Zitat von paulaner: Du vergisst etwas ganz Wichtiges in deinen langen Ausführungen über Regeln und Moral: die Individualität.
Wenn meine Partnerin etwas tut, von dem sie ganz genau weiß, dass es mich stören oder verletzen würde, dann finde ich das weder nett noch respektvoll.
Und es ist dabei ziemlich egal, was das ist.
Mich erinnert das ein wenig an die "vulnerablen Gruppen", die in den letzten Jahren plötzlich argumentativ aus dem Boden geschossen sind.
(Auf die Individualität habe ich eben gerade nicht vergessen, und die spreche ich eben auch der TE zu.)
Das heißt also, man müsse auf alle möglichen Verletzlichkeiten Rücksicht nehmen, wenn ich das richtig verstehe. Und wenn Du das für Dich in Anspruch nimmst, wirst ja auch Du selber Dich daran halten.
Dann kann ich nur für Dich hoffen, dass Dich das Schicksal nie mit einer Frau liiert, die es verletzt, wenn Du mit jemandem telefonierst, Freunde hast und auch triffst, vielleicht noch guten Kontakt zu einer Ex hast, gerne mal auch alleine spazieren gehst oder Sport machst oder sonst etwas unternimmst, nicht 24/7 für sie da bist, Du mitunter zockst oder einen Film guckst, Du auch ein wenig Privatsphäre haben willst und sie nicht täglich Dein Handy untersuchen lässt usw. (es gibt ja fast mehr Verletzungsgründe als Verletzungsmögichkeiten).
Ich sehe das jedenfalls gerade umgekehrt als Du: Wenn jemand da oder dort gröbere Verletzlichkeiten aufweist, dann soll er sich von den entsprechenden Gebieten ganz einfach fernhalten. Niemand ist doch gezwungen, eine Beziehung einzugehen, wenn ihm das Verhalten eines anderen Menschen dermaßen zusetzen kann, dass es ihn geradezu zerlegt. (Übrigens kann doch auch eine Offenbarung und das Aussprechen der Trennung verletzen, oder nicht?)
Wenn jemand etwa ab einer Seehöhe von 1000 Meter Blutzersetzung bekommt, dann wird er wohl kaum ernsthaft verlangen können, dass niemand mehr diese Höhe überschreiten, nur weil das für ihn zu gefährlich ist. Das wäre dann nämlich egoistisch hoch zehn. Wie es eben auch egoistisch ist, noch dazu auf eine wirklich hinterhältige Weise, wenn jemand erwartet oder verlangt, dass auf alle seine Verletztlichkeiten Rücksicht genommen wird. (Was auch Unsinn in eigener Sache wäre - denn selbst, wenn er einen Partner finden sollte, der sich auf diese Weise zum dressierten Hauspudel machen lässt, so wird das Leben insgesamt auf seine Empfindlichkeiten und Befindlichkeiten keine Rücksicht nehmen.)
Ich wünsche es Dir wirklich nicht, aber glaube mir, würde Dich das Leben ein paarmal so richtig existenziell durch die Mangel drehen, dann würden sich Deine Ansichten sehr schnell sehr gründlich ändern und diese sonderbare sexuelle Treue, auf die man offenbar eine Art Rechtsanspruch zu haben meint wegen seiner diesbezüglichen Verletztbarkeit, würde Dir mit einem Mal zu jener Trivialität, die sie auch ist.