Martina76
Gast
Also ich sehe das ganze auch relativ entspannt und würde deine flashbacks jetzt nicht überbewerten. Ich hatte selbst mal so eine Art Affäre. Bei mir war es allerdings so, dass ich meinen Mann schon im Status der Fremdverliebtheit informiert und um die Trennung gebeten hatte. Als es dann mit dem AM (relativ schnell) zu Ende war, haben mein Mann und ich uns wieder versöhnt. Die Aufarbeitung war trotzdem sehr schwierig und hat Jahre gedauert. Auch weil ich dem AM noch sehr lange nachgetrauert habe und dachte, ich könnte nicht mit meinem Mann zusammen sein und gleichzeitig einen anderen lieben und ihm nachtrauern.
So wie du habe ich mich selbst dann sehr lange geprüft und habe sozusagen jeden Stein meiner Geschichte umgedreht um nach den Gründen für dieses "Fehlverhalten" zu forschen. Tatsächlich bin ich dabei auf viele interessante Dinge gestoßen, die schon viel zu lange unbearbeitet in mir geschwelt hatten. Dennoch waren die wohl nicht der alleinige Grund für mein damaliges Ausscheren aus der Ehe und Familie.
Fakt war einfach, dass ich damals sehr unglücklich war und mich eingeengt und überfordert fühlte. Der AM war sozusagen der Lichtschein der mich traf und mich zum aufblühen brachte. Da aber der AM eigentlich nicht an einer Beziehung mit mir interessiert war, war dieser Lichtschein trügerisch. Ich hätte das bemerken können, wäre ich nicht selbst derart bedürftig und ausgehungert gewesen. Heute weiß ich, was mir damals gefehlt hat. Heute sorge ich selbst besser für mich. Und mein Mann hat ebenfalls aus den vielen Gesprächen gelernt und unterstützt mich heute wo er kann. Das ist nicht selbstverständlich, denn ich habe ihn ja zutiefst verletzt. Umso dankbarer bin ich und umso sehr freue ich mich, dass wir inzwischen seit 6 Jahren wieder eine sehr gute Ehe auf Augenhöhe führen.
Dennoch denke ich auch heute noch oft an die Zeiten mit dem AM. Ich bin diesem Mann nicht mehr böse. Wir haben alle damals sehr viele Fehler gemacht und waren mit der Gesamtsituation überfordert. An einige Situationen kann ich mich daher inzwischen mit einem Schmunzeln erinnern. Wir waren wie die Kinder damals und haben viele Verrücktheiten gemacht, die andere wohl nur aus ihrer Jugend kennen. Insofern habe ich damals wohl auch ein bisschen Teenie-Zeit nachgeholt, die ich aufgrund familiärer Probleme so niemals hatte.
Jedenfalls gehören auch diese Erinnerungen nun zu mir und zu meinem Leben. Natürlich binde ich das meinem Mann nicht auf die Nase, da ich ihn ja liebe und nicht mehr verletzen will. Aber die Gedanken sind doch frei! Warum sollte ich sie verdrängen und mir selbst verbieten? Neben aller Tragik gab es ja auch schöne Momente, an die ich gerne zurück denke. Und damit meine ich nicht unbedingt nur den Sex. Dabei habe ich gelernt, die Gedanken ebenfalls kommen und gehen zu lassen. Sie sind nicht mehr als eine sexuelle Phantasie, die eben manchmal einfach passiert. Allerdings kommt das inzwischen nur noch selten vor, dass ich im intimen Zusammensein mit meinem Mann an den AM denken muss. Eigentlich fast gar nicht mehr, wenn ich es mir so recht überlege. Die Zeit spielt da wohl eine große Rolle.
Jedenfalls würde ich dir raten, dich nicht dagegen zu wehren und auch kein schlechtes Gewissen zu hegen, wenn solche Flashbacks passieren. Deine Affärenzeit gehört eben jetzt zu deiner Vergangenheit. Und wie immer im Leben wird nicht alles nur schlecht gewesen sein. Verbiete dir selbst nicht deine Erinnerungen. Wichtig ist nur, dass du sie richtig bewertest: nämlich als Teil der Vergangenheit und somit abgeschlossen. Wenn du das tun kannst, ist doch alles in bester Ordnung.
Kein Grund sich selbst zu verurteilen und zu verdammen. Das tun andere schon für dich. So lange dein Mann dich trotz allem will und liebt, ist es doch gut. Sei ein bisschen gnädig mit dir selbst. Dein Mann hat dir verziehen! Also darfst du dir selbst nun endlich auch verzeihen!
Alles Gute!
Wenn es so wäre könnte sie gehen 


