Zitat von tine131313: Mann, vielen dank für deinen tollen input. schön und schlimm genug zugleich zu lesen, dass es echt immer das gleiche langweilige muster bei affären ist. So ganz langsam blicke ich auch, dass ich nicht die berühmte ausnahme sein werde
Nein, das bist du leider nicht. Aber kein Problem. Ich schreibe die Geschichte meiner Affäre auch deshalb hin und wieder hier auf, damit ich mich selbst nochmal daran erinnere. Als Mahnung aber auch als Bestätigung, dass wir es wirklich geschafft haben, da wieder raus zu kommen. Einigen Experten hier, kommt die glaube ich schon zu den Ohren raus. Ja, ihr habt es erkannt, ich bin es wieder.
Wie gesagt, dieses Aufschreiben hilft mir, immer und immer wieder mich neu zu justieren. Inzwischen kommt mir das ganze schon halbwegs irreal vor. Wie ein Alptraum. Aber es war wahr. Und mit jedem Aufschreiben bewerte ich die Dinge neu und es fallen mir andere Details wieder ein, die ich nun endlich auch irgendwie einordnen kann. Ich glaube ich denke über das ganze noch viel mehr und intensiver nach, als mein Mann. Für ihn ist die Welt inzwischen wieder ganz in Ordnung. Vielleicht sind Männer einfach auch die besseren Verdränger.
Ich aber erinnere mich ja nicht nur an die Fakten sondern auch an meine damaligen Gemütszustände und Gedanken. Ich bin wirklich manchmal erschreckt vor mir selbst. Wie ich damals so drauf war, das hätte ich nie von mir gedacht. Aber ich habe verstanden, um welche Sehnsucht es mir eigentlich ging. Dieser Liebeskummer stand im Grunde stellvertretend für einen viel tieferen Kummer. Meine Eltern waren kurz vor der Affäre beide gestorben und ich hatte leider besonders in den letzten Jahren eine sehr schlechte Beziehung zu ihnen. Vor allem zu meinem Vater. Auch von ihm kannte ich diese "Krümelliebe". Auch bei ihm saß ich unter dem Tisch und wartete auf die Bröckchen von Liebe, die ihm ab und zu herunter fielen. Deshalb war eine Liebe, für die ich nicht kämpfen musste lange Zeit wertlos für mich.
Die Liebe, die mein Mann mir schenkte, war so selbstverständlich und leicht zu haben, dass ich sie einfach nicht würdigen konnte. Dass das genau die Eigenschaft der Liebe ist, die sie ausmacht, fiel mir nicht ein. Ich wollte kämpfen und genau das nutzte der AM. Er ließ mich um sich kämpfen und gab mir immer nur dann wieder ein paar Krümel, wenn er spürte, dass ich mich abwendete. Dabei ging es ihm perfider Weise gar nicht so sehr um mich und meine sexuelle Zuwendung. Zu aller erst ging es ihm um meine Arbeitskraft. Er war ja mein Kollege und irgendwie auch Chef und welcher Chef sagt schon nein, wenn seine Untergebene freiwillig Überstunden klotzt und noch dazu Arbeiten ihm abnimmt, zu denen sie gar nicht verpflichtet ist. Er war so dermaßen überfordert mit seinen Aufgaben, dass ihm jede Hilfe recht war. Und ich war ihm eine große Hilfe. Als er dann spürte, dass da noch mehr zu holen war, nahm er auch das.
Aber das alles führt jetzt zu weit, dass hier auszuführen.
Na ja, Tine, du merkst, du bist nicht alleine. Echt nicht! Danke, dass ich meine Geschichte hier nochmal erzählen durfte.