: Könntest du das vielleicht näher ausführen? Ich lese gerade deine Zeilen und frage mich gerade wo der Zusammenhang ist bei:

Zitat:
Das, was gesellschaftlich als normiert betrachtet wird, ist nicht immer das, was am gesündesten für uns selbst ist. Oder um es noch anders zu sagen: Nur weil es viele Leute praktizieren, wird es nicht automatisch richtiger.


Ich weiß nicht, ob ich dich jetzt richtig verstanden habe. Ich bin jemand der sich eigentlich ziemlich vielen gesellschaftlichen Normen entzieht. Z.B. lehne ich es ab Kinder zu haben und eine Familie zu gründen, weil ich das Bedürfnis nicht habe und mich über den Duktus der Gesellschaft hinwegsetze, der da lautet („Das macht man aber so“).
Des Weiteren male ich mir zur Fußball-WM keine bunte Farbe ins Gesicht und setze mir keine Mütze auf den Kopf und tue so als wenn das so „gesellschaftskonform“ wäre. (Kurze Zwischenfrage: Warum wird denn jemand auf der Straße dumm angeschaut, wenn er im Hochsommer mit lilafarbenen Haaren und knallgelben Regenschirm in der Stadt unterwegs ist? Hat denn nicht jeder das Recht auf Individualismus?)

Und ich war auch noch nie in einem örtlichen Verein oder in der Jugendfeuerwehr oder beim Stammtisch, nur weil es vielleicht eine Partei namens CDU gibt, die der Meinung ist, man müsste als normaler Mensch all diese Dinge tun, weil man ja sonst kein "normaler Mensch" wäre, und unter Umständen noch "asozial".

@ Hinrich:
Zitat:
Du fängst erst an etwas "alleine oder ggfs. mit Freunden" zu machen, weil eben gerade kein Partner da ist. Der Knackpunkt ist aber, dass Du eben auch, wenn ein Partner "da ist" etwas "alleine oder ggfs. mit den Freunden" machen musst und kannst.


Das ist klar, aber ich kenne ehrlich gesagt niemanden der seinen kompletten Freundeskreis wegen einer Beziehung aufgegeben hat.
Wenn ich Single bin und als festes Ritual jeden 2 oder 3. Tag mit einer sehr gut Freundin Kaffee trinke, fällt es mir unter Umständen nicht schwer das aufrechtzuerhalten.
Wenn ich dann aber in einer Beziehung bin hat auch der andere Partner „Ansprüche“. Das heißt, ich werde vermutlich dieses feste Ritual aufgeben, weil ich in der Zeit eben mehr mit meinem Partner mache. Das hat dann zur Konsequenz, dass ich mich dann mit besagter Freundin nur noch jeden 5. oder 6. Tag treffe. Das heißt, es tritt auf jeden Fall eine Veränderung durch den Partner ein. Die Lebensumstände ändern sich und mein bisheriges Leben wird auf jeden Fall nicht mehr so verlaufen wie es bis jetzt verlief…
Ich versuche schon so gut es geht das zu beschreiben was ich meine… *seufz*

13.09.2014 10:23 • #7


Neuland


Hallo Spaceboy und Hinrich,

ich spreche euch beide an weil mir eure Beiträge gefallen.

ich plage mich auch mit der Abhängigkeitsthematik herum. Frage mich, ob ich ein dependenter Typ bin. Allerdings kenne ich nicht diese Leere ohne Partner, ich empfinde mein Leben als "gefüllt" aber trotzdem stelle ich bei mir folgendes fest:

- starke gedankliche Fixierung auf den Partner bzw. das Beziehungsproblem (Grübelzwang)

- Und trotz einem weitesgehend erfülltem Leben fehlt mir etwas wesentliches ohne Partner. Ich empfinde es nicht als Lücke, sondern mir fehlt einfach Nähe, vor allem das alltägliche Teilen, sich mitteilen, Anteilnahme...

- ich bin sehr gerne allein, habe viele Interessen aber da ist so ein Gefühl, dass erst die Partnerschaft dem ganzen einen "Fixpunkt" gibt. Stellt es euch ein wenig so vor, dass ein Mensch durch die Welt reist, alles mögliche erkundet, viel Freude hat...sie dann aber in der "Heimat" mit jemandem teilen will. Ohne Beziehung ist da etwas unbezogenes.

Ich kann auch ohne Beziehung, hatte wenige Beziehungen und bin immer wieder über längere Zeit singel und lasse mich nicht auf "irgendjemanden" ein aber dennoch ist da die Sehnsucht nach dem einen Partner, mit dem ich das Gefühl der Heimat, der Familie teile.

Ist das noch der normale Rahmen oder bin ich ein abhängiger Typ?

vielen Dank,

Neuland

13.09.2014 10:28 • #8


Neuland


Zitat:
Das ist klar, aber ich kenne ehrlich gesagt niemanden der seinen kompletten Freundeskreis wegen einer Beziehung aufgegeben hat.
Wenn ich Single bin und als festes Ritual jeden 2 oder 3. Tag mit einer sehr gut Freundin Kaffee trinke, fällt es mir unter Umständen nicht schwer das aufrechtzuerhalten.
Wenn ich dann aber in einer Beziehung bin hat auch der andere Partner „Ansprüche“. Das heißt, ich werde vermutlich dieses feste Ritual aufgeben, weil ich in der Zeit eben mehr mit meinem Partner mache. Das hat dann zur Konsequenz, dass ich mich dann mit besagter Freundin nur noch jeden 5. oder 6. Tag treffe. Das heißt, es tritt auf jeden Fall eine Veränderung durch den Partner ein. Die Lebensumstände ändern sich und mein bisheriges Leben wird auf jeden Fall nicht mehr so verlaufen wie es bis jetzt verlief…


Hallo Tomatensuppe,

ich nehme an, dass das recht normal ist. Man muss sich nur die Freunde anschauen, die eine Familie gründen. Natürlich haben sie ganz andere Dinge zu tun, als z.B. jeden 2. Tag mit der besten Freundin oder dem besten Freund zu telefonieren. Der Tagesablauf, die Themen, die Aufgaben ändern sich eben. Problematisch wird es wenn man außer dem Partner, der Familie nichts anderes mehr im Kopf hat. Das Interesse völlig abfällt. Das geschieht ja sogar, wenn man neue Wege geht, z.B. einen neuen Weg einschlägt, etwa eine Ausbildung beginnt.

Vielleicht meint Spaceboy, dass es Kulturen gibt, in denen man sich als Paar, als Familie nicht so sehr aus sozialen Bezügen zurück zieht, wie bei uns. Da sitzen Großeleltern, Onkel, Tanten...mit im Boot. Die Hütte ist immer voll So kenne ich es von Italienern, Griechen, Türken, Russen...Aber ich kann mir vorstellen, dass das nicht so viel über die Abhängigkeitsthematik aussagt, denn man kann auch völlig auf den Partner fixiert sein, wenn im Wohnzimmer Abend für Abend die Verwandten plaudern

Andersherum kann man ein absoluter Einzelgänger sein, zurückgezogen leben, ein zwei Freunde und einen Partner haben und trotzdem innerlich autark sein. Schwierig...Hmmm...

13.09.2014 10:38 • #9


Hinrich


Zitat von Tomatensuppe:
Das Buch beschreibt ja grundsätzlich nur das Problem, wenn der eine Partner mehr liebt als der andere, weil er eben viel mehr von sich in die Beziehung einbringt und der andere dann als Konsequenz weniger liebt, weil er ja dann meint, er müsste nicht mehr so viel für die Beziehung tun.

Das halte ich für eine unsinnige Herangehensweise an das Thema "Liebe". Entweder man liebt oder nicht. Ein "mehr" oder "weniger" gibt es eigentlich nicht, nur verschiedene Sprachen oder Ansprüche.
Es ist beispielsweise so, dass ein Mensch, der eine symbiotische, "kranke" Beziehung mit jemandem anstrebt, der eine "gesunde", auf Freiheit basierte, Partnerschaft leben möchte, ganz sicher den Eindruck gewinnt, er würde "mehr lieben". Er bekommt vom anderen eben einfach nicht die 100% Aufmerksamkeit, derer er bedürftig ist. Aber das heißt nicht, dass der andere zu wenig liebt!

Zitat:
Wenn ich dann aber in einer Beziehung bin hat auch der andere Partner „Ansprüche“. Das heißt, ich werde vermutlich dieses feste Ritual aufgeben, weil ich in der Zeit eben mehr mit meinem Partner mache. Das hat dann zur Konsequenz, dass ich mich dann mit besagter Freundin nur noch jeden 5. oder 6. Tag treffe. Das heißt, es tritt auf jeden Fall eine Veränderung durch den Partner ein. Die Lebensumstände ändern sich und mein bisheriges Leben wird auf jeden Fall nicht mehr so

Klar, aber was ist mit Deinen Ansprüchen? Warum nicht Deine festen Rituale beibehalten, nur um es einem anderen recht zu machen? Das führt zur Selbstaufgabe. Ein gesundes Maß ist da sicher wichtig. Wenn es unerwachsenen Männern zum Beispiel wichtig ist, mit den Kumpels täglich in der Kneipe zu hocken, Fußball zu schauen oder auf Lan-Parties zu gehen, während die Partnerin einsam daheim sitzt und den Haushalt schmeißt, dann geht das sicher zu weit. Aber von solchen Fällen reden wir hier hoffentlich nicht.
Partnerschaften sind ganz klar mit Kompromissen verbunden, aber sollten die nicht einseitig gemacht oder gar gefordert werden.

13.09.2014 10:40 • #10


Hinrich


Zitat von Neuland:
Hallo Spaceboy und Hinrich,

ich spreche euch beide an weil mir eure Beiträge gefallen.

ich plage mich auch mit der Abhängigkeitsthematik herum. Frage mich, ob ich ein dependenter Typ bin. Allerdings kenne ich nicht diese Leere ohne Partner, ich empfinde mein Leben als "gefüllt" aber trotzdem stelle ich bei mir folgendes fest:

- starke gedankliche Fixierung auf den Partner bzw. das Beziehungsproblem (Grübelzwang)

- Und trotz einem weitesgehend erfülltem Leben fehlt mir etwas wesentliches ohne Partner. Ich empfinde es nicht als Lücke, sondern mir fehlt einfach Nähe, vor allem das alltägliche Teilen, sich mitteilen, Anteilnahme...

- ich bin sehr gerne allein, habe viele Interessen aber da ist so ein Gefühl, dass erst die Partnerschaft dem ganzen einen "Fixpunkt" gibt. Stellt es euch ein wenig so vor, dass ein Mensch durch die Welt reist, alles mögliche erkundet, viel Freude hat...sie dann aber in der "Heimat" mit jemandem teilen will. Ohne Beziehung ist da etwas unbezogenes.

Ich kann auch ohne Beziehung, hatte wenige Beziehungen und bin immer wieder über längere Zeit singel und lasse mich nicht auf "irgendjemanden" ein aber dennoch ist da die Sehnsucht nach dem einen Partner, mit dem ich das Gefühl der Heimat, der Familie teile.

Ist das noch der normale Rahmen oder bin ich ein abhängiger Typ?

vielen Dank,

Neuland


Ich bin zwar kein Fachmensch auf dem Gebiet, aber gewisse Abhängigkeitsmuster sehe ich in Deinem Fall schon.

Bei mir ist es beispielsweise überhaupt nicht so, dass ich in der Partnerschaft ständig über sie nachdenken muss. Ich finde es schön, dass sie einfach "ist" und trage meine Partnerin im Herzen; weiß das sie da ist. Das reicht.
Mitteilen kann man sich, so finde ich, auch auf andere Weise. Dafür hat man Freunde, Kollegen, die Familie und die ganzen Kommunikationswege, die uns heute zur Verfügung stehen. Natürlich ist es schön, das Leben mit einer geliebten Person zu teilen. Aber ob das wirklich notwendig ist? Ich bin mir da nicht sicher.
Ich verstehe Dein Gefühl schon irgendwie, aber bei mir ist es beispielsweise keine "Sehnsucht". (Da steckt übrigens schon wieder die "Sucht", also die "Abhängigkeit" drin.) Wenn ich mich verliebe oder ein Mensch in mein Leben tritt, der eine Beziehung mit mir will, so ist das schön, aber ich "sehne" das nicht herbei.

Beste Grüße!

13.09.2014 10:57 • #11


Neuland


Danke für Deine Antwort.

Zitat:
Bei mir ist es beispielsweise überhaupt nicht so, dass ich in der Partnerschaft ständig über sie nachdenken muss. Ich finde es schön, dass sie einfach "ist" und trage meine Partnerin im Herzen; weiß das sie da ist. Das reicht.


Nein bei mir besteht dieser Grübelzwang nur wenn es Konflikte gibt, sonst geht es mir ähnlich wie Dir.
Es ist auch nicht so, dass ich unentwegt einen Partner herbeisehne, eher ist es so, dass diese Sehnsucht immer mal wieder aufflammt. Mal stärker, mal schwächer. Ich kann gut allein sein, bin nie ein Beziehungshopper gewesen Das heißt, ich will nicht mit irgendwem mein Leben teilen, das gibt mir nichts aber nach Deinem Post frage ich mich, ist da wirklich eine Abhängigkeitstendenz oder ist Beziehung/Familie nicht auch ein menschliches Grundbedürfnis? Ich kenne viele Menschen, die von einer Beziehung in die nächste hüpfen, mal dies, mal jenes ausprobieren...So ist es bei mir nicht. Ich lebe mei Leben und forciere auch nicht, einen Partner kennenzulernen (Singelbörsen, Parties etc.) aber grundsätzlich wünsche ich mir ein erweitertes Zuhause mit einem Partner, einer Familie. Ich tappe im Dunklen.

Zitat:
Mitteilen kann man sich, so finde ich, auch auf andere Weise. Dafür hat man Freunde, Kollegen, die Familie und die ganzen Kommunikationswege, die uns heute zur Verfügung stehen.


Das ist klar und das tue ich auch und gerne aber kein Freund, Bekannter nimmt so sehr Anteil wie ein Familienmitglied, mit kaum einem Freund plant man eine Zukunft, nimmt auch so viel Anteil am Werdegang, der Entwicklung eines Menschen wie es Eltern, Geschwister, Partner tun.

Ist es wirklich so, heißt, bist Du ganz ehrlich zu Dir wenn Du dies schreibst?

Zitat:
Wenn ich mich verliebe oder ein Mensch in mein Leben tritt, der eine Beziehung mit mir will, so ist das schön, aber ich "sehne" das nicht herbei.


Verstehe es nicht falsch. Ich möchte Dir nichts unterstellen aber ich kenne keinen Menschen, der seit langem Single ist und trotz Zufriedenheit mit seinem Leben nicht sagt: och, ich hätte schon gerne einen Partner (selbst wenns kein Muss ist, ist es bei mir auch nicht).

Mir fehlt einfach dieses Gefühl: ich erlebe und mache und tue und habe viel Spaß und auch viele Anstrengungen dabei und möchte abends z.B. das Telefon in die Hand nehmen und das ganze Teilen.

13.09.2014 11:17 • #12


MannmitBekannte.


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Zitat von Tomatensuppe:
Ich lese so oft hier im Forum, dass vielen nach der Trennung ein "Licht aufging", weil sie merkten von ihrem alten Partner abhängig gewesen zu sein. Zum Beispiel weil sie ihre sozialen Kontakte nicht mehr gepflegt haben und ihr Leben voll auf den Partner fokussierten.


Hallo Tomatensuppe

Nicht soooo die Überraschung. Auf allerlei Ebenen sind Menschen von ihrer Umwelt abhängig, selbst entfernte Asiaten oder Wüstenölfreaks haben eine wichtige Bedeutung für unser reales Leben. PartnerIn ist von Natur aus nah, Verbindung kann bis zu gemeinsamen Kindern, Haus, wirtschaftlicher Lebensgrundlage, psychischer Heimat und rundum bestehen. Verlust kann dann schon negative Wirkungstreffer zeitigen, normal und deshalb noch lange nicht unkritisch. Über Abhängigkeit danach jammern ist so üblich wie unergiebig.

Kritisch ist so die Ausprägung auf eigener Schwäche beruht und man weiter auf einem toten Pferd reiten will.

Das sind zwei verschiedene Paar Schuhe. Abhängigkeit in einer vernetzten Welt ist in der Besetzung einer innig-nahen Position sicher.

Das hier oben geht mir zu sehr in Richtung unbefleckte Empfängnis, als ob Dauerentzug besser als Entzugsrisiko sein würde.

Nö, Stärke ist gut. Geht was in die Brüche macht Mensch neu, Punkt.

13.09.2014 11:29 • #13


Hinrich


Zitat von Neuland:
Nein bei mir besteht dieser Grübelzwang nur wenn es Konflikte gibt, sonst geht es mir ähnlich wie Dir.
Es ist auch nicht so, dass ich unentwegt einen Partner herbeisehne, eher ist es so, dass diese Sehnsucht immer mal wieder aufflammt. Mal stärker, mal schwächer. Ich kann gut allein sein, bin nie ein Beziehungshopper gewesen Das heißt, ich will nicht mit irgendwem mein Leben teilen, das gibt mir nichts aber nach Deinem Post frage ich mich, ist da wirklich eine Abhängigkeitstendenz oder ist Beziehung/Familie nicht auch ein menschliches Grundbedürfnis? Ich kenne viele Menschen, die von einer Beziehung in die nächste hüpfen, mal dies, mal jenes ausprobieren...So ist es bei mir nicht. Ich lebe mei Leben und forciere auch nicht, einen Partner kennenzulernen (Singelbörsen, Parties etc.) aber grundsätzlich wünsche ich mir ein erweitertes Zuhause mit einem Partner, einer Familie. Ich tappe im Dunklen.

Okay, da ticken wir ähnlich und es sicher auch ganz normal, dass man sich in Krisenzeiten Gedanken macht. Dazu sind sie da.
Klar, plane ich auch eine Familie. Aber das lasse ich auf mich zukommen. Dafür muss es wirklich passen. Wenn ich aber eine echte Sehnsucht habe, ist die Gefahr eben auch groß, unüberlegt zu handeln und sich auf die falsche Partnerin einzulassen. Stichwort: "Torschlusspanik".

Zitat:
Ist es wirklich so, heißt, bist Du ganz ehrlich zu Dir wenn Du dies schreibst?

Na klar! Ich schreibe doch hier nicht, um irgendwie toll zu klingen.

Zitat:
Verstehe es nicht falsch. Ich möchte Dir nichts unterstellen aber ich kenne keinen Menschen, der seit langem Single ist und trotz Zufriedenheit mit seinem Leben nicht sagt: och, ich hätte schon gerne einen Partner (selbst wenns kein Muss ist, ist es bei mir auch nicht).

Ich bin ja noch nicht "seit langem" Single. Aber ich war es auch schon für lange Zeit und bin danach nicht zerbrochen. Und meine Frauen sind immer in Zeiten in mein Leben getreten, in denen ich absolut kein Bedürfnis nach Partnerschaft hatte und mit mir selbst zufrieden war. Das ist einfach so.

Zitat:
Mir fehlt einfach dieses Gefühl: ich erlebe und mache und tue und habe viel Spaß und auch viele Anstrengungen dabei und möchte abends z.B. das Telefon in die Hand nehmen und das ganze Teilen.

Wie schon gesagt: dafür habe ich auch Freunde.

13.09.2014 11:35 • #14


Tomatensuppe


Zitat:
Das halte ich für eine unsinnige Herangehensweise an das Thema "Liebe". Entweder man liebt oder nicht. Ein "mehr" oder "weniger" gibt es eigentlich nicht, nur verschiedene Sprachen oder Ansprüche.

Hinrich, dann hast du das Buch nicht gelesen. Es geht nicht darum, dass man BEWUSST weniger oder mehr liebt. Das sind Prozesse die automatisch entstehen und gegen die man sich nicht wehren kann.
Das Buch geht von den beiden Positionen des „Unterlegenen“ und „Überlegenen“ aus. Das sind sehr passende Begriffe, denn sie beschreiben das Problem recht gut.

Das Muster ist: Der Überlegene verliert einen Teil seiner Gefühle (oder in manchen Fällen auch alle – dafür sind bestimmte Gründe die Ursache). Das merkt der Unterlegene natürlich und versucht deshalb mit allen Mitteln den Unterlegenen wieder dazu zu bringen zu lieben. Die Methoden sind mannigfaltig. Jedenfalls ist die Konsequenz, dass sich der Überlegene aufgrund der Werbungsversuche des Unterlegenen immer mehr zurück zieht. Das kann sogar so weit gehen, dass der Überlegene jeglichen Respekt und Achtung vor dem Unterlegegen verliert, weil dieser alles menschenmögliche versucht um dem Partner wieder zu gefallen.
Aus eigener Erfahrung kann ich sagen, dass das so zutrifft! Ich war geschockt als ich das Buch gelesen habe , weil ich mich darin zu 100% erkennt habe!

Ich hatte bis jetzt 2 Beziehungen in meinem Leben die beide gescheitert sind. In der ersten Beziehung war ich am Ende die unterlegene Person und in der 2. Beziehung war ich der Überlegene.
Aber das hat NICHTS mit WOLLEN zu tun! Ich hätte in meiner 2. Beziehung gerne die Gefühle wieder gehabt, aber es ging nicht! Stattdessen habe ich alle Achtung vor meinem Ex-Freund verloren.

13.09.2014 11:35 • #15



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