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Abschied durch Tod- Trauerecke

Harry_50
Ich träume nachts öfter von meiner Frau und was für Spaß in jungen Jahren hatten. Manchmal höre ich ihre Stimme und denke. das ist doch nicht möglich. Die Stimme wird immer deutlicher, aber ihr Platz im WZ im Pflegesessel ist leer.

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M
Zitat von E-Claire:
Bis zum Schluss war es schön mit meinem Vater, wir konnten stundenlang reden, lachen - er fehlt mir.

Das ist doch etwas sehr Schönes. Auf der anderen Seite kann man aber auch erleichtert sein, dass das Leiden ein Ende hat - auch das eigene darf mal gehen.

Bei mir haben sich innerhalb weniger Tage viele Änderungen ergeben.
Die Frau meines Vaters erlitt einen Sturz in der Wohnung und zog sich einen Hüftbruch zu. Glücklicherweise waren gerade die Tochter und deren Mann auch da und holten den Rettungsdienst. Mein Vater hat Pflegegrad 3 und ist dement, aber nicht ganz, also nicht weggetreten.. Aber er vergisst sehr viel. Wenn ich frage, warst du heute im Krankenhaus, überlegt er. War es gestern oder heute nachmittag? Oder er findet seine Unterhosen nicht mehr, obwohl sie dort liegen, wo sie seit Jahren liegen.

Tja, jetzt ist also der Betreuende weg, voraussichtlich für längere Zeit, für Wochen und ich bin jetzt die Einzige, die vor Ort ist und für ihn zuständig ist. Ich habe ein Riesenglück, weil mich mein Mann sehr unterstützt und mir viel abnimmt. Aber von heute auf morgen ist meine Freiheit weg.
Morgens mache ich ihm 2 belegte Brötchen und einen Kaffee, den ich ihm dann bringe. Ich muss ja erst hinfahren und dann fahre ich in die Arbeit. Dann stelle ich ihm Teller und Tasse hin und er ist erst Mal versorgt. Tagsüber isst er nicht viel, aber Abends bringe ich ihm ebenfalls Essen und lege die Sachen für den Pflegedienst bereit, der ihm beim Waschen und Anziehen hilft.

Ich muss jetzt umdenken, organisieren und frage mich, ob ich mir Dienstreisen noch "leisten" kann. Ich arbeite Vollzeit und habe nicht die Absicht meine Arbeitszeit zu reduzieren. Mein Mann schläft jetzt bei ihm, um notfalls da zu sein, wenn mein Vater nachts mal raus muss. Wenn er aber erst aufwacht, wenn mein Vater durchs Wohnzimmer tappt, kann es doch zu spät sein und er könnte stürzen. Alte Menschen sind völlig uneigensichtig und beratungsresistent, das nervt. Vernünftige Argumente wirken nicht.

Was mit der Frau wird, steht in den Sternen. Sie wurde operiert und es geht ihr offenbar nicht sonderlich gut. Auch was ich im Internet über Hüftbrüche im hohen Alter (sie ist 82) lese, stimmt mich alles andere als zuversichtlich. Sie kann sterben, sie kann andere Krankheiten bekommen wie eine Lungenembolie oder Lungenentzündung, es kann zu Delir kommen, einem Verwirrtheitszustand und genauso gut zu Pflegebedürftigkeit.
Die Sterberate innerhalb eines Jahres ist nach solch einem Bruch nicht gering.

Nun bin ich in der Pflicht. Ich leide unter der gefühlten "Freiheitsberaubung", andererseits freue ich mich, wenn ich meinen Vater unterstützen kann und freue mich wenn er mit gutem Appetit isst. Er ist ein angenehmer Patient, friedlich und genügsam, aber all das kostet auch viel Zeit.
Ich würde mit einer Tagespflege liebäugeln, aber wenn ich ihm das vorschlage, wird er ablehnen und sogar wütend werden. Ich kann ihn ja nicht dorthin prügeln. Für ein Pflegeheim ist es zu früh, es wäre eine Katastrophe ihm sein gewohntes Umfeld zu nehmen. Er liest seine Zeitung, den Kicker, er sieht gerne fern und geht wieder sicherer als vor einiger Zeit, als er von einem längeren Krankenhausaufenthalt wieder nach Hause kam und einen Rollator brauchte. Er nimmt jetzt eine Krücke, aber auch nur, wenn er dran denkt und scheint seinen Gleichgewichstssinn wieder verbessert zu haben. Ein Pflegeheim noch dazu in einem Zweibettzimmer ist einfach eine Zumutung und immer die Endstation.

Und er will täglich seine Frau besuchen. Ich kann das nicht mit meiner Arbeitszeit vereinbaren. Heute fährt ihn mein Mann, obwohl man eigentlich zu dritt fahren müsste, weil kein Krankenhaus daran denkt, wenigstens eine Kurzhaltezone nahe beim Eingang einzurichten, wo man einen älteren Menschen mal beim Aussteigen helfen und ihn im Wartesaal zu einem Stuhl begleiten kann. Der Weg vom Parkplatz zum Eingang ist für Menschen mit Mobilitätseinschränkungen nicht machbar. Alles wird überreglementiert aber an solche Dinge denkt niemand.

Jetzt hänge ich drin, meine Schwester lebt 60 km entfernt und hängt an der Dialyse. Also keine Unterstützung von ihrer Seite erwartbar und machbar. Sie ist selbst krank.
Stattdessen ruft mich eine Tochter der Frau an und raunzt mich an, ich würde mich zu wenig um meinen Vater kümmern .... Wir beendeten das Streigespräch, indem mein Mann den Hörer nahm und ihr zuredete wie einem kranken Pferd. Das kann er gut. Was bildet sich die Schnepfe ein? .

Es hilft alles nichts, es ist wie es ist und es wird nicht besser. Zumindest nicht in absehbarer Zeit. Ich mag meinen Vater sehr, er war auch in vielem ein Vorbild für mich, ich kümmere mich auch gerne um ihn, aber die Kehrseite sind die ungewissen Zukunftsaussichten und die gefühlte "Freiheitsberaubung".

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A


Abschied durch Tod- Trauerecke

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Harry_50
Zitat von Margerite:
Es hilft alles nichts, es ist wie es ist und es wird nicht besser. Zumindest nicht in absehbarer Zeit. Ich mag meinen Vater sehr, er war auch in vielem ein Vorbild für mich, ich kümmere mich auch gerne um ihn, aber die Kehrseite sind die ungewissen Zukunftsaussichten und die gefühlte "Freiheitsberaubung".

Erkundige dich bitte mal bei der Pflegekasse, welche Hilfen du in Anspruch nehmen kannst.
Bei uns war das damals einfacher, da ich schon Rentner war. Meine Frau hatte Grad 4.

x 1 #408


M
Danke, lieber Harry, das sollte ich bald mal tun. Aber ich bin noch irgendwie im Schockzustand. Schon erstaunlich, wie sich innerhalb ganz kurzer Zeit das Leben komplett ändert.
Du hattest wohl auch dein Päckchen zu tragen. Pflegestufe vier, das ist ja noch schlimmer als bei meinem Vater. Und dennoch vermisst dann diesen Menschen.

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Harry_50
Zitat von Margerite:
Pflegestufe vier, das ist ja noch schlimmer als bei meinem Vater. Und dennoch vermisst dann diesen Menschen.

Margerite,

schau bitte mal hier:

https://www.bundesgesundheitsministeriu...e-zu-hause

x 2 #410


Waldfee47
Zitat von Margerite:
Ich mag meinen Vater sehr, er war auch in vielem ein Vorbild für mich, ich kümmere mich auch gerne um ihn, aber die Kehrseite sind die ungewissen Zukunftsaussichten und die gefühlte "Freiheitsberaubung".

Hallo Du Liebe, erst mal eine dicke Umarmung. Sehr gut, dass Dein Mann Dich unterstützt! Ich wünsche Euch viel Kraft für die veränderte Situation. Ich bin bei der Nachbarschaftshilfe, die Einsätze können mit der Pflegekasse abgerechnet werden. Je nach Pflegegrad hat er ein bestimmtes Budget. Die Betreuung ist mit Aufwandsentschädigung, stundenweise. Vielleicht wäre das für Euch eine Möglichkeit? Es könnte z.B. jemand von der Nachbarschaftshilfe (bei Euch vor Ort) mehrmals die Woche mit Deinem Vater zu Besuch ins Krankenhaus zu seiner Frau gehen. (Wahrscheinlich reicht das Budget aber nicht für Besuche jeden Tag)...
Was ist mit Sozialstation etc.? Ich ermutige Euch, Euch beraten zu lassen, was es für "niederschwellige" Angebote gibt, die Euch Entlastung verschaffen und das Gefühl der "Freiheitsberaubung" reduzieren können. Oft reichen schon ein paar Stunden um sich nicht mit der ganzen Last alleine zu fühlen. Lasst Euch auch über die "Verhinderungspflege" beraten. Viel Kraft für diese schwere Zeit und ganz viel Liebe untereinander.

x 4 #411


Charming
Ich möchte eine Kerze für

#Jette 🕯

anzünden 😔.

Ich kann die Berichterstattungen dazu nicht mehr weiter mitverfolgen.
Das macht mich so fassungslos und betroffen.
Entsetzlich was für Kreaturen auf dieser Erde leben. 🥺

x 6 #412


Ema
Zitat von Charming:
Jette

Ich wusste nicht, wer das ist und hab das gerade mal gegoogelt.

Mich macht es auch fassungslos. Ich wüsste gern, was in solchen Leuten vorgeht.
Obwohl: Eigentlich will ich es lieber nicht wissen.
Es ist einfach nur zum heulen.

Ich stell noch eine Kerze dazu 🕯

x 7 #413


Winza
🕯

x 3 #414


Harry_50
Eigentlich sollte heute der Kostenvoranschlag der Gartenbaufirma kommen. Das heißt doch bestimmt, dass die Baum/Meine Frau-Pflanzung anlegen einer Sitzfläche und mauer mit Findlingen nächste Woche. nichts wird.

Ich befürchte schon, dass die Sache nicht bis zum 19.07.2026 erledigt ist. Da ist der 1te Jahrestag. ihres Versterbens.

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GreenTara
@Harry_50
Zitat von Harry_50:
Ich befürchte schon, dass die Sache nicht bis zum 19.07.2026 erledigt ist

Du hast eine feste Vorstellung davon, wie du den Tag des großen Abschieds gedenken möchtest. Bitte mache es doch nicht von der Gartenbaufirma abhängig, wie du den Tag deiner Trauer verbringen möchtest. Du kannst doch auch einen kleinen Tisch mit Stühlen hinstellen, Kerze, Kaffee und Kekse. Oder eine Picknickdecke hinlegen. Ihre Lieblingsblumen hinstellen. Gegenstände, die sie gerne mochte. Und ihr einen Brief schreiben.
Sie wird es verstehen, wenn der Platz noch nicht so gestaltet ist. In der irdischen Existenz ist die Zeit manchmal ein Hindernis.

x 4 #416


Harry_50
Zitat von GreenTara:
Sie wird es verstehen, wenn der Platz noch nicht so gestaltet ist. In der irdischen Existenz ist die Zeit manchmal ein Hindernis.

Aber ich fühle mich wie ein Versger.

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Error
Zitat von Harry_50:
Aber ich fühle mich wie ein Versger.

Das musst Du nicht. Ist doch Blödsinn. Der Gedanke zählt und das wird Deine Frau auch so sehen, genauso wie sie es sieht, dass Du Dich selber so fertig wegen dem Baum machst. Das wollte sie bestimmt nicht. Du leidest so sehr, sie ist immer in Deinen Gedanken. Nur das zählt. Tröstender Smiley

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GreenTara
@Harry_50
Ja, weil du den Fokus auf dein Schaffen legst, und nicht auf das ehren deiner Frau.

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Waldfee47
Zitat von Harry_50:
Aber ich fühle mich wie ein Versger.

Du Armer. Lass Dich virtuell umarmen. Ich fühle mich gerade auch nicht gut. Niedergeschlagen, traurig, müde und irgendwie in der Ecke....(So viel dazu im öffentlichen Forum:)
Finde es gut, dass wir uns hier so austauschen können. Es tut gut.

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A


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